Ausgabe 
(23.11.1932) Nr. 263
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ssDrahtbericht unserer Berliner Schristltg.)

Berlin, 23. November. Der vertrauliche iLharakter der Verhandbmngen des Führers der deutschen Freiheitsbewegung mit dem Reichspräsidenten von Hindenburg bringt es inaturgemäß mit sich, baß Quertreiber und Intriganten mit größeren Ersolgsaussichten Vn ihre schmutzige Arbeit gehen können.

Wir haben es in den letzten Tagen abge­lehnt, uns mit dieser: Kombinationen zu beschäftigen und wir werden diese selbst­verständliche Disziplin auch weiterhin be-

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vbachten. Der Entscheid liegt einzig und allein beim Führer und ehe der Führer nicht gesprochen hat, sehen wir weder Grund, noch Anlaß, uns mit den Einzelheiten des augenblicklichen Geschehens zu besassen.

Interessenten haben durch Indiskretionen an die Öffentlichkeit gedrungene Einzelhei­ten dazu benutzt, um Verwirrung und Un­sicherheit in das deutsche Volk zu tragen.

Zum Beweis, daß diese Unsicherheit und Nervosität in keiner Weise gerechtfertigt ist, braucht man ja nur darauf hinzuweisen, daß wirkliche Entscheidungen noch in keiner Weise gefallen sind. Man ist dabei, das Dcrfeld zu sondieren und daß diese Not­wendige Arbeit solange Zeit in Anspruch nimmt, das ist nicht die Schuld der beiden für diese Verhandlungen einzig und allein zuständigen Männer, sonder« die Schuld jener Leute, die ueidvoll ansehen mußten, daß zwischen dem durch den Reichspräsiden­ten von Hindenburg verkörperten alten Deutschland und dem neuen Deutschland Adolf Hitlers eine Annäherung anbahnte.

Der Führer der deutschen Freiheitsbewe­gung ist heute wie immer bereit, einen klare» und unzweideutigen Auftrag anzunehmen. In einer gewissen Presse wird dauernd die Behauptung aufgestellt, daß der Auftrag Hindenburgs an den Führer an Klarheit nichts zu wünschen übrig lasse. Dem ist nicht so. Und gerade der Umstand, daß diese Kreise immer und immer wieder die Klarheit festgestellt wissen wollen, ist uns der Beweis, daß man hier bereits alle Vor­bereitungen dazu trifft, um einen 13. August zu wiederholen.

Das darf und das kann es nicht geben! Jeder wird, wenn er dazu aufgefordert ist, in einem Zimmer Platz zu nehmen, sich auf einen der Stühle setzen, er wird aber einer noch so freundlichen Aufforderung, sich zwi­schen die Sessel auf den Boden zu setzen, keinesfalls Folge leisten.

In hiesigen politischen Kreisen ist in den letzten Stunden viel davon gesprochen wor­den, daß gewisse der Regierung nachtrauernde Kreise den Auftrag an den Führer der deut­schen Freiheitsbewegung so formuliert haben möchten, daß das Scheitern des Auftrages u'cht nur wahrscheinlich, sondern absolut sicher ist. Es ist gar nicht so selbstverständ­lich, wie es ein sehr wandelbares Berliner

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Der zurzeit in Berlin weilende Chefredakteur der „Rorbwepdentschen Zeitung", Bremcrhaven, drahtet seinem Blatt eine Unterredung mit dem früheren Reichsbankpräsidenten Dr. Schacht. Die erste Frage des Journalisten lautete, ob Schacht nicht Reichskanzler werden wolle. Die Antwort: „Es gibt nur einen, der heute Reichskanzler werden kann, und Las ist Adolf Hitler." „Wird Adolf Hitler aus die Bedingungen ein­gehen, die man ihm bei der Übertragung der Mißion auferlegte?", war die zweite Frage. Dr. Schacht antwortete:

„Man darf einem Mann, der eine große Aas- gabe und damit eine große Verantwortung über­nimmt, diese Ausgabe nicht durch Bedingungen einschränke« — hinsichtlich der anzuwendende« Methoden." — „Bei Gelegenheit", fuhr Schacht fort, „bitte ich Sie, folgendes z« publizieren: Hitler hat am 13. August nicht gesagt: Ich will die ganze Macht, sonder«, er hat gesagt: Ich will die ganze Verantwortung. Wird Hitler jetzt nicht Kanzler, dann wird « es in vier Monaten. Er kann warten."

