Ausgabe 
(1.11.1932) Nr. 245
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VIMH dl« Post Mzugltch 36 Ht/ Beütllgeld.

Bremer Nationalsozialisten

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile Kl 0.10, auswärts 0.12; im Textteil 0.50, auswärts oT>l 0.70; Stellengesuch« 0.06; sonstige kleine Anzeigen 0.08. Plahvorschrift ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

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Berlin, I. November. Das System Papen-Bracht hat stch gestern schließlich doch von dem Schrecken «holt, den ihm der .lahme Protest des Herrn Otto Braun eingejagt hatte. Die Ernennung der Pala­dine des Herrn voy Papen jür Preußen wurde Vollzogen.

Mit dieser Maßnahme ist die Lage der deutschen Innenpolitik an sich nicht geändert worden, wohl >ber bedingen die Folgen, die diese Maßnahmen Haben müssen, eine verschärfte Gefahr für das «eich und das deutsche Volk. «

Wir haben in den letzten Tagen schon deutlich tzenug gesprochen, daß

das Techtelmechtel der Herren Papen- Bracht mit Brann-Seoering, der Deutsch- nationalen und der SPD, geradezu ver« hceronde Folge« habe« muß.

Kritisch wird die Situation für Herrn von Pa­sten dadurch, daß das Kabinett Draun-Severing trotz aller Freundschaft für Papen noch eine Voll­versammlung des Reichsrates vor dem 6. Novem­ber haben möchte, um von der Tribüne dieser In­stitution aus für die nötige Wahlstimmnug zu sorgen.

Papen und Gayl werden sich dem Wunsche der

Mehrheit aus frühere Einberufung des Reichs­rates nicht versage« können, und so ist es denn

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Berlin, 1. Nov. Tie Flucht aus dem zur Schutzgarde der deutschnatümalen Reak­tion herabgewürdigten Stahlhelm dauert an. So ist jetzt einer der Mitbegründer des Bev- liner Stahlhelms, der Führer der Stahlhelm- Ortsgruppe Frieden«», Tittmann, der der erste Gauführer des Stahlhelms in Berlin gewesen ist, aus dem Stahlhelm aus­getreten und hat sich den braunen Bataillonen Hitlers angeschlossen.

Tittmann erklärt, daß er es vor seinem Ge­wissen nicht mehr verantworten könne, mit einer Führung zu marschieren, die den Führer der deutschen Fre iheitsbewegung angreife.

Wir begrüßen unseren Parteigenossen zusam­men mit jenen aufrechten deutschen Kameraden aus dem Stahlhelm, die schon bei dem SA- Nufmarsch am Sonntag in Berlin in geschlos­sener Formation mit der SA unter der roten Hakenkreuzfahne marschierten.

durchaus wahrscheinlich, daß wir noch vor dem 6. November das Schauspiel erleben, daß sich die erste und die zweite preußische Regierung im Reichsrat eine allerdings wohl nicht allzu ernst gemeinte offene Feldschlacht liefern.

Papen ist diese erneute Zuspitzung der Lage außerordentlich peinlich, denn selbst dem einfäl­tigsten Deutschnationalen wird man bis zum 6. November nicht vorenthalten können, daß die Po­litik des Herr« von Papoa eben nur Halbheit ist und nichts mit der von den Deutschnationale« ge­wallten gottwohlgesälligen autoritären Staatssiih- rung zu tun hat.

Pasten hat Herr« Held schleunigst an telepho­niert «nid ihm fernmündlich mitgeteilt, daß alles halb so schlimm und gar nicht böse ge­meint sei. j

Wenn Las, was wir über dieses Telephon­gespräch gehört haben, den Tatsachen entspricht, dann Hat man allerdings die erschütternde Ge­wißheit, Haß die ganze Reichsreform des Herrn von Pasten im Augenblick keinen anderen Zweck hatte, als Preußen zn zerschlagen und dadurch die sicher zu erwartende Machtüber­nahme in Preußen durch die Nationalsozialisten zu einer leeren Farce zm machen.

Wenn man die augenblickliche Lage kurz

charakterisieren will, so muß man ganz objektiv und nüchtern feststellen, daß die Verwirrung und die Planlosigkeit i« Deutschland wohl selten ein solches Aus­maß hatte» wie es heute der Fall ist. Es knistert bedenklich im Gebälk und es ist ge­fährlich, die knisternden Balken einer neuer­lichen und schwereren Belastungsprobe zu unterziehen.

