Ausgabe 
(3.10.1932) Nr. 220
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AN. 220.

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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(Bon unserem noch Potsdam entsandten LL - Sonderberichterstatter.)

Linsisigvn in Svsmsn

Die Sonnabendvormittagsstundea sahen den Hauptbahnhof vom braunen Hemd beherrscht. bOO Jungen und Mädels des Bezirks Bremen der Hitlerjugend, des Deutschen Jungvolks und des Bundes der Mädchen marschierten in geschlossenem Zuge durch die Sperren und formierten sich auf dem Bahnsteig, um den von Oldenburg einrollen­den Sonderzug zu empfangen und sich tzm anzu­schließen.

BrausendeHell-" undSieg"-Rufe empfingen Leu Zug, aus dessen Fenstern strahlende jugend- frische Jungen- und Mädel-Gesichter die Bremer Kameraden begrüßten; Wimpel und Fahnen auf den Plattformen der Wagen, Fahnen und Wimpel auf dem Bahnsteig machten das frohe Bild noch festlicher. In vorbildlicher Ordnung vollzog sich die Unterbringung der Bremer Jungen und Mädel in den bereitgehaltenen Wagen des Son- derzuges.

Die Hitlerjugend Bremens war fast hundert­prozentig vertreten;

durch Spenden und auS den Erträgen der Pla« ketten-Sammlung sind die erforderlichen Mittel zusammengekommen, um auch den arbeitslosen Kame.'aden die Fahrt zum Reichstreffen der Hit­lerjugend in Potsdam zu ermöglichen.

Im Rahmen -er Veranstaltungen des Reichs- trcfsens werden die Mitglieder des bisherigen Bezirks" Bremen in Anerkennung ihrer Er­folge zum Gau geweiht werden; im Vergleich zum Vorjahre hat sich die Mitgliedcrzahl ver­zehnfacht.

Bald waren die Id Wagen mit den etwa 1600 Teilnehmern des Gaues Weser-Ems gefüllt. Stolze Eltern und Angehörige und Freunde sammelten sich auf dem äußersten Ende des Bahnsteigs, die Gaukapelle Weser-Ems ließ den Fridericus- Marsch als sinnfälligen Auftakt zur Fahrt nach Potsdam erklingen; Singen, Heil-Rufe, Wimpel, Mahnen, Musik, und tausend zum Hitler-Gruß ge­treckte Arme sonnen b'ni ;um frohen, erhebenden Ilbschiedsbild. So rollte derBraune Zug" nach Potsdam.

0i« nsok I*ots«Isin

Unser Weser-Ems-Sonderzug rollt durch's nie­derdeutsche Land. Jubelnde Begeisterung ist un­ter den taufenden Jungen und Jüngsten. Ueberall Von den Landstraßen grüßen und winken die Braunhemden von Lastautos, Omnibussen und Motorrädern. Es grüßt der Bauer auf dem Felde hinterm Pflug: Hell und Sieg! Deutsche Jungens. Unser ist das Land. Es grüße» die Junge» und Mädel in Städten und Dörfern: Hell und Sieg! Kameraden. Unser ist die Äugend.

Aus allen Gauen des deutschen Vaterlandes brausen sie heran, unsere Braunhemden. Einem Anzigen großen Eiegeszug gleicht der Anmarsch.

8Hs»s«nkuniIg«I»ung Im SIsiIIon

Stunden um Stunde» marschiert die junge braune Armee in endlosen Reihen durch die historische Stadt dem Stadion entgegen. Uner­müdlich. Ununterbrochen. Ei« beispielloser Auf- Marsch des jungen Volles, wie Deutschland ihn noch nie gesehen!

Noch ist der Führer nicht erschienen, da hallt SS aus allen Lautsprechern über den riesigen Platz, Wer hunderttausend Köpfe hinweg:

Das Stadion ist wegen restloser Uebersüllung polizeilich gesperrt. Die Straßen Pud dermaßen überfüllt, -ätz -er Führer ni<A durchkommen Imm."

Und Zehntausende stauen sich vor den Eingängen zum Platz, Lehntausende sind noch in endlosen Viererreihen im Anmarsch.Zurück ius Lager", ist der Befehl der obersten Leitung. Jubelnd aber nehmen die hunderttausend Versammelten die Nachricht auf: Des Volles beste Jugend ist im AnmaHch. Potsdam ist zu klein für sie.

Ssleßun von Sotilnool» opnlekl

Unter dem Donnern der Militärkapellen greift der Reichsjugendführer zum Wort und eröffnet den 1. Reichsjugendtag. Baldur von Schirach ruft die Jugend anf zur Erhaltung der Tradition

Unter unzähligen Hellrufen und tosendem Bei­fall, der kein Ende finden will, nimmt derFührer das Wort:

Meine liebe, deutsche Jugend!

Es ist in der Not der heutigen Zeit begründet, was euch meine Jungen und Mädel nach Potsdam gerufen hat.

