Ausgabe 
(9.3.1934) Nr. 67
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das amtliche Vrgan -es SeMts

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Erscheinen RM. 2,36 einschließlich Zg Rps. Zustellungsgebühr- durch die Post RM. 2.30 elrllchlceßllch UeLerweisungsgebühr, ausschl. Postbestellglld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrich- Un. - Postscheck Hamburg 172 72 Betriebsstörungen begründen keinen Ansp^ch aus Mtatwng Lr ErsL

Bremer Zertung, Verlagsgesellschaft Eeeren 6 bis 8 / Fernruf: Sammelnnmmer Roland 625 .

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Nr. 6? / i. Vierteljahr

Freitag, den 9. März

Einzelpreis 12 Rps.

Der Führer eröffnet in Berlin die

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KrMsche Lage in Madrid

Die Katholische Volksaktion droht mit dem Sturz der Regierung

Madrid, 8. März

Der Führer der Katholischen Volksaktion, der stärksten Partei des Landtages, erklärte, er werde die neue Regierung stürzen, wenn diese bei dem für morgen erwarteten Streik der Drucker das Erscheinen der Mqtzrider Zeitung „El Debate" nicht garantiere. Diese Zeitung hat ausschließ­lich katholisch organisierte Arbeiter, die nicht ge­willt sind, sich den Anordnungen des sozialistischen Volkshauses zu fügen, weshalb ihr Weitererschei- nen technisch möglich ist. Die Regierung sieht aber darin eine Herausforderung für die übrige Arbeiterschaft, weshalb sie im Falle des Streiks bei den anderen Zeitungen die „El Debate" am Erscheinen verhindern will.

In Madrid wurden wieder zwei Bomben an Neubauten von streikenden Bauarbeitern zur Explosion gebracht, die größeren Sachschaden ver­ursachten, aber kein Menschenleben kosteten. Fer­ner beschossen mehrere Streikende aus dem Hinter­halt einen Arbeitswilligen, der schwer verwun­det wurde. '

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Der Kraftwagen im Dritten Reich

Starke Belebung der AutomobMnbuftrie im Zähre 1933 / Günstige Lukunstsausfichten

Berlin, 8. März.

Am Donnerstagmittag öffneten die Ausstel­lungshallen am Kaiserdamm für die Deutsche Automobilausstellung 1984, die zweite im natio­nalsozialistischen Deutschland, ihre Pforten. Drei­zehn Monate sind seit der letzten Kraftwagenaus­stellung verflossen. 2V Monate sollte der zeitliche Abstand nach dem Wunsche der Automobilindustrie betragen, die erst im Herbst dieses Jahres mit ihren Erzeugnissen wieder vor die Oeffentlichkeit treten wollte. Der Initiative des Führers ist es zu danken, daß die Industrie alle praktischen und theoretischen Bedenken zurückstellte und sich mit der Vorverlegung des Ausstellungstermines auf den 8. März nach Beseitigung aller organisato­rischen Hindernisse einverstanden erklärte. Sie hat Recht daran getan, denn die Ausstellung läßt auf den ersten Blick erkennen, daß ihr Zweck, als Hauptwerbemitiel der deutschen Automobilindu­strie neuen Antrieb zu geben, in vollem Umfange erreicht ist.

Die diesjährige Krastfahrzeugschau ist die größte, die Deutschland je erlebt hat. Es spiegelt sich in ihr die Hossnungsfreudigkeit wider, die das Charakteristikum des Jahres 1933 für die gesamte deutsche Wirtschaft ist. Und die Auto­mobilindustrie hat allen Grund, optimistisch in die Zukunft zu blicken. Die Maßnahmen der nationalsozialistischen Regierung zur Belebung des dem Ausbluten nahen Kraftfahrzeugvaues — angefangen von der Steuerbefreiung fabrikneuer Personenkraftwagen und Motorräder, über die Eebührensenkungen, Erleichterungen in der Er­

langung des Führerscheines usw., bis zum Bau der Reichsautobahnen und der Anpassung -er vorhandenen Straßen an die Bedürfnisse des Kraftwagenverkehrs — haben dieser Industrie einen ungeahnten Aufschwung gebracht. Konnten doch in ihr und den von ihr abhängigen Wirtschaftszweigen im Laufe des vergangenen Jahres rund 199 999 Arbeitskräfte neu einge­stellt werden, da sich der Absatz gegenüber dem Jahre 1932 um 199 Prozent gehoben hatte.

