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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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Berlin, 18. Oktober. Der Allgemeine Deutsche Gewerkschaftsbund und der Allgemeine Freie Angestelltenbund hatten ihre Mitglieder am Dienstag vormittag zu einer öffentlichen Kundgebung im Plenarsaal des vorläufigen ReichswirtschaftsratS zusammengerufen. Die Versammlung wurde durch den Bundesvorsitzenden Lei Part eröffnet, der zunächst die erschienenen Gäste begrüßte, darunter Ministerialdirektor Sitzler vom Reichsarbeitsministerium, der in Vertretung des Reichsarveitsministers an der Tagung teilnahm. Der Redner führte u. a. aus: Die erste Pflicht jeder Regierung sei es, die aufbauwilligen Kräfte zusammenzufassen und Reibungsflächen zu vermindern. Der Redner wandte sich dann sehr scharf gegen die Bestrebungen, den Gewerkschaften das Nationcck- gefühl abzusprechen und sie als Volksfeinde zu betrachten, weil sie sich nicht rückhaltlos hinter die Reichsregierung stellen können.
45 v. H. der Verbandsmitglieder seien voll arbeitslos. Nur etwa ein Drittel hätten volle Beschäftigung. Daraus könne man ersehen, wie groß das eigene Interesse der Gewerkschaften an der Wiedereinstellung Arbeitsloser sein muß. Die Entscheidungen der Gewerkschaften seien vollkommen frei von parteipolitischen Erwägungen. (?) Die Gewerkschaften würden jede Regierung unterstützen, die die Rechte der Arbeiterschaft unangetastet ließe.
Darauf ergriff das Mitglied des Bundesvorstandes, Tarnow, das Wort zu seinem Vortrag „Der Wirtschaftsplan der Reichsregierung und die Gewerkschaften" und führte u. a. folgendes aus: Die deutsche Industrieproduktion sei auf über die Hälfte zusammengeschrumpft, nämlich von 84 Milliarden im Jahre 1928 auf 32 Milliarden in diesem Jahre. Die ausreichende Versorgung aller Menschen sei heute nur eine Frage der Organisation der Arbeit. Hier sei eine völlige Neuordnung aus sozialistischer Basis mehr als dringend. Trotzdem betrachteten die Gewerkschaften es akS ihre Pflicht, auch auf dem Boden des kapitalistischen Systems nach erweiterten Lebensmöglichketten für die Arbeiterschaft zu suchen. Heute käme es darauf an, den Konsum zu Pflegen. Die Gewerkschaften seien in bezug auf den Erfolg des Regierungsplans nicht so hoffnungsfroh gestimmt wie die Reichsregierung, jedoch seien sie bereit, dem wirtschaftlichen Teil des RegierungsPlans die Chance zuzubilligen, seine Brauchbarkeit unter Beweis zu stellen. Leidenschaftlich aber müsse protestiert werden gegen den Teil des Plans, der mit unverträglicher Härte in den Lebensstandard der Arbeiterschaft und ihre sozialen Rechte eingreift. Der WirtschaftsPlan bestrafe den sozial denkenden Unternehmer und prämiere die antisoziale Unternehmerbrutalität.
Im Anschluß an die Darlegungen Tarnows sprach der Leiter der Arbeitsrechtsabteilung, Klemens Nörpel, über „Der Kampf um dte Wiederherstellung des kollektiven Arbeitsrechts und Tarifrechts".
Es wurde dann eine Entschließung gefaßt, in der es u. a. heißt:
Das Wirtfchaftsprogramm der Reichsregierung krankt an inneren Widersprüchen. Diesen Widersprüchen des Wirtschaftsprogramms entspricht sein unsozialer Geist. Die Rechte und Lebensnotwendigkeiten der Arbeiter und Angestellten werden den Wünschen der Landwirtschaft und Großindustrie geopfert.
Die Gewerkschaften fordern daher von der Reichsregierung, die Verordnungen vom 5. September und 3. Oktober aufzuheben.
Durch die krasse Ungerechtigkeit der RegierungS- maßnahmen ist bereits eine tiefe Erbitterung und Entrüstung ins Volk getragen. Diese Politik schafft immer neue Unruhe und zerstört damit die Voraussetzung für eine Belebung der Wirtschaft. Darüber hinaus fordern die Gewerkschaften die Abkehr von überlebten Wirtschaftsformen und die Einleitung einer Neuorganisation der Wirtschaft Znit dem Ziel planmäßiger Wirtschaftsführung."
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Die Untersuchung der blutigen Vorgänge in Siuuvering abgeschlossen.
Wien, 1. Oktober. Die Gerichtskom -> Mission, die die blutigen Vorfälle in Sim- mertnjg untersuchte, hat ihre Arbeiten beendet« Im Nachbarhaus des Parteiheims schien eine Reihe von Einschußspuren vorhanden zu sein, was darauf schließen ließ, daß auch die Nationalsozialisten geschossen hätten. Die Schietzsachverständigen stellten jedoch fest, daß diese „Einschußspuren" mit Bohrern oder Meißeln vermutlich schon vorher hergestellt worden seien.