Früher einmal war es möglich, daß Deutsch­lands Jugend an Dingen vorüberging, die euch heute aufs tiefste bewegen. Früher einmal mag der Jugend das Leben schöner erschienen sein, weil es ihm mehr an äußerer Freude brachte, thr aber habt das Glück, in frühen Jahren am Schick­sal der Nation teilzuhaben.

Ich weiß es, daß viele unter euch find, deren Vater als Arbeitslose durch die Stächen irren, daß viele von euch vielleicht nicht einmal wissen, welches Schicksal in den nächsten Wochen und Ta­gen über Familie und Elternhaus hereinbrechen wird.

Die Not und das Elend, unter dem das deutsche Voll zu leiden hat, ist nicht von ungefähr herein­gebrochen.

In seiner große» historische» Stunde hat unser Voll sich selbst vergesse»,

es ist uneins geworden, es ist langsam zerfallen und machtlos geworden und aus feiner Recht­losigkeit erwuchs der Verlust an Arbeit und Brot. Me Versuche, unserem Volle in feiner großen Not Hilfe zu bringen, müssen scheitern, solange sie von einer in den Wollen schwebenden Regie­rung und nicht von der deutsche« Bolkskraft selbst ausgehen.

Der Deutsche muß es wieder lernen, über Län- dergrenzen Konfessionen und Gesellschafts­klassen hinweg sich wieder als einiges deutsches Voll zu fühlen. Unsere Nation stürzte von Hier stolzen Höhe, weil sie dies alles vergaß; und ihr, meine deutschen Jungen und Mädels, sollt es in der nationalsozialistischen Bewegung wieder lernen,

euch als Bruder und Schwester» einer Ratio» zu fühlen

(Brausender, Lmganhaltender Beifall.) Ihr sollt über die Berufsstände und Gesellschaftsschich­ten hinweg, über alles, was euch zu zerreißen droht, die deutsche Gemeinsamkeit suchen und fin­den; ihr sollt sie bsvahren und festhalten und me- mand soll sie euch rauben.

Richt früh genug kann die deutsche Jugend dazu erzogen werden, sich zu allererst als Deutsche zu fühlen. Die nationalsozialistische Jugenderziehung soll nicht einer Partei, sondern dem deutschen Voll zum Wohle gereichen« wie ja auch die national«

auf historischem Boden. Der Geist der einstigen preußischen Armee Friedrichs des Großen hieß: Sozialismus, Führertum und Pflichterfüllung. Daß nun dieser historisch gewordene Geist des großen Königs wieder zu Ehrung kam, ist Las Verdienst des Arbeiterführers Adolf Hitler, nicht des Herrenklubs.

Es gibt eine nationale Macht, gegen die auch Herr von Hindenbnrg kein Auslösungsdekret fin­de« kann! Herr von Papen kann wohl ebnen Reichstag auflösen, aber Herr von Papen kann nicht die deutsche Jugend auslösen! Es kommt vielmehr die Stunde, wo dieser Reichskanzler ausgelöst wird!

Das Kennwort unseres Jugendaufmärsches in Potsdam, der Sinn dieser Kundgebung, dieses Jugendkampfes heißt: Reichsjugendtag

gegen Reaktion.

sozialistische Bewegung einmal Deutschland setn soll (minutenlanger Beifall).

And das einheitliche Bekenntnis der opfer­freudigen deutschen Jugend zur Idee des Na­tionalsozialismus gibt hierfür den klaren Be­weis. Mögen die anderen spotten «ich lachen. Ihr werdet einmal Deutschlands Zukunft fein, ihr feid das kommende Voll, und auf euch ruht die Vollendung dessen, um was wir heute kämpfen (stürmischer Beifall).

Gegenwärtig mag es viele Deutsche geben, die den Wert der Ideale leugnen. Der National­sozialismus aber erzieht euch Jungen zu gläubi­gen Idealisten; denn nur die Ideale können das deutsche Voll wieder zur Einheit schmieden!

Was kann es herrlicheres geben als diese ge­waltige Idee, die selbst die Allerjüngsten eines Volles erfaßt hat und die sich auch heute in dieser einzigartigen Nacht im freudigen Opferwillen der deutschen Jugend offenbart.

Niemals wird unser Voll vergehen, solange es seinen großen Ideale» zugänglich ist. Was kann einem Voll geschehen, dessen Jugend auf alles verzichtet, um feinem großen Ideal zu diene«. Wie ihr, meine Jungen und Mädels, schon heute im gemeinsamen Ringen um das Wohl eures Volles strebt, so kämpfen Millionen erwachsener Männer und Frauen um Deutschlands Befreiung. Der Nationalsozialismus gestaltete eine Volksge­meinschaft, die von Kind an beginnt und beim Greise endet. Niemand kann diese gewaltige Symphonie des deutschen Lebens zum Schweigen bringen.

