Ausgabe 
(11.3.1934) Nr. 69
Seite
1
 
Einzelbild herunterladen

lZ reiner

mnNithe llryan öes Äenüis

PHML-MsLMLMSZLU

^emerZmtung^Verlagsgesells^t m. b. H., Eeeren 8 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland «25.

19 3 4

öer 5men SanfestM vremen

Nr. 6y / i. Vierteljahr

Sonntag, den ii. März

Anzeigen-Grundpreise: Die 22-nrm-Zeile im Anzeigenteil 12 Npf., die 70-mm-Zeile im Textteil 75 Rps. Ermäßigte Grundpreise (sür Stellengesuche, Familienanzeigen, kleine Anzeigen, Vereinsmitteilungen u. a.) sowie sonstige Bedingungen laut Preisliste. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewähr. Annahmeschluß 18 Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—1« Uhr, der Schriftleitung werktäglich von 16—17 Uhr.

Einzelpreis 15 Npf.

Auch die Schweiz...

Klii. In der Schweiz findet heute mit einer bedeutungsvollen Volksabstimmung ein scharfer Kampf zwischen den bürgerlichen Parteien und der Opposition seinen Abschluß. Zur Entscheidung steht das „Bundesgesetz zum Schutz der öffentlichen Ordnung", dessen geistige Urheber die parlamentarischen Frak­tionen der Katholisch-Konservativen, der Liberalen, der Freisinnigen und einiger anderer Mittelparteien sind. Es geht um weit mehr als den Schutz der öffentlichen Ordnung, der im wesentlichen schon durch kantonale Gesetze gegeben ist: es geht um das Schweizer Staatssystem. Die Marxisten haben geglaubt — wie konnte überhaupt anderes von ihnen erwartet werden! —, die demokratische Verfassung des Landes ihren parteiegoistischen Plänen nutzbar machen zu können. Die ihnen ge­währte Agitationsfreiheit hat mehr und mehr zu einem unerträglichen Terror gegenüber andersgesinnten Bevölkerungsteilen, zu einer Gefährdung des geordneten Staats­lebens, ja des Grundsatzes der Genfer Neu­tralität überhaupt geführt. Besonders das auf eine ruhmreiche Vergangenheit zurück­blickende Heer des Bundesstaates war in letzter Zeit in den Aktionskreis zersetzender kommunistischer Propaganda gerückt. So wird in dem Gesetz, über dessen Annahme heute das Schweizer Volk entscheiden soll, nicht nur die Aufforderung zu Vergehen gegen die öffentliche Ordnung, sondern auch die zu militärischem Ungehorsam, sowie die Verbreitung wissentlich unwahrer, die Armee verächtlich machender Behauptungen unter strenge Strafe gestellt.

Nun liegen jedoch die innenpolitischen Ver­hältnisse in der Schweiz nicht so einfach, daß sie bereits mit dem Gegensatz zwischen Re­gierung und Marxisten gekennzeichnet wären. Vielmehr ist das,Schwert, das dem Hüter des Gesetzes in die Hand gegeben werden soll, zwei­schneidig. Zu den heftigen Gegnern der Vorlage gehören nämlich nicht nur die So- zialdemokraten und die Kommunisten; auch die Nationale Front und die Faschisten der Westschweiz laufen gegen die Regierung und ihre als konservativ bezeichneten Pläne Sturm. Die Nationalisten, hinter denen hauptsächlich die aus Erneuerung der Staats­form dringende Jugend steht, erklären, daß sie kein Interesse an der Erhaltung des „Systems" haben und es ablehnen müssen, mit den Feinden des Vaterlandes in einen Tops geworfen zu werden. Andererseits tre­ten die Gewerkschaften trotz der Haltung der Marxisten zum Teil sür die Annahme des Gesetzes, jedenfalls nicht sür seine Ablehnung ein. Es hat also bei den erregten politischen Auseinandersetzungen der letzten Wochen ein Zweifrontenkrieg getobt, dessen Ausgang wegen der Zersplitterung der Kräfte nur einen bedingten Schluß aus das Stärke- verhältnis zwischen den Gegnern und den Ver­teidigern der Schweizer Staatsgrundsätze zu­lassen wird. Immerhin darf man auf das Er­gebnis der Abstimmung um so mehr gespannt sein,, als ein Bundesgesetz ähnlichen Inhalts vor 12 Jahren nicht die Zustimmung des Volkes fand.

