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Nr. 70 / i. Vierteljahr
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Montag, den 12 . März
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München bleibt Hauptstadt der Bewegung
Der Führer dankt anläßlich des bayerischen Staatsaktes seinen treuen Mitkämpfern
München, 11. März.
Um 9.45 Uhr verkündete in München der Aufmarsch der SA. an der Luisenstraße die kommenden eindrucksvollen Kundgebungen anläßlich des großen Staatsaktes in der Ausstellungshalle. Zwei Musikzüge, ein Ehrensturm der Leibstandarte, insgesamt 8000 Mann, zogen unter klingendem Spiel zum Braunen Haus. Hier wurden die 120 Ehrenzeichen der SA. abgeholt. Dann folgte in Sechserreihen unter flotten Marschklängen der Zug durch das Stadtinnere zur Ausstellungshalle. Die Einholung des Reichsstatthalters lockte schon lange vorher eine große Zahl Männer und Frauen an. Kurz nach 10 Uhr trafen die Mitglieder der Staatsregierung ein, die durch feierliche Einholung dem Reichsstatthalter eine besondere Ehrung bereiteten. Um 10.30 Uhr fuhren Reichsstatthalter und Regierung in offenem Kraftwagen zum Schauplatz des Staatsaktes in der Ausstellungshalle.
Vor der Festhalle hatte eine Ehrenkompagnie der Landespolizei und ein Ehrensturm der SA. Aufstellung genommen. Punkt 11 Uhr fuhr der' Reichskanzler Adolf Hitler mit Stabschef Rohm, Reichspressechef Dr. Dietrich, Obergruppenführer Bruckner und Standartenführer Schaub an der Festhalle vor, empfangen vom Reichsstatthalter und den Mitgliedern der bayerischen Staatsregierung. Auf dem Wege war der Führer Gegenstand begeisterter Huldigungen der Volksmenge gewesen.
Staatsminister Esser sprach die Eröffnungsworte und dankte dem Führer, daß er der Veranstaltung die Ehre seiner Anwesenheit geschenkt habe. Ein dreifaches Sieg-Heil auf den Führer und in der Versammlung ein brausendes Echo. Es folgte die Ansprache des Ministerpräsidenten Siebe r t, der u. a. betonte, daß sich die bayerische Regierung bewußt sei, daß sie nicht nach eigenen Rechten, sondern nach dem Willen des Führers als Organ der Bewegung ihr Amt führe. So werde die Regierung des bayerischen Landes weiter arbeiten. Die Rede schloß mit einem Sieg-Heil auf das neue Deutschland und seinen Schöpfer und Führer Adolf Hitler.
Nach dem der Rede des Ministerpräsidenten folgenden Deutschlandlied hielt der Führer selbst eine Ansprache, in der er auf die Bedeutung Münchens und Bayerns für die NSDAP. und die deutsche Revolution hinwies und seinen alten Mit- kämpsern den Dank aussprach.
Der Führer spricht:
Deutsche Volksgenossen und Volksgenossinnen!
Der Zwang, heute abend noch in Berlin zu sein, macht es mir unmöglich, noch länger hier zu verweilen. Ich möchte aber nicht von Ihnen gehen, ohne wenigstens mit ein paar Worten das auszudrücken, was mich jetzt bewegt.
Von hier aus ging einst der Kampf d.er nationalsozialistischen Bewegung. Jahrelang habe ich in dieser Stadt gepredigt, damals beschränkt auf diese Stadt, jahrelang habe ich zugleich aber auch versichert, daß diese Stadt sich keine größere Ehre erringen wird und erringen kann, als daß sie Ausgangspunkt dieser neuen Lehre ist und bleibt. Sie bleibt Ausgangspunkt dieser Lehre, indem sie die Leitung dieser neuen Bewegung für immer in ihren Mauern behält.
Wir zeigen damit, daß der Begriff Hauptstadt nicht nur äußerlich und sachlich aufzufassen ist. Es gibt in Deutschland viele Hauptstädte, Hauptstädte der Wirtschaft, Hauptstädte des Geistes, Hauptstädte der Politik, Hauptstädte der Wissenschaft, es gibt auch eine Hauptstadt der Kunst und eine Hauptstadt zugleich der nationalsozialistischen Bewegung. Die Hauptstadt der Kunst und unserer Bewegung ist München und wird München bleiben. (Stürmischer Beifall.)
