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Berlin, 17. Nov. Das Kabinett trat am Donnerstag nm 11 Uhr vormittags zn seiner Sitzung zusammen, um den Bericht des Reichskanzlers über seine Besprechungen Mit den Parteiführern entgegenzunehmen Und über sein eigenes weiteres Verhalten schlüssig zu werden.
Die Antwort Adolf Hitlers war mittags su Berlin eingetroffen.
Infolge der Verzögerung der Antwort begann die Kabinettssitzung später als vorgesehen.
Die Kabinettssitzung dauerte bis gegen 13.45 Uhr. Entgegen den Erwartungen war der Beschluß über den Gesamtrücktritt des Kabinetts nicht gefaßt worden.
Der Reichskanzler suchte dann den Reichspräsidenten am Nachmittag «m 17 Uhr zu der vorgesehe n:: Aussprache über die innerpolitische Lage auf, bei der Hindenbnrg dann den Gesamtrücktritt des Kabinetts Papen annahm.
Noch ist alles in Fluß. Aber die ersten Konturen einer neuen Entwicklung beginnen sich abzuzeichnen.
Die Entscheidung über die weitere Entwicklung der innenpolitischen Verhältnisse ist nach dem Rücktritt des Kabinetts von Papen nunmehr in die Hände des Reichspräsidenten und der führenden Politiker übergegangen. Der Reichspräsident hat zunächst eine Anzahl Parteiführer zu sich gebeten, um mit ihnen in den nächsten Tagen Einzelbesprechungen abhalten zu können. Diese Besprechungen sollen aber noch keinen endgültigen Charakter haben. Sie dienen dem Zweck, den Reichspräsidenten über die Auffassung der Parteiführer zu unterrichten. Reichspräsident von Hindenburg legt Wert darauf, daß die eingeladenen Parteiführer nach Abschluß der Besprechungen zunächst in Berlin l leiben, um auch untereinander Fühlung zu nehmen, damit sie in der nächsten Woche dem Reichspräsidenten bestimmte Vorschläge machen können, die nicht nur die Pcrsonenfrage umfassen sollen, sondern vor allen Dingen auch das wirtschaftliche und politische Programm, das nach Ansicht der Parteiführer durchzuführen wäre.
Für den heutigen Freitag sind zunächst Hugenberg für die Deutschnationalen, Kaas für das Zentrum und Dingeldey für die Deutsche Vslkspartei zu Einzelbesprechungen eingeladen. Für Sonnabend sind Adolf Hitler, und für die Bayerische Volkspartei Staatsrat Schäfser zur Unterredung mit dem Reichspräsidenten nach Berlin gebeten worden. Eine Antwort der beiden Letztgenannten liegt natürlich noch nicht vor.
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Die an den Verhandlungen teilnehmenden Herren werden gebeten, nichts mitzuteilen, bis ein Ergebnis vorliegt. In Berliner politischen Kreisen nimmt man an, daß die oben beschriebenen Besprechungen etwa Mitte nächster Woche abgeschlossen sein können- Dann werden voraussichtlich Vorschlage für weitere abschließende Besprechungen gemacht werden.
,, Die sur Freitag und Sonnabend borgest jsehenen Einzelbesprechungen der Parteiführer beim Reichspräsident«» von Hindenburg
gehen, wie verlautet, lediglich in Anwesenheit des Staatssekretärs Meißner vor sich.
Reichsaußenminister von Neurath wird sich Ende der Woche, wie vorgesehen, nach
Genf bezcben, wo in'der kommenden Woche über Fragen, die für Deutschlands Zukunft von größter Bedeutung sind, wichtige Verhandlungen stattfinden werden.
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Berlin, 17. Nov. Amtlich wird mitgeteilt:
Der Reiskanzler erstattete am Donnerstag dem Reichspräsidenten Bericht über das Ergebnis der Besprechungen, die er im Auftrage des Reichspräsidenten mit den Parteiführern zur Eezielung einer möglichst breiten nationalen Konzentration gepflogen hat. Während die Deutschnationale Volkspariei, die Deutsche Volkspartei und die Bayerische Volkspartei auf dem Standpunkt stehen, daß sie jede solche Konzentration begrüßen, die die Arbeit der Reichsrcgierung zu erleichtern in der Lage sein würde, hat der Führer der Zentrumspartei der Ansicht Ausdruck gegeben, daß ihm Führung und Zusammensetzung des gegenwärtige» Kabinetts nicht geeignet erscheine, den Zusammenschluß dieser Kräfte sicherzustellen. Die SPD. hat den Wunsch des Kanzlers z» einer Unterhaltung über die Mitarbeit in einer nationalen Notgemeinschaft schroff abgelehnt. Die NSDAP. hat mitgeteilt, daß sie nur unter gewissen Vorbedingungen zu schriftlichen Verhandlungen bereit sei, wobei sie es von vornherein ablehnt, das von der Reichsre
gierung in Angriff genommene politische and wirtschaftliche Programm zu unterstützen.