Bis zum 6. November wird sich die Ten­denz der deutschen Innenpolitik nicht än­dern. Daß aber dann ein dicker Strich! unter die Vergangenheit gezogen wird, dafür wird das deutsche Volk zu sorgen haben.

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Berlin, I. November. Die jüdisch-reaktionäre Vossische Zeitung" meldet:

Der Staatssekretär im Preußischen Staats- ministerium, der sich seit dem 20. Juli i>n Ur­laub befand, tritt mit dem morgigen Tage in den Ruhestand. Nachdem ihm schon vor einigen Wo­chen Reichskanzler von Papen in seiner Eigen­schaft als Reichskommisiar für das Land Preuße» ein warmes Dankschreiben übermittelt hatte, hat Reichspräsident von Hindenburg vor einigen Ta­gen Dr. Weismann in Abschieds-Audienz emp­fangen und ihm sein Bild mit eigenhändiger Unterschrist überreicht."

Man muß sich diese Meldung mehrmals sehr genau durchlesen, um zu der Ueberzeugung zu kommen, daß mau nicht das Opfer einer Halluzia- tion geworden ist.

Dieser Herr Weismann, dem Herr von Papen einwarmes Dankschreiben" zustellt, der Herr Weismann, dem der Reichspräsident sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift bei der Abschieds-Au- dienz überreicht, ist derselbe Herr Weismann, der unter dem System Braun-Severing als Unter­drücker der deutschen Freiheitsbewegung und der

nationalen Bewegung überhaupt fungierte. Der­selbe Herr Weismann ist es, der mit seinem Freund, dem Großschieber Barmat, zum Schaden des deutschen Volles die schmierigsten Schieber­geschäfte machte, derselbe Herr Weismann, der jetzt seinen Strasantrag gegc-n den Bücherrevisor Lach- mann, der ihm Meineid, Bestechung und andere schöne Dinge vorwirft, zurückgezogen hat.

Und wenn man dann noch einer amtlichen Mit­teilung entnimmt, daß das Disziplinarverfahren, das gegen Herrn Weismann eingeleitet war, des­halb eingestellt wurde, weil die Vorwürfe sich aus Dinge beziehen, die in rechtsverjährter Zeit liege« sollen, dann muß man sich wirklich zusammenneh­men, um nicht zu deutlich zu werden.

Wir, die wir das Wesen des Herrn von Papen nicht nach seinen Worten, sondern nach seinen Ta­ten beurteilen, find wenig erstaunt, Wir finden es aber geradezu unerhört, daß man den Reichsprä­sidenten von Hindenburg veranlaßt, einen Mann, wie Weismann, der nicht nur eine fleckige, sondern eine schwarze Weste hat, zn empfangen und ihm noch sein Bild mit eigenhändiger Unterschrift zn überreichen.

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Gewerbelammertvahl im Bezirk Chemnitz.

Chemnitz, 31. Oktober. Bei den Ergän­zungswahlen z«r Gewerbekammer im Be­zirk Chemnitz, die am Sonntag stattfanden, haben die Nationalsozialisten sowohl in der Gruppe Handwerk wie in der Gruppe Han­del und Gewerbe die Mehrheit erhalten. Es standen zwei Listen zur Wahl. Nach der bisherigen unverbindlichen Zahlung wurden 82VV Stimmen abgegeben. Davon entfielen rund 540« Stimmen auf die Wahlgruppe Handwerk und 28V« Stim­men aus die Wahlgrnppe Handel und Ge­werbe. Es wurden abgegeben für Liste 1 (auch Innungen und Gewerbeverbände) für Wahlgruppe Handwerk 17k» Stimmen, für Wahlgruppe Handel und Gewerbe 500 Stimmen, für Liste 2 (Nationalsozia­listen) in der Wahlgrnppe Hand­werk 370« Stimmen, Wahlgruppe Handel und Gewerbe L3S« Stim­me«.

