Ausgabe 
(4.3.1934) Nr. 62
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Nr. 62 / i. Vierteljahr

Sonntag» den 4. März

Einzelpreis 15 Rpf.

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Washington - Berlin

ktü. Während der französische Außen­minister Barthou in Paris die ablehnende Antwort aus die englische Abrüstungsnote vorbereitet, macht die Isolierung Frankreichs weitere Fortschritte. Auch Amerika hat sich jetzt für die Vorschläge Englands ausge­sprochen. Im Gegensatz zur italienischen Denkschrift sieht der letzte Londoner Plan be­kanntlich sür die Hochgerüsteten eine Herab­setzung der militärischen Streitkräfte, wenn auch in bescheidenem Maße, vor; ferner ist England mit einer gewissen Ungleichung der Rüstung Deutschlands an die der andern vertragschließenden Staaten einverstanden. Schon vor einigen Tagen wurde aus Washingtoner halbamtlichen Kreisen berich­tet, daß sich die Vereinigten Staaten dem Anspruch Deutschlands aus Beseitigung seiner Wehrlosigkeit nicht verschließen. Mit Genug­tuung verzeichnen wir die jetzt durch das amerikanische Staatsdepartement erfolgte Bestätigung der früheren Washingtoner Aeußerungen.

Inzwischen beschäftigt man sich in London, was Frankreichs Nein gleichfalls zu einem gefährlichen Bumerang machen kann, mit dem Plan einer nach London einzuberufen­den Dreizehn-Mächte-Konferenz. Sie wird als Vorläufer der eigentlichen Abrüstungs­vereinbarung in Erwägung gezogen. Die Angelegenheit gewinnt dadurch erhöhte Be­deutung, daß der amerikanische Präsident, sein Abrüstungssachverständiger Norman Tavis hält sich zurzeit in London auf dem Konferenzplan sehr sympathisch gegenüber steht. Roosevelt soll sogar für diese Dreizehn- Mächte-Zusammenkunft, bei der neben Deutschland und Amerika auch Rußland und Japan vertreten wären, den Vorschlag eines Abschlusses von Nichtangrisss-Verrrägen in die Debatte geworfen haben. Sollte auch diese Aeußerung ihre Bestätigung finden, so hätte Präsident Roosevelt die Bereitschaft

Jedes Eintopfgericht macht zwei Familien satt!

Adolf Hitlers, mit allen Nachbarstaaten Deutschlands Nichtangriffspakte abzuschlie­ßen, seiner eigenen Abrüstungspolitik zu­nutze gemacht und damit den angeblich an Deutschlands Ehrlichkeit zweifelnden Ab­rüstungsdrückebergern eine klare Lektion er­teilt. Uebrigens ist in der Antwort Washing­tons an London dem Wunsch Ausdruck gege­ben, daß die Staaten sich verpflichten mögen, nach Abschaffung der Offensiv- waffen ihre Streitkräste nie außerhalb ihrer Landesgrenzen zu verwenden. Das würde einer kollektiven Nichtangriffserklärung gleichkommen, womit die rückhaltloseZustim- mung Rooseoslts auch zur Methode der Friedenssicherung Adolf Hitlers an Wahr­scheinlichkeit gewinnt. Durch einen solchen Nichtangriffspakt, dem für den Anfang mög­lichst viele Großstaaten beitreten müßten, er­hielte die Kriegsächtung, wie sie im Kellogg- Pakt von 1928 erfolgt ist, erst ihren eigent­lichen völkerrechtlichen Wert. In ihrer jetzigen, zu allgemein gehaltenen Form kann sie ihren Zweck, was die Vorgänge im Fernen Osten zur Genüge bewiesen haben, nicht ein­mal unvollkommen erfüllen. Doch aus diese Fragen sei hier nicht näher eingegangen. Wesentlich ist, daß jene Nichtwngriffsverein- barung, wie sie jetzt in London in Betracht ge­zogen wird, auch ohne Frankreich abgeschlossen werden könnte. Was der weltpolitischen Ent­wicklung im allgemeinen und dem Kampf um die Abrüstung im besonderen neue Wege er- eröffnet. Wird man den ersten Schritt tun?