Ich will aber nicht nur, daß diese Stadt, sondern daß dieses ganze Land für alle Zukunft mit ein Pfeiler sei des neuen Reiches. Die Bewegung ist Deutschland, die Bewegung ist das Deutsche Reich. Ein Jahr hat diese Bewegung nun in Deutschland regiert, auch in diesem Lande, und sie hat sich bemüht, die Fundamente eines Reiches auszuführen, das nicht 10 oder 20 oder 30 Jahre dauern soll, sondern daß Jahrhunderte zu bestehen hat.
Auch in diesem Lande ist in diesem Jahre gearbeitet worden entsprechend den Richtlinien, die ich der Bewegung in ganz Deutschland erteilte. Und es ist erfolgreich gearbeitet wordezi. Was liegt da näher, als daß wir beim Abschluß dieses Jahres uns klar werden darüber, was geschaffen wurde, und daß wir zurückdenken an die, die es geschaffen haben. Was geschaffen wurde, ist in wenigen Sätzen zusammenzufassen. Nicht das ist das wesentliche, daß die deutsche Wirtschaft wieder der Gesundung cntgegengesiihrt wurde, daß in Deutschland über 21s Millionen Erwerbslose in den Produktionsprozeß zurückgekehrt sind, daß überall ein neuer Glaube eingezogen ist, sondern entscheidend ist letzten Endes, daß wir in diesem Jahr die Vor
aussetzung schufen für eine deutsche Wiedergeburt, die vielleicht 100 oder 200 oder 300 Jahre sich auswirken wird. (Stürmischer Beifall.)
Auch hier hat man lebendigen Anteil genommen, auch hier hat man geholfen, deutsche Geschichte für die Zukunft zu gestalten. Wenn wir nun nach einem Jahre zurückblicken, dann müssen wir dankerfüllt derer gedenken, die durch ihre Arbeit das ermöglicht haben. Ich mußte schon' neulich sagen, daß ich auch nicht hier stünde, wenn ich nicht so viele Tausende, Zehntausende und Hunderttausende treue und brave, oft ganz kleine Anhänger gehabt hätte, die namenlosen, unbekannten Treuen. Nirgends kann man ihrer mehr gedenken, als in dieser Stadt, denn hier hat unsere Bewegung begonnen, damals klein und unbekannt, und doch fanden sich viele Hunderte, Tausende und Zehntausende, die sich diesem Erlösungswerk der deutschen Nation verschrieben hatten. Es wird ein ewiger Ruhmestitel für diese Stadt sein, daß aus der Tiefe ihres Wesens und ihres Gemüts die tiefsten seelischen Voraussetzungen für die Erneuerung des deutschen Volkes gekommen sind. Das ist kein Zufall, sondern Bestimmung und Notwendigkeit.
will natürlich, daß wir in dieser Stunde all den treuen, tapferen, mutigen und opferbereiten Anhängern danken, all den zahllosen Verteidi-
Letpzig, 11. März
Der Tag der deutschen Technik, die große Veranstaltung der Organisation der Technik, fand am Sonntag seinen Höhepunkt in einer öffentlichen Kundgebung, die unter der Schirmherrschaft des Reichsstatthalters von Sachsen, Mutschmann, stand. Nach einer musikalischen Einleitung ergriff der Reichsstatthalter das Wort, wobei er zunächst vor allem darauf hinwies, daß Technik schöpferisches Gestalten bedeute. Dem deutschen Techniker sei es weder vor noch nach dem Kriege gelungen, sich entsprechend seiner Bedeutung für die Gesamtwirtschaft auch eine Organisation zu schaffen. Erst Gottfried Feder sei es gelungen, im Rahmen der nationalsozialistischen Bewegung im „Kampfbund Deutscher Architekten und Ingenieure" eine Organisation zu bilden, die davon ausgehe, daß alle Möglichkeiten der Technik für die Gesittung und Wohlfahrt der Nation eingesetzt werden. Der Techniker sei berufen, den Produktionsablauf zu bestimmen, nicht der Vertreter der Bank, in der richtigen Anwendung des Gedankens, daß nicht Kapital Arbeit, sondern Arbeit Kapital schafft.
