Ausgabe 
(20.10.1932) Nr. 235
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Berlin. 19. Okt. Zu dem Rededuell, das heute abend in der „Neuen Welt" Mischen Deutschnationalen und Nationalsozialisten statt­gefunden hat, war der Andrang ungeheuer stark. Als um 19 Uhr die eisernen Tore zum Garten geöffnet wurden, drängten die Men­schenmassen mit rücksichtsloser Gewaltanwen­dung hinein. Aus der Menge ertönten zahl­reiche Schreckensrufe, besonders von Frauen, die vielfach ohnmächtig zusammenbrachen.

Dem Ausspvacheredner Pg. Tr. Goebbels waren von dem Veranstalter zweihundert Frei­karten für Mitglieder seiner Partei zur Ver­fügung gestellt, die anderen Plätze, etwa dreitausend, waren bei der DNDP in wenigem Tagen restlos vergriffen.

Unter den nationalsozialistischen Versamm­lungsbesuchern fiel eine Abteilung von SA- Leuten in Uniform auf. Außer Dr. Goeb­bels erschienen von den Nationalsozialisten auch Graf Helldorf und andere.

Das Thema der Versammlung lautete: „Nie wieder Parteienstaat". Der erste deutschnatio­nale Redner; Schmidt-Hannover, erklärte einleitend, daß der Wahlkampf, wie stets, gegen die Linke und gegen die Bolschewisierung des Vaterlandes gehe. Er kritisierte dann den mit Hilfe der Nationalsozialisten zustandege- kommenen Beschluß des Auswärtigen Aus- schusses. Der unglückliche Hitler-Putsch im Jahre 1923 habe die nationale Angriffsbewe- gung um Jahre zurückgeworfen. Eingehender kam der deutschnationale Redner auf die Harz- burger Verhandlungen und die politischen Er­eignisse nach HarzLurg zu sprechen. Die Rie­senfront der parlamentarischen und außerparla­mentarischen Kräfte von Harzburg hätte eine stetige nationale Reichsregierung schaffen und erhalten können. An Dr. Goebbels richtet« der deutschnattonale Redner die Frage, ob er die Erklärung eines nationalsozialistischen Ab­geordneten „Unser Feind steht rechts!" billige. Schmidt-Hannover schloß mit einer eindring­lichen Mahnung zur nationale» Einigkeit. Die ganze Versammlung, Deutschnationale sowohl wie Nationalsozialisten, sangen gemeinsam das FlaggenliÄ).

Dr. Goebbels

der mit stürmischen Heil-Rufen von den National­sozialisten begrüßt wurde, bezeichnete es als tra­gisch, daß heute in Deutschland zwei nationale Parteien miteinander zu fechten hätten. Auch die Nationalsozialisten wüßten nicht was sie dagegen einwenden sollten, daß der Parlamentarismus li­quidiert werde. Meistens sei man gegen die Mehr­heit, wenn man keine Hossnnng habe, die Mehrheit zu gewinnen. Die Nationalsozialisten hätten sich im Verlaufe der Jahre manchmal von Personen trennen müssen; sie hätten sich aber niemals von der Sache entfernt (stürmischer Beifall).

Das Programm von 1919—20 gelle auch heute uneingeschränkt.

Der Hitler-Putsch sei ein Versuch der Macht­ergreifung gewesen. Wenn von seiner Partei kom­munistische Anträge unterstützt würde«, so geschehe das nicht im Hinblick auf die Antragsteller, sondern im Hinblick auf den Zweck des Antrages. Dr. Goebbels nahm dann sehr scharf gegen die Gesamt- politik des Kabinetts von Papen Stellung. Zur Erörterung stehe das bisherige Verhalle» der DNVP„ deren Anhänger 1S18 zwar Monarchisten gewesen seien, aber nicht den Mut gründen hätten, sich vor den Monarchen zu stellen.

Harzburg sei ein Mißerfolg gewesen, denn die nationalen Bürckre würden sich niemals am grü­nen Tisch einigen, sondern erst dann, wenn sich eine Bewegung als die große Führerin durchgesetzt habe. Wie könne man verlangen, daß sich der Führer der NSDAP. als Vizekanzler hinter Pa- pen stelle? Wenn Papen mit seiner Politik SLiü-

bruch erleide, so ziehe er sich zurück und die Na­tion werde nicht erschüttert, erleide aber Hitler Schisfbruch, erklärte Dr. Gobbels unter stürmischem Beifall, so verlören in Deutschland vierzehn Millionen Deutsche ihre letzte Hoffnung.

Der Einsatz könne nur gewagt werden, wenn die Sicherheit bestehe, daß er zum Erfolg führe. Dr. Goebbels schloß unter Hinweis auf den bisherigen Kampf des Nationalsozialismus mit einem begeisterten Bekenntnis zu Hitler, von dem sich die Partei niemals trennen lassen werde. Er habe dem Programm die Treue gehal­ten, und die Partei werk« ihm auch in Zukunft, zunächst am 6. November, ihre Treue beweisen. Der Redner schloß mit dem Rufe: Weg mit dem Bruderkampf im nationalen Lager, aber weg auch mit den Parteien «nd her mit dem Nationalsozia­lismus.

