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Monats-Bezug: Bei täglichem Erscheinen RM. 2,30 einschließlich 30 Rpf. Zustellungigsbühr; durch die Post RM. 2,30 einschließlich Ueberweisungsgebühr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. — Postscheck Hamburg 172 72. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch auf Erstattung oder Ersatz. Bremer Zeitung» Berlagsgesellschaft m. b. H., Eeeren 5 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland S28.
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Anzeiaen-Grundpreise: Die 22-mm-Zeile im Anzeigenteil 12 Rpf., die 70 -mm-Aeile im Textteil 78 Rpf-
EMäßigte Grundpreise (sür Stellengesuche. Familienanzeigen. kleine Anzelgen, Vereinsmitteilu^ u^ a ) I°w'- svnstige Bedingungen laut Preisliste. Für Anzeigen durch Fernsprecher keine Gewahr Annahmeschluß 16 Uhr. Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12—13 Uhr, der Schristleitung werktäglich von 18-17 Uhr.
Nr. 62 / i. Vierteljahr
Sonntag» den 4. März
Einzelpreis 15 Rpf.
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Washington - Berlin
ktü. Während der französische Außenminister Barthou in Paris die ablehnende Antwort aus die englische Abrüstungsnote vorbereitet, macht die Isolierung Frankreichs weitere Fortschritte. Auch Amerika hat sich jetzt für die Vorschläge Englands ausgesprochen. Im Gegensatz zur italienischen Denkschrift sieht der letzte Londoner Plan bekanntlich sür die Hochgerüsteten eine Herabsetzung der militärischen Streitkräfte, wenn auch in bescheidenem Maße, vor; ferner ist England mit einer gewissen Ungleichung der Rüstung Deutschlands an die der andern vertragschließenden Staaten einverstanden. Schon vor einigen Tagen wurde aus Washingtoner halbamtlichen Kreisen berichtet, daß sich die Vereinigten Staaten dem Anspruch Deutschlands aus Beseitigung seiner Wehrlosigkeit nicht verschließen. Mit Genugtuung verzeichnen wir die jetzt durch das amerikanische Staatsdepartement erfolgte Bestätigung der früheren Washingtoner Aeußerungen.
Inzwischen beschäftigt man sich in London, was Frankreichs Nein gleichfalls zu einem gefährlichen Bumerang machen kann, mit dem Plan einer nach London einzuberufenden Dreizehn-Mächte-Konferenz. Sie wird als Vorläufer der eigentlichen Abrüstungsvereinbarung in Erwägung gezogen. Die Angelegenheit gewinnt dadurch erhöhte Bedeutung, daß der amerikanische Präsident, — sein Abrüstungssachverständiger Norman Tavis hält sich zurzeit in London auf — dem Konferenzplan sehr sympathisch gegenüber steht. Roosevelt soll sogar für diese Dreizehn- Mächte-Zusammenkunft, bei der neben Deutschland und Amerika auch Rußland und Japan vertreten wären, den Vorschlag eines Abschlusses von Nichtangrisss-Verrrägen in die Debatte geworfen haben. Sollte auch diese Aeußerung ihre Bestätigung finden, so hätte Präsident Roosevelt die Bereitschaft
Jedes Eintopfgericht macht zwei Familien satt!
Adolf Hitlers, mit allen Nachbarstaaten Deutschlands Nichtangriffspakte abzuschließen, seiner eigenen Abrüstungspolitik zunutze gemacht und damit den angeblich an Deutschlands Ehrlichkeit zweifelnden Abrüstungsdrückebergern eine klare Lektion erteilt. Uebrigens ist in der Antwort Washingtons an London dem Wunsch Ausdruck gegeben, daß die Staaten sich verpflichten mögen, nach Abschaffung der Offensiv- waffen ihre Streitkräste nie außerhalb ihrer Landesgrenzen zu verwenden. Das würde einer kollektiven Nichtangriffserklärung gleichkommen, womit die rückhaltloseZustim- mung Rooseoslts auch zur Methode der Friedenssicherung Adolf Hitlers an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Durch einen solchen Nichtangriffspakt, dem für den Anfang möglichst viele Großstaaten beitreten müßten, erhielte die Kriegsächtung, wie sie im Kellogg- Pakt von 1928 erfolgt ist, erst ihren eigentlichen völkerrechtlichen Wert. In ihrer jetzigen, zu allgemein gehaltenen Form kann sie ihren Zweck, was die Vorgänge im Fernen Osten zur Genüge bewiesen haben, nicht einmal unvollkommen erfüllen. Doch aus diese Fragen sei hier nicht näher eingegangen. Wesentlich ist, daß jene Nichtwngriffsverein- barung, wie sie jetzt in London in Betracht gezogen wird, auch ohne Frankreich abgeschlossen werden könnte. Was der weltpolitischen Entwicklung im allgemeinen und dem Kampf um die Abrüstung im besonderen neue Wege er- eröffnet. Wird man den ersten Schritt tun?
