Ausgabe 
(4.10.1932) Nr. 221
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten dE

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Der Auftakt des kommenen WckMuupfeZ wird kadurch gekennzeichnet, daß die bisherige Front gegen die NSDAP^ die alle Parteien bis zu den Kommunisten umfaßt, um 7üe Deutschnationalen bereichert wird. Mit aller Rücksichtslosigkeit wird eine Bewegung angegossen, hinter der nicht nur ein gewaltiger Teil des deutschen Volkes steht», son­dern die auch bewiesen hat, daß in ihr eine wen­dige Kraft wurzelt, die allein in der Lage war, neuen Glauben in das Volk zu tragen, Liebe zum Vaterland, Liebe zu seinen Volksgenossen; eine Bewegung, der gelungen war, in schwerem Kampf und Opfern den internationalen Marxismus aus seinen Machtpositionen in Deutschland hinauszu- Werfen. Man wird uns darum unsere Verwunde­rung nicht verübeln, mit der wir jetzt feststellen, daß die Deutschuationalea Schulter an Schulter Mit dem Marxismus gegen uns in Front stehen.

Was setzt alles an Angriffen, an Beschuldigun­gen oft niedrigster Art gegen die Nationalsozia- sten hervorgezogen und breitgetreten wird, was «n Kleinigkeiten vergrößert und aufgebauscht wird, auf dies alles möchte ich gar nicht eingehen. Es kennzeichnet den Geist der Angst und des Haffes, der leider unserem gesamten, unter einer Parole Vereinigten Gegnern gemeinsam ist.

Man sollte nicht vergessen, daß man einen kampf- gewohnten, dreizehn Zähre geknechteten und ge­quälten Volksteil jetzt auf das Allerbitterste ent­täuscht hat und braucht sich nicht darüber zu wun­dern, wenn jetzt, wo alles sich gegen ihn kehrt, dieser eine Teil sich jeder Waffe bedient, die ihm — nicht zum geringsten — erst während des Kampfes durch den Gegner selbst in die Hände gegeben ist.

Wenn Herr Vagts in einem Artikel in den „Bremer Nachrichten" dem Führer der NSDAP. vorwirft, am 13. August das Angebot Hindenburgs ausgeschlagen zu haben, so wird dabei absichtlich nicht erwähnt, daß man zwar den Führex der deutschen Freiheitsbewegung mit der Verantwor­tung belasten wollte, ihm aber nicht die Möglich­keit bot, die grundsätzlichen Maßnahmen zu treffen, die nach unserer Auffassung allein dazu angetan find, die politischen und wirtschaftlichen Verhält­nisse in Deutschland zu bessern. Adolf Hitler hat sich leinen Augenblick geweigert, die Verantwortung zu übernehmen und zusammen mit anderen Par­teien an den Neubau des Staates zu gehen. Nicht Adolf Hitler, sondern die Deutschnationalen haben sich versagt und hinter eine Regierung verschanzt, die von allen dem genau das Gegenteil tut, was die Nationalsozialisten als erste Voraussetzung für eine Neubelebung der Wirtschaft gefordert haben.

Herr Vagts, der Sturm und Drang der Zwan­zigjährigen, den Sie erwähnen, hat die Straße freigemacht von rotem Terror, genau so wie die Zwanzigjährigen seinerzeit im Weltkrieg ihre jungen Leiber den feindlichen Kugeln und Bajo­netten opferfreudig und von der Liebe zum Va­terland und zwar von der reinen idealen Liebe durchdrungen, entgegengeworfen haben! Es sind gerade diese Zwanzigjährigen, von denen Sie wünschen, daß ihre Pubertätszeit möglichst bald überwunden sein möge, wieder gewesen, die mit dem Einsatz ihres Lebens die Hanptopfer im in­nerdeutschen Freiheitskampf gebracht haben, im Gegensatz zu allen mit Wissen und Erfahrung ge­reiften Menschen, die hinter verschlossenen Fen­sterläden oder an Stammtischen gesessen haben, um zu warten, bis sie sich gefahrlos wieder auf die Straße getrauen konnten.

