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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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Berlin, 21. Oktober. Der Preußische Pressedienst der NSDAP. veröffentlicht das durch den Reichsorganisationsleiter, Gregor Straßer, Mitglied des Reichstags, in Berlin bekanntgegebene wirtschaftliche Aufbauprogramm der NSDAP. Es heißt darin u. a.:
Die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei erstrebt einen Neubau des Staates und der Wirtschaft auf nationalsozialistischer Grundlage, was nur durch eine
tiefgreifende Umgestaltung des politischen und wirtschaftlichen Systems in einer Total- lösung zu erreichen ist. Wir sind überzeugt, daß das deutsche Wirtschaftssystem in seiner jetzigen Verfassung nicht aufrecht zu erhalten ist. Das oberste Ziel der Wirtschaftspolitik muß sein, die Erhaltung und Stärkung der nationalen Volks- und Bodenkräfte, so daß jeder Deutsche von feiner Arbeit wieder Nutzen hat, und zwar jeder einzelne nach seiner Leistung.
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t. ^nbsitsdvsolisttung:
Kür ea. 2 Millionen Menschen mutz auf Grund eines Jahresplanes Arbeit und Verdienst geschaffen werden. Hierzu sind die Staatswege und private Neuinvesti- tionen im Ausmaß von 5—6 Milliarden Reichsmark erforderlich. Diese Summe bedeutet ungefähr die Hälfte der normalen jährlichen Sachinvestitionen der deutschen Wirtschaft, die planmäßig auf Grurrd eines festen Finanzierungsprogramms der Wirtschaft wieder von Staatswegen zugeleitet werden sollen. Ein Arbeitsbeschafsungs- programm für öffentliche Aufträge liegt bereits vor. Ferner sind Arbeitsbeschaffungsmittel bereitzustellen für eine Erweiterung der deutschen Rohstoffgrundlage und für neue nationale Industrie- und Gewerbezweige. Eine planmäßige Umstellung der industriellen und gewerblichen Produktion unter besonderer Berücksichtigung der vom Staate kontrollierten Betriebe und der nationalpolitischen besonders wichtigen Industriezweige ist in dieses Arbeitsbeschaffungsprogramm einzubeziehen.
2. ^insnrisnung unrl pnorlukllvs Xpsrlilsvköprung;
Zur Finanzierung dieses Arbeitsbeschaf- fungsprogramms ist notwendig eine produktive Kreditschöpsung (Krediterweiterung) im Ausmaß von ca. 3 Milliarden RM. Die
Krediterweiterung geschieht auf Grund eines Kredites an das Reich durch die Reichsbank und die der Staatshoheit unterstellten Banken. Zur Durchführung dieser Krediterweiterung ist eine Vermehrung des rlmlauf- geldes nur im Ausmaße von vielleicht 300 bis 500 Millionen RM. erforderlich'.
Durch die Finanzierung des Arbeitsbeschaffungsprogramms schaffen wir erst wieder eine gesunde Währung.
Wir wollen also keine Inflation, sondern die Wiederherstellung einer gesunden Währung mit liquider Deckung. Eine Aenderung des Reichsbankgesetzes ist erforderlich, durch das die Autonomie der Pcichsbank beseitigt wird.
3. Kon1i»o»o ilvs unrl
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Diese Maßnahmen machen notwendig, eine staatliche Kontrolle des Geld- und Kreditwesens und einen Ausbau des staatlichen Verrechnungsverkehrs. Wir wollen keine Staatswirtschaft, auch keinen Staatssozialismus, sondern wir wollen einen Sozialismus, der den Volkskörper vor äußeren und inneren Gefahren schützt und eine plan
volle Gemeinschaftsarbeit aller Erwervs- zweige und aller Stände zur Förderung des Gesamtwohles«
4. vis ^ntsokulilung rlsi» Wirft- seksft:
Es kann keine wirksame Entschuldung der Landwirtschaft geben, wenn nicht die gesamte deutsche Wirtschaft aus der Verkrampfung und der Schuldenlast befreit wird, in der sie sich' seit Jahren befindet. Die Umschuldung wird die ganze Wirtschaft -erfassen, jedoch so, daß die Umschuldung im -einzelnen auf berufsständischer Grundlage erfolgt
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s. 2inssvnftungs
Die Zinssenkung wird die individuellen Verhältnisse in der Wirtschaft tveitgehendst berücksichtigen müssen, aber nur eine generelle von staatlichen Geldinstituten durchgeführte Umschuldung gibt die Gewähr dafür,^ daß diese Maßnahme nicht zu einer Erschütterung des Vertrauens und zu Ungerechtfertigten und unerträglichen Kapitaleinbußen oder Kapitalabwertungen führt. Es kann keinen gesunden Export geben, wenn der Jnnemnarkt krank ist.