Das elfte Roosevett-Äayr
ävd. Washington, 3. März.
Der Ablauf des ersten Präsidentschaftsjahres Roosevelts, der in der Zeit allgemeiner Panik und chaotischer Finanzlage sein Amt angetreten hat, wird von der Presse der gesamten Union eingehend gewürdigt. Die meisten Blätter spiegeln das große Vertrauen wider, das die Bevölkerung im unverminderten Maße in Roosewelt setzt und betonen seinen Mut, nicht nur große Wirtschaftsund Währungsexperimente zu unternehmen, sondern auch gegen egoistische Arbeitgeber und Politiker mit Schärfe vorzugehen, die sich aus Kosten der Staatskasse unter dem früheren Regime zu bereichern versuchten.
Amerikanische Staatsschuld
ävb. Washington, 3. März
Die amerikanische Staatsschuld, die im Februar eine Zunahme von 984 Millionen Dollar erfahren hat, ist nunmehr auf über 26 Milliarden Dollar gestiegen,' sie hat damit fast den Rekordstand von 26,6 Milliarden Dollar erreicht, wie er unmittelbar nach dem Kriege eingetreten war. Wenn man von Gewinnen absieht, die sich aus der Spanne zwischen Eolddollar und Papier- dollar ergeben, beträgt der Fehlbetrag des Haushaltes im Februar rund 425 Millionen Dollar.
Das neue Wettrüsten beginnt
Das
Zeitalter des Kindes
Die Verstärkung der englischen Luftflotte / Frankreichs Hauptforge: die Landverteibigung / Vereinigte Staaten hinter England
«lob. London, 3. März.
Durch die im Haushaltsvoranschlag 1934-38 vorgesehene Verstärkung der englischen Luftflotte »m 4 Geschwader wird — wie schon kurz berichtet — die Gesamtzahl der englischen Luftge- schwader von 90 auf 94 erhöht. Die Zahl der Frontflugzeuge, ausschließlich der Reserve und Hilfsformatione», erfährt eine Erhöhung von 880 aus 899 Maschinen. Die effektive Gesamtoer- stärknng wird jedoch nicht nur vier, sondern sechs Geschwader betragen, da zwei zurzeit mit technischen Versuchen beauftragte Geschwader für den regulären Dienst mit der Gesamtflotte vorgesehen sind.
Die Erhöhung des Lusthaushalts wird von der englischen Presse allgemein begrüßt. „Times" sagt, die Erhöhung sei im Vergleich zu den Ausgaben anderer Staaten für ihre Luftstreitkräfte beinahe unglaublich bescheiden. Der endgültige Umfang der englischen Luftrüstungen hänge von den Ansichten von Paris, Berlin und Rom ab.
> änb. Paris, 3. März.