Die nationalsozialistische Bewegung soll den deutschen Knaben erziehe», ihn stolz und mutig mache« und ihn beizeiten lehre«, das kleine Haupt nicht zu beugen, wenn andere ihn zum Anrecht bewege» wollen. Gerade dann bleibt ein deutscher Junge seinem Bolle treu, wenn es sich in der größten Gesahr befindet.

Was du, mein lieber deutscher Junge, in deiner Heldensage, in deinem Heldenlied bewunderst, dem mußt du selbst nachstreben, damit dein Voll einst würdig ist, im Heldenlied besungen zu werden. Ich glaube, daß in der nationalsozialistischen Jugend­bewegung ein neues deutsches Geschlecht heran­wächst; dies Geschlecht wird dereinst den Mut be­sitzen/sich dem Geist der Erfüllungspolitik zu widersetzen.

Schon der erste Tag, an dem deutsche Jugend aus dem ganzen Reich unter dem Hakenkreuz marschiert, erbringt den prahlendes Beweis für die Richtigkeit unserer Prinzipien. Diesem Tage werden größerer und herrlichere folgen, und so werdet ihr, meine Neben Jungen und Mädels, dereinst Deutschland sein. Dann wird eure stolzeste

Jugenderinnernng sein, daß ihr bereits als kleing Buben und Mädels in allerschwerster Not eure Herzen Deutschland geweiht habt, und ihr werdet dann im glücklichen Stolz bekennen dürfen, daß eure Treue und Einsatzbereitschaft Las neus Deutschland schuf.

Ihr habt als kleine Buben und Mädchen für dieses neue Deutschland Partei ergriffen. Ihr seid eurem Deutschland treu geblieben, und die Erinnerung eures Alters wird den Loh« in sich tragen, den euch heute niemand zu geben ver- mag. Deutschland erwache!

Dann branden tosende Hellrufe aus hunderm tausend deutschen Jungen- und Mädchenkehlen zum Führer auf. Mit tiefster Begeisterung haA das Horst-Wessel-Lied über das Feld.

Ein einziges, heißes, glühendes Bekenntnis zrt Deutschland, zum Voll, zu Adolf Hitler, dem gro­ßen Führer Deuschlands in tiefster Notzeit: Da- Deutschlandlied. Tausend Arme recken sich zunj Schwur empor im flackernden Fackelglanz.

Ergreifend innig singt unsere deutsche Jugentz den Choral im großen Zapfenstreich:Ich beta

an die Macht der Liebe." Wie ein einziges« glühcpdes Gebet ist die Jugend zu dieser Stunde« Aus allen Herzen aber bricht der unaussprech­liche Dank an den Führer, für den wir bereit sind, das Letzte zu geben. Wir alle ich und du, Braune Jugend, euer Führer ist zu gleiche:« bereit, für jeden unter euch!

Bei Feuerwerk und Fackelschein rückt die Ju­gend ab ins Lager.

llli.

(Ausführlicher Bericht vom Sonntag, auch übe« den Gau Bremen, am Dienstag.)

PLp ein Lii'OÜüsuisokSsnÄ

Wien, 2. Oktober. Den Höhepunkt und! Abschluß des Wiener nationalsozialistischen Ganparteitages bildete am Sonntag dies Uebergabe der Fahnen an die Sturmab°4 Leitungen und an die Unterabteilungen der Parteiorganisation durch Reichst« gspräsis dent Goering und den Stabschef Rohm« ReichstagspräsiLemt Goeriug wies auf die! Notwendigkeit der Einheit des Deutsches! Reiches und des Zusammenschlusses allerf Deutschen hin. Die Macht im Reiche müsse! Hitler in die Hand gegeben werden, da nust er imstande sei, die Forderung Deutsche lands nach Gleichberechtigung in Abrüstung und wach Sicherheit seiner Grenzen zu ver­treten sowie den wirtschaftlichen Wieder­aufbau durchzuführen. Die Regierung Pa­pen täusche sich, wenn sie glaube, durch ihp Vorgehen die Macht behalten zu können« Goeriug appellierte zum Schluß au di« intensive Mitarbeit, welche in Deutschland und Oesterreich die Macht in die Händel des Nationalsozialismus geben werde.

Namdungvn Vonkssi-ssri-sIIr gskl vksirvi»

Hamburg, 9. Oktober. Der zweite Tag des Hamburger Verkehrsstreiks machte sich), da es ein Sonntag war, besonders ungün-> stig für das Gaststättengewerbe bemerkbar« Ein von der Hochbahn-Direktion ab Mon-i tag, den 3. Oktober, aus der Langenhornerj und Walddörfer-Bahn für die Dauer beH Streiks geplanter Notbetrieb kann nicht aufgenommen werden, weil die Durchfühs rung mit Hochbahnangestelltvn nicht mög? lich ist. ^

Am Sonnabend abend Hielten die in der! Gewerkschaft der Eisenbahner organisierten Hoch-- und Straßenbahner eine Verfamm^ lung ab, auf der beschlossen wurde, bchH zum Montag eine abwartende HMunZ einzunehmen.

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