In dieser Lage glaubte die Reichsregierung, die unter Einsatz aller ihrer Kräfte versucht hat, den ihr vom Reichspräsidenten am 1. Juni erteilten Auftrag auszuführen, in bestem vaterländischen Interesse zu handeln, wenn sie ihn heute in die Hände des Reichspräsidenten zurücklegt. Sie handelt dabei — ohne den Grundsatz autoritärer Staatsführung preiszugeben — nach dem von ihr schon vielfach ausgesprochenen Prinzip, daß Rücksichten auf Personen in dieser so ernsten Stunde keinen Raum haben können. Sie wünscht, dem Reichspräsidenten den Weg völlig freizumachen, damit er als Führer der Nation und gestützt auf die hohe Autorität seines Amtes die Zusammenfassung aller wahrhaft nationalen Kräfte herbeiführen möge, die allein den Weg der deutschen Zukunft sichern kann.
Der Reichspräsident nahm den Rücktritt der Reichsregiernng entgegen und beauftragte das Kabinett mit der Wetterführung der Geschäfte.
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SnoKdsli'isds spkisi'sn iin»sn Huskpitt
(Drahtbericht und Berliner Schriftl.)
Berlin, 17. November.
Was zunächst nicht wahrscheinlich schien, ist nun doch Tatsache geworden. Die geschlossene Mitglieder-Versammlung der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels ist nach fünfstündigem stürmischem Verlaus mit dem Ergebnis beendet worden, daß der Verband deutscher Waren- und Kaufhäuser seinen Austritt erklär t hat. Der Verband der Filialgeschäste des Lebensmittelhandels und der Verband der Einheitspreisgeschäfte werden sich dem Warenhaus- verband wahrscheinlich anschließen.
In der Versammlung wurde zunächst über den bekannten Antrag der sogenannten „Frankfurter Front" abgestimmt, der das Ausscheiden der Großbetriebe aus der Hauptgemsinschast forderte. Der Antrag wurde mit 128 gegen 85 Stimmen bet 2 Enthaltungen abgelehnt. Damit hatte es zunächst den Anschein, als wenn der Konflikt beseitigt sei. Als aber dann ein Antrag gestellt wurde, der die Befürwortung einer erhöhten Steuer für Großbetriebe und Filialbetriebe forderte, ergab sich Lei der Abstimmung eine Mehrheit von 134 Stimmen für diesen Antrag, während nur 71 Stimmen ihn ablehnten.
Später wurde dann bekannt, daß der Verband deutscher Waren- und Kaufhäuserr seinen Austritt aus der Hauptgemeinschaft des deutschen Einzelhandels erklärt hat.
Damit ist endlich die begrüßenswerte Trennung der Großbetriebe und der Klein- und Mittelbetriebe, des.Einzelhandels voll
zogen worden. Die Klein- und Mittelbetriebe des Einzelhandels haben mit Recht betont, daß sie mit den Großbetrieben und ihren Verbänden keine gemeinsamen Interessen haben. Im praktischen Leben ist es doch tatsächlich so, daß die jüdischen Warenhäuser, Filial-Betriebe und Einheitspreisgeschäfte in rücksichtslosem Konkurrenzkampf den selbständigen Kaufmann kaputt machen. Wenn sich die Verbände der kleineren und mittleren Ladengeschäfte endlich zu energischem Vorgehen aufgerafft haben, und wenn sie nun endlich auch einen Erfolg für sich verbuchen können, so kann man sie und die deutsche Wirtschaft dazu nur beglückwünschen.