„Echo de Paris" schreibt in einer Zusammenfassung der Abrüstungsgespräche der letzten Tage und unter Berücksichtigung der Ausführungen Barthous vor dem Kammerausschuß sür auswärtige Angelegenheiten u. a., Frankreich stehe vor der Wahl, entweder durch internationale Verträge dieBegrenzungdesmilitärischen Wachstums Deutschlands zu erreichen — und zwar durch Herabsetzung, der französischen Streitkräfte und Materialien — «der die Aufrechterhaltung und Verstärkung der Landesverteidigung zur Hauptsorge zu erheben. Natürlich würde Frankreich mit seiner Wahl nicht zögern, wenn eine wirksam« und garantierte Begrenzung des militärischen Wachstums in Deutschland in Kraft gesetzt werden könnte. Aber je länger der Streit andauere, um so deutlicher werde es, daß Frankreich in dieser Hinsicht nicht Ernstzunehmendes geboten werde. Frankreichs Wahl könnte also nicht zweifelhaft sein. Die schlimmste Lösung bestünde in einer Aufrüstung Deutschlands, verbunden mit einer Abrüstung Frankreichs.
änb. London, 3. März.
Eden berichtete am Freitagnachmittag dem Premierminister MacDonald über seine Reise nach Paris, Berlin und Rom. Die Ausfichten in der ALrüstungssrage werden von dem diplomatischen Mitarbeiter des „Daily Telegraph" sehr pessimistisch beurteilt. Man gebe zu, daß sich der englische und italienische Standpunkt sehr nahe kämen und auch die Anschauungen Englands und Deutschlands keine großen Verschiedenheiten auswiesen. Aber die Aeußerungen französischer Minister Eden gegenüber nnd die einstimmige Feindseligkeit der französischen Presse dem abgeänderten englischen Abrüstungsplan gegenüber zeigten, daß wenig Aussicht aus eine Annähme des Planes durch Frankreich bestünde. Der diplomatische Mitarbeiter des sozialistischen „Daily Herald" meldet n. a., Frankreich werde weitere Sicherheitsverpflichtungen von England fordern als Bedingung dafür, daß es seinen jetzigen Rüstungsstand halt«.
änb. Washington, 3. März.
Das amerikanische Staatsdepartement veröffentlichte am Freitag das britische Memorandum sowie den Text der Ausführungen des ameri
kanischen Unterstaatssekretärs Phillips, die dieser am 19. Februar dem. britischen Botschafter gegenüber gemacht hat. Darin betont Phillips die grundsätzlicheUebereinstimmungder Vereinigten Staaten mit den britischen Vorschlägen in der Abrüstungsfrage. Die Vereinigten Staaten sehen ein, daß die britische Regierung mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse in Europa nicht so weit habe gehen können, wie die Vereinigten Staaten es gewünscht hätten und wie es Roosevelt seinerzeit in den bekannten drei Punkten niedergelegt habe. Die Vereinigten Staaten mischten sich nicht in die europäische Politik. Sie seien aber stark interessiert an der Erhaltung des Friedens in Europa und betrachteten daher ein Abkommen, das die tatsächliche Abrüstung herbeiführe, als nicht nur
ävd. Saarbrücken, 3. März.
, Die Blätter der Deutschen Front des Saargebietes begleiten in Leitartikeln die neuen Ereigniss« im Saargebiet und geißeln in scharfen Worten die durchsichtigen Gegenmanöver der marxistischen Presse. Die „Saarbrücker Zeitung" schreibt, daß sich auch die Gegner einer Rückgliederung ans Reich mit der laprdaren Tatsache der Geschlossenheit der Deutschen Front abfinden müßten, so peinlich es ihnen auch sein möge und so gründlich auch dieser machtvolle Zusammenschluß ihre eigenen Absichten erledige. Sicher suchten sie auch jetzt wieder mit ihrem bekannten Trick zu arbeiten, aber was sie sich an Sprengminen ausgodacht hätten, sei wirkungslos verpufft und die Dummen, die an ihre alarmierenden Falschmeldungen glauben sollten, hätten sich nicht gefunden.
Die „Saarbrücker Landeszeitung" stellt in aller Deutlichkeit fest: „So, wie es nur einen Willen gibt, so gibt es jetzt auch für alle eine Front und einen Weg; geschlossen im Willen und geeint in einer gewaltigen Organisation treten wir nun diesen Weg an, der uns durch Kampf und Sieg nach Deutschland führen wird. Wenn jetzt in einer gewissen Presse, die in deutscher Sprache auf längst verlorenem Posten gegen Deutschland hetzt, aus durchsichtigen Gründen der Versuch gemacht wird, den einen gegen den anderen auszuspielen und aufzubringen, dann dürfen wir getrost feststellen, daß nur eine Sache gesiegt Hai, die uns alle als das oberste Ziel dieser Tage vor Augen steht; das Wühlen und Hetzen jener Presse ist überdies allzu deutlich von der peinlichen Tatsache bestimmt, daß sie sich gegenüber einem großen Durchbruch deutschen Wollens der eigenen Ohnmacht mehr als bewußt geworden ist.