Nach der mit großem Beifall aufgenommenen Rede des Reichsstatthalters ergriff Staatssekretär Feder stürmisch begrüßt das Wort zu einem Vortrug über die „Würde der Technik". Von der Geschichte der Technik ausgehend wies Staatssekretär Feder eingehend auf die Gefahren hin, die sich ergeben, wenn der Materialismus zum Nutznießer der Technik wird. Ihm komme es nicht auf die Arbeitsleistung, auf die konstruktiv künstlerische Idee an, sondern auf den, Verdienst, und die Technik finde an Stelle der erhofften Anerkennung Mißachtung und Minderbewertung ihrer Leistung. Gebeugt über sein Reißbrett vergesse der Ingenieur die großen nationalwirtschaftlichen Zusammenhänge, und gerade der so ungeheuer tüchtige und fleißige deutsche Ingenieur verliere nur zu leicht den festen Boden der Heimat, mache die Welt zum Spezialistentum und zersplittere sich in tausend Fachgruppen, die miteinander im Streite liegen. Das sei die Entwicklung als Spiegelbild des Liberalismus gewesen.
Im neuen Staat, im Staat des Führertums sei der Technik erst wieder der Weg zu ihren ureigensten Ordnungsprinzipien eröffnet. Das Konstruktive sei das Prinzip der Technik, der Kräfte- ausgleich, die Erzielung höchster Leistung mit geringstem Kraftaufwand seien aber auch Ordnungsprinzipien der Wirtschaft, die nur bei Höchstleistung die verlorengegangenen Gebiete des Weltmarktes zurückerobern kann.
Weiter behandelte Staatssekretär Feder dann die grundlegenden organisatorischen Fragen. Hier gelte es ein« innere Bereinigung der tausendfältigen Zersplitterung der Technik vorzunehmen, indem man Architekten und Ingenieure in einer Gliederung nach den großen Sachaufgaben zusammenfasse. Erst in diesen wohlgegliederten Organisationen werde die Technik die wertvollste Trägerin einer staatlichen Wirtschaftsführung ü-in. Uebcrgehend zu den großen Ausgaben der deutschen Wirtschaft wies Staatssekretär Feder darauf hin, daß das Reichswirtschaftsministerium für eine großzügige Wirtschaftsführung Eeneralstabspläne 'chasse, auf Grund deren dann der Angriff auf die Arbeitslosigkeit zum siegreichen Ende geführt werde, auf Grund deren eine dauernde Regelung des ge-
gern, die hier den Kampf mit aufgenommen haben, diesen zahlreichen SA-- und SS.-Männern, die Jahr für Jahr treu zu ihrer Fahne hielten, ganz gleich, ob sie flatterte oder ob wir sie einziehen mußten.
Ich möchte daher jetzt auch denen danken, die als Führer dieser treuesten Anhänger heute vor einem Jahre auch hier in München und damit in Bayern die Konsequenz aus der geschichtlichen Situation zogen und die entschlossen und kühn auch hier Las Steuer den früheren Männern aus der Hand nahmen und es endgültig der Bewegung gaben. Sie haben mitgeholfen, in Deutschland dii' nationalsozialistische Revolution zu vollenden und sie haben mitgeholfen, die Stärke des neuen Regiments im übrigen Deutschland zu festigen. Indem sie den Ausgangspunkt der Bewegung hineinstellten in das neue deutsche Reich und damit in die deutsche Zukunft, haben sie zugleich auch die Bewegung selbst über das ganze deutsche Volk siegreich erhoben und haben damit dokumentiert, daß es etwas gibt, das sich über alle bisherigen Differenzen zu erheben vermag. Sie haben damit das neue Regiment auch in Berlin in seiner Position wesentlich gefestigt.
Ich habe seinerzeit erklärt, daß ich, der Bayer, in meiner Eigenschaft als Reichskanzler dafür
samten wirtschaftlich-technischen Lebens möglich sein werde.