Wir sind nicht so töricht, die Notwendigkeit eines Exports für Deutschland abzuerkennen.
S. »Isuon Vfik-Iseksßtsgsist unil I>vis1ungsppiNLip:
Die Erfahrung hat gezeigt, daß die deutsche Wirtschaft weder mit kommunistisch- marxistischen noch mit liberalistisch-kapita- listischen Methoden aufgebaut werden kann, sondern nach konsequent nationalen und deutschen sozialistischen Grundprinzipien.
Wir erkennen die ethische Berechtigung und national-politische Bedeutung des Privateigentums an und stellen das Leistungsprinzip in den Vordergrund. Aber auch der Unternehmer wird nur dann erfolgreich am Neubau der deutschen Wirtschaft arbeiten können, wenn uns die Ueberwindung des Klassenhasses und die Entproletarisierung breiter Massen der Arbeiter und des Mittelstandes in Deutschland gelingt.
7. 6vnvr»sIsppSlI run /inksit:
Dieses Ziel ist nur zu erreichen durch einen erfolgreichen Gencralappell zur Arbeit. Gegenüber einem Aufbauprogramm wie dem unsrigen sind die Maßnahmen der Regierung Papen völlig unzulänglich, ja man muß sagen, daß die Regierung Papen geradezu die Arbeitsbeschaffung verhindert.
S. ^nlsoksirlungsi, unkl Husdlioks
Die Furcht vor der letzten Entscheidung ist heute in der Wirtschaft leider noch ebenso groß wie in der Politik. Um diese letzte Entscheidung kommen wir nicht herum.
Fetzt ist es notwendig, zunächst einmal eine nationale Wirtschaft wieder aufzurichten.
Wir haben in Deutschland genügend nationales Kapital. Da wir ein nationales Geld- und Kreditsystem nicht haben, müssen wir es uns schaffen. Die Wiedrrausrichtuug einer nationalen deutschen Wirtschaft auf der Grundlage eines international gebundenen Geld- und Kreditsystems, wie es jetzt die Regierung Papen versucht, ist ein Unding und eine unverantwortliche Kurzsichtigkeit.
„Win snbvltvn mil sllvn tlls Üsulsoklsntl nsttsn wollen"
Berlin, 21. Oktober. In politischen Kreisen Berlins hat die Rede starke Beachtung gefunden, die der Reichsorganisationsleiter der NSDAP., Gregor Straßer, am Donnerstag abend in einer Versammlung der Nationalsozialistischen Betrieüs- Zellenorganisation Groß-Berlin im Sportpalast gehalten hat.
Gregor Straßer, der sich ausführlich mit Sinn und Wesen des deutschen Sozialismus auseinandersetzte» führte aus, wir arbeiten mit jedem gemeinsam zusammen, der Deutschland über alles stellt und Deutschland retten will. Hugenberg hat von der Notwendigkeit einer Entproletarisierung des deutschen Arbeiters gesprochen, die auch wir wollen. Ich glaube, daß nicht alles für die Wahl gesprochen ist und daß wir zu einer offenen Politik kommen werden, die auch den Gegner anerkennt, bis zum Beweise des Gegenteils von gutem Willen. Ich kann mich auch mit den Ausführungen Hugcnbergs einverstanden erklären, soweit sie das „international vagabundierende Kapital" betreffen. Darauf erklärte Straßer, die Ausführungen
des Vorsitzendvn der Freien Gewerkschaften vom 15. Oktober in Bernau eröffneten Ausblicke in die Zukunft, die jeden mit freudiger Zustimmung erfüllen müßten. Leiparts Ablehnung der Gleichstellung des nationalen Gedankens mit aristokratisch-kapitalistischen Tendenzen hätten die Nationalsozialisten schon seit jeher verfochten. Wenn die Gewerkschaften wirklich die Erkenntnis hätten, müßten sie sich folgerichtig von den Heilmann und Hilserding trennen, sich zum deutschen Staat bekennen und der Internationale entsagen.