Berlin, 1. Nov. Der Krach bei der SPD beginnt immer lustigere Formen anzunehmen. Die von uns mehrfach gemeldeten scharfen Ge­gensätze Mischen Reichsbanner und sozialdemo- kratischer Partei beginnen nun erneut aufzu­brechen. Herr Hörsing mit seiner sozial-repu­blikanischen Partei soll es, wie uns einwand­frei gemeldet wird, verstanden haben, große Gruppen des Reichsbanners aus der sozialdemvkratischen Partei herauszubrechen. Einzelne Reichsban­ner-Ortsgruppen sollen sich bereits offen von der Sozialdemokratie losgesagt und für Hör­sing erklärt haben. Tie Reichsbanner-Bonzen, die von der SPD auf die Wahllisten gesetzt find, sind nun beauftragt worden, die rebellie­renden Reichsbanner-Gruppen zur Raison zu bringen. Viel Erfolg mißt man diesen Be- ruhigungsaktionen aber nicht zu. > ,

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Auch Herr von Papen sollte wissen, daß dies deutsche Wirtschaft nicht durch Begünstigung einer Oberschicht unter gleichzeitiger noch wei­terer Herabsetzung der Löhne, sonder« einzig und allein durch Steigerung des Konsums, also durch Hebung der Kaufkraft des gesamten deut­schen Volkes gerettet werden kann. Jedes Wirt- schastsprogramm, welches nicht von dieser Er­kenntnis ausgeht, muß deshalb zum Scheitern verurteilt sein. Die Hebung der Kaufkraft be­deutet gleichzeitig die beste und erfolgreichste Unterstüutzng der Landwirtschaft. Leider hat sich die Papen-Regierung dieser Erkenntnis vollkom­men verschlossen.

Aber auch in der Behandlung des Außenhar-> dels ist die derzeitige Regierung Wege gegangen, die, statt aufzubauen, zu einem weiteren Zer­fall führen. In demselben Verhältnis, in wel­chem die Kauskraft gehoben wird, setzt die Er- starkung des Binnenmarktes ein und in dem gleichen Maße muß auch das Volu­men unseres Außenhandels steigen. Herr von Papen aber hat die Forderung nach Hebung der Kaufkraft durch sein weiteres Her­absehen der Löhne gewissermaßen selbst sabo­tiert, ja er trägt durch seine vollkommen falsch angewandten Kontingentierungs­maßnahmen, die sogar seine eigenen politische« Anhänger des Dilettantismus bezeichnen, da­zu bei, daß-die Kauskraft bei uns noch mehr geschwächt wird. Im Laufe der nächsten Mo­nate wird sich zeigen daß diese verkehrte Kontin­gentierung für alle Teile der deutschen Wirt­schaft eine neue Schwächung und für weitere Zehntausende von deutschen Angestellten und Arbeitet» die Brotlosmachnng bedeutet.

Dabei fällt noch erschwerend ins Gewicht, die Verordnung über die Kontingentierungs­maßnahmen vollkommen unvorbereitet heraus­gekommen ist, d. h. ohne vorher die technischen Durchführungsmaßnahmen zu prüfen, bei denen sich in der Praxis außerordentliche Schwie­rigkeiten herausstellen werden. Auch außenpo­litische Gesichtspunkte sind offenbar völlig au­ßer Acht gelassen worden. Nachher hoffte mau den Schaden dadurch zu beheben, daß m:n Kom­missionen nach Holland Italien etc. schickte, leider mit dem zweifelhaften Erfolg, daß ent­weder diese Länder mit einer Einfuhrfperrs deutscher Jndustricprodukte drohten oder aber die deutsche Regierung zwangen, weitgehendste Konzessionen zu machen, sodaß die geplante« Kvutiugentiernngsmatznahmen wahrscheinlich zum größten Teil nicht zur Durchführung kom­men werden. Als einziger Erfolg wird somit die Verärgerung des Auslandes zurückbleiben. Der Fehler des Herrn v. Papen liegt darin, daß er nicht rechtzeitig bedacht hat, daß er mit seiner Art der Kontingentierung in des Hauptsache die Länder trifft, welche bisher zu unseren besten Abnehmern zahlten und welche jährlich das Mehrfache dessen von uns be­zogen, was wir ihnen abnahmen, die damit also wesentlich zu der aktiven Gestaltung un­seres Außenhandels beigetragen haben. Fol-i gende Ziffern geben hierüber Ausschluß, wo-«

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