Ausgabe 
(12.10.1932) Nr. 228
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

22V

1SS2

Vnsmvn, «Mlvvoek, rlsn 12. vklodv^

Sinrskp^st« 1S pfg-

Verlag, Redaktrmr und Geschäftsstelle: Papenstraße 15. Sprech­stunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr.

- Fernsprecher: Domsheide 25878.

Die BNZ erscheint Werktags und kostet ^ 1.90 frei Saus. durch die Post zuzüglich 36 Bestellgeld.

: Parteiamtliches Organ der BremerNationalsozialisten

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile Z// 0.10, aufwärts ^ 0.12; im Textteil ^ 0.50, auswärts ^ 0.70; Stellengesuchs Kl 0.06; sonstige kleine Anzeigen PLF 0.08. Platzvorschrift ohne Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

Ois nsus Leklsekt dsginnll

dliekl Xsmvl rism lyisi'xlsmu», um sin snrlvi'ss LKIsvsnsvstvm ru sedstksn

Osn 0sutsoklsn6-ss1ug Äss ^üknvns w!nrl riss Volk wseknüttoln

KSgSSI*UNg OkNS Volk

^uok üsn /^uswZk'ligs Hllssekuü dssIZSigt von ?spon soino kslt- loso l-sgo

Berlin!, 11. Oktober. (Eigene Meldung.) Entgegen dem verfassungsrechtlichen Sinn und Zweck des Auswärtigen Ausschusses weigerte sich Reichskanzler von Papen, vor dem Auswärtigen Ausschuß zu erscheinen, worauf alle Parteien in einem entschiedenen Protest sich gegen diese Haltung Papens verwahrten.

Uns Nationalsozialisten kommt es dabei nicht auf die parlamentarische Form an, wohl aber auf die Tatsache, daß eine erfolg­reiche Außenpolitik getragen sein muß Don dem Willen und dem Vertrauen der na­tionalen Kräfte einer Nation.

Hat aber eine Regierung die Macht an sich gerissen, um gegen die nationalen Kräfte zn regieren, so darf sie sich nicht wundern, wenn ihr keine außenpolitischen Erfolge beschieden sind, umso mehr, wenn sie die gleichen Fehler begeht, wie alle ihre Vorgänger. Wir haben in Lausanne neue Milliarvenzahlnngen übernommen, wir haben Oesterreich in die französischen Klauen fallen lassen und haben die Frage der Gleichberechtigung und Wehrfreiheit angeschnitten, ohne uns vorher und recht­zeitig nach Bundesgenossen umzusehen. Es genügt nichh, in nationalen Tönen Außenpolitik zu treiben, sondern es ist not­wendig, die tatsächlich vorhandenen Mög­lichkeiten und Kräfte so auszunutzen, wie sie weltpolitisch gelagert sind. Es bedeutet eine völlige Verdrehung der Tatsachen, wenn man der NSDAP vorwirft, sie sabo­tiere die Regierung Papen in ihrem au­ßenpolitischen Kampfe. Papen ist es sclbsß der sich die Möglichkeit des Erfolges durch seine falsche politisch« Einstellung nimmt und darum ist es die Pflicht der deutschen Freiheitsbewegung, auf die Folgen dieser verhängnisvollen Regierungseinstellung im­mer wieder und in aller Öffentlichkeit hin­zuweisen.

So wurde im Auswärtigen Ausschuß ern Antrag von Dr. Frick verbunden mit ähn­lichen Anträgen des Zentrums und der Bayrischen Volkspartei angenommen, der folgenden Wortlaut hat:

Der Auswärtige Ausschuß hatte in seiner Sitzung vom 13. September 1932 einmütig folgenden Beschluß gefaßt:

Der Auswärtige Ausschuß hat auf Grund des Artikels 33 der Reichsverfassung dre Zuziehung des Herrn Reichskanzlers, des Herrn Reichsaußenministers und des Herrn Reichswehrministers beschlossen, um in den für das Schicksal des deutschen Volkes ent­scheidenden Fragen der Außenpolitik, ins­besondere über das Lansanner Abkommen und die Abrüstungsfrage die erforderlichen Auskünfte zn erhalten. Die Weigerung der Reichsregiernng, diesem Ersuchen zu folgen, bedeutet einen Verfassungsbruch, gegen den sowohl aus Rechtsgründen wie aus zwin­genden Gründen der Außenpolitik wie der

(Eigener Drahtbericht unseres an -er Deutschland- fahrt teilnehmenden Sonderberichterstatters.)

Nördlingen, 11. Oktober. Heute begann der Führer seine große Wahl- und Propagandareise durch ganz Deutschland, die sich diesmal fast über 4 Wochen erstreckt und von Bayern ihren Ausgang nimmt.

