Ausgabe 
(3.11.1932) Nr. 247
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

kln. 247

Vi-smen, Honnvnsisg, Nsn 3. dlovvmdap

^sNngsiig 1S3L

--SK'v"

UM

ME

-ÄR^ELÄ?'-

Verlag, Redaktion und Geschäftsstelle: Papensttaße 15. Sprech­stunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr.

Fernsprecher: Domsheide 25878.

Die BNZ erscheint Werktags und kostet 1.90 frei Haus, durch die Post zuzüglich 36 Bestellgeld.

Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile K? 0.10, auswärts 0.12; im Textteil ^ 0.50, auswärts ^ 0.70; Stellengesuche 0.06; sonstige kleine Anzeigen ^ 0.08. Platzvorschrift ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

TIsalssIpsIekpILns sm Sekattsn üsi' Ksaklion

Voi' rlsm nolvn Umstund

k^onl mit ^apsn!

Die Reaktion hofft in der ihr eigenen Ueberheblichkcit auf einen größeren Man­datsverlust -er NSDAP., um den neuen Reichstag für arbeitsunfähig erklären Und möglichst schnell wieder auslösen zu können. Das ist schlechthin der „Sinn" dieses Wahl­kampfes — durch die Monokel des Herren- klubs gesehen.

Die Wahlkampftaktik der Deutschnationa­len ist lediglich daraus angelegt, dem Natio­nalsozialismus Abbruch zu tun, ohne jede Rücksichtnahme, wer der Gewinner dabei Lein würde. Selbst auf die Gefahr hin, daß Moskau -er Sieger sei« kann und Deutschland in kurzer Zeit in Blut Und Flammen -er bolschewistischen Revolution versinkt.

Man hüte sich, diese Ausblicke als von der Wahlkampfstimmung beeinflußt zu werten!

Der günstige Win- weht uns ein

Rundschreiben -er Parteicxekutive des Zentralkomitees der KPD. auf den Tisch, das die Ueberschrift trägt: „Achtung äußerst wichtig!

Die Mtionsaufgaben der Parteiexekutive des Zentralkomitees der KPD.

An die Landes-, Bezirks- und Unterbezirks-- leitungen.

Streng geheim!"

Die allerletzte Ehance

Aus mehreren Seiten wird darin auf die einzige der KPD. noch verbleibende günstige Gelegenheit einer „zweiten Revolution" hin­gewiesen, die nach den Wahlen in die Tat umgesetzt werden soll. Ueberzeugt von dem stührer- und Organisationsmangel in der KPD. sieht der Bolschewismus in dieser von der Reaktion festgesetzten Reichstags­wahl seine allerletzte Chance: den Staats­streich. Es heißt in diesem Rundschreiben wörtlich:

Termin am 15. November

1. Die Aktionsauslösungen werden nicht vor den Wahlen gegeben. Als letzter Ter­min ist vom Zentralkomitee der 15. No­vember festgesetzt,

2. Die Landes-, Bezirks- und Unter- bezirksleitungen beginnen sofort mit der Schulung der Hanptfnnktionäre.

Es werden nur die zuverlässigsten und erprobtesten Funktionäre, welche das Zen­tralkomitee vorschlägt, zugelassen.

3. Die Aktionsauslösungen müssen von den Erwerbslosen ausgehen, In der Kom­mune ist dafür zu sorgen, daß die Zahlun­gen der Erwerbslosenunterstützungen an be­stimmten Tagen einheitlich vorgenommen werden müssen» Hier ist die Zusammen- ballung großer Massen vorhanden. Zu je­der Zahlstelle sind eingeweihte Instruk­teure zu entsenden, die Aktionen auszu­lösen haben. Die Mitglieder des Kamps­bundes, -es RFB, -er KG und -er Antifa

sind fernzuhalten. An den Baustellen der Wohlfahrt-, Pflicht- und kommunalen Ar­beiter sind Streiks zu organisieren. Der Zweck von Abschnitt 3 und 4 soll der sein, die Polizei z« zermürben.

Die Mobilisierung

Die Mitglieder des Kampfbundes, des RFB, der KG! und der Antifa werden mobilisiert und im entscheidenden Moment eingesetzt.

Die Bewaffnung erfolgt, soweit diese Truppen noch nicht bewaffnet find (!!>, vor Beginn der Aktionen.

Im Ruhrgebiet wird ein zahlenmäßiger Ausgleich geschaffen. In Städten mit grö­ßerer vorhandener Mehrheit der Kampf­truppen werden diese nach den anderen Be­zirken dirigiert, die zahlenmäßig schwächer find. —

Der Bolschewismus wird diesmal nicht lange fackeln, sondern handeln. Bis ins kleinste ist der Bürgerkrieg vorbereitet, alle Maßnahmen sind eingehend erwogen» die Saat der Reaktion harrt der roten Schnitter!

Da heißt es weiter über die Taktik des Angriffs:

Die Kampftruppe wird in drei Gruppen geteilt: Angriff-Vcrteidigung-Wach-ienst.

Die

hat nach vorhergehender Aktionstaktik in den Städten, bet Auszahlung der Erwerbs- losennnterstützungen, Demonstrationsversu­chen der Erwerbslosen, wo die staatlichen Organe eingesetzt werden, sofort diese Stütz­punkte, Wachen, Kasernen, Unterkünfte, Lager zu besetzen. Die

Verteidigungstruppe

greift die eingesetzten Organe an, um sie solange festzuhalten, bis den Angriffs­truppen die Besetzung gelungen ist. Die Wachdienstgruppc

hat sofort bei Beginn der Aktion-sauslösung die Verkehrsinstitute zu besetzen, und zwar in bestimmter unbedingt durchzuführender Reihenfolge: 1. Fernsprechämter. 2. Flug­häfen. 3. Post und Eisenbahn. 4. Städ­tische Verwaltungsgebäude. 5. Banken.