Weiterhin wird uns vorgeworfen, daß wir mit dem Zentrum Paktiert hätten. Demgegenüber ist festzustellen^ daß wir das Zentrum nur dazu be­nutzen wollten, den Volkswille« gegenüber dem Kabinett Papen — in dem wir einen gefährlichen Gegner der Lebensintereffen des deutschen Volkes erblicken — durchzusetzen.

Daß dieser Vorwurf von den Deutschnationalea kommt, ist uns unverständlich, denn erstens hat diese Partei zweimal unter sehr eigenartigen Be^

dingungen mit dem Zentrum in einer Koalitions­regierung gesessen, zum anderen gehört der Mann, der heute von den Deutschnationalen verherrlicht wird, weltanschaulich dem Zentrum an, ja, er hat erst in dem Augenblick seiner Berufung dieses äußere Zentrumskleid in den Schrank gehängt und ist noch heute Geheimkämmerer des Papstes, und zum dritten ist es doch auch die DNVP. gewesen, die gemeinsam mit Zentrum, Demokraten, So- zialdemokraten und Teilen der Kommunisten den heutigen Reichspräsidenten von Hrndenburg ge­wählt hat. Die Verbindung der Deutschnationalen mit dem Zentrum erscheint uns darum wesent­lich enger.

Wir haben den Blick aufs -Ganze gerichtet, nicht nur auf das Bürgertum und darum ist in unseren Reihen jeder Streit geschlichtet. Ne­ben dem jungen, opferbereiten disziplinierten SA.-Mann steht der gereifte und politisch unbe­lastete Führer, der seit über einem Jahrzehnt im Gegensatz zu Herrn Hugenberg immer wieder die Politischen Verhältnisse vorher richtig beurteilt hat.

Berlin, 3. Oktober. In einer Unterre­dung mit dem Hauptschriftleiter des natio­nalsozialistischen Zeitungsdienstes äußerte sich der Präsident des Preußischen Land­tages Pg. Kerrl über das gegenwärtig be­stehende Verhältnis zwischen der preußischen Volksvertretung und der kommissarischen preußischen Regierung. Im Zusammen­hang mit seinem Vortrag beim Reichs­präsidenten erklärte der Landtagspräsident u. a.: Praktisch ist allerdings insofern noch kein Erfolg eingetreten, als die kommissa­rische Regierung ihr Verfahren noch nicht geändert, sondern eher verschärft hat. Mich hat das nicht enttäuscht, weil ich als selbst­verständlich annahm, daß der Herr Reichs­präsident Zeit zur Ueberlegung und Nach­prüfung der von mir vorgetragenen Auf­fassung braucht. Meine Auffassung geht dahin, daß die kommissarische preußische Regierung dem Landtag verantwortlich bleibt, falls die von ihm gefaßten Be­schlüsse und verfassungsmäßig zustande ge­kommenen Gesetze durchzuführen sind.

Die Minister haben, sobald ihr Erschei­nen von dem Landtag oder den Ausschüssen verlangt wird, diesem Verlangen Folge zu leisten. Ich werde keine Mühe scheuen» die Beachtung dieser verfassungsmäßigen Rechte des Landtags, die Rechte des Volkes sind« mit allen Mitteln durchzusetzen.

In der Ernennung der Beamten, die gleichzeitig Vertreter Preußens im Reichs­rat sind, gibt Landtagspräsident Kerrl eine Bestätigung dafür, daß die kommissarische Regierung garnicht daran denke, sich auf die Wiederherstellung von Ruhe und Sicher­heit zu beschränken, sondern auf gewisse andere Ziele hinsteuere. Zu den in letzter Zeit viel erörterten Plänen auf Verreich- lichnng Preußens erklärte der Landtags- prästdent Kerrl n. a.r „Es ist nun einmal eine «Tatsache, daß vorläufig noch eine Reichsverfassung besteht, deren Jnnehaltung der Herr Reichspräsident beschworen hat und tmß ebenso in Preußen eine Verfassung vorhanden ist, über deren Beachtung der Landtag und mit ihm das Volk wacht.