Niemand sieht schließlich mit Vergnügen zu, wie ihm seine Felle wegschwimmen und wie sich lang genährte Spekulationen schließlich als eine Fehlrechnung erweisen. Das deutsche Saarvolk, das sich jetzt in einem freudigen Aufbruch seiner Stärke und Geschlossenheit bewußt geworden ist, geht über dieses Treiben ruhig und sicher hinweg und läßt sich weniger als je zuvor in Vor
an sich sehr notwendig, sondern auch als Vorbedingung zur Erleichterung der allgemeinen politischen Befriedung. Die amerikanische Regierung erkläre daher mit Ausnahme weniger technischer Punkte und der vorgeschlagenen Abänderungen zu Teil I des Konventionsentwurfes die von der britischen Regierung vorgetragenen Grundsätze als sehr begrüßenswert. Sie erhoffe die baldige Wiederaufnahme allgemeiner A b - rüstungsverhandlungen.
Hierzu wurde vom Weißen Hause bemerkt, daß Norman Davis erst dann nach Genf gesandt werden würde, wenn der Zeitpunkt für die allgemeinen Besprechungen festgesetzt sei. Ferner wurde die amerikanische Zustimmung zu dem britischen Vorschlag einer beschränkten deutschen Aufrüstung bestätigt.
wirrung bringen. Es richtet an alle den Appell, sich ihm anzuschließen, nicht zuletzt an jene, die bisher als deutsche Menschen die irregeleiteten Opfer einer unverantwortlichen Propaganda gewesen sind."
Angstlösung m Spanien
Regierung Lerroux wird umgebildet
änb. Madrid, 3. März.
Der mit der Bildung der Regierung beauftragte bisherige Ministerpräsident Lerroux hat die Umbildung des Kabinetts vorgenommen und vom Staatspräsidenten genehmigt erhalten. Demnach bleibt die Regierung die gleiche wie die zurückgetretene. Lediglich die drei Vertreter des linken Flügels der Radikale» Partei find ausgebootet und durch folgende Minister ersetzt worden: Finanzministerium Marraco (bisher Eouoernenr der Bank von Spanien, rechtsradikal), Innenministerium Salazar Alonso (rechtsradikal), Unterrichtsministerium Salvador Madariaga (Botschafter in Paris, parteilos).
Dies« Umgruppierung stellt einen leichten Ruck nach rechts dar. Sie kann keineswegs als Lösung der schweren Krise angesehen werden, in der sich Spanien befindet. Die Austragung des Streites zwischen rechts und links ist also nur aufgeschoben, nicht aber aufgehoben. Vom deutschen Standpunkt aus verdient lediglich die Berufung Madariagas Beachtung, der im Laufe seiner Pariser Votschafterzeit sich zum ausgesprochenen Vertreter der Belange des Quai d' Orsays entwickelt hat. Diese zweite Regierung Lerroux' wird eine noch stärkere Opposition von links finden wie die erste und außerdem weder von der katholischen noch von der monarchistischen Richtung unterstützt werden, so daß mit einer neuen Regierungkrise in der nächsten Zeit gerechnet werden muß. Diese sogenannte Lösung ist eine Angstlösung von ältestem parlamentarischen Stil.
Nur eine Gaarfrorii
Den Quertreibern schwimmen die Felle weg
König Boris von Berlin abgereist
ävb. Berlin, 3. März.
