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Berlin, 17. November. Die seit Tagen über Deutschland lastende Politische Hochspannung scheint sich zu lösen. Herr von Papen,der in den letzten Tag>en schon bedeutend weniger zuversichtlich war nnd sich bei Fasanen-Jagdcn Trost zu holen versuchte, hat gestern abend plötzlich unerwartet die mit viel Pomp angekündigten Besuche der Länder abgesagt. Begründet wird dieser Aufsehen erregende Schritt mit dem Wunsche des Herrn von Papen „eine Klärung der politischen" Lage abzuwarten.
Ueber die Vorgeschichte dieses Entschlusses erfahren wir folgende interessante Einzelheiten:
Es war in eingeweihten Kreisen seit langem kein Geheimnis mehr, daß das Betrauen des Reichspräsidenten zum Kabinett von Papen und zur Person des Herrn von Papen besonders immer mehr geschwuuden rvar. Die Hoffnungen, die gewissenlose Einbläser auch bei dem Reichspräsidenten für das System Papen zu erwecken verstanden hatten, mußten nach der immer stärker werbenden Zuspitzung der Lage auch beim Reichspräsidenten die Erkenntnis auskommen lassen, daß ein Fortbestand des Kabinetts von Papen eine Gefahr für Deutschland bedeuten würde.
Die Empfänge ,die gestern beim Reichskanzler von Papen stattfanden, zeitigten das erwartete Ergebnis. Lediglich die vollkommen bedeutungslose Deutsche Volkspartei erklärte sich zur Mitarbeit bereit, währenddie Parteien, die sich auf breiteste Volksschichten stützen, eine Mitwirkung in jeder Form ablehnten.
Wie wir hören, dürfte für die überraschend schnelle Entwicklung besonders die Tatsache ausschlaggebend gewesen sein, daß die größte deutsche Bewegung, der Nationalsozialismus Adolf Hitlers, aus sachlichen Gründen und um der Zukunft Deutschlands willen jede Mitarbeit au dem Kabinett der Papen und Gahl abgelehnt hatte.
Am Reichspräsidenten-Palais scheint man sich bewußt geworden zu sein, daß die furchtbar ernste Lage Deutschlands es nicht zuläßt, daß die größte deutsche Freiheitsbewegung an der verantwortlichen Führung des deutschen Staates aus kleinlichen persönlichen und egoistischen Gründen gehindert wird.
Besonders das restlose Versagen des mit so viel Reklame heransgebrachte« Wirt- schastsprogramms des Systems Papeu- Gahl und die dadurch vervrsachte erneute und unerträgliche Verschärfung der sozialen und politischen Spannungen in Deutschland
dürsten dem Reichspräsidenten von Hinden- burg Anlaß gewesen zu sein, dem Mann und dem System das Vertrauen zu entziehen, die sich dieses Vertrauens in keiner Beziehung würdig erwiesen hatten.
In eingeweihten politischen Kreisen rechnet man nnt dem unmittelbar bevorfbeherchen Rücktritt des Kabinetts von Papen.' Es ist bezeichnend, daß man selbst in der Regierung nahestehenden. Kreisen resigniert, die
Tatsache eines unmittelbar bevorstehenden Rücktritts zugibt. Im Rcgierungslager herrscht tiefste Niedergeschlagenheit. Man hatte geglaubt, in kühnem Parsorce-Ritt den Sik^g erringen zu können und mußte zu der bitteren Erkenntnis kommen, daß die letzte entscheidende Hürde der Sprung über den Volks willen, selbst für ein geübtes Pferd und einen geübten Retter zu schwer war.
Nach' unseren Informationen wird der Herr Reichspräsident vielleicht schon auf diese Weise die Initiative ergreifen und die Männer zu sich rufen, die i» allererster Linie fachlich und moralisch berechtigt sind, in letzter Minute den Aufbau Deutschlaichs in Angriff zu nahmen. Der Reichspräsident wird in allererster Linie den Führer der größten deutschen Pewcgung, zu dem der größte und beste Teil des deutsche» Volkes voll gläubigen Vertrauens aufschaut, zn sich bitten. Daß sich nicht noch einmal die skandalösen Zustände des 13. August wiederholen, dafür wird dadurch gesorgt werden müssen, daß die Einflußnahme politischer Hasardeure auf die deutsche Politik ein für alle Mal ausgeschaltet wird.
