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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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Berlin, 7. November. Nach' einem nun schon dreistündigen Abstand von dem Vorliegen, des Wahlergebnisses befassen sich die Berliner Blätter mit den Schlußfolgerungen, die nun zu ziehen seien.
Die „DAZ" fordert in einem .Versöhnung!" überschriebenen Leitartikel als das Gebot der Stunde die Herstellung der großen nationalen Konzentration unter Führung Hindenburgs, die eine autoritäre Leitung der Staatsgeschäfte unter Billigung und Mitwirkung aller Parteien von den Nationalsozialisten bis einschließlich Zentrum ermöglichen würde.
Aehnlich fordert der evangelische „Reichsbote" den neuerlichen Versuch, die Nationalsozialisten in die Verantwortung hineinzustellen, um endlich die latente Bürgev- kriegskrise zu liquidieren.
Die „Germania" bezeichnet IM kommunistische Mandate als eine Schwächung der staatsbejahenden Sozialdemokratie, die Radikalisierung der sozialdemokratischen Arbeiterschaft, als das Ergebnis, das zugleich ieiu vernichtender Stoß gegen die bisherigen Methoden des Regierens sei. Das sei «ine Warnung, die nicht ohne entscheidende Konsequenzen bleibe und der sich auch die Höchste Autorität des Reiches nicht werde entziehen tonnen. Ob dieser Reichstag arbeitsfähig vder arbeitsunfähig sei, sei nicht emeFrage der Arithmetik, sondern des politischen Willens.
Der vorwärts" wendet sich stark hegen die Absicht der Reichsregierung, den Weg gegen das Volk und seine Rechte weiterzugehen. Aber die Front gegen die konterrevolutionären Pläne sei heute stärker als »räch dem Juli 1931. Die Versassnngspläne des Freiherrn von Gayl seien angesichts des Wahlausganges nicht das Papier Wert, Uns dem sie entworfen würden. Wenn Patten nicht weichen wolle, so sei es die Pflicht des Reichspräsidenten, das Urteil des Volles zu vollstrecken.
Die deutschnationalen „Dresdener Nachrichten" schreiben,, daß der Wahlausgang die notwendige Lösung nicht gebracht habe. Dom Standpunkt der Prä- sidialregiernng aus betrachtet, sei der Zweck der Reichstagsauflösung durch den Wahlausgang jedenfalls nur teilweise erfüllt worden. Jetzt bleibe nur eines übrig: den Versuch des 13. August zu wiederholen.
Das „Hamburger Fremdenblatt" kragt, ob nicht der Versuch gemacht werden solle, daß sich nun alles, was den Radikalismus als nicht fördernd und produktiv erkannt habe, enger als bisher zusammenschließe. Sehr bemerkenswert sei auch der Rückgang der Zentrumsstimmen. Er sei Wohl zurückzuführen auf den Zwiespalt zwischen Brüning und Papen.
Die „Kölnische Zeitung" sagt, es werde nötig sein, alsbald den Nationalsozialisten erneut die Frage nach der Teilnahme an der Verantwortung zu stellen. Wenn das Ergebnis wieder eine nationalsozialistische Absage sein würde, dann würben wir wohl über kurz oder lang zu einer Neuen Reichstagswahl schreiten müssen.
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Berlin, 8. November. Die Börsenjuden Haben das Wahlergebnis mit einer gewissen Befriedigung ausgenommen. Der Zuwachs der Kommunisten konnte die Zuversicht der Herren nicht erschüttern, da sie wissen, daß Von dieser Seite nichts zu befürchten ist, was geeignet sein könnte, ihr Schmarotzer- dasein zu beenden. Die jüdische Presse stellt jubilierend fest, daß ein „durchaus fester Grundton" bei der Börse bestanden Habtz.
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Ein neues Opfer der Bewegung Ehe mnjtz, 7. November. In der Nacht zum Montag wurden in der Kanzlerstraßc mehrere Nationalsozialisten von etwa 5V bis SO politischen Gegnern überfallen. Bei den Zusammenstößen fiele« auch einige Schüsse Der Nationalsozialist Mildner erhielt Mehrere Stiche in die Brust und in die Schulter. Obgleich er sofort ins Krankenhaus überführt wurde, starb er am Montag nachmittag an den Folgen seiner Verletzungen. Es ist noch nicht gelungen, den Täter zu ermitteln.
Der SA.-Scharführer Mildner war 25
Jahre alt, unverheiratet und von Beruf Konditorgehilse.
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Düsseldorf, 7. November. In der letzten Nacht kam es in Altenvoerde bei Schwelm zu einem Uebersall auf SS-Männer, in dessen Verlauf auch mehrere Schüsse abgegeben wurden. Zwei Kommunisten und ein SS-Mann erhielten lebensgefährliche Verletzungen und mußten ins Krankenhaus gebracht werden. Vier Kommunisten wurden von der Polizei festgenommen.