Am gleichen Tage, an dem Herr von Papen in München vor einem kleinen Kreis geladener Gäste um Zustimmung für seine Katastrophen- pläne bittet, geht Adolf Hitler hinaus zum deutschen Volke, um in über 60 Kundgebungen zur Nation zu sprechen, um den Millionen, die auf ihn warten, den Weg zu weisen aus dem Sumpf einer verfaulten Wirtschaftsordnung, aus dem dichten Nebel von Lüge und Verleumdung, zu der einzigen Wahrheit, zum Aufbau des na­tionalen Sozialismus, der allein Freiheit und Leben Deutschlands garantiert.

Selbstverständlich wird auch diese große Deutsch­landfahrt wieder mit den modernsten Verkehrs­mitteln durchgeführt werden. Flugzeug und Auto bringen den Führer kreuz und quer durch das ganze Reich, um sie alle zu ersassen, die Arbei­ter, die Bauern und Bürger in Nord und Ost, in Süd und West, um eine einzige Flamme der Erhebung zu entfachen, eine Flamme, die hell und rein alles Falsche, alles Verlogene verbrennt und den Weg aus Rot und Verzweiflung in ein besseres Deutschland weisen wird.

Die erste große

Kundgebung in Guensburg , war ein herrlicher Auftakt für das gewaltige Unternehmen. Mehr als 20 000 Arbeiter und Bauern aus dem Donaumoos warteten in 2 große., Maschinenhallen auf den Führer. Vor den Toren standen noch Tausende, die jubelnd die Kette der Schutzstaffel durchbrachen, als der Füh­rer gegen Abend hier ankam. Begeisterung uw> Freude kannte einfach keine Grenzen. Immer und immer wieder bricht sie durch, ein einziger Schrei der Freude und Erlösung, so daß es lange dauerte, bis der Führer endlich sprechen konnte.

Papen war der Ueberzeugung, daß seine Not­verordnung bis zum 6. November glänzende

Früchte tragen werde. Ich habe 4 Wochen lang geschwiegen und schon in dieser Zeit hat sie sich als das große Stümper- und Flickwerk erwiesen. Äer ein solches Notverordnungswerk schafft, be­weist damit, daß er die Not im Volke noch gar nicht begriffen hat. Der 13. August hätte für uns nur'Verantwortung, aber keinerlei Einfluß be­deutet.

Glaubt man denn, daß ich 13 Jahre ge­arbeitet habe, um Deutschland einem po­litischen Irrtum auszuliefern, daß ich den Marxismus bekämpfe, »m ein ande- . res Sklavensystem zu errichten?

Ob ich heute oder morgen zur Macht komme ist nicht so wichtig, als daß ich erfülle, was ich dem Volke versprochen habe. Aus dem Klassenkamps der Parteien von rechts und links werden wir die neue Volksgemeinschaft errichten. Dann erst hat alle Not ein Ende, wenn jeder Beamte, Bür­ger, Bauer, Angestellte und Arbeiter zuerst und immer wieder nur Deutscher ist."

Unter jubelndem Dank der Tausenden bringt in sternenklarer Nacht die Autokolonne den Füh­rer durch Dörfer, in denen viele Reihen grüßen­der und rufender Bauern stehen, bis zur alten Reichsstadt Nördlingen. Hier sind die Bürger und Bauern, die in einem weiten Felde und auf allen Plätzen der Stadt den Führer erwarten. Spät gegen Mitternacht grüßten die Zehntausend in unermeßlicher Freude Mols Hitler, der auch hier nochmals fast 1 Stunde lang zu den Massen spricht.

Guensburg und Nördlingen! Allein dieser ein­zige Tag bewies mit seinem Jubel, mit seiner grenzenlosen, tiefen Begeisterung, daß alles hohle Lüge und elender Schwindel ist, was Reaktion und Judenblätter seit Wochen so gerne wahr ha­ben möchten. Dieser Auftakt zur großen Deutsch­landfahrt zeigt die wahre Volksstimmung. Diese 30 000 in Guensburg und Nördlingen, die find uns ein zuverlässiges Barometer das auf Sturm steht, Sturm gegen alle Feinde des Volkes. Diese 30 000, ein Teil der Millionen, die den Führer «och erwarten, die sind Beweis dafür, daß das schassende Volk Adolf Hitler will.

Innenpolitik schärfste Verwahrung einge­legt wird."

In der auf heute anberaumten neuen Sitzung mit der TagesordnungBericht über die Völkerbunds-Tagung" hat die Reichsregierung wiederum ihr Erscheinen abgelehnt. Das verfassungswidrige Verstat­ten der Reichsregierung wird besonders da­durch gekennzeichnet, daß sie sich einerseits mit scharfer Betonung beruft auf die Reichs­verfassung, um daraus die uneingeschränkte Ausübung aller verfassungsmäßigen Rechte einer vollberechtigten Regierung für sich herzuleiten, daß sie anderseits aber ihren verfassungsmäßigen Pflichten gegenüber der Volksvertretung sich entzieht.