Die Aussichten für das laufende Jahr werden sehr günstig beurteilt. Man rechnet mit einer weiteren Absatzsteigerung um SO Prozent, d. h. mit dem Verkauf von 129 990 Personenkraft­wagen gegenüber 89 990 im Jahre 1933 und 49900 im Jahre 1932.

Die Motorisierung macht bei uns also gute Fortschritte. Es ist aber noch sehr viel Arbeit zu leisten, wenn wir den großen Vorfprung, den andere europäische Länder vor uns haben, auf­holen wollen. So ist z. V. in Frankreich die Ve- standsdichte noch immer viermal, in Dänemark und England noch dreimal so groß wie bei uns. Wir können aber sicher sein, daß das Ziel, das sich die Regierung und die Industrie gesteckt haben, unter allen Umständen erreicht werden wird, nachdem bereits das Jahr 1933 in Anbe­tracht der außergewöhnlich ungünstigen wirt­schaftlichen Verhältnisse als ungeheuer zu bezeich­nende Erfolge gebracht hat.

Neben der intensiven Motorisierung unseres Verkehrslebens ist aber auch ein anderes Ziel

nicht aus dem Auge zu verlieren: der Absatz der Erzeugnisse unserer Kraftfahrzeugindu­strie nach dem Ausland. Dazu ist es notwendig, Spitzenleistungen hervorzubringen und Lei den als Qualitätsprüfungen zu wertenden internationalen Rennen in vorderster Front zu liegen. Solche Er­folge, wie sie Hans Stuck vor zwei Tagen mit dem neuen deutschen Rennwagentyp erzielte, stellen eine nicht hoch genug einzuschätzende Propaganda für die deutsche Automobilindustrie dar. Leider sind die Verkaufsmöglichkeiten nach dem Auslande durch die hohen Zollmauern, mit denen sich fast alle Länder umgeben haben, stark eingeschränkt, so daß wir uns für die nächste Zukunft in der Hauptsache mit dem Verkauf von Lizenzen an aus-, ländische Unternehmen begnügen müssen. Aber auch das ist schon ein Erfolg, der unserer Essamt- wirtschaft zugute kommt.

Abschließend kann gesagt werde», daß die dies­jährige Automobilmesse unter einem guten Stern eröffnet worden ist. Die Absicht des Führers, am 21. März, dem Großkampftage der Arbeitsschlacht 1934, von einer der Baustellen der Reichsautobah­nen aus sich an das deutsche Volk zu wenden, mag den Ausstellern die Gewähr dafür bieten, daß der Aufschwung ihres Produktionszweiges nicht eine vorübergehende Erscheinung, sondern der Beginn einer dauernden Blüte sein wird.

Im Innern des Blattes finden unsere Leser einen sehr ausführlichen und reich bebilderten Be­richt unseres zur Ausstellung nach Berlin entsand­ten ll. ll.-Redaktionsmitgliedes.

Gtavisky-Gkarröal greift nach Belgrad über

Der südslawische Giseabahnskanöal vor der Gkuptschttna

Belgrad, 8. März.

Der südslawische Verkehrsminister Radiwo- jewitsch, der bekanntlich beschuldigt wird, den Staat durch zweifelhafte Verträge mit drei fran­zösischen Firmen über Eisenbahnlieferungen um 50 Millionen Mark geschädigt zu haben, hielt eine große Verteidigungsrede in der Skupschtina. Seine Rede wurde von der Regierungspartei mit großem Beifall aufgenommen, machte jedoch in der Oeffentlichkeit keinen besonderen Ein­druck. Am Donnerstag meldeten sich nun in der Skupschtina 40 Redner, die zum Kapitel „Ver­kehrswesen" Stellung nehmen wollten. Als einer der ersten kritisierte der Abgeordnete Welitsch - kowitsch die Verteidigungsrede des Ministers und erklärte, daß es sich nicht darum handle, ob die Verträge mit den Franzosen in. formaler Hinsicht einwandfrei gewesen seien, sondern ledig­lich darum, ob der Staat geschädigt worden sei oder nicht. „Ich höre", rief er aus, „daß im Scheckbuch Staviskys die Namen von fünf Süd­slawen erscheinen, die bei uns alle angesehene Stellungen einnehmen. (Zwischenruf: Nein, acht

Der Lwpkarig äureb cken Bremer Senat im Koten Saal ckes katdaaess .von links naok rsebt?.- Kckmiral Dr. o. kaecker, Lapt. s. 8. .IVolkk. In äer blitts ksiobsvekr-

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Südslawen sind im Scheckbuch verzeichnet!) Man sieht also, daß Stavisky seine Hand auch nach unserem Staat ausgestreckt hatte, und daß seine Agenten durch den Abgeordneten Boy er, der die ersten Verträge mit dem Verkehrsministerium abschloß, bei uns ein Wirkungsfeld fanden."

