Ausgabe 
(18.10.1932) Nr. 233
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Weißenburx, 17. Okt. Am Sonntag er­eignete sich zwischen Weißenberg (Kreis Stuhln) und Montauerweide ein gemeiner polnischer Ueberfall. Deutsche Arbeiter, die «n der unübersichtlichen Weichselgrenze beim Weidenschueiden anscheinend die Greuze auf der rechten Weichsclscite überschritten hatten wurden von der linken Seite der Weichsel aus, von fünf polnischen Grenzbeamte« be­schossen. Während zwei Arbeiter flüchte« konnten, wurde ein dritter, der Arbeiter Schiwelsli, angeschossen und von den Grenz- beamten mit einem Boot nach Polen ver­schleppt. Die näheren Ermittlungen haben bereits begonnen. Nach Zeugenaussagen haben die polnischen -Beamten skrupellos deutsches Gebiet betreten, um dem Verletz­ten den Weg abzuschneiden. Die amtlichen Feststellungen Hierüber werden noch ge­troffen.

Der Landrat des Kreises Stuhm Dr. Zimmer hat sich sofort nach dem Ueberfall mir dem polnischen Kommissar in Beue ins Benehmen gesetzt und ihn zu einer Unter­suchung des Falles an Ort und Stelle eingeladen. Eine solche Gerichtskom- misfion mit dem Landrat begab sich ant Montag an die Stelle des Ueberfalls. Nach den amtlichen deutschen Mitteilungen steht bereits einwandfrei fest, daß der ver­wundete deutsche Arbeiter von deutschem Gebiet verschleppt worden ist. Vier Polen haben ihn an Händen und Füßen über die polnische Grenze getragen und dann mit dem Boot auf das westliche Weichselufer geschafft.

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Genf, 17. Oktober. Der Völkerbundsrat trat am Montag zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen, in der einstimmig der gegenwärtige stellvertretende Generalsekre­tär Avenol zum Generalsekretär des Völ­kerbundes ernannt wurde. Die Wahl be­darf noch der Zustimmung der Mehrheit der Bundesversammlung und wird auf der Ende November stattfindenden außer­ordentlichen Völkerbundsversammlung er­folgen.

Königsberg, 18. Okt. In wenig mehr als 4 Stunden begab' sich der Führer in dem" neuen drekmotorigen Flugzeug von Würz- burg nach Ostpreußen eine wilde Jagd mit peitschenden Luftschrauben Lurch Wol- kendunst und Nebel.

Der Tag für Ostpreußen.

Wiederum zeigen die Bauern nun Ar­beiter des Grenzlandes in .überwältigen­den Kundgebungen, wie unverbrüchlich und treu sie zu ihrem Führer Adolf Hitler und zu der gewaltigen Idee des Nationalsozia­lismus stehen Auch in diesem Teile Deutschlands erfahrt man. baß die Flut der Verleumdungen, die in den letzten Wochen über uns Herniedergingen, wir­kungslos abgeprallt und die Siegeszuver­sicht der Nationalsozialisten durch nichts zu erschüttern ist.

Es wiederholt sich das Bild aus den Julitagen dieses Jahresr die Fahrt des Führers durch Ostpreußen glich einem Tri- nmphzuge. Blumen und Fahnen, jubelnde Menschenmassen und opferbereite SA.-- Stürme säumten den Weg dessen, der sein ganzes Leben der Freiheit seiner Volksge­nossen geweiht hat.

Auf drei Plätzen sprach der Führer: Tilsit, Jnsterburg und Königsberg.

Ueberall ballten sich die Massen, ein jubeln­des Beispiel deutscher Treue. Der Führer spricht:

Ich habe am 13. August Nein gesagt, weil ich die Bewegung mit dem System Pape« nicht verbinden wollte, sonst wären heute Tausende von Bauern und Arbeitern ungeheuerlich enttäuscht« Unsere Bewegung kaun mau nicht einsetzen und nach 2 Mo­naten wieder zurückziehen. Sie kann nur einmal eingesetzt werden und dann muß es ! in der entscheidenden Stunde zum Wähle Deutschlands sein. Warum wollte man mich denn überhaupt in dieses Kabinett hinein- nchmen?

Nur mich mundtot zu machen. Ei« Luft­fahrtministerium sollte ich verwalten, zu

dem die Luftfahrt überhaupt noch nicht

vorhanden war. Die Polizei sollte ich

befehlige«, um sie gegen die verhetzte

Masse einzusetzen, wenn das Kabinett

Pape« scheitern sollte.