Die Reichsregierung hat sich also durch ihre erneute grundlose Weigerung, vor dem Auswärtigen Ausschutz zu erscheinen, eines wiederholten Berfassnngsbruches schuldig gemacht. Dem neuen Reichstag bleibt es vorbehalten, daraus die verfassungsmäßigen Folgerungen zu ziehen.

Die Weigerung der Reichsregierung, dem Answärtigen Ausschuß Rede und Antwort zu stehen, bedeutet aber auch eine schwere

Schädigung der anßenpolitischen Stellung dos Reiches, da die Reichsregierung damit! vor aller Welt beweist, daß sie nicht deni Mut findet, für ihre von schweren Miß^t erfolgen in Lausanne und' in Gens be-t gleitete Außenpolitik einzustehen und eins Unterstützung im Volk und in der Volks-! Vertretung zu suchen. Ihre außenpolitische! Aktion entbehrt deshalb von vornherein des nötigen Gewichts. Das Wohl der Na^ tton verlangt gebieterisch die alsbaldige Bcs endigung dieses verderblichen und verfas-s sungswidrige« Zustandes."

8a «inrl via Il/Ianrl sn einem S/^.-istlsnn dsslns-li

Kiel, 11. Oktober. Im Prozeß vor dem Kieler Sondergericht, der hier wegen der blutigen Vor­fälle in Rendsburg am 10. Januar d. I., bei denen der Nationalsozialist Menzcl getötet wurde, unter Ausschluß der Öffentlichkeit und Presse stattfand, wurde am Montag abend das Urteil verkündet. Von den 23 dem Reichsbanner, der SPD. und der KPD. angehörenden Angeklagten wurde» wegen schweren Landsriedensbruches ver­urteilt: zwei Angeklagte zu je einem Jahr sechs Monaten Gefängnis, drei Angeklagte zu je einem Jahr zwei Monaten Gefängnis, zwei Slngeklagte zu je zehn Monaten Gefängnis, zwei Angeklagte zu je acht Monaten Gefängnis, vier Angeklagte zu je sieben Monaten Gefängnis, zwei Angeklagte zu je sechs Monaten Gefängnis, ein weiterer An­geklagter erhielt wegen einfachen Landfriedens­bruches vier Monate Gefängnis.

Svsism pspsn setiülrl rlsn Solsekswismus

Berlin. Die SS. der Nationalsozialistischen Deutsche» Arbeiterpartei veranstaltete am 9. Ok­tober im KonzerthausClou" eine Kundgebung gegen den Bolschewismus. Landtagsabgeordneter Henze hielt eine Ansprache über die Entwicklung der NSDAP. und ihren Abwehrkampf gegen den Bolschewismus und Marxismus. Als er mitteilte, daß die Uraufführung des Dokumentefilms aus dem sowjetrussischen HungcrgebietS.O.S." nicht stattfinden könne, da er verboten worden sei, er­hob sich ein Sturm der Entrüstung. An Stelle des Films wurden dann in Sowjetrußland auf­genommene Lichtbilder gezeigt.

Sportpalast-Versammlung der NSDAP. verboten

Berlin, II. Oktober. Die für Mittwoch abend angesetzte Kundgebung der NSDAP. im Berliner Sportpalast, in der neben Dr. Goebbels der Prä­sident des Preußischen Landtages, Kerrl, sprechen sollte, ist vom Berliner Polizeipräsidenten ver­boten worden.

Das Verbot wird damit begründet, daß von na­tionalsozialistischer Seite in der letzten Zeit seit Beginn des Wahlkampfes zahlreiche Versammlun­gen politisch Andersdenkender mit dem Ziel der Sprengung gestört seien. Die Häufigkeit der Fälle und die Gleichmäßigkeit bei der Art des Vor­gehens der Täter, so heißt es in der Begründung, gestatte mit Sicherheit den Schluß, daß die Ver- samlungsstörungen planmäßig vorbereitet und auk

Weisung leitender Stellen der NSDAP. durchge­führt worden seien. Dieses gesetzwidrige und den friedlichen Verlauf des Wahlkampfes in ernsthaf­tester Weise gefährdende Verhalten von Anhän­gern der NSDAP. hat in den ordnungslieben­den (!!) Kreisen der- Bevölkerung eine tiefgehende Erregung ausgelöst. Da nach den gemachten Er. fahrungen ein Teil der Anhänger der Partei ein äußerst undiszipliniertes Verhalten an den Tag gelegt habe, müsse damit gerechnet werden, daß pon diesem Teil der Parteimitglieder schon bei­spielsweise einfache Zwischenrufe Andersdenkender mit Gewalttätigkeiten beantwortet würden, durch die die öffentliche Sicherheit und Ordnung auk das ernsthafteste gefährdet werde.