Ausgabe 
(5.10.1932) Nr. 222
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»In. 222.

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Parteiamtliches Organ der ' Bremer Nationalsozialisten

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Grus. Die englische Regie«»»- beabsichtigt in diesen Tagen bereits mit Paris, Washington «ud Rom in Fühlungnahme einzutreten, um die StÄ- luugnahme dieser Regierungen zu dem Gedanken einer Konferenz der Fünsmächte in London zu klären, die möglichst noch nächste Woche zusammen, treten soll.

- Mau will dem Zusammentritt k« FüufmSchte nicht den CharaSer -einer offiziellen Konferenz, sondern mehr Leu direkter vertraulicher Bespre­chungen zwischen den leitenden Staatsmänner« der Fünfmächte gebe«. Eine offizielle Einladung an die vier Mächte zur Teilnahme an dieser Kon­ferenz wird daher nicht ergehen.

Die grundsätzliche Anerkennung 8er deutsche« Gleichberechtigungsforderung wird' setzt auf eng­lischer Seite als unerläßlich angesehen. Man will sedoch die Verhandlungen über die Praktische Re­gelung über die Deutschland auf dem Gebiet der Abrüstung einzuräumenden Stellung sofort auf­nehmen. Ausdrücklich-wird erklärt, daß Las Ziel dieser Verhandlungen mur die Rückkehr Deutsch­lands in die Abrüstungskonferenz sein könnte.

Die Tatsache, daß der englische Außenminister Simons heute zu einer Besprechung mit Herriot Nach Parts gereist ist, steht sicher mit diesen eng­lischen Plänen im Zusammenhang.

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Berlin, 4. Oktober. Der englische Geschäfts­träger erschien am Dieustag «achmittag im Aus­wärtigen Amt, um der Reichsregienmg eine Ein­ladung zu der für London geplant«, FSnf-MSchte- Konserenz über die Gleichberechtigungsfrage zu überbringen.

Diese Einladung dürfte von deutscher Seite in dem Sinne aufgenommen worden sein, daß nämlich vorher die Gewißheit bestehen müßte, daß Deutsch­land nicht einer Einheitsfront gegenübertritt und der deutsche Anspruch auf Gleichberechtigung auch tatsächlich anerkannt wird.

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München, 4. Oktober. In dem Prozeß, i« dem die Verleumdungen über eine angeblich be­stehende Tscheka-Organisation im Braunen Haus Aburteilung fanden, wurde heute das Urteil ge­fällt. Der Angeklagte Edmund Goldschaag wurde wegen Verleumdung zu einer Geldstrafe von 5000 Reichsmark verurteilt. In der Urteilsbegründung heißt es, daß Wahrheitsbeweise für das Bestehen irgendeinerTscheka-Organisation" im Braune«

München. Auf 8er zweiten Tagung der NS.-- Gaufrauenschaftsleiterinnen in München hat Adolf Hitler «ine eind-rucksvolle Rede gehalten, deren Grundgedanken im nach­stehenden Auszug festgehalten find:

Die heutige Regierung glaubt, in einem luft­leeren Ranm nationale Politik treiben zu kön­nen, sie sucht nationalpolitische Entschlüsse zu ver­wirklichen und begreift nicht, daß das Wesentliche das geistig weltanschauliche Fundament ist, auf dem Politik zu verwirk­lichen ist. Nicht das entscheidet, daß eine Re­gierung ein nationales Fühlen zu haben vor­gibt, entscheidend ist, ob im Volk die Voraus­setzungen für die Regierung gegeben sind, die eine Verwirklichung dieses nationalen Fühleus nicht als eine Maßnahme, die nur die Re­gierung angeht, erscheinen lassen, sonder» die das ganze Volk versteht.

Die heutige Regierung bildet sich ein, daß von ihr Kraft ausgehen kann.

Aber im Volk liegt die Kraftquelle, und nur wen» eine Regierung es versteht, diese Quelle für sich zu mobilisieren, ist ei« Erfolg möglich.

Daß eine Regierung glaubt, einzelne unserer Gedanken sür sich annektieren z« können, zeigt, wie wenig sie das Programm verstanden hat. Er» alter Moralgrundsatz sagt: Unrecht Gut gedeiht nicht.

Der Sinn liegt darin, daß, wenn ein Mensch nicht fähig ist, etwas zu erwerben, er auch nicht fähig sei« wird, was ein anderer er­worben hat, zu verwalten, denn um etwas zu verwalten, muß man die Fähigkeit haben, es zu erwerben.