Ich habe niemals den Ehrgeiz gehabt, Minister genannt zu werden. Wenn ich bedenke, welche unterschiedlichen Charaktere in Deutschland Minister sein dursten, so muß ich schon sagen, daß ich es nicht ver­führerisch finde, in diese erhaben« Gesell­schaft eingereiht zu werden.

Woher kommt es, daß sich das Ansehe« Deutschlands in der Welt wenigstens etwas gehoben hat? Nicht, weil ein Herr von Gayl oder Herr von Papen zufällig im Kabinett sitzen, sonder« weil der National­sozialismus Deutschland ein anderes Ge­sicht gegeben hat. Schon 1S18 saßen diese Herren an der Macht, sie konnten befehlen, ich mußte gehorchen, sie hatte» die Macht, ich hatte keine Macht, Aber sie kapitu­lierten vor dem Marxismus, während ich ihm Widerstand leistete. Heute reden sie von Autorität. Wenn Herr von Papen in seinem Kabinett einmal die Autorität besitzen wurde ,die ich in den hinter mir stehenden 14 Millionen habe, so könnte er zufrieden sei»:. Wer in unseren Reihen kämpft, wird niemals von uns fortgehen. Unser Kampf geht weiter. Ich verzichte von vornherein und für alle Zukunft auf alle staatlichen Bezüge, ich will nur die Macht und ich werde, das mögen die Her­ren wissen, wicht nicht jedem verbinden, unter der Voraussetzung, daß wir die Füh­rung haben. Die Partei wird im Kamps stehen, ihre Organisation wird diesen Kampf weiter fortführen eingedenk dieser Verpflichtungen den Millionen gegenüber, und die Partei wird den Kampf zum Siege führen. Eingedenk unserer Opfer, unserer Toten und auch eingedenk der Toten, die im Weltkrieg gefallen sind, denn kein Opfer soll gebracht werden, auf das nicht vom Volke und aus dem Volke wieder eins ent­gegenkommt."

Brausender Beifall dankte den Worten.

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Genf als Konferenzort erneut abgelehnt.

Berlin, 17. Oktober. Der englische Ge­schäftsträger in Berlin, Newton, suchte am Montag nachmittag den Rcichsaußenminister von Reuvath auf und schlug ihm in einer Unterredung erneut Gens als Konferenzort für die vorgesehene Vier-Mächte-Konserenz vor. In der Besprechung erklärte der Reichsaußenminister unter eingehender Be­

gründung wiederum, daß Genf für Deutsch­land nicht annehmbar fei.

Es ist nunmehr anzunehmen, daß jetzt Verhandlungen über einen anderen Konse- renzort beginnen werden. Jedenfalls gel­ten die Verhandlungen noch nicht als ge­scheitert. Man rechnet vielmehr in poli­tischen Kreisen nach wie vor mit dem Zu­standekommen der Konferenz.

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Pg. Alfred Kindler, Leipzig, von Marxisten ermordet!

Leipzig, 17. Oktober. Im Anschluß an die gestrige Goebbels-Litzmann-Versamm- lnng kam es gegen 21.3« Uhr in der Kirch- itratze zu einem marxistischen Ueberfall auf Nationalsozialisten, über den wir gestern bereits berichteten, wobei mehrere Schüsse abgegeben wurden. Fünf Personen, dar­unter drei Nationalsozialisten, wurden

schwer verletzt und ins Krankenhaus St. Jacob eingeliefert.

Von den Verletzten starb bald nach der Einlieferung ins Krankenhaus der 24jäh- rige Bäcker Pg. Alfred Kindler. Das Neber- sallkommando konnte die Schützen nicht er­mitteln, nahm jedoch einige Verhaftungen vor. Die polizeilichen Crmittelunaen sind noch im Ganges

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London,. 17. Okt. Nachdem der oppositio­nelleDaily Herald" schon auf grundlegende Meinungsverschiedenheiten zwischen MacDonald nnd dem Schatzkanzler über die Aufnahme einer großen Arbettsbeschaffungsanleihe hin­gewiesen hat, verdichten sich jetzt die Nach­ten über Gegensätze im Kabinett. Von der konfeLoatiben Presse werden Meldungen ge­bracht, daß MacDonald die in den Banken nutzlos liegenden Gelder, deren Höhe vom Snnday Dispatch" auf 1,6 Milliarden Pfund angegeben wird, für die Durchführung eines großennationalen Entwicklungsplanes" mobi­lisieren wolle, daß er aber hierbei auf den Widerstand verschiedener Kabmettsminister ge­stoßen sei. Nach dem sozialistischenPeople" hat MacDonald die feste Absicht, seinen Ent­wicklungsplan, desrn Einzelheiten schon aus­gearbeitet sind, dem Kabinett ungeachtet des zu erwartende^ Widerstandes vorzulegen.

