Ausgabe 
(8.10.1932) Nr. 225
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WlS S!« liigsn!

Durch lie nichtnationalsozialistischi Presse ki.-d die Meldung verbreitet, daß anläßlich der Bürgermcisterwahl in Neustadt im Odenwald (Hessen) der nationalsozialistische Landtagsabgeordnete Karl Lenz kandidiert und nur 64 Stimmen gegenüber 268 bis­herigen nationalsozialistischen Stimmen er­halten habe. Tiefe „Meldung" ist von An­fang bis Ende frei erfunden. Tatsache ist, daß bei der Bürgermeisterwahl in Neustadt i " Odenwald überhaupt kein Nationalsozia- li> kandidiert hat, geschweige denn der G uftiter Pg. Lenz. Bon bürgerlicher Par« t, i eite wurde allerdings n. a. auch ein K:.üi-at namens Lenz aufgestellt. Diese Tatsache ist von gegnerischer Seite bewußt zu «iner Fälschung und Stimmungsmache grgen den Nationalsozialismus benützt worden.

Usus -I*sn 28 ssseks ^Ssssin kür* OssisppsiQk

Wien, 7. Oktober. Vor kurzem wurde erst gemeldet, daß die Mehrheit des Verlages der „Neuen Freien Presse" in die Hände des französischen Verlagsunternehmens „Agence Economique et Finanziere" über- gegangen ist. Nach Informationen des DGD liegt jetzt von französischer Seite bci den Vereinigten Stahlwerken ein An- gevot auf Uebernahme des Aktienpaketes der „Alpine Montan-Gesellschaft" vor.

Von dem Aktienkapital von 60 Millionen Spilling der „Alpine Montan-Gesellschaft" be itzen die Vereinigten Stahlwerkedie Mehr­heit. Es ist nicht anzunehmen, daß die Ver­einigten Stahlwerke auf dieses Angebot ein­gehen werden, da sie erst vor wenigen Wo­chen erklärt haben, daß keine Rede davon sein könne, sich gerade dieser Beteiligung zn entledigen. Die „Alpine Montan-Ge­sellschaft" habe noch für das vergangene Jahr einen verhältnismäßig günstigen Ab­schluß vorlegen können, und das Produk­tionsprogramm der Gesellschaft ergänze sich nach mancher Richtung hin in wertvoller Weise mit dem der Vereinigten Stahlwerke.

Uiasksusr* Mii'kiivkksilSN

Fünf Todesurteile in der Sowjetunion , vollstreckt.

Moskau, 7. Oktober. Das Gericht in Tomsk verurteilte fünf Beamte der Ge­nossenschaften wegen Spionage und gegen-

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am Konksi'snrplan ßssl

Genf« 7« Oktober. Aus leitenden eng­lischen Kreisen wird heute bestätigt, daß dsp englische Regierung uneingeschränkt an ihrem Vorschlag des baldigen Znsammen- tretens der Fünf-Mächte-Konferenz über die Regelung der Gleichberechtigungssrage fest­halte« Man betont ausdrücklich, Laß durch­aus noch Aussichten für ein Zustandekom­men vorhanden seien. (?) Man gibt jedoch zn, daß das Vorgehen des englischen Außen­ministers übereilt war nnd die Vorberei­tung der Konferenz eine längere diploma­tische Vorarbeit notwendig mache.

Der Präsident Henderson trifft bereits am Freitag wieder in Genf ein. An dem Zusammentritt des Büros der Abrüstungs­konferenz am 10. Oktober wird festgehalten. Der von Pauk Boncour ausgearbeitete neue große Plan der französischen Regierung über die Schaffung von Sicherheitsgarentien im Sinne des Genfer Protokolls von 1924 und der Jnternationalisierung der zivilen Luftfahrt wird in der nächsten Zeit dem Büro der Abrüstungskonferenz vorgelegt werden. Offenbar bezweckt die französische Regierung mit diesem Vorschlag, vor einer offiziellen Behandlung der Gleichberechti­gungsfrage die Erörterung der französischen Sicherheitswünsche im Rahmen der Ab­rüstungskonferenz durchzusetzen und damit eine Wetterführung der Abrüstungskonfe­renz auch ohne Teilnahme Deutschlands zu sichern.

kngliseks S«imms übsi- «tts «Isulsoks Sisiokdsnvekligungz

London, 7. Oktober. Die „Times" wid­met der deutschen Gleichberechtigungsfor­derung einen Leitartikel, in dem ausge­führt wird- es sei klar, daß Deutschland in London auf der Konferenz nur erscheinen könne, wenn es aus der gleichen Stufe wie die anderen Mächte stehen.

Alan stimme darin übevein, daß die deut­sche Forderung in ihren wesenllichen Zü­gen gerechtfertigt sei, daß eine große Nation auf die Dauer nicht in einer niedrigeren, besonderen minderwertigeren Klasse bleiben könne, und daß die Beschränkungen, wie sie jetzt Deutschland auferlegt worden seien, freiwillig seien und in allgemeiner Ueber­einstimmung mit den Begrenzungen stehen müßten, die andere Länder sich selbst auf­erlegen.