Auf die Frage, wie er persönlich zu den

Es fällt uns schwsr,«nzunehnierh HM Sie ernst­haft glauben, daß sich die NSDAP. am 12. Sep­tember zum Gralshüter des Weimarer Systems aufgeworfen habe. Wir Nationalsozialisten »haben erst die Voraussetzung geschaffen, die dieses System erschüttert hat, aber es wird uns nicht bestritten werden können, daß man das heutige System nicht mit dem Absetzen einiger Minister und Landräte beseitigt, sondern, daß die erst« Vor­aussetzung für eine Neuordnung unserer politi­schen Verhältnisse die staatsbejahonde völkische Gesinnung der deutsche« Jugend ist und die habe« in erster Linie wir Nationalsozialisten geschaffen. Darum steht es auch nicht dem Zentrumsmann von Papen und seinen deutschnationalen Freun­den, sondern ausschließlich Adolf Hitler zu, die Neubildung des Staates in seine Hand zu nehmen. Herr von Papen wird genast so scheitern müssen, wie die Regierungen, an denen bereits Deutsch­nationale beteiligt waren, weil sie nicht begreifen wollen, daß Nationalismus znr Voraussetzung den deutschen nationalen Sozialismus hat, mit ande­ren Worten, daß uns Nationalismus die Zusam- mcnballung der Volkskraft nach außen und So­zialismus die Zusammenballung der Bolkskrast nach innen bedeutet.

Diese Erkenntnis der deutschen Freiheitsbewe­gung, die in unseren Reihen bereits alle Schich­ten der Ration zusammenschweißt, hat Herr Hu-

erklärte Kerrl daß die nationalsozialistische Bewegung seit ihrer Gründung die Be­seitigung des Dualismus Preußen-Reich und die Herstellung der dazu notwendigen Personalunion verfolge. Die Verwirkli­chung des dahin gerichteten Strebend sei aber — und das habe er, .der Landtags- präsiderrt, auch dem Reichspräsidenten vor­getragen —, im Rahmen der vorhandenen Verfassungen und bei der Zusammensetzung der Parlamente nur möglich, wenn ein vom preußischen Landtag gewählter Minister­präsident zum Reichskanzler ernannt werde. Die Verwirklichung der Ziele auf Reichs­reform werde erst möglich sein, wenn der Reichskanzler von Papen selbst den Reichs­kanzlerposten geräumt habe, weil ihm die vertrauensspendende Mehrheit im> Landtag und damit auch im deutschen Volk versagt bleiben werde.

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Nur die Halste der Wohlfahrtsunterstützungon ausgezahlt

Herne, 3. Oktober. Wie das Städtische Presse­amt mitteilt, hat die Stadt Herne die am Montag fälligen Wohlfahrtsunterstützungen nur zur Hälfte auszahlen können. Man hofft zwar, die zweite Hälfte der Unterstützung am kommenden Donners­tag ausschütten zu können, doch steht es noch keineswegs fest, ob die erforderlichen Mittel zur Verfügung stehen werden.

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Ueber die Leipziger Buchbindereien wird die Aussperrung verhängt

Leipzig, 3. Oktober. Im Zusammenhang mit dem Streik bei der Großbuchbinderei Sieke L Co. in Leipzig, der von den Arbeitgebern als Tarif­bruch angesehen wird, hat eine Mitgliederver­sammlung des Vereins Leipziger Buchbinderei­besitzer im Verband Deutscher Buchbinderei-Be­sitzer am Montag nachmittag beschlossen, über die Leipziger Buchbindereien die Aussperrung zu ver­hängen. Weiterhin ist bei dem Kreis III der An­trag gestellt worden, die Aussperrung über die Großbuchbinhereien ganz Deutschlands ru ver- hänseL

tzenkeiK Hmkke» WiÄer auf tzaZ Stricktest« abge­lehnt mK eineü bürgerlichen Klaffenstandpunkt gegenüber der Arbeiterschaft konstruiert. In um seien Reihen stehen alle Deutschen gleichberechtigt und ausschließlich Nach ihrer Leistung für das Volk bewertet nebeneinander und das gibt un­serer Bewegung die Kraft, jede innerpolitischs Konstellation, auch die heutige, in die Entwicklung zu zwingen, für die der Nationalsozialismus als allein ftaatsbildeude Macht die Verantwortung trägt.

Der hinter «ns stehende Volksteil kann es nicht verstehe«. Laß dem Herrn Reichspräsidenten der Parlamentarismus nur so lange als die einzig mögliche Regierungsform erschien, bis die Na­tionalsozialisten 8« einem ausschlaggebenden Fak­tor im Parlament geworden waren.