Von den zehn Schutzbündlcrn, die durch Zeugen überwiesen sind, geschossen zu haben, legte« vier ein Geständnis ab. Andere Verhaschte habe« gestanden, -aß sie sich
der Polizei im Parteiheim mit Eisenstangen bewaffnet entgegenstellten.
Des Mo-rdes an dem Wachtbeamten ist ßin Schutzbündler namens Thiel verdächtig; man glaubt, daß die Leichenöffnung weitere Schuldbeweise zutage fördern wird. Bekanntlich ist vom sozialdemokratischer Seite behauptet worden, daß der Wachtmann durch Schüsse von nationalsozialistischer Seite getötet worden sei.
Im ganzen sind noch 57 Personen im Zusammenhang mit deut Vorfall in Haft.
Ob nun die „Bremer Volkszeitung" es noch weiterhin wagen wird, von Nationalsozialisten zu schreiben, die geschossen haben oder den marxistischen Mord provoziert haben sollen.
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Rom, 18. Okt. Das bekannte römische Mittagsblatt „Tevere" veröffentlicht einen aus Paris datierten Bericht seines Sonderkorrespondenten, der behauptet, daß in Pariser gutunter- richteten Kreisen ständig Gerüchte über einen Schritt deis Reichskanzlers gegenüber Herriot anläßlich seines Genfer Aufenthalts umgehen.
Es soll sich, wie der Korrespondent meldet!, um nicht weniger als den Plan eines fvan- tzösifch-deutfchen Militärbündnisses mit anti- ruffischer Tendenz handeln. Papen habe, so heißt es in dem Artikel weiter, als Gegenleistung für die Anerkennung der deutschen Gleichberechtigung durch Frankreich die Owfe- rung des guten Einvernehmens mit Moskau und den Beginn eines antirussischen Kreuzzuges angeboten. In dem Bericht, dessen Ueberschrift mit einem Fragezeichen versehen ist, wird besonders
der Name des Freimaurers Arnold Rechberger erwähnt.
Diese Aeußerung des römischen Blattes ist so unerhört, daß man von der Reichsregierung erwarten muß, daß sie sich umgehend und erschöpfend zu diesen Behauptungen äußert.
Die Behauptungen wiegen umso schwerer, weil der „Tevere" ausgesprochen deutsch-freundlich ist und den Artikel bestimmt nicht veröffentlicht hat, um auf Grand von unkoutrol- lietbaren Gerüchten das Ansehen der Reichs- vegieru-ng zu gefährden.
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Berlin, 18. Okt. Wie sehr sich die Börse über die Daten des Kabinetts von Papen freut, geht aus den „Letzten Börseuinformationeu" vom 11. Oktober heroor, in denen sich folgender bezeichnender Passus findet:
„Der Vorstoß Papeus nach Bayern wurde von der Börse erfolgversprechend beurteilt. Ebenso trug das Verbot nationalsozialistischer Versammlungen dazu bei, die Waytaussichten der Mitte in günstigerem Licht« erscheinen' zu lassen. Dieser innerpolitische Optimismus übertrug sich jetzt auch auf das außenpolitische Gebiet."
Papen verbietet nationalsozialistische Versammlungen, und die Börse freut sich! Das Volk wird seine Meinung am 6. November kundtun!
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Drahtbericht unseres an der Deutschlandfahrt teilnehmenden Sonderberichterstatters
Elbing, 16. Oktober. Wie stark die deutsche Arbeiterschaft gerade in den letzten Wochen im Nationalsozialismus die einzige Rettung gegen die Papenregierung erblickt, bewies schlagend die letzte große Hitler-Kundgebung in der Komnickhalle. 250V0 deutsche Arbeiter, darunter allein 8ÜVÜ Erwerbslose, saßen u>nd standen Kopf an Kopf in der alten Maschinenhalle, um den Führer des neuen Deutschland zu sehen und zu hören. Sie haben heute erkannt, daß die marxistischen Parteien das Papenregiment nicht beseitigen können, daß vielmehr KPD. und SPD. Papen sogar indirekt stützen. Die Erkenntnis hat sich in allen deutschen Arbeiterhirnen Bahn gebrochen, daß nur Adolf Hitler Papen schlagen und beseitigen kann.
Da stehen sie mit ihren bleichen, ausgehungerten Gesichtern und nur in ihren Augen fleht der stahl- haste Glaube an Adolf Hitler und seine Bewe
gung, zu leben und wie gestern die ostpreußischen Bauern, so jubeln heute die Elbinger Arbeiter dem Führer zu, als er ausführte, warum er nie die Vera-ntwortung für ein Kabinett übernehmen würde, in dem Herr von Papen zu bestimmen hat.
„Lieber will ich den Kampf aufnehmen wie bisher", sagte Adolf Hitler und 10 000 Münder riefen ihm zu, daß er sich auf feine Arbeiter in diesem Kampf verlassen könne.