Am Tage der Abstimmung in der Hauptgemeinschaft konnte man in den Tageszeitungen vom Warenhaus-Verband verbreitete Aufstellungen lesen, nach denen die Umsätze der Warenhäuser ebenso stark zurückgegangen sein sollen, wie die des gesamten Einzelhandels. Leider strafen schon die angegebenen Ziffern die Behauptungen Lügen. Im Einzelhandel insgesamt betrugen nämlich (1925, als Meßzahl IM zugrundegelegt) die Umsätze 1929: 123; 1930: 113 Md 1931: 98. Beiden Warenhäusern sind in der gleichen Zeit die Umsätze von 127 auf 119 und auf 101,5 zurückgegangen. Der Anteil der Unkosten am Umsatz ist bei den Warenhäusern im Jahre 1931 um 3 v. H. gestiegen, während die Steigerung bei allen anderen Einzelhandelsbetrieben im gleichen Jahre 9,5 v. H. ausmacht. Diese Zahlen beweisen deutlich, wieviel leichter den Warenhäusern der. KonkunenLkampL Lallt.
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Als gestern abend sich mit Windeseile die Nachricht in der Stadt verbreitete, das Kabinett Papen sei zurückgetreten, da setzte überall sofort ein neues Hoffen und Ermatten ein, denn nun schienen ja die Wege für die Neuordnung von Staat und Wirtschaft frei zu sein. Nur allzuviele erinnerten sich mit nachklingender Erbitterung, wie ihnen Wochen und Monate hindurch Rundfunk und Schünemannpresse das Kabinett Papen, den autoritären Kanzler als das letzte große Wunder deutscher Auferstehung verkündet hatten. Es siel ihnen ein, daß Rentenkürzung und Lohnabbau damit begründet wurden, daß Papen nunmehr die Wirtschaft ankurble und erst vor ganz wenigen Tagen hat einer der jetzt verschwundenen Minister noch von der großen Belebung der deutschen Wirtschaft gesprochen. Der Spuk ist zerplatzt, die Trümmer sind geblieben.
So verlockend es auch ist, wäre es zur Stunde müßig, zu erwägen, wer Kanzler werden nnd wie das neue Kabinett sich zusammensetzen wird. Wichtiger ist es in solchen Augenblicken, sich wieder das Grundsätzliche vor Augen zu halten, aus dem heraus auch die Entscheidungen für die Zukunft gefällt werden muffen.
Wir haben Papen nicht aus persönlichen Gründen zu Fall gebracht, sondern, weil wir sein wirtschaftliches Programm für verhängnisvoll hielten und das Programm war verhängnisvoll, weil es aus einer Zeit und einem Geist geboren war, der
UNSERS 2Q. im IksmZiN
In den letzten sechs Wochen hatte die schleft- sche SA fünf Tote und 207 Schwerverletzte M beklagen, ungezählt die zahllosen Leichtverletzten.
Wie diese schlesische SA wuchs und wurde, wie sie die Menschen gewann, die heute in un- erbitterlichem Ringen in vorderster Front stehen, das schildert unser neuer Roman: „Ein Trupp SA" von W. Glaser, mit dessen Abdruck wir in den nächsten Tagen beginnen.
mit dem jungen Deutschland nichts anzusaugen weiß und den wir mit Keulen totschlagen müssen, ehe wir mit dem Neubau beginnen können. Damit dürfte auch der Kernpunkt der kommenden Re- gierungsverhandlungen angedeutet sein. Die bisherige Papen-, frühere Systempresse, ohne weltanschauliche Substanz, mag heute schon wieder prophezeien und intrigieren, nachdem sie eben eine vernichtende Ohrfeige erhalten hat, die sie nur deshalb nicht schmerzt, weil sie sie gewöhnt ist. Wir erinnern uns dabei an Ausführungen des deutschnationalen Spitzenkandidaten Hintzmann in Bremen, in denen er die weltanschauliche Grundlage politischen Denkens bestritt und stattdeflen von politischen Realitäten sprach. Nun, die Realität Papen ist schneller geplatzt, als wir dachten, geblieben ist der weltanschauliche Gegensatz, der uns von „patriotischen" Liberalisten genau so weit trennt wie von den marxistischen.
Gerade weil wir von einer weltanschaulichen Basis aus denken, vermögen wir im Gegensatz zu den tagespolitischen Schwätzern die politische Ge- samtentwicklung richtig zu beurteilen. Wie wurde unser Führer beschimpft, als er am 13. August sich weigerte, in dieses Kabinett der Unzulänglichkeiten einzutreten und wer will heute bestreiten, daß Hitler richtig gehandelt hat? Und wieviel Stim» men würden wohl die Deutschnationalen erhalten haben, wenn Papen statt am 17. am 5. November