Die erste Wurzel des Staates sehen wir im natürliche« Gemeinschaftssinn der Familie. Diese kleinste Keimzelle ist nur schöpferisch, wenn sie auf einer gemeinsamen Auffassung des Lebens beruht, sie zerbricht, wenn die Partner über die wichtigsten Lebensvorgänge verschiedene Ausfassun­gen besitzen. Jede Organisation muß zerbrechen,

Haus und überhaupt in der NSDAP. in jeder Weise mißglückt seien. Damit ist eine der letzten niederträchtigste» Mordhetzon, die von der gesam­ten System-Journaille planmäßig geführt wurden, elend zusammengebrochen.

wenn nicht eine einige Auffassung über lebenswich­tige Vorgänge besteht.

Der Sinn der Familie ist, den Lebenskampf durchführen zu helfen und dazu bedarf es einer ge­meinsamen Weltaussassung.

Wir leben heute mitten in der Zeit der Er­schütterung einer Basis, die durch viele, viele Jahrhunderte die Staatenbilduug emöglicht hat.

Mein Ausgangspunkt als Nationalsozialist für die Bettachtung aller Erscheinungen ist das Volk an sich, als rassischer Begriff, dem Fähigkeiten ge­geben find, die niemand beseitigen kaun und die auch nicht wegzuleugnen find. Dieser Ausgangs­punkt gibt eine feste Plattform sür alle Lebens­fragen.

Ich kann nur im Staat auf wirkliche Autorität rechnen, wenn das Volk der Ueberzeugung ist, daß diejenigen, die regieren, die geistige Auslese sind. Und hier ergibt sich, wenn auch zunächst nur mittelbar,

die Stellung der Frau.

Ich gehe nicht aus von einer abstrakten Vor­stellung. Ich gehe aus von einem einzigen: Das Volk soll erhalten werden und muß erhalte« bleiben. Wichtig allein ist, daß aus der volle» Uebereinstim­mung der Ehepartner das gemeinsame Leben ent­steht.

In einem Volk ist es nicht anders.

Es ist die große Aufgabe der nationalsoziali­stischen Frauenbewegung, daß sie ganz bewußt immer mehr und mehr die beiden Geschlechter auf den Gebieten zur Zusammenarbeit führt, die ihnen zukommen.

Je vollständiger das gelingt, um so mehr wird i»e innere Befriedigung eintreten, die Erlösung unseres Volkes von Not und Leid. Es ist eine gewaltige Ausgabe, die damit in die Hände der Frauen gelegt ist, eine Ausgabe, die nicht nach Jahren zu bemessen ist, die eine einzige Frauen- generatiou überhaupt nicht lösen kann. Ich bin sicher, daß die nationalsozialistische Frauenschast zu ihrem Teil dazu beitragen wird.

am Dienstag abend der Gesamtverband der Freien Gewerkschaften den gleichen Beschluß gefaßt.

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Berlin, 4. Oktober. Amtlich wird mitgeteilt: Im heutigen Reichsanzeiger wird eine weitere Ausführungsverordnung des Reichsarbeitsministers veröffentlicht, in der die von der Reichsregierung schon bisher ständig vertretene Auffassung hinsicht­lich der Friedeuspflicht der Gewerkschaften noch­mals ausdrücklich klargestellt wird.

Nach der Verordnung gilt die Erfüllung des Ar- britsvertrages trotz der von dem Arbeitgeber we­gen Belegschastsoermehrung vorgenommenen Lohn- ermäßigung als dem Tarifvertrag entsprechned, so daß Kampsmaßnahmen einer Tarispartei gegen die Durchführung der Verordnung durch die andere Partei oder ei« Mitglied dieser Partei als Ver- letznng des Tarifvertrages gelten.

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Berlin, 4. Oktober. Nach dem ergebnislosen Ansgaug der Rachtverhandlnnge« tm Streik der

Hamburger Verkehrsarbeiter hat der Reichsar­beitsminister am Dienstag vormittag den Schieds­spruch, der sür das Personal der Hamburger Ver­kehrsgesellschaften gefällt worden war, sür verbind­lich erklärt. Der Hamburger Verkehrsstreik dürfte auf Grund dieser Entscheidung nunmehr sein Ende finden.

In der Begründung wird darauf hingewiesen, daß in der Entscheidung eine Aenderung der vom Reichsarbeitsministerium in der Frage der Ver­bindlichkeitserklärung bisher eingehaltenen Linie nicht zu finden sei. Hier handele es sich um einen Arbeitskampf in gemeinnötigen Betrieben, durch den die Aufrechterhaltung des Wirtschaftslebens in Hamburg in Frage gestellt sei.

Hamburg, 4. Oktober. Nachdem bereits die christlichen Gewerkschaften sowie die nationalsozialistische Streikleitung im Laufe des Dienstag nachmittag beschlossen hatten, ihre Mitglieder aufzufordern, am Mittwoch die Arbeit wieder aufzunehmen,, hat auch.