Das find die MarMen-Führei'!

Fünf Millionen Schilling österreichischer

Wirtschaftsgelder ins Ausland verschoben Wien, 1«. März

Die polizeiliche Untersuchung bei der Eeschäfts- siihrung der sozialdemokratischen Parteibank hat ergeben, daß füns Millionen Eewerkschaftsgelder ins Ausland verschoben worden sind. Diese Be­träge sind fast vollständig von den gefliichteten Führern des sozialdemokratischen Schutzbundes bei den ausländischen Banken abgeschoben worden.

Die Verschiebung der Gewerkschaftsgelder er­folgte in der Weise, daß durch Vermittlung einer Bankfirma ausländische Wertpapiere, Aktien und dergleichen angekauft und ausländische Vankwerte angeschafft wurden. Die ausländischen Banken haben sodann den Gegenwert der Wertpapiere den sozialdemokratischen Führern ausgezahlt. So hat der ehemalige sozialdemokratische Abgeordnete König in Zürich einen Betrag von 1,8 Millio­nen Schilling abgehoben. Die Gewerkschaft Post- und Telegraphenbetriebe hatte einen Betrag von 100 000 Schilling nach Bern verschoben. Dieser Betrag ist von einer Berner Bank an den sozial­demokratischen Führer Mater ausgehändigt worden.

Der bekannte sozialdemokratische Führer Adler hob in Zürich 48 000 Schilling, ein anderer So- zialdemokrat 106 000 Schilling in Utrecht ab. Der Zentralverband der Lebensmittel- und Eenuß- mittelarbeiter in Wien hat den Pensionsfonds mit 1945 000 Schilling nach Zürich verschoben. Dieser Betrag ist gleichfalls bereits von Sozial- demokraten abgehoben worden. Gleichfalls ist ein größerer Betrag der Post- und Telegraphen­gewerkschaften, der Konsumgenossenschaften in Wien und Umgebung in das Ausland verschoben worden und bereits von Sozialdemokraten ab­gehoben worden. Die Regierung setzt die ein­gehende Untersuchung der Geschäftsführung der Arbeiterbank noch fort.

Umbau der deutschen Schiffahrt

Der Reichöwlrtschasismlnlster in Hamburg

Hamburg, 10. März.

Am Sonnabend vormittag traf Reichswirt- schästsminister Dr. Schmitt zu wirtschaftlichen Be­sprechungen in Hamburg ein.

Dr. Schmitt'hatte mit Reichsstatthalter Kauf­mann eine Besprechung über eine Reihe wichtiger schwebender Fragen. Anschließend stattete der Minister mit seiner Begleitung dem Senat einen Besuch ab. Auch hierbei wurde eine Reihe be­sonders dringender Fragen behandelt.

Kurz vor 11.30 Uhr trat der Minister dann eine längere Hafenrundfahrt an, an der auch der Reichsstatthalter und der Regierende Bürger­meister sowie einige Senatsmitglieder teilnah­men. Auf der Norderwerft wohnten die Gäste dem Stapellauf des Motorschiffes „Krischan" bei.

Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt stattete am Sonnabendnachmittag anläßlich seines Be­suches in Hamburg dem Hapag-Dampfer „Ham­burg" einen Besuch ab. Aus diesem Anlaß gab die Hamburg-Amerika-Linie an Bord ein Frühstück.

Unter den zahlreichen Gästen, die unter den Klän­gen der Vordkapelle das Schiff betraten, befan­den sich außer dem Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt und dem Reichsstatthalter u. a. der Re­gierende Bürgermeister Krogmann, Admiral a. D. Behncke (Berlin), Dr. Hanfstaengl von der Reichs­leitung der Partei, Oberbürgermeister Eoerdeler (Leipzig), der Vorsitzende des Norddeutschen Lloyd, Stadtländer, und Vertreter der beteiligten Reichsministerien.

Einleitend hielt der Vorsitzende des Vorstandes der Hamburg-Amerika-Linie, M. Oboussier, eine Ansprache, in der er zunächst seine Genug­tuung darüber zum Ausdruck brachte, daß die Führung des Reiches wiederholt zu erkennen ge­geben habe, daß sie eine gesunde natio­nale Seeschiffahrt aus wirtschafts- und nationalpolitischen Gründen für notwendig hält.

Dann führte der Redner u. a, aus: Was unsere Schiffahrt braucht, sind neben gesunden Valuta- verhältnissen in der Welt vor allem zwei Dinge!