Nach diesen grundlegenden, mit viel Beifall aufgenommenen Darlegungen des Staatssekretärs Feder, ergriff Kommerzienrat Röchling das Wort, wobei er darauf hinwies, daß der für Deutschland, vielleicht für ganz Europa ausschlaggebende Erfolg der nationalsozialistischen Revolution seine tiefste und sicherste Fundierung in der Ueberwindung des Materialismus habe. Der Techniker müsse Diener am Ganzen sein und frei- giebig den Ueberfluß seines Könnens zur Verfügung stellen. Dr. Röchling erinnerte an die Sonderschau der saarländischcn Industrie auf der Leipziger Messe, die ein überzeugender Beweis dafür sei, daß alle Erzeugnisse der Saar deutschen Geistes sind. Weiter auf die Saarfrage eingehend erklärte er, daß jeder sich davon werde überzeugen können, daß die Abstimmung, zu der die Saar gerufen wird, ein Urteilsspruch über den Versailler Unsinn ist. Nach dem mit Begeisterung aufgenommenen Treuebekenntnis des
ävb. Paris, 11. März
Mattn berichtet von Unregelmäßigkeiten im Haushalt der Kolonie. Das Blatt stellt fest, daß also nicht nur der Haushalt des Mutterlandes geplündert werde. 2m 2ahre 1932 sei z. B. für die Lagermanufaktur von 2ndo- china für 22,7 Millionen Opium angekauft worden. Als man dieses Opium verwerten wollte, habe man bemerkt, daß es untauglich sei. Daraus habe sich ein Verlust von 22,7 Millionen für den Haushalt der Kolonie ergeben. Ein Schadenersatzanspruch sei nicht geltend gemacht worden, da man nicht wußte, wer dafür verantwortlich zu machen sei.
Auf Veranlassung des Justizministers hat der Pariser Eeneralstaatsanwalt eine Untersuchung auf Bestechung gegen Unbekannt eingeleitet. Es handelt sich um die Aufklärung der Verwendung der Propagandagelder, die in Höhe von einigen Millionen Frank von der Pariser llnter- grundbahngesellschaft verteilt worden sind. Die ganze Angelegenheit war von der sozialistischen Presse gegen die Rechtsparteien ausgeschlachtet worden, und hatte noch am Freitag zu einer erregten Kammeraussprache geführt.
Der frühere Innenminister Frot sagte vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß aus, er habe um seiner politischen Unterrichtung willen mit den verschiedensten Kreisen Beziehungen gehabt. Aber die Unterstellungen, daß er irgend welchen ehrgeizigen Plänen nachgejagt habe, muffe er als Verleumdung und Phantast,. zurückweisen. Gegen den früheren Polizei- präfekten Lhiappe persönlich habe er nichts. Doch habe sich in dessen Umgebung eine Kamarilla breitgemacht, deren verhängnisvoller Einfluß verschiedentlich festzustellen gewesen sei.
Einen höchst dramatischen Verlauf nahm die Gegenüberstellung Frots und Chiappes vor dem Untersuchungsausschuß. Lhiappe hielt seine Aus
einstehe, daß gerade dieses Bayern hier jederzeit zu den treuesten der Treuen gerechnet werden kann. (Stürm. Beifall.) Ich bin glücklich und stolz, in Berlin jederzeit sagen zu können:
Wenn Sie heute von deutscher Treue reden, so müssen Sie das deutsche Volk meinen. Vom Süden bis znm Norden, vom Osten bis zum Westen gibt es nur einen Glauben und nur ein Bekenntnis: Deutschland und immer wieder Deutschland! (Stürmischer Beifall.).