In das Heil seiner Schlußworte stimmten die anwesenden Nationalsozialisten begeistert ein.

Als nach dem Abgeordneten Dr. Goebbels als zweiter dentschnationaler Redner der preußische Landtagsabgeordnete Steuer das Wort nahm und sagte, er fordere den Abgeordneten Dr. Goeb­bels auf, neben die Stammrolle des Abgeordneten Schmidt seine Stammrolle zu lege«, gab es im Saal eine erhebliche Unruhe. Es kam zu mehr­fachen Zusammenrottungen im Saal, so daß der 'Saalschutz eingreifen mußte. Als die Kapelle dar­auf das Deutschlandlied spielte, trat sofort wieder Ruhe ein. Landtagsabgeordneter Steuer konnte nach dem Zwischenfall seine Rede, wenn auch unter immer wiederholten Zwischenrufen der National­sozialisten, fortsetzen. Um 23.30 erhielt noch ein­mal Dr. Goebbels das Wort. Als Abgeordneter Schmidt-Hannover das Schlußwort erhielt, setzten die Zwischenrufe der Nationalsozialisten erneut ein und nahmen derartigen Umfang an, daß der Redner nicht sprechen konnte. Wieder spielte die Kapelle das Deutschlandlied und bei diesen Klängen sang die ganze Versammlung ein­schließlich der Nationalsozialisten wieder mit.

In seinem Schußwort, das nur unter ziemlicher Unruhe gehalten werden konnte, mahnte Schmidt- Hannover erneut zur Einigkeit.

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(Von unserem «m der Deutschlandfahrt teilnehmenden Sonderberichterstatter.)

Der Schlesientag der Deutschlandfahrt des Führers war ein gewaltig unbeschreibliches Erleben, alle Erwartungen wurden über­treffen. Es waren die größten Kundgebun­gen, die die Provinz jemals sah. An diesem Tag mit seinen gewaltigen Hitlertund- gebungen in Oppeln und Breslau hielt Schlesien mit dem System Papen und seinen Hintermännern vernichtende Abrechnung.

Das ganze Volk kam zu Adolf Hitler, Arbeiter, Bauern und Bürger. Es war ein Triumphtag, den der Führer in Schlesien erleben durste. Er nahm die Ueberzeugung mit, daß gerade in dieser Zeit, in der un­sere Gegner sich dem Wahn hingeben, billige Triumphe feiern zu können» die national­sozialistische Bewegung in unaufhaltsamem Vormarsch wie nie zuvor begriffen ist. Die Schreckensurteile von Beuthen haben mit aller Deutlichkeit gezeigt, woher der Wind weht. Jetzt ist das Schlesische Volk auch gegen diese Urteile wie ein Mann aufge­standen, indem es zu Adolf Hitler kam und vor dem Führer erneut ein überwälti­gendes Tveugelöbnis ablegte.

Ueber die aufgepeitschte Ostsee trug uns die Maschine im Sturmflug von Ostpreußen nach Schlesien, von Breslau mit der Wagen­kolonne nach Oppeln und Ohlau. Hier wurden zwei tapfere SA-Männer von fei­gem Ucichsbannergesindel hinterrücks und viehisch ermordet. Als Hitler in die abend­liche Stadt kommt, ist alles schon voller Menschen, die ihm im Vorüb erfahren zu­jubeln. In Oppeln scharen sich Zehntau­sende von Arbeitern aus den Fabriken und Betrieben um den Führer. In Breslau wiederum traten über 59999 in der über­füllten Jahrhunderthalle zum Trengelöbnis vor den Führer. In sarkastischer Weise charakterisiert Adolf Hitler die angebliche „Besorgtheit" der bürgerlichen Parteien.

Wenn man heute frage: „Herr Hitler, warum sind Sie nicht in den Zug gestiegen", dann antworte ich,

„ich bin nicht in den Zug eingestiegen,

well ich nicht die Absicht hatte, hinterher wieder auszusteigen.

Ich setze mich nicht in einen Zug, der näch­st« entol-ikL» muü. Wenn mau van dem

bestimmenden Einfluß spricht, den ich ja angeblich erhalten sollte, dann frage ich, warum hat man mich denn nicht auf die Lokomotive gelassen? Wenn ich eintrete, dann bin« ich nicht gewillt, hinterher wieder auszutreten. Wir wollen die Macht, well wir überzeugt sind, daß die andern nicht würdig und fähig sind, die Macht z« ver­wenden."