König Boris von Bulgarien verließ Sonnabend früh nach einem mehrtägigen Aufenthalt in der Reichshauptstadt in Begleitung seines Adjutanten Oberst Lukacz und seines Sekretärs Dr. Hanieff Berlin. Zum Abschied hatten sich eingefunden der bulgarische Gesandte in Berlin, Dr. Pomenhoff, sowie die Mitglieder der bulgarischen Gesandtschaft und zahlreiche Angehörige der Kolonie. Außerdem waren Reichsaußenminister von Neurath und der Chef des Protokolls, Graf von Bassewitz, auf dem Bahnhof erschienen.
Japan gibt keine Antwort
China und Mandschukuo
Snb. Tokio, 3. März.
Die chinesische Regierung hat an das japanische Auswärtige Amt eine Note gerichtet, in der die chinesische Regierung gegen die Ausrufung des mandschurischen Kaiserreiches protestiert und Japan dafür verantwortlich macht. Das japanische Außenministerium hat beschlossen, keine Antwort auf diese Note zu geben, da der mandschurische Fragenkomplex im Zusammenhang mit der Ausrufung des mandschurischen Kaiserreiches jür Japan vollkommen geklärt sei und
irgendwelche chinesische Ansprüche daher nicht geltend gemacht werden können.
^.00. Moskau, 3. März.
Zu der Krönung Pujis zum Kaiser schreibt die „Prawda", daß es sich um einen ausgesprochenen imperialistischen Akt Japans handle. Die neue Monarchie sei nur aus einem künstlichen Boden erstanden und könne daher auch nur mit Hilfe der japanischen Truppen erhalten werden. Das Blatt betont noch besonders, daß durch die Kaiserkrönung in dem Verhalten Sowjetrußlands zur mandschurischen Frage keine Aenderung eintreten werde.
Ratstagung zum Chaco-Konslikt
LL. Genf, 3. März.
Wie man im Völkerbundssekretariat erklärt, hat Paraguay den letzten von der vom Völkerbund nach Südamerika entsandten Kommission ausgearbeiteten Vermittlungsplan im Chaco- Streit abgelehnt, während Bolivien ihn angenommen hat. Die Kommission hat nach Gens berichtet und neue Instruktionen verlangt. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß der Generalsekretär aus Grund dieser Mitteilung den Völkerbundsrat zu einer außerordentlichen Tagung zu- sammenberufen wird, da man vorläufig keine Möglichkeit mehr sieht, in der Chaco-Frage vorwärts zu kommen.
Lettländifch-rufstscher
Zwischensall
and. Riga, 3. März
Zwei sowjetrussische Militärflugzeuge landeten am Freitag in der Nähe von Dünaburg, das eine Flugzeug etwa acht Kilometer nördlich, das andere einen Kilometer südlich der Stadt. Vor der Landung kreisten die Flugzeuge mehrere Male über Dünaburg. Bei der Landung wurden beide Flugzeuge etwas beschädigt, doch blieben die Insassen, vier sowjetrussische Fliegeroffiziere, unverletzt. Sie wurden sofort verhaftet und in die Dünaburger Abteilung der lettländischen politischen Polizei gebracht. Sie erklärten, daß sie auf dem Wege von Moskau nach Smolensk sich infolge ungünstiger Witterung verirrt hätten und schließlich wegen BrennstoffmangeIs hatten niedergehen müssen. Es handelt sich um sowjetrussische Aufklärungsflugzeuge neuester Bauart.
Die Landung der russischen Militärflieger erregt — nach Vlätterstimmen — hier um so größeres Aussehen, als Dünaburg Festung ist. Die Flieger werden zurzeit eingehenden Verhören unterworfen. Die Maschinen werden von lett- ländischem Militär bewacht. Es ist anzunehmen, daß von Seiten der sowjetrussischen Gesandtschaft Schritte wegen Auslieferung der Militärflieger ' unternommen werden.