So wollen wir uns denn in dieser Stunde derer erinnern, die in dieser Stadt und in diesem Lande einst für die Bewegung das erste Opfer gebracht haben, der braven Männer, die vor der Feldherrnhalle fielen, der braven SA.-Männer, die von Not- front ermordet worden sind, und der vielen Tausende, die verletzt wurden. Sie alle konnten nicht mehr erleben, was wir heute sehen. Aber indem sie es vorausahnten, sind sie einst dafür gestorben. Sie sollen für uns Blutzeugen und Vekenntniszeugen sein, verpflichtend für uns alle. So bitte ich Sie denn: Lassen wir gemeinsam unser herrliches deutsches Reich und unser liebes deutsches Vaterland leben, auf daß es dereinst unseren Nachfahren immer das geben kann,, was wir 15 Jahre erkämpfen mußten: Freiheit, Ehre und damit das tägliche Brot! Unser deutsches Volk und unser deutsches Reich Sieg-Heil!
Deutschen aus dem Saargebiet sprach der General- inspekteur für das deutsche Straßenbauwesen Dr. Todt.
Generalinspekteur Dr. Todt führte u. a. aus: Zur erfolgreichen Durchführung der der Technik gestellten Aufgaben sind zwei Dinge nötig: Beim einzelnen Menschen die Umwandlung des gründlichen technischen Könnens in Theorie und Praxis unterbaut von einer uneigennützigen nationalsozialistischen Weltanschauung und Gesinnung, bei der Gesamtheit an Stelle der bisherigen Zerrissenheit und Gegensätzlichkeit ein brauchbarer Zusammenschluß. An diesem Zusammenschluß wird gearbeitet. Die Kammer wird die Aufgabe haben, die Erziehung der Mitglieder zu einer einheitlichen Auffassung durchzuführen und diese Form der Aufgabe ist die wichtigste. Die Ingenieure sind heute Führer der Industrie für eine Reihe von Jahren. Der Zusammenschluß hat so zu erfolgen, daß die wertvollen Sachüber- lieferungen, die vorhanden sind, mit nationalsozialistischem Geist durchtränkt werden können.
sage ausrecht, daß Frot eine antifaschistische Kampfgruppe um sich zu scharen versucht habe. Er, Chiappe, habe diese Informationen, die ihm zugegangen waren, dem damaligen Ministerpräsidenten Daladier zur Kenntnis gebracht. Frot erklärte darauf, daß an alle dem nichts Wahres sei und daß es sich entweder um eine Entstellung oder um eine böswillige Verleumdung handele. Nach seinem Gewährsmann befragt, erklärte Chiappe, die Informationen über Frot von einem Freunde erhalten zu haben, dessen Namen er aber nicht preisgeben würde.
Mittäter Gtaviskgö verhaftet
Paris, 11. März.
Der Boxer Riemen, dessen Paß, wie erinnerlich, bei der Leiche Staviskys in Chamony gefunden worden war und der nach seinen eigenen Angaben als Masseur Staviskys tätig war, wurde am Sonnabend verhaftet. Er wird der Mittäterschaft angeklagt. Als die Polizei in seiner Wohnung erschien, war er gerade beim Rasieren und zeigte sich nicht wenig überrascht über den unerwarteten Besuch, leistete aber den Anordnungen der Polizei ohne Widerstand Folge. Bei der Haussuchung bei dem Boxer sollen einige wichtige Schriftstücke gefunden worden sein.
Zeilungöstreik in Madrid
Paris, 11. März
Havas gibt eine Aeußerung des spanstchen Innenministers wieder, nach der die Arbeitgeber und die Arbeitnehmer 'im Zeitungswesen sich nicht geeinigt haben. Der Zeitungsstreik werde am Montag beginnen Aus alle Fälle würde die Regierung, wenn der Zeitungsstreik einen umsehenden Charakter annehmen würde, Maßnahmen treffen, damit Madrid nicht ohne Nachrichten bleibe, um der Verbreitung von falschen Gerüchten vorzubeugen.
Oesterreichs Weg
kr. kckü. Bremen, 12. März.