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Berlin, 8. November. Der Mecklenburg- Strclitzsche Landtag würde sich aus Grund des Ergebnisses der Reichstagswahl vom 6. November folgendermaßen zusammensetzen:
Sitze
Nationalsozialisten 13 (9)
Deutschnationale 6 (11)
Sozialdemokraten 10 (10)
Kommunisten 4 (3)
Kleinere Mittelparteien 2 (2)
Die Vergleichszahlen sind die Mandatsziffern des im Frühjahr d. Js. gewählten Landtages. Besonders aufschlußreich ist es, daß hier in Mecklenburg, wo sich ein Deutsch- nationaler als Staatspräsident versuchen konnte, die DNVP. eine Einbuße von fast 50 Prozent erlitt.
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Wien, 7. November. Bei den Wahlen in Vorarlberg gelang es den Nationalsozialisten, die bisherige Monopolstellung der
Systemparteien im ersten Sturmangriff zu erobern. Die Nationalsozialisten gewannen 7100 Stimmen und 2 Mandate. Alle Systemparteien erlitten schwere Verluste. Die Sozialdemokraten verloren 3500 Stimmen, Christlich-Soziale 27M, Großdeutsche 14M, Landbund 2400. Die Systemparteien verloren also insgesamt 10000 Stimmen. Die Kommunisten gewannen 2700 Stimmen, aber kein Maichat.
Gesamtergebnis:
Stimmen
Mandate
Christlich-Soziale
42 650
18
Sozialdemokraten
11540
4
Nationalsozialisten
7 860
2
Großdeulsche
5 240
1
Landbund
4 925
1
In Schwechak errangen die Nationalsozialisten 601 Stimmen und 4 Mandate, gegenüber der letzten Gemeinderatswahl vor 2 Jahren eine Verzehnfach»««, der Stimmen.
Bei der Gemeinderatswahl in Siegmundherberg gewannen die Nationalsozialisten 164 Stimmen und 3 Mandate, die Sozialdemokraten verloren 1 Mandat, die Christlich- Sozialen 2 Mandate.
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Berlin, 8. November. Die kommunistische Streikleitung teilt mit, daß sie den Berliner Verkehrsstreik nunmehr abbreche.
Es ist somit damit zu rechnen, daß der Vermehr bei der BVG am Dienstag in vollem Umfange wieder aufgenommen wird.
Berlin, 8. November. Die Lage im Berliner Verkehrsstreik hat sich auch gestern nicht allzu wesentlich geändert. Die BVG hatte die bereits am Vortage eingeschlagene Taktik beibehalten, das ihr zur Verfügung stehende Wagenmaterial periodisch in den einzelnen Stadtbezirken einzusetzen und damit eine größere Verkehrsdichte vorzutäuschen.
Die Vchauptuirgeu, daß der Streik im Abflauen begriffen sei, entsprechen nicht den Tatsachen und es mutz festgestellt werden, daß das Nachrichtenamt der Stadt Berlin die Ziffer» des Notverkehrs durchweg um das neunfache zu hoch angibt.
Don interessierter Seite ist in den letzten Stunden des gestrige« Tages erneut die Behauptung aufgestellt worden, daß die NSBO den Streik beendet hatte. Die NSBO-Fachgrup- penleitung der BVG hat nun an die Streikenden einen Aufruf gerichtet, in dem alle Behauptungen von einem Abblasen des Streiks durch die NSBO als nicht den Tatsachen entsprechend gebrandmarkt werden. Die Amtswalter Md
Mitglieder der NSBO-Fachgruppe seien gewillt, den Streik weiter zu führen. Die NSBO- Fachgruppe werde den Streik erst dann abbrechen, wenn die berechtigten Forderungen der BVG-Arbeiter erfüllt seien.
Berlin, 8. November. Der Streik der Berliner Müllarbeiter dauert noch immer an. Seit Samstag ruht die Arbeit in sämtlichen Betrieben in der Berliner Müllabfuhr. Von der Streikbewegung werden etwa 1300 Arbeiter erfaßt. Die Müllarbeiter sind fest entschlossen, den Streik solange durchzuführen, bis der Streik der Berliner Verkehrsarbeiter zu einem hundertprozentigen Erfolge geführt hat.
Alle Drohungen, die Müllarbeiter zur Wiederaufnahme der Arbeit zu bringen, find an der einmütigen Ablehnung der streikenden Gesamtbelegschaft sämtlicher Berliner Depots gescheitert. Die Folgen des Streiks machen sich heute schon in fast allen Teilen der Reichshauptstadt bemerkbar. Auf den Höfen der großen Wohnhäuser türmt sich der Hausmüll neben den überfüllten Kästen. In manchen Straßen- zügen haben Hauswirte versucht, die Müllkästen im Laufe der Nacht aus der Straße zu entleeren. Es ist selbstverständlich, daß sich die Folgen des Müllarbeiterstreikes erst in den nächsten Tauen deutlicher bemerkbar machen Werde,
Was nun?