Weitere Aufschiebung in den Verhand­lungen der deutschen Forderungen könne nur dazu' führen, daß das Gespenst der Wiederaufrüstung in Freiheit gesetzt werde. Man müsse natürlich von Deutschland eine Zusicherung erhalten, daß es den neuge­wonnenen Spielraum nicht mißbrauchen werde« Auch dürfte die Sicherheit Frank­reichs nicht gefährdet werden. (!!) Es würde sicherlich das beste sein, wenn die Mächte eine Formel entwerfen würden, durch die Deutschland wieder zur Abrüstungskonfe­renz zurückgebracht werden könne oder aber darüber Klarheit zu schassen, ob Deutschland stch-Mvirkltch nicht mehr an den Arbeiten der Konferenz beteiligen wolle.

revolutionärer Umtriebe zum Tode durch Erschießen. Die Todesurteile wurden am Donnerstag durch die Waffen der OGPU. vollstreckt.

Moskau (über Kowno), 7. Oft. Amtlich wird mitgeteilt, daß das Parteimitglied Cincandsen, der in Tiflis eine hohe Stel­lung bekleidet hatte, seiner Aemter ent­hoben wurde, weil er zur geheimen Trotz- kistenopposition gehört und die Politik Sta­lins bekämpft hat. Cincandsen wurde ver­haftet und vor das Parteigericht gestellt.

Lo sndsilSL IViosksu:

olsekswisllseko Spionage Organisation in Lolis

Sofia, 7. Oktober. Die bulgarische Po­lizei ist einer bolschewistischen Spionage- Organisation auf die Spur gekommen, in die mehrere Abgeordnete der bulgarischen Arbeiterpartei und ein in Sofia lebender Russe Fürst Lobauoff verwickelt sind. Fürst Lobanofs, der in der Sofioter Gesellschaft und im Diplomatischen Korps als Bridge- lehrer ausgezeichnete Verbindungen hatte, wurde mit zwei anderen aus Wien zuge­reisten Russen festgenommen. Bei der Un­tersuchung erwies sich, daß die drei Russen die als überzeugte Anhänger des kaiserlichen Rußland galten, in Wirklichkeit Agenten der G'KU. waren, die den Auftrag hatten» die wi russische Militärorganisation in Bul­garien zu bespitzeln. Die Verbindungen, die Fürst Lobanofs mit einigen ausländi­schen Gesandtschaften hatte, die sich für ihn einsetzten, verhaften ihm zu einer nachsich­tigen Behandlung durch die bulgarische Po- Iftet. Er wurde aus freien Fuß gesetzt, wäh­

rend seine beiden Auftraggeber ausgewiesen wurden. In Haft geblieben ist ein bulga­rischer kommunistischer Abgeordneter, der in der Organisation ebenfalls arbeitet. Zwer andere Abgeordnete sind spurlos ver­schwunden und werden von der Polizei ge­sucht.

Der eigentliche Leidtragende der Ange­legenheit, die in Sofia großes Aufsehen erregt, ist die französische Gesandtschaft, bei der Fürst Lobanofs volles Vertrauen ge­nossen hat. Zu spät hat es sich herausge­stellt, daß die enge Zusammenarbeit zwi­schen dem Stab des Weißrussischen Militär­verbandes in Bulgarien und gewissen fran­zösischen Stellen, die den bulgarischen Be­hörden aus Gründen der Landesverteidi­gung schon lange ein Dorn im Auge ist, durch die Organisation des Fürsten Loba­uoff Zug um Zug den Bolschewiken be­kanntgemacht wurde.

6v§3npnis Mr» Sssekimpfung iksn irsivlisvvski'

Berlin, 7. Oktober. Die große Straf­kammer beim Landgericht 1 verurteilte am Freitag den bisherigen sozialdemokratischen Reichstagsabgeordneten Gerhard Seger, Hauptschristleiter des sozialdemokratischen „Volksblattes für Anhalt", unter Aufhe­bung des Urteils erster Instanz» das auf 5vü Mark Geldstrafe lautete, wegen Be­leidigung der Reichswehr zu 1 Monat Ge­fängnis.

Seger hatte am 7. November 1930 in einer Versammlung der Liga für Menschen­rechte geäußert, daß die Reichswehr so diffa­miert werden müßte, daß jeder Reichswehr­angehörige in der Oeffentlichkeit scheel an­gesehen werde. Die Strafkammer betonte in der Urteilsbegründung, daß hier eine Gefängnisstrafe am Platze sei- weil die Reichswehr, die das letzte Mittel für die Aufrechterhaltung des inneren Friedens darstelle, besonders geschützt werden müsse.