Von schicksalhafter Bedeutung wird zu dieser Stunde
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der wir folgende Grundsätze entnehmen:
Ewig ist das Volk und sein Recht auf Lebe», Arbeit und natürliches Auskomme».
Dieses aus Willen zum Leben in schwerster Not, zeit geborene neue Denken in Staat, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft ist der Nationalsozialismus, entstanden im Erleben des Weltkrieges, der die größte soziale Umwälzung aller Zeiten war, geformt nicht von einem Angehörigen früherer herrschender Klaffen, sondern von dem aus dem unverbrauchten Volk kommenden namenlosen Gefreiten des großen Krieges, Adolf Hitler.
Was ist für Deutschland gewonnen worden, als man den 13. August so startete, wie er ver- lief?
Was ist für Deutschland gewonnen worden, als man durch Notverordnung und Renienkürzung
Berlin, 17. Nov. (Drahtbericht unserer Berliner Schristl.)
Wie von gut unterrichteter Seite beriet, wird der Reichskanzler von Papen noch im Laufe der Nacht die Mitglieder des Neichskabinetts für Donnerstag vormittag zu einer Kakinettssitzung zusammenrufen, die sich mit der neuen innerpolitischen Lage zu befassen haben wird.
Der Regierung nahestehende Kreise wollen wissen, daß berestts in der heutigen Kabinettsitzung -er Rücktrittsbeschluß gefaßt werden wird.
Amtlich Wird mitgeteilt:
„Der Reichskanzler hat sich veranlaßt gesehen, die von ihm geplanten Besuche in Stuttgart, Karlsruhe und Darmstadt abzusagen, da er nach dem Ergebnis der heutigen Parteistihrerbesprechungen es für richtiger hält, «ine Klärung der politischen Lage abzuwarten."
den Sinn der Wahl vom 31. Juli so verfälschte, der Wahl, die ein Fanal hätte werden können?
Was ist für Deutschland gewonnen worden, als Herr von Papen die sinnlose Wahl vom L. November festsetzte?
Was ist für Deutschland gewonnen worden, als man den Nationalsozialisten 35 Mandate abnahm und die Kommunisten auf 100 geradezu planmäßig hinaufschraubte?
Was wird für Deutschland gewonnen, wenn man durch neue Kulissenschiebungen das Recht — nicht der größten Partei — nein, des neuen Denkens in Staat, Wirtschaft, Kultur und Gesellschaft auf die Führung des Staates neuerdings sabotiert?
Warum kommt man in Deutschland an den verantwortlichen Stellen nicht zu einer Politik, die nur Deutschland, nichts als Deutschland kennt?
Warum nicht zu jener ossenen sauberen Politik, in der offene saubere Männer um des Staates und des Volkes willen das Richtige zu tu« bereit Pud?
Es wird einem übel, wenn man sich heute in Deutschland ansieht, wie Politik gemacht wird. Verantwortungslose Zirkel und Cliquen, unsittliche und unberechtigte Machtansprüche, nackter Egoismus, mit Vaterlandsliebe verbrämt, herrschen und spinnen Ränke, lügen und schießen quer, brüsten sich und flüstern, hintertreiben und informieren falsch — und auf der anderen Seite steht das anständigste, sauberste und fleißigste Volk der Erde, das nur Arbeit und Lohn will, um sich und seine Kinder anständig durchs Leben zu bringen.
Das Gebot der Stunde heißt: Die außerordentlich starken, auf- bauwilligen, opferbereiten, energiegeladenen Kräfte des Nationalsozialismus in die Staatsführung einschalten. And zwar ganz ohne Widerspruch, ungeteilt und uneingeschränkt, garantiert allein durch den Entscheid des Schöpfers und Führers der Bewegung.