Wenn es eines Beweises bedurft hätte, daß unsere Bewegung in ihrer Kampfkraft und ihrem Siegeswillen entschlossener und stärker denn je dasteht, so war es diese Kundgebung deutscher Arbeiter in einer alten verlassenen Maschinenhalle. In einer alten verlassenen Maschinenhalle, deren verrostete Träger und Triebräder so recht ein trauriges Sinnbild dieser Notzeit sind. Einst aber unter Adolf Hitler werden auch hier wieder Räder blitzen und das Lied der Arbeit wird wieder ertönen und dann wird der Name Papen längst vergessen sein.
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Koalitionsgesprache auf Vorschuß
In der „Deutschen Allgemeinen Zeitung", einem führenden Blatt der Regierungspresse, die sich allerdings — und das sei gern zugestanden — eine gewisse Unabhängigkeit von Herrn von Papen bewahrt hat, schreibt der Hauptschriftleiter Dr. Klein einen längeren Aufsatz, betitelt „Gegen Hitler?", der uns zu einigen sachlichen Bemerkungen Anlaß gibt.
Es ist verständlich, daß sich die Regierung null ihre Presse mit der Frage beschäftigt, was nach dem 6. November zu geschehen haben wird. Der erste Rausch ist vorbei und die Herren find sich darüber klar, daß der Nationalsozialismus auch nach dem 6. November als gleich starker Faktor in Erscheinung treten wird, ja, es werden Stimmen laut, die von einer nicht unbeträchtlichen Stärkung seiner Position sprechen. Darum versucht man im Regierungslager schon jetzt einem neuen 13. August die Wege zu ebnen, in der Hoffnung, daß Adolf Hitler sich diesmal entgegenkommender zeigen würde als beim ersten Male. Aus diesem Wunsch heraus sind wohl auch folgende Sätze zu verstehen, die wir mit einiger Genugtuung in der „DAZ." lesen:
„Wer könnte das unvergängliche nationale Verdienst dieses Mannes und seiner Bewegung be- streiten, die dem heiligen Begriff Vaterland wieder das Bürgerrecht erkämpft, die Alleinherrschaft der Roten auf der Straße gebrochen, die Massen für das Ideal der Freiheit in Bewegung gesetzt, den Kurswechsel in der Politik des Reiches und Preußens erst ermöglicht haben. Der Heroismus einer Jugend, die wieder ihr Leben für die Idee einsetzt, ist der edelsten Vorbilder tausendjähriger Geschichte wert. Aus einer Sekte von sieben Mann wurden doppelt so viel Millionen. Das ist eine politische Leistung größten Ranges, eine historische Tat, ein deutsches Wunder in tiefster Not der Nation, die Verheißung, daß unsere Augen das Morgenrot der Freiheit sehen werden."
Wenn Adolf Hitler eine politische Leistung größten Ranges, eine historische Tat, ein deutsches Wunder vollbracht hat, warum gab dann Hinden- burg nicht diesem Mann den Kanzlerposten, den er Jahre vorher dem Sozialdemokraten Müller ausgeliefert hat? Warum entrüstet man sich in gewissen Kreisen, daß ein Mann von solchen Verdiensten sich nicht mit dem Luftfahrtministerium begnügen wollte? Warum begreift man nicht, daß der Erwecker des neuen deutschen Lebenswillens, ganz abgesehen von seiner eigenen Person, nicht in ein Kabinett hineingehen kann, wenn ihm nicht die Voraussetzung gegeben wird, mit der übernommenen großen Verantwortung das deutsche Wunder zu vollenden? Hier klaffen doch Widersprüche auf, die uns ein Herr Hugenberg oder Dr. Klein kaum erklären könnten. Eine kleine Zwischenbemerkung sei uns gestattet. Wir haben feststellen können, daß der Leitartikler der „Bremer Nachrichten" wohl aus Zeitmangel ganze Sätze mit einigen Wortumstellungen aus den Leitartikeln der „Deutschen Allgemeinen Zeitung" für den seinigen verwendet. Wir wären diesem Herrn zu Dank verpflichtet, wenn er zufällig auch die oben zitierten Sätze zur Stärkung der Objektivität dieses nationalen Blattes benutzen würde.
Herr Dr. Klein plädiert dann in langen Ausführungen für die Stärkung der Mittelpartcten, um dem Nationalsozialismus ein Gegengewicht zu bieten. Nach den ersten Sätzen dieses Artikels hätte man eigentlich annehmen können, daß dieser Politiker sich auch über die Ursachen und Kraftquellen des deutschen Wunders in tiefster Not der Nation einige Gedanken machen würde und daß er dabei feststellen müßte, warum man den Nationalsozialismus nicht mit den Wünschen nnÜ, Zielen jener von ihm geforderten Interessen« Parteien verwässern kann, ohne ihn zu zerstören^ An dem Unvermögen, diese für jeden National« sozialisten offen zutage liegende Wurzel alleS Uebels zu erkennen, sehen wir die Hauptschwierig« keit dieses Wahlkampfes. Auch die „DAZ." scheint nicht begreifen zu können, daß unsere Stärke nnkj damit Deutschlands Zukunft in der Reinheit der