Hagett, 4. Oktober. Bei der Firma Wip- permann A.--G'., Abteilung Fahrradteile in Hägen-Delster, ist wegen geplanten Lohn­abbaues ein Streik ausgebrochen, der zur Entlassung der fünfhundertköpfigen Beleg­schaft geführt hat. Die Firma betont, daß die Einführung der 40stündigen Arbeits­woche mit entsprechenden Lohnkürzungen und Mehreinstellungen von Arbeitern im Sinne der Notverordnung von ihr nicht geplant sei, sondern daß sie lediglich über- tartsliche Löhne habe abbauen wollen.

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Fortsetzung des Streiks in der Hochsee­fischerei.

Alton«, 4. Oktober. Der Streik in der Hochseefischerei dauert an. Den Arbeitneh­merverbänden sind die Borschläge der Ar­beitgeber zur Tarifrevision übermittelt wor­den. Sie sehen u. a. einen Abbau der Heuer um durchschnittlich 15 v. H« vor, ferner eine Verkürzung der Liege- und Frei­zeiten sowie Streichung des Urlaubs vor.

In der Nacht zum Dienstag haben sich die Löscharbeiter in Hamburg-Altona ge­weigert, Fischdampfer zu löschen. Im H'am- burg-Altonaer Fischereihafen liegen augen­

blicklich xlf ungelöschte Dampfer mit er­heblichen Fischmengen. Erst heute morgen ist ein Fischdampfer mit einer Ladung von fast 160 000 Pfund Heringen aus der Nord­see eingetroffen. Nach Blättermeldungen werden die Löscharbeiter im Laufe des. heutigen Dienstagnachmittag die Arbeit wieder aufnehmen. Die auswärtigen Fisch­dampfer sind ungelöscht in ihre Heimat- Häfen Cuxhaven und Wesermünde zurück« gekehrt.

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Berlin, 4. Oktober. Wie wir erfahren, be, absichtigt die Reichsbahnverwaltung allein in! Reichsbahndirektionsbezirk Berlin i» den nächsten Wochen abermals 6000 Arbeiter zu entlassen. Be­kanntlich find schon in der letzten Zeit insgesamt 52000 Entlassungen pon Arbeitern und Angestell­ten vorgenommen worden.

Unter den Angestellten befanden sich sogar solche, die schon über 20 Jahre im Dienst der Reichsbahn standen. Die Reichsbahnverwaltung hat, wie be­kannt geworden ist, den Gewerkschaften einen Vor­schlag unterbreitet, nachdem sie sich bereit erklärt, die Entlassungen vorläufig zurückzustellen, wenn die Arbeiterschaft sich mit der Einlegung von Feierschichten und mit einer erneuten radikalen Lohnkürzung einverstanden erkläre. Entweder setzt man also den deutschen Arbeiter kurzerhand auf die Straße, oder jede Willkür ist gerade gut genug, unk das Hungerdasein des deutschen Arbeiters noch! weiter zu verschlimmern.

Das ganze heißtWirtschaftsankurbelung"!

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Programmatische Rede des neuen ungarischen Ministerpräsidenten.

Bndapest, 4. Oktober- In einer program­matischen Rundfunkansprache erklärte ant Dienstag abend der nen ernannte ungarische Ministerpräsident Julius Gömbös, die Hauptaufgabe der ungarischen Regierung sei der Ausbau eines starken unabhängige« nationalen Staates. Aus diesem Grunde fordert die Regierung die Revision des Tri- anon-Vertrages. Die Gömbös-Regierung verschließt sich auch vor einer Zusammen­arbeit der Donaustaaten nicht.

Ueber handelspolitische Fragen erklärte der Ministerpräsident, die Regierung wün­sche die Verstärkung der ungarischen Aus- fuhrtätigkeit und plane aus diesem Grund« eine einheitliche Leitung der Ausfuhr zu schaffen. Die inländische Industrie werde tatkräftig unterstützt werden, jedoch nur so weit diese Unterstützung den allgemeinen Interessen des ungarischen Wirtschaftslebens nicht zuwiderlaufe. !

Die Regierung stehe auf kapitalistischer Grundlage. Die Golddeckung des Pengö würde unter allen Umständen aufrechter­halten. Von einer Inflation könne keine Rede sein.

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Mukdett, 4. Oktober. Bei einem Stras- feldzug am Nonny-Fluß wurden, einem Be­richt der mandschurischen Militärbehörde zu­folge, 1500 chinesische Freischärler getötet. Japanische Bombenflugzeuge verfolgen bis nach dem Ueberschwemmungsgebiet fliehen­den Chinesen. ^

In der Nordmandschurel Haben die chine­sischen Freischärler jedoch weitere Erfolgs erzielt. Sie Haben von der ganzen weW ltchen Hälfte der oftchinesischen Eisenbahn Besitz ergriffen. Sie werden durch mongo­lische Freischärler unterstützt, die mit der! neuen mandschurischen Regierung ebenfalls unzufrieden sind. Die Japaner Haben ein aus 40 Maschinen besehendes geschwader gegen die Freischärler eingesetzt.