Der 12. März spielt in der Geschichte des deutsch-österreichischen Verhältnisses eine Rolle, die heute mehr denn je zu einer nachdenklichen Rückschau Anlaß gibt. 1b Jahre sind verslossen seit dem Tage, an dem die österreichische Nationalversammlung in Wien einstimmig dem ersten Artikel der neuen Verfassung folgende Form gab: „Deutsch- Oesterreich ist ein Bestandteil des Deutschen Reiches." Schon am 30. Oktober 1918, kurz nach dem tragischen Zusammenbrach der Südost-Fronten und während des Auseinanderfallens der Habsburger Monarchie hatte sich aus den deutschen Abgeordneten des ehemaligen österreichischen Reichstages eine provisorische Nationalversammlung gebildet und ohne Säumen, gleichfalls einstimmig, den Anschluß Deutschösterreichs an das Reich beschlossen. In einer Zeit, da schwarze Wolken den politischen Himmel Deutschlands wie kaum zuvor verdüsterten, fühlte das Stammvolk der Zusammengebrochenen Monarchie ohne jede innenpolitische, parteimäßige Auseinandersetzung, wohin es gehörte. Die Stimme des Blutes sprach. Niemand konnte sie überhören.
Dann haben wir es, wehrlos und mit knirschenden Zähnen, erleben müssen, wie sich, entgegen den Botschaften Wilsons, fremde Gewalten zwischen den österreichischen Stamm und die anderen Deutschen schoben. Ja, wir haben, vom Versailler System umklammert, zusehen müssen, wie man in St. Germain das Wort „Deutsch" vor „Oesterreich" strich, wie der neue „souveräne Staat" Zentraleuropas bewußt aus eine finanziell völlig unzureichende Grundlage gestellt wurde und wie er dann wenige Jahre später die finanzielle Abhängigkeit in Genf auch politisch besiegeln mußte. Der Anschluß des vor Jahrhunderten sogar reichsbildenden Landes an das Reich wurde in aller Form verboten. Das Lausanner Protokoll erneuerte 1932 die Genfer Bedingungen und rundete so das Bild der Entwicklung demonstrativ ab.
Heute nun bedarf es keines Beweises mehr, daß man s o, wie es geschehen ist, einen Staat nicht „gründen" kann. Ein selbständiges Land wird eben nicht von außen ins Leben gerufen. Das Bestreben Frankreichs, die Bevölkerung an der Donau unter dem Deckmantel einer sonderdeutschen (sprich: antideutschen) Mission seiner eigenen Politik dienstbar zu machen, mußte zu unerträglichen Spannungen in Mitteleuropa führen. Immer wieder ist darauf hinzuweisen. Nicht das Volk D e u ts ch ö st e r r e i ch s hat sich den Wiener Staat geschaffen — es wollte vielmehr die Vereinigung mit Deutschland —, sondern das „höhere" Interesse des ehemals den Habsburger» traditionell verfeindeten Frankreichs forderte ein angeblich unabhängiges Wien. Nicht an der schönen blauen Donau entstanden die Melodien für das europäische Konzert, sondern an der Seine sahen die Komponisten. Inzwischen ist kein Jahr vergangen, das nicht die Reihe der Donau-Pläne zur Beseitigung der katastrophalen Wiener Schäden um weitere Projekte vermehrte. Kein Rezept aber hat bisher dem Patienten Heilung bringen können. Die Krankheit sitzt, was sich die Aerzte allerdings nicht eingestehen wollen, zu tief, als daß man ihr allein mit einer Sanierung der finanziellen Lage bekommen könnte.
In den nächsten Tagen treffen in Rom der österreichische Bundeskanzler Dollfuß und der ungarische Ministerpräsident Gömbös mit dem italienischen Staatschef Mussolini zu wichtigen Besprechungen zusammen. Gegenstand der Tagung: das Donau-Problem. Wie neuerdings versichert wiü>, sollen nur wirtschaftliche Fragen zur Verhandlung stehen, und selbst auf diesem „neutralen Boden" sei nur mit Vorarbeiten für eine Lösung der mitteleuropäischen Schwierigkeiten zu rechnen. Auf keinen Fall halte man an dem rtalienisch-österreichisch-nngarischen Zollplan fest, der offenbar neben Prag auch Paris arg verschnupft hat. Vor allem aber denke man in Rom nicht daran, das beabsichtigte Wirtschaftsabkommen auf die drei genannten Staaten zu beschränken. Nun, Erklärungen vor einer Konferenz pflegen für die Beteiligten gewöhnlich nicht den Zweck zu haben,
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