Ausgabe 
(12.11.1932) Nr. 255
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Was wird Hitler tun?"Hitler ist schon »n Berlin, um zu Papen zu gehen." Wird ex üöerhaupt zum Reichskanzler kom- Pien?"ober, wenn nicht, wen schickt er pls VertretersSchickt er überhaupt feinen Vertreter?" So sragt man heute im Degierungsviertel und die Gazetten aller Schattierungen schwatzen es nach. Die Tele­phone bei nationalsozialistischen Politikern klingeln immer und immer wieder und man hört heraus, was der Fragesteller gerne hören möchte,, nämlich daß Hitler doch zu Papen geht. Nein -Lsese Herrschaften zeigen, daß sie.noch ItzNrr nicht wissen,' Wer, Hchlrr- Merhaupr ist. Sie sind von der llljcrhrrgen Kompromißpolitik früherer Kanzler und Parteiführer, auch der von heute, so angekränkelt, daß eine Persönlich­keit, die weiß, was sie will, wie Hitler, hon ihnen gar nicht mehr verstanden wird. jSie mögen ihr Rätselraten einstellen, Adolf Hitler wird so handeln, wie es für die deutsche Freiheitsbewegung und damit für ganz Deutschland richtig ist.

Das wissen die Herren in der Wilhelm- straße auch.

Trotz alledem möchte man allzu gern den Führer der Nationalsozialisten ins Garn locken und hofft, daß er nunmehr nach dem Ergebnis des 6. November eher geneigt ist, den Vizekanzlerposten anzunehmen.Ich habe hier bloß ein Amt und keine Mei­nung", dieses Wort ausWallensteins Tod" wäre dann auch Adolf Hitlers Schicksal. Doch sie alle, wie sie auch heißen, ob Hugen- berger oder Papenheimer, dürften sich täu­schen. Auch einen neuen Wahlkampf würden wir auf uns nehmen, denn wir sind auf ihn gerüstet und die Zeit arbeitet für uns.

Wie wir hören, sollen die Verhandlungen mit den Parteiführern bereits am Sonn­abend beginnen und bis Dienstag zu Ende geführt werden, worauf dann Herr v. Papen dem Reichspräsidenten über das ErgebnisVor- trag zu halten hat. Nur bei Hindenbnrg liegt dann die endgültige Entscheidung.

Bezeichnend für die

Verzinnung Im I*spsnlsgsn

ist die Stellungnahme der DAZ, die zwei­felsohne mit einem baldigen Sturz des Reichskanzlers rechnet. Ihrem Leitartikel der heutigen Ausgabe entnehmen wir fol­gende Gedanken:

Es gehört wenig Prophetengabe dazu, vorauszusagen, welches die Antwort der Parteiführer sein wird, wenn der Reichs­kanzler sie im Sinne des ihm erteilten Auftrages fragt,ob und wie weit sie ge­willt seien, die Regierung in der Durch- sührung des in Angriff genommenen po­litischen und wirtschaftlichen Programms zu unterstützen". Inzwischen geht die partei­politische Hetze ungehemmt weiter, inzwi­schen versammeln sich die Ministerpräsi- der größten deutschen Länder mit Ausnahme Preußens in Würzburg zu einer geheimen Konferenz gegen das Reich, die, mit allem schuldigen Respekt, nicht Ver­schwörung zu nennen sehr schwer fällt.

Wenn man gewählt Hat, so muß das Wahlergebnis doch in irgendeiner Weiss in die politische Rechnung eingestellt werden. Wir bedauern die unnötige und unfrucht­bare Verzögerung der Entscheidungen und versprechen uns für die Stärkung der Rs° gierungsfront und des autoritären Staats- Aedankens von ihr nichts.

Auch' dieTägliche Rundschau", die be­kanntlich dem Reichswehrministerium sehr nahe stehen soll, befaßt sich in ihrer heu­tigen Ausgabe mit der politischen Lage. Das Blatt schreibt u. a.:

Der Plan des derzeitigen Reichskanzlers ist sehr durchsichtig: Scheinverhandlungen mit den Par­teien, Abbruch aus sachlichen Gründen, Presse- Echo". An der Person des Kanzlers hat es nicht gelegen. Mit dem baldigen Abbruch der Bespre­chungen ist schon jetzt zu rechnen. Das vorhandene Wirtschastsprogramm" des Kanzlers ist bekannt­lich allgemein abgelehnt worden; von einem Ver­fassungsplan kanp. rHrlicHerwkiss noch nicht gespro­chen werden. Sollte also das Kabinett sachlich die Annahme dieser beiden Pläne zur Bedingung «rä­chen, so kann es nur zu Scheingefechten kommen."