Die Wahl ist vorüber und die Frage, wie das Ergebnis sich auf die deutsche Politik auswirken wird, steht allgemein im Vordergrund des Jntcr« effes.
Man hat mit leisem Staunen vernommen, daß Herr von Papen mit dem Wahlergebnis „sichtlich zufrieden" fei. Der Optimismus des HerrN von Papen in Ehren! Aber es ist schon einigermaßen unverständlich, daß eine Regierung, die Maßnahmen Plant, die ohne das Volk ja garnicht durchgeführt werden können, damit zufrieden ist, daß sich knappe 10 Prozent des mündigen deutschen Volkes für das Kabinett und 90 Prozent oder die erdrückende Mehrheit des Volkes gegen das Kabinett und das System Papen erklärt haben«
Es wäre verhängnisvoll, wenn die Herren Papen und Bracht in den vor der Wahl bei ihnen üblichen naß-forschen Ton zurückfallen würden« Gewisse Anzeichen gibt es allerdings, denn in der Erklärung der Reichsregierung zu dem Wahlergebnis konnte man lesen, daß das Schicksal des neuen Reichstages davon abhinge, inwieweit sich dieser Reichstag den Wünschen des Herrn Patze« zu fügen bereit ist.
Es scheint sich in Kreisen der Reichsrcgicrung immer noch nicht die Erkenntnis Bahn gebrochen zu haben, daß man Tatsachen nicht durch Wunschträume ersetzen kann.
Der 6. November hat einwandfrei erwiesen, daß das deutsche Volk es ein für alle Mal ablehnt, sich von einem reaktionären System schurigeln zu lassen. Der Wahlkampf wurde geführt, uiN diesem System die Alöglichkeit des Weiterbestehens zu geben; das Ergebnis hatte aber nur zur Folge, daß auch im neuen Reichstag ganze 68 Mann von insgesamt 582 bereit sind, Herrn von Papen die Steigbügeln zu halten. Das ist nur ganz grob überschlagen, denn es dürfte kein Zweifel darüber sein, daß gewisse Leute dieser 68-Mann«, Gruppe auch bereit sind, andere Politik zu treiben, wenn es ihnen richtiger erscheint.
Die Wahlen vom 31. Juli und vom 6. November haben insofern das gleiche Ergebnis gehabt, als der Nationalsozialismus weitaus an der Spitz«! marschierend die Führung der deutschen Nationj inne hat. Der Nationalsozialismus ist der einzige wirklich imposante, geschlossene Block, während! alle anderen Parteien weltanschaulich, soziologisch und wirtschafispolitisch so zerrissen sind, daß von einem wirklich aktionsfähigen und einsatzbereiten Block nicht gesprochen werden kann.
Gerade das, was die Gegner des Nationalsozialismus triumphierend als unsere Niederlage anpreisen, ist die Stärke unserer Bewegung. Die 12 Millionen, die sich am 6. November zum deutschen Sozialismus Adolf Hitlers bekannt haben, sind ein bis zum letzten entschlossener, jederzeit einsatzbereiter Machtfaktor, dem nichts auch nur einigermaßen Vergleichbares entgegengesetzt werden kann.
Daß der Nationalsozialismus trotz der skrupellosen Hetze der Reaktion, die an den Egoismus, das Geltungsbedürfnis und die Arroganz einer ganz bestimmten Schicht appellierte, daß der Nationalsozialismus trotz der Tätigkeit des HerrN von Papen, die zwangsläufig eine Bolschewisierimg der Massen erbringen mußte, daß der Nationalsozialismus in diesem Kampf aller Gruppen und! Parteien, aller Behörden gegen ihn seine überragende Vormachtstellung in so glänzender Manier verteidigen konnte, berechtigt heute mehr denn je zu der Forderung, daß dem Nationalsozialismus die Führung des deutschen StaaleZ übertragen wird.
Gewisse einsichtige Leute im Lager des HerrN von Papen sind sich durchaus darüber klar, datz die Lage für das Kabinett heute gefahrdrohender! ist, als vor der Wahl. Das Volk hat sich erneut in erdrückender Mehrheit gegen das Kabinett entschieden. Das Volk verlangt jetzt, daß sein SpruH berücksichtigt wird.
Die Frage: Was nun? lastet über Deutschland« Es soll hier nicht nach der Art politischer Geschäftemacher die Rentabilität gewisser Möglichkeiten auskalkuliert werden. Wir führen unseren Kamvf unerbittlich fort, gestärkt von dem durch!