Der frühere Verkehrsminister Stanitsch, der als erster die Beschuldigungen gegen Radiwoje- witsch vorgebracht hatte, erklärte in seiner Rede, daß er seine Behauptungen aufrechterhalte.

Ministerpräsident Usunowitsch griff so­dann in die Aussprache ein und verwahrte sich dagegen, daß die Verhandlung in einen Zwei­kampf von technischen Fachleuten ausarte.

Er dementierte energisch, daß der Staat einen Schaden erlitten habe und legte den Abgeordneten nahe, die Aussprache über diesen Gegenstand ab­zubrechen.

Konferenz bei Msuöski

Warschau, 8. März

Am Mittwoch fand in Gegenwart des Staats­präsidenten bei Marschall Pilsudski in Bel- vedere eine Beratung aller bisherigen Minister­präsidenten des Regierungslagers statt. Außer dem amtierenden Ministerpräsidenten waren Oberst Slawek, Professor Bartel, der aus Lem- 'berg gekommen war, Oberst Prystor und der Sejm-Marschall zugegen. Ueber den Gegenstand der Besprechung ist von zuständiger Seite bis jetzt noch nichts gesagt worden. Auch die Regie- rungspresse teilt lediglich die Tatsache der Be­ratung mit. Die Oppositionsblätter ergehen sich in allerlei Vermutungen. Die meisten von ihnen meinen, daß mit Rücksicht auf die Abwesenheit des immer noch unpäßlichen Außenministers offenbar hauptsächlich innerpolitische Fragen besprochen worden seien. Besonders hervorgehoben wird dabei die Möglichkeit der llrlaubsreise Pilsudskis nach dem Süden. Ferner werden zwei Fragen in den Vordergrund ge­schoben: Regierungswechsel und Durch­führung der Verfassungsänderung. Die Konferenz hat, wie auch die Regierungspresse unterstreicht, auf Wunsch Pilsudskis stattgefunden.

Diktatur in Kuba

Paris, 8. März.

Havas berichtet aus Havanna, daß durch eine nachts veröffentlichte Verordnung die verfassungs­rechtlichen Garantien auf 99 Tage außer Kraft gesetzt wurden. Die Regierung habe somit prak­

tisch die Diktatur eingeführt. Das Innenmini­sterium stehe aus dem Standpunkt, daß die Arbei­terorganisationen durch ihre Weigerung, sich auf­zulösen, von selbst der Auflösung anheimsiele». Alle Arbeiterorganisationen würden seitens des Innenministeriums als kommunistisch angesehen.

London, 8. März.

„Times" meldet aus Havanna, daß außer den Werftarbeitern in Havanna auch die Tabakarbei­ter feiern. Die Zeitungen können, da die Drucker und Setzer die Arbeit niedergelegt haben, nicht erscheinen. Auch die Angestellten der in ameri­kanischem Besitz befindlichen Kuba-Eisenbahn sind im Ausstand. Der Zugverkehr wird von Militär aufrechterhalten. Mittwoch nachmittag wurde auf den Staatssekretär Dr. Eosme de la Toriento ein Anschlag versucht. Jedoch versagte das Maschinen­gewehr der Attentäter, die entkamen.

Nach einer Havas-Meldung aus Havanna wur­den dort etwa 59 Personen, darunter 38 Textil­arbeiter, festgenommen. Diese Verhaftungen brach­ten die Bevölkerung so auf, daß sie die Polizei zwang, die Gefangenen wieder freizulassen, llm Mitternacht haben die Kraftdroschkenfllhrer die Arbeitsniederlegung beschlossen. Auch die Flei­scher und Verkäufer sowie die Metallarbeiter be­finden sich im Ausstand.

Chautemps vor dem Ausschuß

Paris, 8. März.

Bei seinem Verhör vor dem parlamentarischen Untersuchungsausschuß über die Straßenunruhen in Paris am 6. Februar erklärte der frühere Ministerpräsident Chautemps auf Befragen, niemals vom Polizeipräfekten Ehiappe oder von anderer Seite über angebliche Umtriebe des früheren Ministers Frot unterrichtet worden zu sein. Chautemps ließ durchblicken, daß er bereits früher an eine Amtsenthebung des Polizeipräfek­ten Ehiappe gedacht habe. Die republikanische Treue der Polizei habe er niemals in Zweifel gezogen. Auch glaube er nicht, daß den Kund­gebungen umstürzlerische Absichten zugrunde ge­legen hätten. Der frühere Polizeipräfekt Ehiappe läßt zu dem bereits gemeldeten Dementi Frots erklären, daß er seine unter Eid vor dem Unter­suchungsausschuß abgegebenen Erklärungen in allen Einzelheiten aufrechterhalte

Jedem sein Auto!

k. L. Bremen, 9. März.