Einmal mehr Fracht und Passagiere, um möglichst viele Schiffe in Fahrt zu halten und zu bringen und damit möglichst viele Volksgenossen in Brot zu lassen und zu setzen. Zweitens einen orga­nischen Umbau im Sinne der nationalsozia­listischen Weltanschauung.

Unsere Aufgabe, die wir in gemeinsamer Arbeit mit den Stellen der Regierung in Kürze zu leisten haben, wird sein, auf der ganzen Linie den na­tionalsozialistischen Unternehmer- typus zu schaffen und ihm gleichzeitig ein be- sriedliches Werkzeug in die Hand zu geben. Wir werden dabei zuweilen auf große Schwierigkeiten stoßen. Ihre Ausräumung wird jedoch immer ge­lingen, wenn sich alle Beteiligten auf der Ebene des guten Willens treffen. Zusammen mit dem deutschen Kaufmann in Uebersee bestimmt die Schiffahrt im Ausland das Gesicht Deutschlands. Tun wir alles in unseren Kräften Stehende zum Wohle und Ansehen unseres Vaterlandes.

Gesundung des Llederseehandels

Auf dem Liebesmahl des asiatischen Vereins hielt Reichswirtschaftsminister Dr. Schmitt eine Rede, in der er u. a. folgendes ausführte: Die nationalsozialistische Staatsführung hatte es als ihre vordringlichste Aufgabe angesehen, an eine organische Wiederbelebung der Jnlandswirtschaft heranzugehen und zunächst von dieser Seite her dem drohenden Zerfall unserer Wirtschaft ein kategorisches Halt entgegenzusetzen. Wir waren uns darüber einig, daß diesem Zustand ein Ende gemacht werden muß, ganz gleich, wie die Weltwirtschaft sich entwickelt, bei der die Ver­hältnisse ganz anders lagen.

Es kann nicht oft genug gesagt werden, daß die Krise der übrigen Welt mit der unsrigen über­haupt nicht verglichen werden kann. Kein Land war durch eine vollkommene Inflation so ausgeblutet, kein Land hatte ein solches Heer von Arbeitslosen durch Jahre hindurch und damit die erschütternden materiellen, vor allem aber mora­lischen und seelischen Folgen auszuweisen, wie unser Deutschland.

Der Führer wird am Jahrestage von Potsdam, am 21. März, erneut das Signal zur Eröffnung der Arbeitsschlacht geben und das Zukunftspro­gramm der Arbeitsbeschaffung entwickeln. Ein neuer Kampfabschnitt beginnt. Wenn wir mit demselben Schwung und mit demselben Gemein- schaftsbewußtsein an die Lösung der vor uns stehenden Aufgabe herangehen, dann weiß ich, daß unser Angriff von Erfolg sein wird.

Die nationalsozialistische Staatsfllhrung ist der privaten Wirtschaft mit gutem Beispiel voran­gegangen. Sie hat angepackt! Sie erwartet aber von der privaten Wirtschaft, daß sie das gleiche tut. Kleinmut und Zaghaftigkeit hat nie ein Volk aus seiner Not geführt. Wenn ein Volk aufbricht, so müssen alle mitmarschieren, und wenn da Fehler gemacht werden, so bleibe keiner stehen und klage, sondern vertrete seinen Stand­punkt, aber marschiere weiter. Ihnen, meine Herren, liegt die

Gesundung und Behebung des Uebersee- handels

ganz besonders am Herzen. Sie sind die Vertre­ter deutscher Schaffenskraft in Uebersee. Die Zeit nach dem Weltkriege, die so reich war an Demü­tigungen für uyftr deutsches Vaterland, hat viel­leicht gerade Ihnen die tiefsten Wunden geschla­gen. Nicht nur materiell, sondern auch ideell. Aber immer wieder haben Sie den stolzen Mut gefunden, die Voraussetzungen zu schaffen, damit die deutsche Flagge weit über die Meere der Welt wieder ihren Weg antreten konnte, um zu wer­ben für deutschen Fleiß und deutsche Leistung. Wir müssen alles daran setzen, daß unser Export belebt wird. Die günstige Gestaltung der inneren Wirtschaftslage bedingt eine Mehreinfuhr an Rohstoffen. Unsere ausländischen Lieferanten müssen sich aber mit uns darüber im klaren sein,

Hetz Zugfpitzslug-Gieger

Berlin, 10. März.