Ja, selbst die ersten amtlichen Bekannt­machungen nach der Revolution liegen be­reits im Wortlaut vor:

Rundtelegramm!

An alle

Amtsstellen des Deutschen Reiches!

Alle Aemter erhalten Weisungen vom Vollzugsrat der Revolutionsexekutive.

Reichs-, Land- und Stadtparlamente sind aufgelöst und sind alle politischen Versamm­lungen

bei Todesstrafe verboten.

Die Grenzen sind geschlossen und militärisch besetzt. Die Vorstände der Aemter basten bis auf weiteres persönlich für unbedingte Ausführung der Weisungen. Zeitungen und Druckschriften dürfen nicht erscheinen, ehe

nicht festgestellt ist, daß sie keine politisches Ausschreitungen enthalten. !

Der Vollzugsrat der Revolutionsexekutive«

Standrechtlich erschossen wird... Verordnung!

Es wird bestimmt, daß das ganze Reichs­gebiet gesperrt ist. Wer versucht, die Gren zerr zu überschreiten, gleichgültig ob hinaus oder herein, wird standrechtlich mit dem Tode bestraft, ebenso wer Geld oder Nah­rungsmittel aus Deutschland hinausge-

Osn „gottgisudigv" ttugvndveg

Auf der letzten Reichssührertagung der DNVP. bemühte sich der deutschnationale Abgeordnete D. Doehring, den Nachweis zu bringen, daß Na­tionalsozialismus und Christentum nicht zu ver­einbaren wären. Wir empfehlen dem dentsch- nationalcn Kirchensiirsten, sich einmal in die Ge­dichtsammlung „Moderne Dichtercharaktere" (1884) zu vertiefen. Da stellt man mit Verblüssen fest, daß Hugenberg auch einmal den Pegasus bestie­gen und recht eigenartige Auffassungen über seine Gottesgläubigkeit, soweit eine solche daraus über­haupt zu erkennen ist, in Verse geformt hat:

„Aus Erden ist der Menschheit schönstes Gut!

Ich kann und mag an Gott nicht glauben,

Der mich erschaffen aus dem dunklen Nichts — Nicht lasse ich den hohen Stolz mir rauben,

Ein Mensch zu sein, ein Sohn des Sonnenlichts! Ich k-nie nicht vor einem kalten Gotte.

Der mich zum Dienst mit harter Drohung zwingt, Komm her, o Kind, in diese kühle Grotte

Vor dir will ich in heiher Liede knien

Nicht soll ein Gott mich strafen und belohnen

Ich selbst will meiner Taten Richter sein, Die Götter, die im eignen Innern wohnen, Sie bet' ich hoffend an, nur sie allein."

langen läßt. Standrechtlich wird sofort er­schössen, wer plaudert, wer Streiks oder politische Kundgebungen in Wort, Schrift oder Tat veranlaßt oder an ihnen teilnimmt, wer unbefugt im Besitz von Waffen oder Munition betroffen wird.

Alles Bargeld ist beschlagnahmt.

Alle Reichs- und Landbanken unterstehen der revolutionären Aufsicht. Vermögenswerte und Be- fitz von Nichtdeutschen werden der revolutionäre» Zentralverwaltung übergeben. Die revolutionäre Pressestelle prüft den Inhalt aller Zeitungen und' Druckschriften. Alle Kraftfahrzeuge und Ersatz­teile werden beschlagnahmt. Alle Kraftfahrer müßen auf Anruf sofort halten, sonst wird auf sie geschossen. Die Polizeistunde ist bis aus wei­teres auf 8 Uhr abends festgesetzt.

Der Vollzugsrat der Revolutionscxekutive«

Das Zentralkomitee der KPD in Berlin erwar­tet strengste Befolgung seiner Beschlüsse. Die KPD

Angriffstruppe

Das fta- -re Denhchnatlonalenr

Seht diesen Spitzenkandidaten!

Als die Bokspartei ihren Wählern versprach, Bremen von roten Ketten frei zu machen, fand fich Herr tzintzmann ei«, übernahm die Spitzenkandidatur, nnd zog als Kettenbrecher in den Reichstag.

Herr Zintzmann paktierte trotz seines Wahlversprechens weiter mit der Sozialdemokratie.

Das Volk ließ fich diesen Wahlbetrug nicht gefallen!

Die Bolkspartei drohte zusammenzubrechen. Da verließ der geschäftsgewandte Kerr Aintz» mann die von ihm zngrundegerichtete Partei und sprang acht Tage vor der Wahl zu den Deutschnationalen über, bei denen er aber seine« sichere« Mandatsfitz nicht mehr erwischen konnte.

Die neue Reichstagswahl findet ihn als Spitzenkandidaten der Deutschnattonalen in Bremen, die dafür den verdienten und sachlich arbeitenden Landwirt Dr. Agena absägten.

Die Deulfthnntlonale« wagen alsv, in Bremen einen Mann der Wählerschaft zu präsentieren, von dem sie selbst noch vor wenigen Monaten als von elnee P-Uttfth HSthft NNeofeenUthea Goskhsl- nung fpenthen. Und das mit Recht, denn dieser Mann, der deutsch­nationale Spitzenkandidat für Weser-Ems, lft fSlVft NUS -em Stahl­helm ansgeteetem wett er Mrht gegen den Voungplan kämp­fen wollte.

Deemee. das ist also Giiev -eatfthnatt-naler Spltzentan-r-atr

A« Illitoz. UM llhr. sM Ver«h. Rist. M. i. R, io den EeMlhM