Will der Reichspräsident weiterhin dulden, daß sich zwischen seine verehrungswürdige Gestalt und das Voll in seinen verschiedenen Ständen ein Reichskanzler schiebt, der durch sehne Person be­reits jedenationale Konzentration" unmöglich macht?

Will der Reichspräsident weiterhin dulden, daß er abgeriegelt wird und deshalb nicht erfährt, daß der Gedanke einer unabhängigen Staatsführung dann am besten gesichert ist, wenn sie mit dem Volke ver­bunden ist. Will der Reichspräsident weiterhin dulden, daß ihm die Wünsche des Volkes als un- diskutierbar dargestellt werden? Wir glauben es nicht, da ja auch im Reichspräsidentenbüro bekannt sein dürfte, daß eine Zusammenarbeit mit dem Volke möglich ist wenn man auf Herrn von Pa­pen verzichtet und den Parteien ein neues Pro­gramm vorlegt, dqs die Annahm.» eines entspre­chenden Ermächtigungsgesetzes seines Inhaltes we­gen verdient. Wer regiert? Herr von Hinden- burg oder Herr von Papen?

Diese Ausführungen derTäglichen Rundschau" Passen durchaus in das Bild, das wir uns von der Lage machen. Es ist nur interessant, daß die Tägliche Rundschau" in so scharfer Form gegen Herrn von Papen vorgeht, Es ist schon recht ein­sam um Herrn Franz von Papen ....

Ms eknlsllieksn Lswenkseksttsn lonrlsnn rlsn KüektniU k'spsns

Der Vorstand des Gesamtverbandes der christ­lichen Gewerkschaften erläßt soeben einen Aufruf, in dem es heißt, das schaffende Volk habe am 6. November das Mißtrauensvotum des aufgelösten Reichstags gegen das Kabinett Papen bestätigt. Trotz Aufbietung des gesamten Propaganda-Appa­rates habe Herr von Papen nur 10 Prozent des Volkes um sich gesammelt. Das bedeute das Todes­urteil für diese Regierung, Volksur-eil und Ver­fassung lassen dieser nur eine Möglichkeit: Rück­

tritt zu Gunsten einer verfassungsmäßigen volks- verbundenen Regierung. Die christlichen Gewerk­schaften wenden sich an den Reichspräsidenten, sei­nerseits die Rechtssicherheit wieder herzustellen und dem sozialen Willen des Volkes kraft seiner Au­torität Raum zu geben und damit gleich Ruhe und Ordnung zu sichern. Sie erwarten, daß der Reichstag raschestens in Aktion trete und die ihm von der Verfassung übertragenen Aufgaben ent­schlossen durchführe.

Visklsoko Kommunlsrisok« Slutlat

12 Kommunlstsn lostgsnommsn

Buxtehude, 12. November. Nachts gegen 1 Uhr wurde von kommunistischen Provokateuren vor ei­nem Vertehrslotal der NSDAP in der Moortor- straße eine Schlägerei angezettelt, in derem Ver­lauf mehrere Scheiben des Verkehrslotals einge­schlagen wurden. Im Lokal waren nur zwei SA.- Leute anwesend. Als einer der SA.-Leute aus die Straße trat, wurde er sofort mit einem Messer an­gegriffen. Der zweite SA.-Mann sing den Stich auf, wurde aber durch mehrere Messerstiche verletzt, so daß er zusammenbrach. Der Verletzte wurde in das Lokal getragen und die Polizei alarmiert. Ein dritter SA.-Mann, der die Straße entlang kam, stieß vn einiger Entfernung auf einen Trupp Kom­munisten und wurde von diesen ohne vorhergegan­genen Wortwechsel angefallen und niedergestochen. Er erhielt etwa zehn Messerstiche in den Kops und wurde bis zur Unkenntlichkeit zugerichtet. Ein Auge hing ihm buchstäblich aus dem Kopf heraus. Auch dieser Verletzte wurde zunächst in das Lo­kal getragen, wo inzwischen auch die Polizei einge­troffen war. Als sich die Beamten noch im Lokal befanden und um die Verletzten bemühten, wurden alle noch heilgebliebenen Fensterscheiben des Lokals von draußen zertrümmert. Hierauf flüchteten die Kommunisten. Der Polizei gelang es, 12 Kommu­nisten festzunehmen. Der Führer der Kommuni­sten, Schalle, und ein weiterer Kommunist aus Dammhausen wurden mit Messern angetroffen. Die verletzten SA.--Leute wurden ins Krankenhaus ge­schafft.

