Ausgabe 
(13.10.1932) Nr. 229
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' Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Nach dem gestrigen glänzenden Auftakt der großen Wahlkundgebung in Guensburg an der 'Donau und der alten Reichsstadt Nördlingen, sprach Adolf Hitler heute zu den NiederbaySrn in iPocking im unteren Jnntal nahe der österreichi­schen Grenze. Hatte bereits der gestrige erste Tag der Dentschlandfahrt des Führers im Gegensatz zu der amtlichen Stimmungsmache einen über Er­warten starkem Eindruck von der elementaren Bolksstimmung gegen die Regierung von Pape« und ihre stümperhaften Sanierungsexperimente hinterlassen, so wurde dieser Eindruck in der Heutigen gewaltigen Kundgebung im äußersten Südosten d'es Reiches noch stärker unterstrichen.

' Wenige Kilometer nur entfernt von jenseits des Jnn, in Brannau, wo Adolf Hitlers Geburts­haus steht, sammelten sich schon in den frühen Mittagsstunden die Masten. Die große Landwirt­schaftshalle in Pocking war überfüllt, so daß sich draußen auf dem Vorplatz und bis weit hinein in die Vorstadt Kopf an Kopf, Männer und Frauen, drängten. Während die tönende, aber deshalb nicht durchgreifende Rede, die Herr von Papen vor einem kleinen Kreis industrieller In­teressenten hielt, mit Hilfe staatlicher Mittel über alle deutschen Sender ins Land hinausposaunt wurde, um Volksstimmung künstlich zu erzeugen, sprach Adolf Hitler inmitten der nach Zehntausen- iden zählenden gewaltigen Kundgebung über die Lage der deutschen Nation, so wie sie wirklich ist.

Die Papenrede hätte in der Tat keine passen­dere Widerlegung finden können, als durch die Ausführungen, die Adolf Hitler zur gleichen Stunde in dieser gewaltigen Kundgebung machte.

Dort der Chef einer Regierung, der sich nur aus einen kleinen Kreis von Reaktionären Mtzt einer Regierung, der das deutsche Volk soeben mit 512 gegen 42 Stimmen se«r vernich­tendes Mißtrauen ausgesprochen hier der Führer aus eigener Kraft, der im Volke selbst wurzelt, sich sein Vertraue« erarbeitet und er­kämpft hat.

Adolf Hitler kennzeichnete das Papensche Wirt- .chaftsprogramm als das, was es ist, eine ober­flächliche Arbeit, die sich in übler Weise unsere Gedanken zu Nutze machen möchte, ohne sie selbst auch nur begriffen zu haben und die in Wirklich­keit nur dazu führen kann, die furchtbare materielle und seelische Notlage des deutschen Volkes noch mehr zu verschärfen. Darüber kön­nen auch alle noch so dialektischen Reden nicht

hinweghelfen. In diametralem Gegensatz zu der Darstellung von Papen zeigt der Führer die Wirk­lichkeit und den wahren Sinn des 13. August, auf der nichts anderes gewesen sei, als der Wunsch, der nationalsozialistischen Freiheitsbewegung die Verantwortung aufzubürden, ohne ihr den ent­sprechenden Einfluß zuzubilligen.

Das wisse das ganze Volk, nur Herr von Papen glaubt noch immer das Gegenteil.

Entweder, es wird in unserem Sinne regiert, dann habe« wir die Verantwortung, oder es wird nicht in unserem Sinne regiert, dann tragen andere die Verantwortung. Ich glaube an kein Regiment, das nicht im Volke ^selbst verankert ist, ich glaube an kein wirt­schaftliches Regiment, Las das Pferd von hinten aufzäumt. Richt von oben kann man ein Hans aufbauen, sonder« von unten muß man begin­nen. Das Fundament eines Staates ist nicht die Regierung, sonder« das Volk!"

Den bürgerlichen Parteien und Politikern, die seit November 1918 geschlafen hätten, während der Nationalsozialismus arbeitete und die jetzt auf einmal hervortreten und ihre Zeit für ge­kommen erklären, antwortete er:Heute ist nicht mehr eure Zeit, sondern unsere Zeit." Herr von Papen, der erst vor drei Monaten aus der Zen­trumspartei ausgetreten ist, in der er ein Dasein unter Ausschluß der Öffentlichkeit geführt hatte, habe bis heute nichts geleistet. Wenn dieser Herr von Papen heute es für gut befindet zu sagen:Ich werde Ihr Programm durchführen", dann antwortete er ihm:Auch das muß man gelernt haben." Mit den Verordnungen Papens könne man nichts durchführen, denn Opfer könne man niemals befehlen, diese Opfer würd«! nur freiwillig geleistet, in einer Schicksalsgemein- schast, die auf Gedeih und Verderb miteinander verbunden sei.

