Ausgabe 
(6.10.1932) Nr. 223
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Seit dem 28. Juli, dem Tage, an dem die Brann-Severiuge, die rote« Preutzcn- zarc», derGewalt wiche«" usd vor einem Reichswehrhauptman« uud 10 Blaun ihre Throne räumten, Kommt dieEiserne Front" nicht mehr zur Ruhe. Die Unzu­friedene», die Enttäuschten melden sich, die nach all den großmäuligen Redensarten nnd geschwollenen Drohungen mehr Taten erwartet haben, die Ehrlichen beginnen auf­zuhorchen bei den stets wieder durchsickern­den Gerüchten von Besprechungen der Füh­rer der freien Gewerkschaften mit Regie- rnngsniitgliedern, dieUeberpmckeilicheir" fangen au, fich ungemütlich zu fühlen, nach­dem man den alten Bananengeneral Otto Hörsing so kurzerhand aus dem Reichs­banner hinausgeworfen hat, weil sogar er mit der SPD. nicht zufrieden war nnd einen eigenen Laden aufmachen wollte.

Unruhe hat sich eingeschlichen in die Reihen der wackeren AÄnpfer für die Re­publik von Weimar, die eben dabei ist, sich Lurch sich selbst einen sanften Tod zu geben. Es bohrt und knistert im Ge­bälk desEisernen" Hauses; der Holz­wurm des Mißtrauens ist an der Arbeit.

Neberall Gärung, Proteste. Eine Frak- tionsfitzuug der sszialdemokratischen Reichs­tagsfraktion ist aufgeflogen, weil die jun­gen" dieAlten" -absägen wollten. Durch Hereinnähme einiger Oppositioneller in den Fraktions- und Parteivorstaud Hofft man die Angelegenheit erledigt zu haben.

Der bekannte Reichsbannermazor Anker, das Paradepserd derAntimilitaristen", ist aus dem Bananenklub ausgetreten, weil ihm das unglücklich plötzliche Verscheiden feines Freundes Hörsing etwas au die Nieren gegangen ist.

Im Gau Berlin des Reichsbanners hat es auch ein bißchen kriselt. Stelling, der Gauführer, sollte daran glauben. Doch er hat seinen -Posten noch einmal retten kön­nen. Wie lange noch? Wird es gelingen, durch Geschästsordnungskniffe denEiser­nen" Laden zusammenzuhalten? Zwei­felhaft!

Es ist schon verständlich, wenn die hohe Führung auch auf andere Mittel sinnt, nm die Massen bei der Stange zu halten.

Deshalb will man vorläufig erst einmal

das Ncichsbanrrer neu uniformieren,

in der Hoffnung, daß ein« neue Uniform manches vergessen machen könnte«

Seit längerer Zeit verhandelt ein Reichs- bannerhauptmann Qnaas bereits mit einer Reihe Berliner Firmen über die

Lieferung von vorläufig ca. 25 VW neuen Uniformen.

Anstatt der grauen Wirdjackeu wird das Reichsbanner in Zukunft grüne Hemdes mit schwarzen Binden und schwarze Tuchhosen tragen, während die Mütze nicht verän­dert wird. Schwarze Gamaschen vnd Kopyel und Schulterriemen in schwarz, vervollständigen den Anzug, zu dem noch

schwarz-rot-goldene Armbinde mit den drei Pfeilen auf ovalem roten Grund gehört. Das Bemerkenswerteste find jedoch die blauen Kragenspiegel mit je drei silbernen Sterns», wie sie die preußische Polizei trägt! Ist der Trams von der Hilfspo-- lizei noch nicht ausgeträumt, baut man Brücken zu Herrn Bracht?

Als vor einigen Monaten die Oberste SA-Aührung Versuche anstellte mit einer neuen Uniform für die SA., überschlug sich die marxistische Presse geradezu vor Eifer, zu beweisen, woher das Geld für diese Neuumformieruug" komme. Die SA. trägt jedoch heute noch ihr altes Braun­hemd, in dem sie unter unendlichen Opfern den stolzen Kampf für Deutschland, gegen den Marxismus geführt hak.

Aber sind

25 VW Uniformen auch ein Versuch? Wer bezahlt diese Aufträge?. Etwa der erwerbslose Reichsbannern: ann, der vor Hunger nicht in den Schlaf kommen kann? Soll der in der Lage sein, plötzlich sich eine neue Ausrüstung zu kaufen und die alte an den Nagel zu hängen?

Oder hat Herr Leiparl vielleicht einmal mit Herr» von Schleicher über diese Dinge gesprochen? Denn es wird Loch nun all­mählich Zeit für die SPD., eine Anlehnung zu suchen, nachdem die Arbeiterschaft von Tag zu Tag mehr erkennt, daß die NSD.

alles andere als eine Kapitalisten- schntztrnppe ist, sondern den Kampf für den deutschen Arbeiter gegen die Sozialreaktio» mit aller Macht ihrer riesigen Organisation fuhrt. Wie lange wird es noch danern, bis Herr von Paper» auch nur noch wie Brü- niug und Hindenburg ei»Kleines Uebel" ist?

Der Streik hei dem Berliner Scherl-Ver-

lag ist da ein lautes Warnungssignal für die Arbeiterschaft.