Nach Währungsfragen interviewt, erklärte Schacht: „Irgendwelche Befürchtungen hinsichtlich eines Abgleitens der Währung brauchen so lange nicht gehegt zu werden, als der Zahlungsverkehr mit dem Ausland von hoher Hand geregelt wird. Es wird also alles darauf ankommen, den De- visenverkehr nicht eher wieder freizugeben, als bis durch eine ausgeglichene Zahlungsbilanz die Mark ihre Parität bewahren kann, auch bei freiem internationalem Zahlungsverkehr."

Der Schluß der Unterredung galt der Lage in Italien. „Die Stimmung in Rom ist", so be­tonte Schacht, „hinsichtlich der eigenen Wirtschafts­lage deshalb nicht ungünstig, weil erstens die Erfolge in der vermehrten Erzeugung der agrarischen Produkte ganz außerordentlich gut find, und zweitens, die Spartätigkeit der Bevölke­rung ist sehr erheblich und ermöglicht deshalb eine große Menge Arbeiten, wie Straßenbauten, Meliorationen usw. auszuführen, die insbesondere einer großen Zahl von Handarbeitern Beschäfti­gung bieten. Außenpolitisch kann für Italien hinsichtlich Deutschlands nur der eine Wunsch be­stehen, daß hier ein möglichst stabiles nationales Kabinett regiert."

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TU Berlin, 22. Nov. In unterrichteten politischen Kreisen hatte man am Dienstag abend den Eindruck, daß eine endgültige Ent­scheidung möglicherweise auch am Mittwoch «och nicht erfolgen werde, da man sich noch immer im Stadium der Vor­fragen befinde, wie der Antrag des Reichs­präsidenten an Adolf Hitler für die Regie- ruugspraxis eigentlich gedacht sei.

Selbst wenn also Hitler am Mittwoch den Auftrag im Sinne einer parlamentarischen Mehrheitsbildung als undurchführbar ablehnen würde, könnte dies in einer Form geschehen, die die Kandidatur Hitlers für den Retchskanzlerposten noch keines­wegs erledigt, es sei denn, daß sich der Reichspräsident anders entschiede. So meint die „Germania", daß die Beratungen eine deutliche Entwicklung von dem par­lamentarischen zum Präsidial- kabinett zeigten. Man müßte die Antwort des Staatssekretärs Meißner in vollem Wort­laut kennen, um eindeutig feststellen zu können, ob diesem Bestreben der nationalsozialistischen Führung Entgegenkommen gezeigt werde.

'In den gleichen Kreisen nehme man an, daß

Blatt darstellt, „wenn zu Beginn einer Re­gierungsbildung gewisse Grenzen gezogen werden", wenigstens dann nicht, wenn diese Grenzen verschwommen und nicht scharf ab­gezeichnet sind. Selbst das Berliner Tage­blatt ist der Ansicht, daß in den Vorbehalten, die man dem Führer der deutschen Frei­heitsbewegung machen möchte, präsidiale und parlamentarische Gesichtspunkte" ver­mengt sind. Das Blatt der Christlichen Ge­werkschaften, „Der Deutsche", beschäftigt sich sehr eingehend mit der politischen Lage und bringt Ausführungen, die man auch dann, wenn man sie sich nicht zu eigen macht, als beachtliche Zeichen für die augenblickliche

Hitler zwar den parlamentarischen Versuch ab­lehne, aber seine Partei für ein Präsidial- kabinett unter seiner Führung zur Verfügung stelle.

Die „Tägliche Rundschau" hält bereits für feststehend, daß eine reine parlamentarische Kri- senlösung für die Nationalsozialisten nicht in Frage kommme, ohne daß damit gesagt werden könne, daß die von manchen Kreisen für mög­lich gehaltene Wiederkehr von Papens schon in den Bereich der Wahrscheinlichkeit gerückt sei. Das Blatt unterstellt Wetter Herrn von Papen eine gewisse Urheberschaft an den Hitler gestellten Bedingungen; man Wolle aus diese Weise die Nationalsozia­listen aus ein Gleis manövrieren, dessen entscheidende Weichen man selber besetzt halte, um bei Gelegenheit den notdürftig zusammcuge kop­pelten Aug zum Entgleisen zu bringen.