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Moskau, 21. Oktober. Der Gerichtshof in Leningrad verurteilte sechs Angestellte des Schuhwerkes „Skorochod" zum Tode durch Erschießen wegen Diebstahls von 1000 Paar Schuhen. Das Gericht erklärte, dieses Urteil müsse endlich beweisen, daß die Regierung keinen Diebstahl von staatlichem Eigentum zulassen werde. Die Verurteilten haben telegraphisch um ihre Begnadigung gebeten.
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Von 8sniEo Mussolini
Das bedeutendste Ereignis in der internationalen Politik ist zur Zeit der offizielle Schritt der deutschen Regierung in England, Frankreich« Italien und bei den kleineren Staaten, die Anmeldung des deutschen Anspruches auf gleiches Recht auf dem Gebiete der militärischen Rüstungen.
Diese Forderung ist bereits in Interviews und anderen Aeußerungen des Generals von Schleicher erhoben worden, der immer mehr in den Vordergrund zu treten scheint und offensichtlich ein Mann von bemerkenswerter Entschlußkraft wie überhaupt die stärkste Persönlichkeit des Kabinetts Papen ist.
Das konnte nicht sonderlich überraschen. Aus der Gegenseite war, nach der Haltung der Presse zu urteilen, die öffentliche Meinung in Frankreich fast einmütig gegen die deutsche Forderung gerichtet. In England bekundete man Zurückhaltung, während die öffentliche Meinung Italiens ihre Sympathie mit dem deutschen Verlangen zum Ausdruck brachte.
In einem solchen Augenblick muß nüchterne Ueberlegung walten und dürfen nicht Gefühlsregungen, die noch — allzu spät und unzeitgemäß — im Krieg ihren Ursprung haben, über den ruhigen Verstand die Oberhand gewinnen, besonders wenn wir uns einer neuen Lage gegenüber sehen.
Diese neue Lage entstand mit dem Tag, da Deutschland als Mitglied des Völkerbundes aufgenommen wurde, und — wie das entsprechend' der Bedeutung Deutschlands nur logisch war — sofort einen dauernden Sitz im Völkerbnndsrat erhielt. Im selben Augenblick wurde für Deutschland die juristische Gleichheit anerkannt, nämlich die Gleichheit der Rechte und Pflichten mit den anderen Mächten.
Dan kam Locarno, wo Deutschland und Frankreich die Unterstützung und Garantie Englands und Italiens erhielten. Diese Garantie — die für den Fall eines französischen Angriffs auf Deutschland bzw. eines deutschen Angriffs auf Frankreich wirksam werden soll — bedeutete offenbar, daß Deutschland und Frankreich auf dieselbe Stufe gestellt wurden, daß sie also beide dieselbe Verpflichtung haben, nicht anzugreifen, und dasselbe Recht auf Verteidignngsschntz bei einem Angriff des anderen. Diese Vorgeschichte muß in Erinnerung gerufen werden, wenn man zu dem Problem die historisch richtige und politisch sinngemäße Einstellung gewinnen will. Dennoch ist Deutschland trotz seiner Aufnahme in den Völkerbund, trotz Locarno — und sogar trotz des Kellogg-Paktes noch immer in der Verfassung eines Staates zweiten Ranges. Es wurde durch die Bestimmungen des Versailler Vertrages praktisch entwaffnet. Versailles -zwang ihm einen bescheidenen militärischen „Status" auf, notdürftig ausreichend für die Verteidigung und für die Aufrechterhaltung der Ordnung im Innern.
Aber in demselben Versailler Vertrag war di« Abrüstung Deutschlands nur als Einleitung einer allgemeinen Senkung des Rüstungsstandes auf die Ebene des deutschen gedacht. Das war eine feierliche Verpflichtung, die bisher nicht eingehalten worden ist.
Die Arbeiten der vorbereitenden Abrüstungskommission haben fünf Jahre in Anspruch genommen- Die Konferenz selber dauerte nur fünf Monate. Ueber hundert Reden wurden gehalten«