Die Rede des Reichskanzlers bei der Er­öffnung der Internationalen Auto- mobil- und Motorrad-Ausstel­lung am gestrigen Tage in Berlin zeigt Adolf Hitler wieder als Führer größten For­mats. Was die Industrie kaum zu wagen glaubt, was der Durchschnitts-Dsutsche als un­erfüllbaren Wunsch in seinem Herzen trägt, das spricht der Führer aus, und noch viel mehr: Er stellt die zukünftige Entwicklung im deutschen Automobilverkehr nicht etwa als eine dunkle Ahnung hin, die einmal Wirk­lichkeit werden könnte, sondern er verlangt kategorisch einfach von der deutschen Automobil-Industrie, daß sie jene Entwick­lung schafft, die jedem Deutschen es ermög­licht, sich des modernsten Verkehrsmittels zu bedienen. Grundgedanke der Rede des Füh­rers ist, wenn man ihn auf die einfachste Formel bringen will, daß jeder sein eigenes Auto einmal besitzen soll. Das nennen wir revolutionär im besten Sinne des Wortes! Denn mit dieser Forde­rung weiden mit einem Schlage alle Hem­mungen, alle Vorurteile, alle spießerischen Bewirken einfach über Bord geworfen. Der Führer zeichnete in seiner Rede sehr richtig die, man möchte sagen, volksfeindliche und aufreizende Entwicklung, die das Auto­mobil in Deutschland genommen hatte. Es war doch wirklich so, daß der Arbeiter und der Mittelständler einfach davon ausgeschlossen gewesen waren (und auch heute noch), jemals sich ein Auto anzuschaffen. Man sah im Auto nicht das moderne Verkehrsmittel als solches, sondern den Luxusgegenstand, den sich nur besonders vom Schicksal Begünstigte leisten konnten. Die kurzsichtigen Behörden taten ein übriges dazu, indem sie den Mehrver­brauch an Autos einfach steuerlich abdros - selten. Die Autoindustrie hat an dieser Entwicklung auch einen gewissen Teil Schuld, denn viele Fabriken sahen ihren besonderen Stolz dariNzNur Luxusautomobile herzustellen. Bescheidene Ansätze zuk Schaffung von Klein- Autos sind zwar in den letzten Jahren ge­tätigt worden, aber der richtige Austrieb hat doch gefehlt. Die Kleinwagen verfielen dem Volkswitz — ein Zeichen, daß die breite Masse des Volkes in dem Kleinwagen nur eine Karrikatur sah und niemals daran dachte, daß gerade er einmal berufen sein wird, ein volkstümliches Verkehrsmittel zu werden. Noch eins kam hinzu, was die Ent­wicklung des Autoverkehrs hemmen mußte: jene furchtbar verwahrlosten Stra­ße n in den verschiedensten Gegenden Deutsch­lands. Es gab und gibt heute noch Straßen, auf denen eine Autofahrt eine Fahrt durch die Hölle bedeutet. Gute Straßen und ver­stärkte Autoindustrie sind aber nicht von ein­ander zu trennen.

Die richtunggebende und wegweisende Rede des Führers beweist wieder einmal ganz eindeutig, daß es nötig ist, ab und zu frisches Feuer unter die Kessel der Wirtschaft zu legen. Gewiß hat die deutsche Wirtschaft in den letzten Jahren viel geleistet und ist bahnbrechend vorgegangen, aber sie ist doch auch reichlich ängstlich gewesen. So­lange sie in den liberalistischen Gedanken­gängen gefangen war, stellte sie ihre Kalku­lationen etwas recht einseitig aus einen ganz bestimmten Verbraucherkreis ein. Erst die nationalsozialistische Revolution gab ihr die wirkliche Bewegungsfreiheit und öffnete neue Wege des Absatzes. Gerade die Auto- Industrie ist ein klassisches Beispiel hierfür. Sie hatte Millionen Menschen in Deutschland einfach als Abnehmer vergessen, obwohl ge­rade die amerikanischen Verhältnisse sie hät­ten belehren können, daß hier noch ein unbeackertes Feld liegt. Tausendfach hörte

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