Zu dieser amtlichen Meldung verlautet weiter, daß die Besprechungen des Kanzlers mit den Parteiführern des Zentrums und der Bayerischen VolKpartei unter den obwaltenden Umständen keine Möglichkeit für ihre Beteiligung an der Bildung einer nationalen Konzentration sehen, während der Parteiführer der Deutschen Volkspartei, Dingeldey, dem Reichskanzler seine Mitarbeit zugesagt hat. In der Unterredung Papens mit den Zentrnmsführern Kaas und Zoos, die ungefähr 40 Minuten dauerte, stellten die Vertreter des Zentrums nochmals mit aller Deutlichkeit und Hätte fest, daß das Zentrum die Art der jetzigen Führung ablehnen muffe. Dagegen wurde vmr feiten des Zentrums nochmals der Gedanke der Not- und Arbeitsgemeinschaft stark unterstrichen und ferner -in den Vordergrund gestellt, daß das Zeittrum an der Herstellung einer solchen Notgemeiuschaft zur Zusammenfassung al- * ler arbeitswilligen Kräfte positiv sich betätigt.'
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Herriot setzt seine Offensive fort — Die Um- schmeichelung Italiens — Deutschland verpaßt wiederum die Gelegenheiten
Von Detlef Sieoeking
Der diplomatische Weltkrieg, der sich um deiH deutschen Gleichberechtigungsvorstoß erhoben hat, wird mit allen Mitteln der Jntrige fortgesetzt, Frankreich steht in der lebhaftesten Offensive. Der kürzlich erst von der Reichsregierung höchst überflüssigerweise mit der Goethemedaille ausgezeichnete „Goetheforscher" Herriot tut sein Möglichstes zur Vernichtung des Vaterlandes Goethes. In Spanien wurde ihm allerdings die Hose stramm gezogen. Die spanische Jugend und das spanische Volk bekundeten ihm während seiner Besuchsreise so drastisch wie nur irgend denkbar, daß es ihnen gar nicht einfällt, das Schicksal Spaniens in die Hand der spanischen Franzosensreunde, der marxistischen Emporkömmlinge der Revolution und der Republik zu legen. Man läßt sich die neue Herrschaft gefallen, weil man eben für den ehemaligen König auch nicht viel übrig hat. Dabei erscheint es gleichgültig, ob das Volk seinen König mißversteht. Das eine aber weiß es ganz genau: Jenes Frankreich, das die nordasrikanischen Völker gegen Spanien bewaffnete und es zu einem schwerstem Aderlaß zwang, kann niemals Spaniens Freund sein. Der Druck einer gefüllten Brieftasche von Frankreich Gnaden lastet nur auf wenigen Spaniern. Und selbst die atmen erleichtert auf, seit sie erklären mußten: Wir wollen schon, aber — da- Volk will nicht.
Uebermütig gemacht durch die glänzenden Erfolge seiner Vorstöße in London gegen Deutschland glaubte Herriot Spanien einfach überrennen zu können. Die große französische Hinterkulissen- osfensive setzte aber auch eine andere Diplomatie in Marsch. Mussolini holte getreu seiner Turiner Rede zum Gegenschlag aus. Als Herriot in Madrid eintraf, waren dort schon einige italienische Minen hochgegangen. Mussolini ließ die Spanier wissen, daß er den Besuch Herriots nicht als gleichgültig betrachte, da er sich gegen Italien richten
Nur auf diesem Wege hält man in führenden Zentrumskreisen eine organische Weiterentimck- lung unseres politischen Lebens für möglich und die für den Aufstieg der deutschen Wirtschaft notwendige Beruhigung für gegeben. Der bisherige Zustand, wie er sich nach Auffassung des Zeittrums und auch der anderen große» Parteien unter der Regierung des jetzigen Kanzlers entwickelt hat, müsse — und das ist Wohl ebenfalls deutlich zur Sprache gebracht worden — zum Verfall und Chaos führen.
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Berlin, 17. Nov. (Eig. Drahtb.) Wie wir erfahre», wird Herr von Papen heute morgen um 11 Uhr eine Unterredung Reichspräsidenten haben, in der er den trag zur Bildung einer „Regierung -ei? nationalen Konzentration" in die Hände Hiudenburgs zurückgebe» wird. Ob Papen sofort hierbei den Rücktritt des Kabinett» erklären wird, läßt sich znr Zeit noch nicht übersehen.