Am Sonnabend konnte endlich der mehrfach ver­legte Zugspitzslug 1934 durch die Landesgruppe X (Bayern) im Deutschen Lustsportverband ausge- tragen werden. Der Flug wurde mit Start iu München-Oberwiesenfeld und Ziel am Schneeser- ner-Haus durchgeführt. Kurz vor 14 Uhr erfolgte der Start von zwölf Teilnehmern, darunter auch von Reichsministcr Rudolf Heß aus seiner BFW. M 33 „Stadt Nürnberg". Als Erster traf der Vor­jahrssieger F. Kirsch-Schleißheim auf einer Focke- Wuls Stieglitz ein. Als Sieger ging jedoch Reichs- miuister Rudolf Hetz hervor.

daß dieser für sie gerade heute erfreuliche Absatz nur dann gesund ist, und aufrechterhalten werden kann, wenn sie auch von uns Waren abnehmen.

Unser deutscher Auslandskaufmann und -Händ­ler ist weiterhin ganz besonders dazu berufen, das Ausland darüber aufzuklären, daß wir unsere Schulden nur dann zahlen können, wenn er sich gegen eine Einfuhr aus Deutschland nicht sperrt.

Zm Fernen Osten harren viele wichtige Probleme politischer und wirtschaftlicher Natur ihrer Lösung. Die allgemeine politische Lage ist, wie Sie wissen, in mancher Beziehung noch nicht frei von Span­nungen. Deutschland ist an diesen Vorgängen politisch nicht unmittelbar inter­essiert oder jedenfalls nur insoweit interessiert, als w i r w ü n s ch e n m ii s s e n, daß in O st a s i e n der Friede erhalten bleibt.

Die chinesische Regierung ist auch im letzten Jahre bemüht gewesen, im Innern ihres großen Reiches eine gedeihliche und ruhige Entwicklung

Nicht ewig untergeordnet...

London, 10. März.

Der englische Eeneralstaatsanwalt Jnskip er­klärte im Verlause einer Rede in Waterlooville unter Bezugnahme aus Deutschland: Nachdem jetzt 16 Jahre seit dem Kriege verflossen seien, müsse man anerkennen, daß eine große Nation nicht auf ewig in einer untergeordneten Stellung gehalten werden könne. Früher oder später wachse in Deutschland eine Generation aus, für die der Krieg nur einen Zwischenfall oder ein Eeschichts- kapitel bedeute. Man könne nicht erwarten, daß die neue Jugend Deutschlands ewig die Sünden ihrer Väter trägt. Frankreich sei immer auf die Sicherheit bedacht, während Deutschland — von seinem Gesichtspunkt aus selbstverständlich — seine Anerkennung als eine Nation wünsche, die nicht immer als besiegter Staat behandelt werden könne. Der deutsch-pclnische Nichtangriffspakt sei ein Zeichen dafür, daß Deutschland den greifbaren Vorteil erkenne, einen Freund an seiner Grenze zu haben. Er glaube ferner, daß Deutschland und Frankreich es eines Tages sür bester halten wer­den, Freunde zu sein, als sich gegenseitig zu ver­dächtige«.

sicherzustellen und die Verhältnisse weiter zu stabi­lisieren. Wir wünschen ihr in diesen Bemühungen allerbesten Erfolg, denn wir glauben, daß gerade eine Stabilisierung der Lage in China die Mög­lichkeiten weiterer wirtschaftlicher Verbindungen zwischen beiden Völkern zu beiderseitigem Nutzen fördern wird.

Die gleichen freundschaftlichen Beziehungen be­stehen erfreulicherweise auch mit Japan, und wir hoffen aufrichtig, daß diese Beziehungen auch in Zukunft unverändert fortbestehen und für beide Teile gute Früchte tragen werden.

Alle, die wir heute eine führende Stellung in der Wirtschaft einnehmen, haben unserem Volk gegenüber größte Verantwortung. Wir müssen zu dem Erfolg kommen, daß die deutsche Wirtschaft wieder tragfähig wird, daß sie wieder aus eigener Kraft ohne Zutun des Staates marschiert und daß die Lasten, die der Staat auf sie legen muß, von ihr getragen werden können.

Die Alkoholeinfichr in Amerika

Washington, 10. März.