Adolf Hitler sprach zu den Massen von der Volksgemeinschaft, die unsere heilige nationalsozialistische Bewegung in 13 Jah­ren harter Arbeit geschaffen hat. „Ich kann den Herren in Berlin nur sagen: Ob ich regiere, ist nicht einmal so wichtig. Wichtig ist, daß das, was hier geschaffen wurde, nicht wieder zertrümmert wird. Ich weiß genau» daß gerade die Arbeiter in der nationalsozialistischen Bewegung ihr blind ergeben sind. Ich werde sie nie ver­raten und werde mich nie vom Volke tren­nen lassen. Der Herrenklub wird Deutsch land nicht verteidigen, sondern nur das Volk. Ich bin ein Kind des Volkes und werde es bleiben. Die Lebensaufgabe, die ich mir gestellt habe, ist, das Volk zum tra­genden Faktor des Staates und der kom­

menden deutschen Geschichte zu machen. Ich werde es nicht dulden, daß in letzter Minute wieder die deutsche Nation uns entrissen wird. Die nationalsozialistische Bewegung steht und ist nicht zu zerbrechen, Wir sind bereit, die Verantwortung zu übernehmen, wie bisher so auch heute. Das Unvermögen anderer aber mit unserem Namen z« decken, daran denk« ich nichts weder jetzt »och in Zukunft."

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Staatspräsident Bolz über Zentrum und Reichsregierung

Stuttgart, 19. Oktober. In einer Wahl. Versammlung der württembergischen Zentrums- partei in Weilderstadt erklärte der mürttem» belgische Staatspräsident Dr. Bolz, daß das Zen­trum mit den programmatischen Zielen der Papen- Regierung durchaus einverstanden sein könne. WaS jedoch die Mittel angehe, so bestünden gewisse Be­danken und Gefahre», ebenso bezüglich der Kontin­gentierung der Einfuhr landwirtschaftlicher Erzeug­nisse. Der Reimer sagte weiter, daß das Zentrum sich in keiner ausgesprochenen Oppositionsstellung gegen die Papen-Regierung befinde, da es bei seinen Zielen keine Oppositionspartei sein könne,

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Warschau, 19. Oktober. Immer deutlichere An­zeichen sprechen dafür, daß Poleu nunmehr ge­willt zu sein scheint, die langgehegten Absichten, den Danziger Handel, namentlich aber die Ausfuhr Danziger Waren über Danzig nach Polen unter Polnische Kontrolle zu stellen, vielleicht schon in allernächster Zukunft auszuführen. Wie der regierungsfreundliche „Krakauer Illustrierte Kurier" von maßgebender Stelle erfährt, wird augenblick­lich von dem polnischen Verband der Jndustrie- und Handelskammern im Auftrag maßgebender Stelle die Frage dieser Kontrolle und ihre Durch­führung geprüft.

Der polnische Vorschlag scheint dahin zu gehen, die Danziger Handelskammer dem Verband der Industrie- und Handelskammern in Polen ei-nzu, verleiben und infolgedessen eine Art Zweigstcllo des polnischen Verbandes bei der Danziger Han­delskammer zu errichten, der damit die Ausübung der Kontrolle über den gesamten Danziger Handel mit Polo» obliegen würde.

vis »spnEnkIudSep vspSinlASn siek

Berlin, 19. Oktober. Das technische Abkommen zwischen der Deutschnationalen Volkspartei und der Deutschen Volkspartei über die Reichsliste ist für die Wahlen vom 6. November unverändert er« neuert worden.

Tokvvi'v Hndvllslossnunnuksn

In I.0NÄ0N

London, 19. Oktober. Im Süden Londons kam es am Dienstag abend zu schweren, von Kommunisten angestifteten Arbeitslosenunruhen. Bei scharfen Zusammenstößen mit der Polizei wur­den über 29 Personen, darunter fünf Polizei- offiziere, verwundet. Die Polizei nahm 23 Ver­haftungen vor.

Etwa 3000 Arbeitslose aus allen Teilen Londons hatten sich in der Nähe der Westminster-Brücke versammelt, um nach dem Londoner Rathaus zu marschieren, wo sie höhere Unterstützungssätze ver­langen und gegen die Bedingungen der Bedürstig- keitsprüfung Einspruch erheben wollten. Die Po­lizei war zuerst machtlos. Sie wurde mit Steinen, >' Flaschen und Ziegeln beworfen. Die Menge zer­

trümmerte mehrere Ladenfenster und plünderte j wachuna.

Geschäfte. Als die Lage bedrohlich wurde, gingen starke Abteilungen Polizei zu Pferd und zu Fuß mit Gummiknüppeln gegen die Menge vor. Zum ersten Male wurden in London Polizeikraftwagen eingesetzt, die mit ziemlicher Geschwindigkeit gegen die Menge fuhren, während auf den Trittbrettern stehende Schutzleute von Gummiknüppeln Ge­brauch machten. Die Menge versuchte die Polizei- pferde scheu zu machen, indem sie Feuerwerk unter die Tiere warf. Erst nach schwerem Handgemenge konnte die Ruhe wieder hergestellt werden. Wäh­rend der ganzen Unruhen tagte der Londoner Stadtrat hinter verschlossenen Türen, von einer starken Polizciabteilung bewacht. Auch alle Zu­gänge Mn Parlament standen unter Ickarier Be-