Ausgabe 
(21.10.1932) Nr. 236
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Parteiamtliches Organ der ' Bremer Nationalsozialisten

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Als Sie am 12. Oktober vor dem Bayerischen Jndustriellenverband in München Ihre große Rede hielten, wurden zwei Absichten bemerkbar: Erstens sollte damit eine Rechtfertigung erfolgen und zweitens durch eine geschickte Polemik meine Per­son und die nationalsozialistische Bewegung an­gegriffen und erledigt werden. Da Sie mich, Herr Reichskanzler, dabei des öfteren direkt und in­direkt anführten, sehe ich mich gezwungen, auf diese Ihre Rede ausführlich einzugehen.

Schon die von Ihnen gewählte Reihenfolge Ihrer Themen zeigt den inneren Gegensatz zwi­schen Ihrer Betrachtung der Lebensvorgänge ei­nes Volkes und der unseren.

Als Nationalsozialist beherrscht mich die Er­kenntnis, daß Außenpolitik und Wirtschaftspo­litik nur Funktionen find zur Selbstbehauptung und Erhaltung eines Volkskörpers «nd mithin bestimmt werden von Faktoren, die in inneren Wertem dieses Volkskörpers ihre Wurzel haben und aus ihnen ihre bestimmende Anweisung bekommen.

Diese inneren Werte umfassen ebenso die an sich im Blute gegebenen wie die durch Vererbung erhaltenen. Sie umfassen weiter die Werte der gesellschaftlichen und staatlichen Organisation ei­nes Volkskörpers.

Die blutsmäßige Ausbesserung eines Volkskör- pers ist die erhabenste Ausgabe des wahrhaften Staatsmannes. Aus keinen Fall aber kann man die Wieder erhebung eines Volkes anbahnen, ohne diese gr ößte Aufgabe im Auge zu behalten, und mach weniger, wenn man sich gegen sie stellt.

Im Hinblick darauf, daß die nationalsoziali­stische Bewegung aber gerade diese Erkenntnis in sich aufgenommen hat, stellt sie sich auf einen gei­stigen Standpunkt von dauernder Gültigkeit, nicht nur für die Betrachtung und Beurteilung der einzelnen Lebensvorgänge und Funktionen des Volkskörpers, sondern auch für die Durchführung der Absichten, die sich aus der Berücksichtigung dieser Erkenntnis für unser Volk in der Zukunft ergeben. Damit setzt diese Idee die sie vertretende Orgmrisation der nationalsozialistische« Bewegung in den Besitz einer Weltauffassung, die auf eine absolute Totalität Anspruch erheben kann. Und dank dieser universalen Idee ist diese Bewegung auch befähigt, den Kamps gegen andere Weltauf­fassungen durchzuführen.

Es ist deshalb verständlich, daß die Betrachtun­gen, die ich als Nationalsozialist über die gesell­schaftlichen, wirtschaftlichen oder außenpolitischen Lebensvorgänge anstelle, in sich geschlossene find. Daher ist es auch wohl verständlich, daß es für mich schwer ist, mich mit einer Rede zu beschäf­tigen, deren innere Disharmonie gerade deshalb so hervortritt, weil ihr jeder irgendwie mit dem Verstand zu fassende Ausgangspunkt sehlt.

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Es ist daher die Aufgabe dieser meiner Erwide­rung, gerade die Unlogik nicht nur dieser Ihrer Rede, Herr von Papen sondern auch Ihres Han­delns aufzuzeigen.

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ist eine Erscheinung, die in ihren letzten Ursachen mit einem nur wirtschaftlichen Verstand nicht be­griffen werden kann.

Menschen mangels großer Völkisch-Poli­tisch aufwühlender «nd bewegender Ge­danke« «nd Aufgaben sich nur mehr mit ihren eigenen wirtschaftlichen Belangen beschäftigen und in ihnen aufgehe«.

Das wirtschaftliche Denken erzieht am Ende immer zum Egoismus, und nur das völkisch-politische zum Idealismus «nd damit zum Heroismus.

Niemals aber benötigt ein Staatsmann diese gewaltigen Kräfte mehr als in einem Augenblick, da eine scheinbar erdrückende wirtschaftliche Not nur durch die unge­heuersten Anstrengungen überwunden und beseitigt werden lann.

In Deutschland haben die Regierungen seit dem Jahr 1918 dies nicht begriffen.

Was haben Sie, Herr Reichskanzler z. B. aus unserem

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gemacht? Eine armselige Aktion, höchstens zur Belebung des Geldverkehrs, soweit die Banken an ihm teilhaben, gänzlich unzu­länglich, um nicht zu sagen überhaupt wert­los aber für den angegebenen Zweck der Arbeitsbuch rffung.

Wenn Sie, Herr von Papen, heute nach den Mißerfolg Ihrer großen Aktion be­strebten wollen, dann werden die nächsten Monate ja endgültig erweisen, wer diese Dinge richtig gesehen hat, Sie oder ich.

Ich habe die Pflicht als Führer eine, Millionenzahl deutscher Volksgenossen so ««angenehm es Ihnen, Herr Reichskanz­ler, sein mag schon hier und heute fest­zustellen, daß meiner Ueberzeugung nach Ihr ganzes wirtschaftliches Notverord- unngswerk bereits gewogen ««d als leicht befunden wurde.