Präsident Roosevelt hat die Aufhebung der Alkoholeinfuhr-Quoten bekanntgegeben. Die Auf­hebung soll ein bis zwei Monate dauern, um während dieser Zeit die unbeschränkte Einfuhr von alkoholischen Getränken zu gestatten. Der Präsident verfolgt damit das Ziel, eine Sen­kung der einheimischen Eetränke- preise zu erreichen, die seiner Ansicht nach zu hoch sind. Die Aufhebung der Quoten tritt sofort in Kraft. Gleichzeitig wurde bekanntgegeben, daß eine Anzahl kleinerer Brennereien in den Ver­einigten Staaten, die ihre Gesuche um Einbe­ziehung in die einheimischen Erzeuger-Quoten nicht rechtzeitig abgegeben hatten, noch nachträg­lich die Brennereierlaubnis erhalten. Hierdurch wird die einheimische Erzeugung um etwa 44 Millionen Gallonen jährlich erhöht.

Widerlegung von Gerüchte». Der preußische Ministerpräsident Eöring hat als Chef der Ge­heimen Staatspolizei Gerüchte widerlegt, die offensichtlich darauf abzielten, das Vertrauen des Volkes zu der Geheimen Staatspolizei zu unter­graben.

Vor einer Lufifahrikonferenz?

Rätselraten um eine 12-Müchte-Zufammenkunft

London, 10. März

Der Brief des französischen Außenministers Barthou vom 10. Februar an den Vorsitzenden der Abrüstungskonferenz, Henderson, wird von der englischen Presse als Hauptpunkt der gestri­gen Völkerbundsveröffentlichungen in längeren Auszügen wiedergegeben. Dieses Schreiben, so sagt der diplomatische Mitarbeiter des „Daily Herald", ist der offizielle und kategorische To­desstoß für die Simon-Denkschrift. „Daily Mail" meint, das Schriftstück zeige mit schmerzlicher Klarheit, daß eine Einigung zwi­schen den Mächten unwahrscheinlich sei. Bedeu­tung mißt das Blatt auch der Anregung Simons in seinem Brief an Henderson bei, daß möglicher­weise ein „Zwischenstadium" zwischen den bisherigen Verhandlungen und eine Rückkehr nach Genf eingeschaltet werden soll. Im Zusam­menhang hiermit werde in Genfer Meldungen wiederum die Möglichkeit einer be­

grenzten Mächtekonferenz außerhalb Genfs — als Konferenzorte werden Lausanne oder Stockholm genannt — aufgeworfen, zu der die vier betroffenen Hauptmächte einschließlich Deutschland, ferner Amerika, Rußland und Ja­pan, die Kleine Entente, Polen und Spanien eingeladen werden sollen.

Gleichzeitig wird von einigen Blättern auch die Möglichkeit einer besonderen Konferenz über dieLuftstreitkräfte erwähnt. Vernon Vart- lett vertritt im „News-Chronicle" die Ansicht, in der Whitehall bestehe eine Anregung, daß die Frage der Luftstreitkräfte gesondert von den ande­ren Rüstungen besprochen werden könnte. Der poli­tische Mitarbeiter der „Daily Mail" meint, daß England die Einberufung einer Weltkonferenz er­wäge, falls die Abrüstungskonferenz endgültig zu­sammenbrechen sollte. Ferner trage sich die englische Regierung mit dem Gedanken einer Konferenz ÄerDominionsvertreter, um die Vertei­digung des englischen Weltreiches zu erörtern.

Arbeit, Kraft, Freude

IV L. Bremen, 11. März „... Du lieber Himmel!" hören wir manche Leute sprechen, „kommt der Mann uns schon wieder mit den abgedroschenen Phrasen von Arbeit, Kraft und Freude. Davon hören und lesen wir ja jeden Tag, und wir wissen sel­ber, was wir zu tun und zu lassen haben." Verzeihung, Verehrteste! Wenn dreimal auch Bremer Recht ist, die nationalsozialistische Pflicht ist es, tausendmal zu sagen, was not­wendig erscheint, ausgesprochen zu werden. Wir sind nun einmal keine Presse im alten bürgerlichen Sinne, sondern wir sollen den Menschen innerlich aufwühlen und aufrütteln. Wir können uns nicht danach richten, ob hier und da ein Mensch aus seiner behäbigen Ruhe aufgescheucht wird. Nein, wir freuen uns so­gar darüber, wenn der seelische Zustand ge­wisser Leute einmal aus dem Gleichgewicht gerät. Dann haben wir sie da, wo wir sie gebrauchen, dann fangen sie wenigstens an, einmal nachzugrübeln. Wir denken dabei an eine drollige Szene, die wir in einem hiesigen Hotel erlebt haben. Es war gerade an jenem Abend, als der Führer in München zu seiner alten Garde sprach. Am Nebentisch wollte ein Herr sein frugales Nachtmahl verzehren, als aus dem Radio die markige Stimme des Füh­rers erscholl. Wütend erhob sich der Spießer, und ärgerlich quollen ihm die Worte aus dem Mund: „Ausgerechnet beim Abendbrot!" . . . Also hatte der Führer einem geruhsamen Bür­ger den Appetit verdorben. Wie gesagt: Wir freuten uns diebisch darüber.