K. X. Bremen, 4. März 1934.
Man hat schon früher einmal von dem „Zeitalter des Kindes" gesprochen. Was man sich darunter vorstellte, mar verschwommen, waren dunkle Vorahnungen einer späteren Zeit, die wirklich einmal Zeit finden würde, sich überhaupt ernstlich um das Kind zu kümmern. Ueber die Idee selbst ist man nie hinausgekommen. Die Menschen von damals hatten andere Sorgen. Sorgen um das nackte Leben. Nach uns die Sintflut! sagten sie. Was kümmert uns die Nation, was fragen wir nach dem Staat. Warum Kinder? Als Kanonenfutter etwa?... Das waren die Gedankengänge, die den deutschen Menschen von früher bewegten. Er lebte im Dunkeln und sein Blick war stets ins Dunkle gerichtet. So wurde das Kind zur Last und es gab selbst zahlreiche Gemeinden, die im stillen den Kinderreichtum der Bevölkerung verdammten, weil er Lasten mit sich brachte, weil er einen Lehrer mehr kostete. Wie viele Fälle sind uns bekannt, daß bei Behörden der Hinweis aus eine mehrköpfige Familie bei Gesuchen mancherlei Art nur ein bedauerndes Achselzucken als Echo fand. Das war bestimmt nicht das Zeitalter des Kindes, selbst dann nicht, wenn man sich über das Kind und seine Zukunft nur theoretisch unterhielt oder wenn man dicke Bücher über das Kind schrieb. Oder lag das auch auf der gleichen Linie des „Zeitalter des Kindes", daß man das Mädchen, das außerehelich einem Kinde das Leben gab, gesellschaftlich ächtete und das Kind selbst schon bei der Geburt mit einem Makel belastete? Gerade in diesem Falle gebärdete sich das Spießertum als falscher Gralshüter. Dasselbe Spießertum, das bei Metsabschlüssen sich im voraus vertraglich (!) —jawohl, so etwas gab es auch — bestätigen ließ, daß der Mieter für alle Zukunft sich eines Kindersegens enthalte. Da gab es Hunderte von Vorschriften (vielleicht in der Großstadt weniger, dafür aber desto mehr in der Provinz), die genau enthielten, wie und wo sich das Kind bewegen durfte. Dieses Zeitalter des Kindes war in Wirklichkeit ein Zeitalter gegen das Kind, war der trübste Punkt in der Geschichte eines Volkes, das taub und blind durch seinen Egoismus der Zukunft gegen- über geworden war. War es denn ein Wunder, wenn dieselbe Jugend, als sie reifer geworden und nachdenken konnte, Wege gegangen ist, die für die damalige Zeit unverständlich waren oder wenn sie dem Kommunismus in die Hände fiel, der ihr zügellose Freiheit versprach, der alle Schranken niederreißen und jedes Familienbündnis auflösen wollte. Man hatte Wind gesät und Sturm dafür geerntet.
Wenn es tatsächlich ein Zeitalter des Kindes geben sollte, dann wird dieses Zeitalter der Deutsche Nationalsozialismus bringen. Eine zukünftige deutsche Generation wird einmal später es Adolf Hitler mit heißem Herzen danken, daß er Mutter und Kind wieder in den Vordergrund der allgemeinen Erörterung gestellt hat. Wir wissen, daß die Aufgaben einer bevölkerungspolitischen Entwicklung nicht leicht sind. Sie sind sehr heikler Natur und man kann darüber auch keine schematischen Vorschriften erlassen. Wie der deutsche Mensch allmählich zu einem denkenden politischen Menschen im nationalsozialistischen Staat umgeformt wird, so wird auch aus bevölkerungspolitischem Gebiete nur eine allmähliche Aufklärung etwas helfen. Wie die Mutter oft vor der großen rätselhaften und schweren Frage steht: Wie sage ich es meinem Kinde? so hat dieselbe Frage von gleicher Schwere der Staat sich vorzulegen, nur daß diese Frage etwas anders lautet: Wie sage ich es meinen großenKindern?
Etwas wird bestimmt die Aufgabe erleichtern, nämlich daß man mehr als bisher von Mutter und Kind spricht. Wie schön paßt beispielsweise der seit einigen Jahren von Norden her bei uns eingewandert Mutter- t a g dazu. Wenn wir der Mutter an jenem Tage unsere Verehrung und Ehrfurcht zu Fußen legen, dann ist untrennbar damit auch der Begriff „Kind" verbunden. Mutter und Kind müssen im neuen Deutschland eine Einheit sein. Wir werden also dahin kom-
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