Ehenso wie mit dem Programm eine, Arbeitsbeschaffung, verhält es sich mit dem Programm einer

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Während wir Nationalsozialisten durch die Einführung einer allgemeinen Arbeits­dienstpflicht nicht nur ein Arbeitslosen- Reservoir entleeren, sondern zur Ueberwin­dung unserer inneren Klassengegensätze die deutsche Jugend ohne Ansehen ihrer Per­son und Herkunft zum Begreifen der Arbeit als sittliche Pflicht erziehen wollen, um sie in ihr und durch sie aneinander zu gewöh­nen und sich gegenseitig kennen, schätzen und liebe« zu lernen, bauen Sie, Herr Reichskanzler, ohne jedes Verständnis für diese gewaltige Aufgabe eine Institution auf, die» nur dieEnterbten des Glücks" um­fassend, zwangsläufig einst mehr zu einer Gefahr als zu einem Segen des deutschen Volkes werden mutz.

Damit aber kann ich auch hier leicht ein Prophet sein: Dieser Ihr Versuch hat weder

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Ihr Ausgangspunkt liegt in dem Miß­verhältnis, das zwischen dem deutschen Volke als Zahl seiner Bedeutung aus bluts- mäßig gegebenen Fähigkeiten, einem daraus resultierendem Kulturbedürsnis und allge­meinem Lebensstandard einerseits und der als Lebensraum dem deutschen Volke zur Zeit zugewiesenen Reichsfläche andererseits besteht. Das deutsche Volk ist daher ge­zwungen, entweder seine Volkszahl deut beengten deutschen Boden anzupassen, das heißt, sich selbstz« dezimieren, oder die übrige Welt für seine Lebenshaltung in Anspruch zu nehmen, sei es durch das Abschieben deutscher Arbeitskräfte als Auswanderer oder durch das Hinaussenden der deutschen Arbeitsleistung als Ware. Dieser letzte seit Jahrzehnten vor dem Kriege bereits unternommene Versuch, die Lebenshaltung des deutschen Volkes durch eine intenswe Anteilnahme am Weltverkehr und Welt­handel zu ermöglichen, führte Deutschland in den Weltkrieg.

Der Weltkrieg wurde verloren, weil die weltanschauliche Zerrissenheit der deutschen Nation einen ^geschlossenen Einsatz aller völkischen Kräfte nach außen bereits unmöglich machte.

Das ohne einheitliche weltanschauliche Auffassung schwankende, zwischen internatio­nalem Marxismus und bürgerlichen soge­nannten nationalen Vorstellungen zerris­sene Volk beendete das Ringen um seine damalige Lebensgeltung mit einer Revo­lution. Die Folgen dieser Revolution des Jahres 1918 waren entsetzlich.

Das späte Erwachen aus dem Repara- tionsunsinn, die allgemeine Einengung wirtschaftlicher Absatzmärkte überhaupt, die gigantische Steigerung der internationalen Konkurrenz führt zum langsamen Leerlauf der auf das äußerste rationalisierten Be­triebe und endlich zu ihrem Stillstand.

Eine Arbeitslosenarmee wuchs damit heran und wurde zu einem

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Alle Maßnahmen wirtschaftlicher Art zur Behebung dieser Not und mögen sie noch so schwer und eingreifend sein sind in ihrem letzten Erfolg zur Aussichtslosigkeit verdammt, wenn nicht der Ursprung des wirtschaftlichen Verfalls erkannt wird.-

Die Bereitwilligkeit zum Ertragen wirtschaftlicher Nöte, ja die allgemeine Opserwilligkeit überhaupt nehmen in eben demselben Umfange ab, in dem die

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Mit Bedauern stellen wir fest, daß auch wieder einmal dieWeser-Zeitung" in ihrem Kampf gegen die deutsche Freiheitsbewegung sich zu Entstellungen hinreißen läßt, die jeglicher sachlicher Kampfesart Hohn sprechen. In seiner gestrigen Abendausgabe gibt dieses Blatt den offenen Brief Hitlers an Papen wieder und überschreibt ihn mit der Schlag­zeile:Meint Hitler, Privateigen­

tum sei Dieb stahl?"

Wer den offenen Brief Hitlers liest, ganz gleich, wie er zum Nationalsozialismus eingestellt ist, kann aus dem Brief niemals herauslesen, daß der Nationalsozialismus plötzlich im Gegensatz zu seinen zahllosen programmatischen Kundgebungen das Eigentum als Diebstahl bezeichnet.

Adolf Hitler hat den Reichskanzler lediglich daraus aufmerksam machen wollen, daß das deutsche Volk sich über die Grundbegriffe des öffentlichen Lebens nicht mehr einig ist, daß die eine Richtung Eigentum als Diebstahl bezeichnet, wärenb die andere im Eigentum die Grundlage aller Kultur sieht, daß die eine Richtung religiösen Glauben verkündet, während die andere Religion als Opium jür das Volt bezeichnen «nd so fort

Wenn dieWeser-Zeitung" dieser doch nicht ab­zustreitenden Tatsache der Verdächtigung in einer großen Schlagzeile Raum gibt, daß der National­sozialismus Eigentum für Diebstahl erklärt, so be­rührt uns das umso eigenartiger, als diese grund­sätzliche Feststellung Adolf Hitlers keineswegs zum ersten Male ausgesprochen wird. Der Schriftleiter Gild derWeser-Zeitung", der vor einem Jahr in Harzburg war, wird uns bestätigen müssen, daß Adolf Hitler im Kurhaus einen ganz ähnlich lautenden Vergleich gebracht hat, als er davon sprach, daß man in Deutschland die kleinen Diebe einsperrt, aber die Partei, die Eigentum als Dieb­stahl bezeichnet, die stärkste Stütze der damaligen Regierung Brüning sei.

Wenn schon die Schünemann-Presse es für richtig hält, den Kampf gegen den eigentumsfeind- lichen Marxismus einzustellen, und sich ausschließ­lich gegen die deutsche Freiheitsbewegung zu wen­den, so könnte man zum mindesten erwarten, daß sie sich in ihrer Kampsesweise sachlicherer Argu« mente bedient, als die marxistische Presse.