Wenn Herr von Papen sage:Sie find nur

da, weil die Not da ist", dann antwortete er: Ja, wenn das Glück da wäre, dann brauchte ich ja nicht hier zu sein und würde nicht hier sein.

Ich werde nicht dulden, daß diese sogenannten bürgerlichen Politiker die vom National­sozialismus in harter Arbeit ausgebaute Volks­gemeinschaft wieder in Klassenparteien ausein- anderreißen wollen. Ich weris dieses deutsche Volk im Innern wieder aussöhnen und weiß auch dann, daß ich damit die Voraussetzung zur neuen Größe der Nation geschossen habe.

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Goebbels Antwort anf dieEinladung" zur Diskussion bei den Deutschnationalen.

Berlin, 12. Oktober. Der Berliner Gau­leiter Dr. Goebbels hat an die Parteileitung der DNVP. ein Schreiben gerichtet, in

dem es n. a. heißt: ^ .

Daß.Sie es ablehnen, einen Ihrer Red­ner in unsere Sportpalastversammlung am Mittwoch zu entsenden, wird von jedem objektiv Denkenden nur als Versuch ge­weitet, der Ihnen gewiß peinlichen nnd unangenehmen Auseinandersetzung zu- ent-

Darum Wohl auch haben Sie Ihre wei­teren schriftlichen Ausführungen mit be­wußter Absicht so persönlich beleidigend ge­halten, daß Sie meinen, annehmen zu dürfen, ich würde auf Grund dessen ^hrer

Aufforderung, in einer deutschnationalen Verstümmlung zu reden, nicht Folge leisten können. Diesen Gefallen werde ich Ihnen nicht tun. Daß Sie gern verzichten würden, gerade mit mir zu diskutieren, wird wohl nicht allein seine Begründung darin finden, daß derAngriff" angeblich die deutsch­nationale Partei in unerhörten Beschimp­fungen bekämpft. Wenn Sie trotzdem, wie Sie schreiben, sogar mir die Möglichkeit zu einer Auseinandersetzung geben, so empfinde ich das als ganz unverdiente persönliche Ehrung welch ein Glanz i« meiner Hütte und ich kann schon deshalb nicht ganz umhin, Ihrer freundlichen Aufforderung Folge zu leisten.

Sie wollen so gnädig sein, mir mitzu­teilen, in welcher deutschnationalen Ver­sammlung ich zu Wort kommen darf. Sie gestatten mir Wohl die ergebenste Bitte an Sie, dabei in dieser Woche den 13. und 14. und in der nächsten Woche den 16., 20: und 22. ausnehmen zu wollen, da ich an diesen Tagen die Absicht habe, in Versammlungen außerhalb von Berlin mit der deutschnatio- naleu Partei abzurechnen. An allen ande­ren Tagen stehe ich gern zur Verfügung und ich ersuche untertänigst darum, nur be­fehlen zu wollen.

Mit Hitler-Heil gez. Dr. Goebbels.

^ontsvki'sitsntisn Vvplsil bei klsn Tkisi'skpsi'lsi

Berlin. Die Auseinandersetzungen inner­halb der Sozialdemokratischen Partei neh­men ihren Fortgang. Aus Solingen wird berichtet, daß dort die Sozialdemokratische Parteimit großer Mehrheit "den Aus­schluß des Solinger Bürgermeisters Brisch aus der Partei beschlossen habe. Bereits seit langer Zeit hübe eineSpannung" zwischen dem Bürgermeister und der SPD. bestanden, jedoch habe den unmittelbaren Anlaß zum Ausschluß die UeberleitiMg der August-Dicke-Schule an den Staat zur Be­nützung als Lyzeum gegeben. DerGe­nosse" Brisch hat gegen den Ausschluß zwar Protest erhoben, doch wird bereits von den Berliner Instanzen erklärt, daß der Be­schluß der Solinger SPD.zu Recht" be­stehe.

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Düsseldorf, 12. Oktober. Der Polizeiprä­sident von Düsseldorf hat soeben bis ein­schließlich 18. Oktober d. I. sämtliche Ver­sammlungen der NSDAP. und ihrer Un­terorganisationen wie NSBO. usw. für das gesamte Gebiet der Stadt Düsseldorf ver­boten. Die Begründung für dieses unge­heuerliche Verbot liegt noch nicht vor.

Je mehr wir in den Wahlkampf hinein­kommen, umso mehr scheinen die Reaktio­näre vom Herrenklub und der Deutschnatio­nalen Volkspartei es daraus anzulegen, den Nationalsozialismus und mit ihm das deutsche Volk in seinem Kampf gegen die unberechtigt herrschenden Gewalten zu be­hindern.