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Deutschland ohne Einfluß auf die Geheim- biplomatie des Völkerbunbsfekretariats Von Dr. Hans Hillebrand

Die Intrigenwirtschaft im sogenannten Vier zehner-Ausschutz des Völkerbundes hat inzwischen solche lächerlichen Ausmaße angenommen, daß man Deutschland nur um jeden Tag bedauern kann, der ihm nicht den längst fälligen Aus­tritt auf dieser internationalen Staatengemein­schaft, die gar keine ist, beschert. Als Anfang Sep­tember 1826 das Bölkerbnndssekretariat der deut­schen Regierung den Genfer Aufnahmebeschluß te­legraphisch mitteilte und bei uns alle Pazisisten- herzen vor Rührung ob dieser Gnade höher zu schlagen begannen, schrieb dieEre Nouvelle", das bekannte französische Linksblatt, kaltschnäuzig? Dadurch, daß wir Deutschland einen Platz tr» Rate der freien Rationen einräumen, haben wir die natürliche Wirkung der Ränke, die sich im- ^ mer im Herzen der Besiegten verbergen, neutra­lisiert. Wir haben damit gewisse nationale Be­strebungen, die sich in Deutschland gefährlich regten, der europäischen Disziplin unterworfen."

Man muß sich diesen und alle ähnlich lautenden Aussprüche französischer Staatsmänner, Politiker und Zeitungen aus jener Zeit ins Gedächtnis zu­rückrufen, um heute zu erkennen, in welcher be­wußt niederträchtigen Art die deutschen Vertreter in Genf tatsächlich jahraus jahrein von den an­deren Großmächten getäuscht worden sind, wenn es sich darum handelte, auch nur eine einzige für das deutsche Volk lebenswichtige Gleichberechtigungs­forderung loyal zu erfüllen. Bedeutet nicht bei­spielsweise die jüngst über den Kopf Deutschlands hinweg erfolgte Neuregelung der politischen Lei­tung des Völkerbundssekretariats eine unerhörte Herausforderung Deutschlands, das mit einem Schlage seines Einflusses, auf die Arbeit und Be­schlüsse dieses Sekretariats beraubt wurde? Ver­trägt es sich mit der Ehre unseres Volkes, eins derartige Behandlung, die einer Züchtigung gleich­kommt, stillschweigend oder mit leeren Protesten, die an der Sache selbst nichts ändern, als etwas Unabwendbares hinzunehmen? Unsere Geduld ist zu Ende.

Die Großmächte England, Frankreich und Jta« lien haben sich zusammen mit mehreren kleineren Staaten über die erneute Zusammensetzung des Völkerbundssekretariats dahingehend geeinigt, daß der Franzose Avenol das seit dem Rücktritt Sir Eric Drummonds verwaiste Amt des Generalsekre­tärs übernimmt und der deutsche Vorschlag, wo­nach gemäß einem Turnus jeder der drei Unter- generaisckretäre, von denen einer Deutscher ist, den Posten des stellvertretenden Generalsekretärs zeit- wellig einnehmen sollte, in Bausch und Bogen verworfen wurde. Wenn Deutschland das Unier- generalsekretariat für Wirtschaft und Finanzen erhielt, so war das durchaus keine Annahme un­serer politischen Forderungen, wie man uns heute weismachen will, sondern ein Gnadsnbrocken für uns. Ueber fünfzig Prozent aller maßgeblichen Posten befinden sich seit Jahr und Tag in den Händen Frankreichs und Englands! Spricht das i nicht Bände? Heute konnte im Sinne Englands und Frankreichs entschieden werden, nachdem es beiden Mächten gelungen war, Italien nnd Japan zu sich herüberzuziehen, den Widerstand einiger kleiner Staaten zu brechen und das völlig isolierte Deutschland vor eine vollendete Tatsache zu stellen. Alle im Laufe der Zeit von Deutschland angereg­ten Reformen fielen damit ins Wasser, und die deutsche Diplomatie wurde um eine Illusion ar­mer.

Wir Deutschen wissen jedenfalls ccvug, was uns im Genfer Bölkerbundspalast noch alles blühe«