Auok in I^i'snki'siek I-snrlwii'lseksNski'iss

Paris, 7. Oktober. Die außerordentliche Preissenkung des Getreides in Frankreich hat im Departement Bure mrd Loire zum Rück­tritt von 97 Bürgermeistern geführt, die durch diese Geste gegen die Landwirtschaftspolitik der Regierung protestieren wollerr. Am Don­nerstag fanden in verschiedenen Gegenden Pro- teswersammlrmgen statt, in denen Entschlie­ßungen angenommen wurden, in denen die Re­gierung aufgefordert wird, der trostlosen Lage der Landwirtschaft durch eine vernünftigere Preisgestaltung Abhilfe zu schassen.

„Alle Räder stehen still» wenn dein starker Arm es will." Tausende von Malen ist dieses Wort der Arbeiterschaft von den Ge­werkschaften eingeprägt worden, Hunderte von Malen hat es sich als richtig erwiesen, hat es berechtigten und unberechtigten For­derungen zum Siege verholfen. Und nun muß das schaffende Deutschland ein unge­rechtfertigtes Opfer um das andere auf sich nehmen, ohne daß die Möglichkeit besteht« erfolgreich Widerstand zu leisten?

Als am vorigen Sonabend die Meldung vom Hamburger Verkehrsstreik bekannt wurde, durch den das Wirtschaftsleben der Riesenstadt plötzlich auf das stärkste bedroht war, als in allen Teilen des Reiches Be­legschaften großer Werke den Versuch mach­ten, die Lohnraubverorönung abzuwehren, da war auf einmal ein Wort da, das man seit langem für tot gehalten hatte: Gene­ralstreik. Generalstreik? Bei Millionen von Arbeitslosen? In der ungeheuersten Krise, die das Wirtschaftsleben der ganzen Welt jemals betroffen hat? Was werden die Gewerkschaften tun? Sie protestierten, faß­ten Entschließungen und Unterwarfen sich!.' als Herr von Papen den Streik gegen seine Verordnung einfach als „tariswidrig" be­zeichnete, da waren die ganzen klingenden Worte verflogen und zurück blieb nichts als cir Häuflein von „Führern", deren tiefste Angst es ist, daß vielleicht ihre Or­ganisationen zerschlagen tverdsn könnten.

Wie ist es sonst möglich, daß der Erlaß der Herrenklubregierung, die Ablehnung einer Lohnkürzung, die ohne vorherige Ver­handlungen mit den Betroffenen einfach durch eine Verordnung in Kraft getreten ist, sei Tarisbruch, nicht von den Gewerk­schaften mit dem allerentschiedensten Kamps beantwortet ist? Hier zeigt sich wieder ein­mal, wie recht der Nationalsozialismus hatte,wenn er der Gewerkschastsbonzokratie der „freien" und „Christlichen" Gewerk­schaften fortgesetzten Arbeiterverrat vor­warf. Die krasseste Erfüllungspolitik war ihnen nicht kraß genug gewesen, den Datves- plan hatten sie als die „Sonne der Wirt­schaft" bezeichnet, den Aoungplan hatten sie propagiert, das KabinÄt Brüning haben sie zwei Jahre lang gestützt, und alles bewilligt, was dieser „Hungerkanzler" von ihnen forderte. Und als am S. Dezem­ber 1931 die Tarifvertragsparteien durch Notverordnung verpflichtet wurde», die Löhne und Gehälter zu kürzen, da haben sie diese Notverordnung anerkannt, indem ihre Vertreter im Reichstag der Regie­rung Brüning ihr Vertrauen ausgesprochen haben. Daß sie jetzt jedoch den deutschen Arbeiter in Stich lassen und die ebenso schwere, wie wirtschaftlich sinnlose Lohn­kürzung Papens hinnehmen, ist der größte Betrug, der jemals am Deutschen Volke verübt worden ist, und es wird unsere Ausgabe in dem Kamps der kommenden Wo­chen sein, diesen „Arbeiterführern", die Maske vom Gesicht zu reißen und sie dem Volke in all ihrer häßlichen Nacktheft sicht­bar zu machen. Jahrelang, immer, haben sie uns als „Kapitalistenknecht" verschrien, als Arbeiterpartei in Anführungsstrichen, jetzt hat die deutsche Arbeiterschaft selbst mit aller Gründlichkeit sehen können nnd wird es auch bald fühlen, wo der ent­schlossene Wille ist, zn helfen und einen Weg zu gehen, der grundsätzlich Schluß macht mit alten Experimenten und neue Wege aufzeigt, die bet gerechter Lasten- verteftung Wege aus dem Chaos sein wer­den. Und unter dieser Gewißheit stand die Führertagung -er Bewegung in Mün­chen, auf der Adolf Hitler das Wort sprach:

„Im Bewußtsein, für das Recht nnd die Zukunft des Volkes zu »kämpfen, geht di. nationalsozialistische Bewegung in den Kampf, ans dem sie in vier Wochen als Sieger hervorgehen wird."