Im Gegensatz dazu sagt die „D. A. Z.", daß die ganze Frage falsch gestellt sei, wenn man den Nationalsozialisten einrede, sie sollten in eine „Falle" gelockt werde«. Das Beispiel des Kabinetts Brüning lehre — und damit deutet

das Blatt den Inhalt der 'Antwort Meitzners an Wolf Hitler an — daß auch ein von parla­mentarischer Grundlage ausgegangenes Kabi­nett bei entsprechendem Vertrauen des Reichs­präsidenten in die Lage versetzt Werden könne, sich des Artikels 43 z« bedienen, wenn den Reichstag versage und keine andere Möglichkeit übrig bliebe. Das Blatt fordert weiter von den Faktoren der Rechten, wie von den amtliche« Persönlichkeiten unterallen Umständen ehrliches Spiel mit Hitler.

Der „Tag" berichtet, daß in den kritisieren­den Gegenfragen Hitlers cm Meißner gegen die Bedingung der Beibehaltung des Wirt- schaftspwgramms entsprechend der bisherigen Notverordnung nichts eingewendet worden sei. Im übrigen verzeichnen die Blätter zwischen­durch erfolgte Fühlungnahme zwischen Du Schacht und Dr. Hugenberg sowie seitens der Nationalsozialisten mit dem Zentrum. Der „Tag" meldet darüber hinaus, daß der Herzog von Coburg und Gotha in Berlin eingetroffen sei, um eine Vermittlung zwischen National­sozialisten, Deutschnationalen und Stahlhelm aufzunehmen.

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Berlin, 23. November. (Drahtbcricht «. Bert. Schriftltg.). Tag für Tag stauen sich jetzt aus dem sonst so stillen Wtlhelmsplatz die Massen. Viele stehen Stunden um Stunde«, beseelt von dem Wunsch, nur einmal den Füh­rer, nur einmal Adolf Hitler zn sehen.

Auch gestern standen vom frühen Morgen Ms hinein tn die Nacht dichte Menschenmauern vor dem Kaiserhof. Die Polizei hatte diesmal strenge Absperrungsmäßn ahmen vorgenommen, direkt vor das Hotel selbst gelangte man nur bewaffnet mit dem polizeilichen Presseausweis. Die Menge verhielt sich, wie sckon in den letzten beiden Tagen, äußerst diszipliniert. Wenn irgend ein: der maßgebenden national­sozialistischen Persönlichkeiten das Hotel be­trat oder verließ, ertönten stürmische Heil- Hitler-Rnfe, das Deutschland-Lied ister das Horst-Wessel-Lted wurde spontan von der Masse angestimmt.

Besonders jubelnd wurde am Abend der Führer begrüßt, der sich im Kraftwagen in die Staatsopcr zn einer Aufführung von Wagners Meistersingern begab. Die Polizei war höf­lich und diensteifrig. Ein Flitzer der Schupo begleitete den Wagen des Führers auf der ganzen Fahrt. Ueberall, wo man den Führer erkannte, erhoben sich grüßend die Arme und ertönten die Rufe der deutschen Freiheits­bewegung.

Es gibt keinen Mann in ganz Deutschland, der sich so großer Liebe, so großer Zunei­gung erfreut, wie Adokf Hitler. Jeder kennt ihn, jeder grüßt ihn und überall blicken Männer und Frauen aller Stände und aller Schichten Voll unendlichen Vertrauens zn ihm auf.

Situation anführen kann. Das Blatt schreibt: „Ueber die verfassungsmäßige Kompetenz des Reichspräsidenten hinaus aber gehen ohne alle Frage die Bedingungen, die 'Hindenburg Hitler gestellt hat. DieRicht- linien bestimmt nach' der Verfassung der Reichskanzler. Es steht dem Reichspräsi­denten nicht z«, die Richtlinien der Politik Papen einer neue« Regierung aufzuzwin- gen. Die Notverordnungen Papens z. B., die so verheerend in das Lohn- und Tarif­system und in die ganze Sozialpolitik ein­greifen, wird kein Reichstag, er mag zu­sammengesetzt sein, wie er will, billigen können. Ebenso unannehmbar ist die For­

derung des Reichspräsidenten, der Reichs­tag dürfe keinerlei Einschränkung des Ar­tikels 48 beschließen. Die Entscheidung darüber steht weder dem Reichspräsidenten^ noch einer Neichsregierung zu, sie ist alleich Sache des Reichstages, der mit zwei Drit­tel Mehrheit das Recht hat, die Verfaß sung zu ändern." ^ ^

Zur Beurteilung der Pläne gewisser Kreitz sind vielleicht die Ausführungen des liner Börfenkuriers" dienlich. Das Blatt meint, daß nach einem eventuellen Scheitert der Verhandlungen Hitlers mit Hindenburg Hindenburg „nichts anderes übrig blöibe^ als an dem bisherigen Kabinett festzuhalten»