Usdsn 100V l^ols sul Kuds

Die Sturmflutkatastrophe in Kuba Newhork, 11. November. Die Sturmflut- katastrophe in Kuba hat, wie sich jetzt heraus­stellt, diel schlimmere Folgen gehabt, als man bisher annahm. Die Zahl der Toten beträgt ungefähr 1800. Die Fischerstadt Camagueh ist von einer 8 Meter hohen Springflut vollständig zerstört Worden. Die Springflut drang 8 Kilome­ter tief ins Land ein. Tausend von Flücht­lingen sind in Santa Cruz und den Nachbar­städten eingetroffen.

Die Marinestation in Havanna gibt amt­lich bekannt, daß die Zahl der Todesopfer der großen Sturmflut sich auf über eintausend belauft. Fünfhundert Tote sind bereits begraben worden. Der neugewählte Bürgermeister von Santa Cruz dcl Sul, Antonio Martinez, er­schoß sich aus Verzweiflung, nachdem er fest­gestellt hatte, daß seine ganze Familie durch die Sturmflut umgekommen war. Augenzeugen berichten, daß sich Schreckensfzenen unbeschreib­licher Art, abgespielt haben. Zahlreiche Kinder wurden vor den Augen ihrer verzweifelten Eltern weggeschwemmt. Nach dem Zurückgehen der Sturmflut waren die Bäinne und die höher- gelegenen Häuser mit zahllosen Leichen übersät.

In der Stadt der sanften Reden und der potenzierten Hinterhältigkeit ist ein Wun­der geschehen: es ist einmal sehr deutlich, zu deutlich, gesprochen worden, von Ma­schinengewehren. In derStadt des Fris- dens", am herrlich blauenden Genfer Se>e, hat sich wirklich etwas Aufsehenerregendes ereignet, nicht beim Völkerbund imHaus der Nationen", nein, sondern ganz schlicht auf irgendwelchen Straßen und Matzrn- Schwere Zusammenstöße zwischen Sozial- demotraten und Kommunisten einerseits, Polizei und Militär andererseits. Die Hin­tergründe der blutigen Affäre scheinen zahl­reiche schwere Korruptionsfälle in der Gen­fer Verwaltung zu bilden, die, vereinigt mit dem Zusammenbrach der Banque ve Geneve, Lei dem sich herausstellte, daß dür Äufsichtsrat mit dem Präsidenten der Kan­tonverwaltung an der Spitze, bedeutend« Kredite verspekuliert hatte, den geeigneten! Boden abgaben, auf dem zwei sozialdemo-

Unssn nsuon Kamsn

1>upp 8K.

von W. Glaser

Ein junger sächsischer SA.-Ma»n bringt in un. serem neuen Roman den Kamps einer Menschheit um die Seele des deutschen Volkes, die Rebellion gegen die Gleichgültigkeit eines Heldcnvolkes in dramatische Gestalt. Geschrieben mit der heißen Seele eines jungen Dichters, der seine menschlich« Reise in der SA. gesunde», seine Fugend der SAH geopfert hat.

Die Not des Lebenskampfes zwang den Verfasse« Glaser mehrfach, seine beruflichen Plane umzu- stellen. Er studierte unter Entbehrungen in Paris, Gens und Berlin, es genügte ihm nicht, die Situa­tion Europas distanziert zu sehen und zu beurtei­len, er ließ sich ordentlich fremde Winde um di« Nase wehen und immer, wenn er wieder zurück­kam, war er seinem Volk um ein beträchtliches Stück nähergekommen. Er stand als Fahnenjunker bei der Reichswehr, aber die SA. lag ihm mehr. Er schenkte ihr dieses Buch, das zeugt wie sehr e« unter ihr ist, auch wenn ihn sein mehrfach unter­brochenes Studium zwingt, sich heute wieder mit der Juristerei zu beschäftigen.

Wir beginnen mit dem Abdruck in den nächstes Tagen.

kratische Nationalräte eine hemmungslose! Hetze gegen das Bürgertum überhaupt ent­falteten. Hierzu kam die Niederlage, drei kürzlich die sozialdemotratisch-tommunistischa Bewegung in einer von ihnen beantragten Volksabstimmung über Steuerbefreiung alles Einkommen unter 7000 Franken erlitten hat. Als eine bürgerlich-konservative Ge- genbewegung nun ihrerseits den Versuchs unternahm, auch einmal von dem Recht des freien Meinungsäußerung Gebrauch zu mä­chen, da waren 12 Tote «nd Dutzende voll Schwerverletzten das Ergebnis dieserPro« vokatton".

Daß so etwas gerade in der Schweiz, dem Hort der Freiheit, in Genf geschehen tonnte!

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In einem Interview, das er kürzlich einem französischen Journalisten gewahrte, sagte Mussolini, es gebe zweierlei: Po­litik und Mystik, und Briand sei eines derjenigen gewesen, der statt Außenpolitik