Waren es doch die Sozialdemokraten, die durch ihr Verhalten den Streikenden in den Rücken sielen nnd Hugenberg zu dem er­wünschten Erfolge verhaften. Ich das der Anfang?

Soll der Lohnraub mit neuen Uniformen für das Reichsbanner sanktioniert werden?

Die deutsche Arbeiterschaft will wissen, ob das der Inhalt der fortgesetzten Füh-

Münche«. In der großen Münchener Beamten- kundgebung, die die Beamtenabteilung des Gaues München-Oberbayern der NSDAP. am Montag veranstaltet hat, machte Staatsminister a. D. Dr. Frick eine aufsehenerregende Feststellung zu den fol-xnschweren Vorgängen vom 13. August an­läßlich der Berliner Besprechungen des Führers über die Auswirkungen des 31. Juli auf die Re­gierungszusammensetzung. Pg. Dr. Frick, der als Augen- nnd Ohrenzeuge Lei den Ereignissen dieses Tages Anspruch auf volle Authentizttät erheben darf, rief die bereits bekannte Tatsache wieder iu Erinnerung, daß Adolf Hitler seine Aussprache mit Herrn von Hindenburg davon abhängig ge­macht hatten daß noch keine Entscheidung ge­falle» sei.

Dies wurde Dr. Frick vom Staatssekretär Planck unmittelbar vor dem Empfang unmißverständlich im Sinne der Anfrage bestätigt, obwohl die Ent­scheidung bereits eine Woche vorher in Neudcck ge­fallen war.

lieber die wettere Entwicklung führte dann Dr. Frick aus:

Die Unterredung Lein» Reichspräsidenten spielte

lungnahme der Führer der freien Gewerk­schaften mit Herrenklubkreifen ist. In ihr« Angst vor dem Nationalsozialismus habest sie ja sowieso die letzte gemeinsam« Linie.

Am 6. November werden die sozialdemo­kratischen Wähler Gelegenheit haben, auf diese Machenschaften die gebührende Ant­wort zu erteilen und der Partei der deut­schen Arbett, dem Nationalsozialismus, die Möglichkeit zu geben, mit dem Volksverrä­terischen Marxismus die Schlußabrechnung zu halten!

fich geradezu in entwürdigender Form ab; es war eine höchst einseitige Konversation.

Herr von Hindenburg sagte:Herr Hitler, ich habe nur eine einzige Frage a>n Sie zu richten. Sind Sie bereit, mir Ihre Mitwirkung im Kabinett von Popen zur Verfügung zu stellen?"

Adolf Hitler antwortete:Wir sind dazu bereit unter der Bedingung, daß wir die Führung ioi Kabinett haben."

Darauf erklärte der Reichspräsident:Sie

wollen also die ganze l!) Macht haben. Das geht gegen mein Gewissen, das kann ich nicht gutheißen aus mnen- und außen, politischen Gründen."

Damit war die Unterredung im wesent, licheu bereits beendet.

Daraus geht unbestreitbar hervor, daß unser Führer nicht die Forderung erhoben hat, uns die gesamte Staatsgewalt im Reich zu überantworten. Wir haben lediglich verlangt, daß uns als der stärkste« Partei dieFiihruug im Reichskabinett übertragen werde.

sposlollsek» llslsgivift« in iVisxiko vsi»i,s»1«r

Berlin, 5. Oktober. Wie derLokal-Anzel- ger" aus Mexiko-City meldet, ist Dienstag morgen der apostolisch« Delegierte in Mexiko, Erzbischof Monsignore Leopoldo Ruiz y Flores, aus seinem Bett heraus von der Polizei verhaftet worden. Er soll aus Beschluß des Abgeordnetenhauses aus­gewiesen werden.

Präsident Rodriguez Hai, nach einer amtlichen Meldung, den Ausweisungsbefehl gegen Nuntius Ruiz y Flores bereits unterzeichnet. Der Erz- bischof wird noch im Laufe des Tages in einem Militärflugzeug über die Grenze gebracht werden.

Die mexikanische Kammer hat einstimmig die scharfe Erklärung, die Präsident Rodriguez als Antwort auf eine Enzyklika des Papstes ver­öffentlichte, gebilligt. Rodriguez hatte den Papst falscher Behauptungen beschuldigt and eine Am- Wandlung der Kirchen iu Schulen nnd Fabriken

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Wir »erweise« auf die i« der Sander-Beilage dieser Ausgabe veröffentlichte sachliche Kritik unserer Wirtschastspolitischen Abteilung mit der jeder Parteigenoß sich vertraut machen mutz, um erfolgreich werben zu können.

Wir halten es für nnverantworttich, daß aus Gründe« reiner Wahlmache dem darbende« deut­sche« Voll Hoffnungen gemacht «»erden, dir keinesfalls in Erfüllung gehen können. Wieder einmal wie bei der Annahme des Bersaillrr Vertrags, des Dawes-Planes, des Doung-Planes und des Hoo- ver-Moratorinms wird von verantwortlicher Seite eine reine Jklusionspolitik getrieben. Wieder ein­mal sind es wir Nationalsozialisten, die rechtzeitig unsere warnende Stimme erhebe«.

Anfllärung tut not, damit neues Elend für die deutsche Wirtschaft und die werktätige Bevöl­kerung verhindert wird.

O8s Wsknksii üdsi* rßsn 13 . August!