Wie haben sich z. B. manche brave Leute aufgeregt, als sie das bekannte Plakat über den Beginn der zweiten Arbeitsschlacht mit der Ueberschrift „M obilmachung!" zu Gesicht bekamen. Es soll auch hier Leute gegeben haben, denen das Wort „Mobil­machung" das ganze Frühstück verdorben hatte. „Wie Kann man nur," so sagten sie, „mit diesem Worte so „frevelhaft" umgehen. Das Wort „Mobilmachung" ist ein heiliger Begriff. Damit spaßt man nicht!" ... So, so! Den Moralpredigern ist also der Schrecken in die Glieder gefahren. Gott sei Dank, daß sie der heilige Schrecken ersaßt hat, wenigstens wissen sie heute, daß diese Mobilmachung zur zweiten Arbeitsschlacht eine ver­dammt ernste Angelegenheit ist. Und fürchten sollen sich alle vor jenem Augenblick — vor dem uns allerdings ein gütiges Geschick bewahren möge — wenn Lurch die Gleichgültigkeit eines Teiles der Bevölkerung diese Arbeitsschlacht entweder nur zum Teil oder gar nicht siegreich beendet werden könnte. Für den Nationalsozialisten ist diese neue Arbeitsschlacht ein so heiliges Beginnen, daß ihm dafür eben der heiligste Begriff des Krieges, nämlich das Wort „Mobilmachung", gut genug ist, ihre Bedeu­tung dem Volke klar zu machen. Und wenn man dem Volke etwas ganz und eindeutig vor Augen führen will, dann eignen sich nichts besser dazu als Vergleiche. Christus hat dem schwerfälligen Volke seine Lehren auch vor­zugsweise in Gleichnissen nähergebracht, und wir brauchen uns nicht zu schämen, wenn wir die nationalsozialistische Weltanschauung und die mit ihr verbundenen Aufgaben durch Gleichnisse dem Volke verständlich machen. Mit wissenschaftlichen Abhandlungen, und wenn sie noch so interessant sind, locken wir keinen Hund hinterm Ofen hervor. Man kommt auch mit solchen wissenschaftlichen Er­örterungen nicht vorwärts. Es ist ein verhält­nismäßig kleiner Kreis, der solche geistigen Uebungen überhaupt mitmachen kann. Vor uns liegt z. B. ein Buch, betitelt „Umriß der neuen Volksordnung", ganz wunderbar im nationalsozialistischen Sinne geschrieben. Aber was nützt dem Durchschnittsmenschen, der im nationalsozialistischen Sinne erzogen werden soll, diese schöne Wissenschaft, wenn sie ihm ein Buch mit sieben Siegeln bleibt. Nur einen kleinen Absatz daraus:

„Die Vertiefung, die Konzentration, die Potenzierung, die der Typus vornimmt, hat selbstverständlich mit Spezialistentum nichts gemein. Der Spezialist ist charakterisiert durch seine Typusferne, er steht auf der Seite der liberalen Persönlichkeit und trägt deren Merk­male noch in verzerrter Form. Bleibt man bei dem Bild: Oberfläche und Tiefe, so ist der Spezialist jener Mensch, der den Versuch macht, durch Beschränkung an der Oberfläche, d. h. durch Einseitigkeit, den Effekt der Tiefe zu erreichen. Der Typus aber beschränkt sich

Was -SlKt -es ^ottst Ne«es-

Empfang der „kancls ksscists" in Bremen

Deutsch-polnische Filmverhandlungen

7 Todesopfer der Grubenkatastrophe

Interessante Aussagen Daladiers

Wieder ein russisch-japanischer Zwischen- sall