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Gens, 12. Oktober. Reichsaußenmi­nister von Neurath hat dem Präsidenten der Abrüstungskonferenz durch ein Mitglied der deutschen Abordnung mitgeteilt, daß er infolge der Einladung der Londoner Konferenz und der dadurch geschaffenen Lage seine bereits getroffe­nen Dispositionen nicht ändern könne, und deshalb nicht Nach Gens kommen' werde. Diese Mitteilung ist in Beantwortung der Anfrage er­folgt, die Henderson durch den Gesandten von Rosenberg, übermitteln ließ.

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München, 12. Oktober. Der nationalso­zialistische Abgeordnete Johann Weber, der seit April dem Bayerischen Landtag an­gehört, ist auf der Heimfahrt vou einer Kundgebung in Günzburg bei einem Mo- torradunfall tödlich verunglückt.

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Zwischen den verschiedenen Diners und festlichen Empfängen, unter anderem auch beim Kronprinzen Ruppvecht, beim Bayri-^ schen Automobilklub und dem Akademisch« politischen Klub, hat der Reichskanzler is München eine Rede gehalten, deren redne­rische Geschicklichkeit von der Regierung^ presse umso mehr unterstrichen wird, je weniger positiver Inhalt in ihr zu finden ist. Der erste Teil der Ausführungen stellt einen mißlungenen Rechtfertigungsversuch über das schon jetzt gescheiterte Wirtschafts- prvgramm der Reichsregiernng dar. Herr von Papen glaubt, daß die Anfangserfolg!, nicht ausgeblieben sind und er meint, daß die günstige Beurteilung der weltwirtschaft­lichen Entwicklungsaussichten ihm weiter­helfen wird. Es dürfte in Deutschland kei­nen überrascht haben, daß eine Milliarden- aktion der Reichsregiernng wenigstens ei­nige Tausend Neueinstellungen herbeigeführt hat. Was bedeuten aber diese lächerlichen^ Zahlen gegenüber den 8 Millionen Ar­beitslosen, gegenüber der trotz Papen rasch weiter um sich greifenden Not des Mittel­standes, gegenüber der dumpfen Verzweif. lnng von Millionen von Menschen, die nicht wissen, wie sie in diesem Winter sich näh­ren und kleiden sollen? Selbst in der Re­gierungspresse sickert immer mehr die Auf­fassung durch, daß Papens Programm der fandet und daß es notwendig ist, einen neuen Ankurbelungsplan zu erfinden, der die Regierung durch den Wahlkampf rettet» DieWeser-Zeitung" hat schon vor eini­gen Tagen mit großer Schlagzeile mitge­teilt, daß die von Herrn von Papen ge­priesene Privatinitiative nicht mehr genüge, sondern daß es notwendig sei, den Gereke- Plan heranzuziehen. Ein erstes Sturmzei­chen, dem rasch andere folgen werden. Da­mit erledigen sich auch die schönen Worte, die Herr von Papen über den sozialpoliti- tischen Teil seines Programmes gefunden hat, erledigen sich auch alle die Wahl- versprechungen, die er den Arbeitslosen und Rentnern machte, denen man einige Pfen­nige mehr verspricht, bei denen sie ebenso­wenig leben können wie vorher.

Eine andere Frage ist die von Herrn von Papen geplante Verfassungsresorm, über die sachliche Auseinandersetzungen durchaus möglich sind, da auch wir Nationalsozialisten grundsätzliche Gegner des heutigen parla­mentarischen Systems sind. Wir bezweifeln nur, daß eine Regierung, die so wenig im Volke wurzelt, die so wenig Verständnis für die weltanschauliche Umstellung der Menschen von heute aufzeigt, in der Lage, sein wird, eine Verfassungsresorm Anschaf­fen, die die nationalen Kräfte der Nation einheitlich zusammenballt und eine wirk­liche autoritäre Regierung-ermöglicht. Ganz abgesehen davon, daß heute jede Verfas­sungsreform solange Utopie bleibt, solange nicht den Arbeitslosen Arbeit nnd Brot geschaffen wird.

Ganz grundsätzlich müssen wir uns ge­gen die falsche Darstellung des Herrn von Papen über den 13. August wenden. Herr von Papen hat hierzu folgendes gesagt:

Es ist eine historische Fälschung, wenn heute behauptet wird, ich, der Kanzler, habe den Nationalsozialismus von der Ergrei­fung der Verantwortung ferngehalten. Das Angebot des 13. August gab der NSDAP. einen Anteil an der Macht im Reiche nnd