Auch Dr. Richard Harms redet in einem neuen Artikel in den „Bremer Nachrichten" von einer „verpaßten Gelegenheit der NSDAP.", Kein Wunder, denn ich glaube, die große Enttäuschung empfinden die Herrenklubler und ihre Trabanten^ bei denen sich plötzlich politische Johannistriebs zeigen. Das hätte den Herren gepaßt, die Hitler- Bewegung so Anzufangen, wie seinerzeit die So- zialdemokraten oder die Deutschnationalen, diS sogar um ihrer Ministersessel willen das Republik- schutzgesetz und vieles andere schluckten. Wer kon­struiert denn künstlich das Trennende Mischers NSDAP. und dem sogenannten „nationalen Bür­gertum?". Wie kommt ein Teil des deutschest Volkes dazu, sich „nationales Bürgertum" zst nennen, nur weil es von den Marxisten dazu ge, gestempelt ist? Getrennt wird das deutsche Volk nur durch den Marxismus und das Herrenklubtum, beides Klassentruppen, denen das Volk nur Mittel zum Zweck ist.

Wir empfinden es als vollendete Demagogie, zu behaupten, der NSDAP. sei es nicht gelungen, iu den Marxismus einzubrechen. Sind etwa dis Deutschnatioualen in Bremen im Westen vorge­stoßen, haben sie zum Beispiel im Kaffee Flor« Versammlungen abgehalten, die mit dem Blut un­serer SA.-Leute erkauft werden mußten? Mit Ge­sellschaftsabenden und deutschem Tanz ist kein Arbeiter zu gewinnen, wohl aber durch Aufklä­rungsarbeit, die von uns tagtäglich im Westen immer wieder unter Einsatz des Lebens und beiz Gesundheit geleistet wird. Sind etwa die Deutsch­nationalen die zweitstärkste Partei im Westen Bre­mens geworden, oder sind das wir Nationalsozia­listen? Haben die Deutschnationalen eine Kom­munistenhochburg wie Planen, wie Chemnitz, wie» das Ruhrgebiet zu nationaler Staatsauffassung gewonnen, oder sind es wir Nationalsozialisten ge­wesen? Es ist einfach beschämend, solche Tatsachen umzufälschen oder zu leugnen. Uns scheint, die Zeit ist da, in der die Deutschnationalen sich ihrs Anerkennung vei Herrn Faust und dessen Genossen für die Verdienste um den Marxismus abholen können. Schreibt doch bereits Herr Sonntag in seinen „Grünen Briefen", daß die Sozialdemo- kraten demnächst Tuchfühlung mit Papen nehmen würden, da ihnen der „braune Bolschewismus" noch mehr Verlegenheit bereite, als der rote. Hat etwa» die DNVP. den nationalen Schwung am Biertisch und in Klubsesseln in das Volk getragen, oder war» es die NSDAP.? Wo waren Sie, Herr Dr<! Harms, wo war Herr von Papen, Herr von Gayk usw. bis jetzt? Wer stand an der Spitze des Reiches, als, wie sie sagen, der wirtschaftliche Mit­telstand proletarisiert wurde?

Und die Jugend. Unter wessen Regierung ish die Jugend so vernachlässigt worden? Der Bremer Spießbürger hätte sich einmal am letzten Sonn­abend diese, unsere Jugend, ansehen sollen, wie sis hinauszog nach Potsdam, zu dem gewaltigsten In-» gendtresfen, das die deutsche Geschichte kennt. Dost mußten selbst ängstlichen Zweiflern die Augen auf-i gehen, wie sie diese blühende, glückliche, hoffnungs-^ freudige Jugend sahen, das Produkt der Erziehung» nationalsozialistischer Eltern. Ja, Herr Harms, reden wir von „Götterdämmerung".

Heute können Sie und Ihre Freunde über un8 lästern, soviel Sie wollen. Nicht Herr von PaPeL sondern unser Führer hat Politik auf lange Sicht getrieben, nicht der Herrenklub, sondern die deutsch^ Lreikeitsbeweüuna wird den Siea davontragen.

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