Das elfte Roosevett-Äayr

ävd. Washington, 3. März.

Der Ablauf des ersten Präsidentschaftsjahres Roosevelts, der in der Zeit allgemeiner Panik und chaotischer Finanzlage sein Amt angetreten hat, wird von der Presse der gesamten Union eingehend gewürdigt. Die meisten Blätter spiegeln das große Vertrauen wider, das die Bevölkerung im unverminderten Maße in Roosewelt setzt und be­tonen seinen Mut, nicht nur große Wirtschafts­und Währungsexperimente zu unternehmen, son­dern auch gegen egoistische Arbeitgeber und Poli­tiker mit Schärfe vorzugehen, die sich aus Kosten der Staatskasse unter dem früheren Regime zu bereichern versuchten.

Amerikanische Staatsschuld

ävb. Washington, 3. März

Die amerikanische Staatsschuld, die im Februar eine Zunahme von 984 Millionen Dollar er­fahren hat, ist nunmehr auf über 26 Milliarden Dollar gestiegen,' sie hat damit fast den Rekord­stand von 26,6 Milliarden Dollar erreicht, wie er unmittelbar nach dem Kriege eingetreten war. Wenn man von Gewinnen absieht, die sich aus der Spanne zwischen Eolddollar und Papier- dollar ergeben, beträgt der Fehlbetrag des Haus­haltes im Februar rund 425 Millionen Dollar.

Das neue Wettrüsten beginnt

Das

Zeitalter des Kindes

Die Verstärkung der englischen Luftflotte / Frankreichs Hauptforge: die Landverteibigung / Vereinigte Staaten hinter England

«lob. London, 3. März.

Durch die im Haushaltsvoranschlag 1934-38 vorgesehene Verstärkung der englischen Luftflotte »m 4 Geschwader wird wie schon kurz berich­tet die Gesamtzahl der englischen Luftge- schwader von 90 auf 94 erhöht. Die Zahl der Frontflugzeuge, ausschließlich der Reserve und Hilfsformatione», erfährt eine Erhöhung von 880 aus 899 Maschinen. Die effektive Gesamtoer- stärknng wird jedoch nicht nur vier, sondern sechs Geschwader betragen, da zwei zurzeit mit tech­nischen Versuchen beauftragte Geschwader für den regulären Dienst mit der Gesamtflotte vorgesehen sind.

Die Erhöhung des Lusthaushalts wird von der englischen Presse allgemein begrüßt.Times" sagt, die Erhöhung sei im Vergleich zu den Aus­gaben anderer Staaten für ihre Luftstreitkräfte beinahe unglaublich bescheiden. Der endgültige Umfang der englischen Luftrüstungen hänge von den Ansichten von Paris, Berlin und Rom ab.

> änb. Paris, 3. März.

Echo de Paris" schreibt in einer Zusammen­fassung der Abrüstungsgespräche der letzten Tage und unter Berücksichtigung der Ausführungen Barthous vor dem Kammerausschuß sür aus­wärtige Angelegenheiten u. a., Frankreich stehe vor der Wahl, entweder durch internationale Ver­träge dieBegrenzungdesmilitärischen Wachstums Deutschlands zu erreichen und zwar durch Herabsetzung, der französischen Streitkräfte und Materialien «der die Auf­rechterhaltung und Verstärkung der Lan­desverteidigung zur Hauptsorge zu erheben. Natürlich würde Frankreich mit seiner Wahl nicht zögern, wenn eine wirksam« und garantierte Be­grenzung des militärischen Wachstums in Deutsch­land in Kraft gesetzt werden könnte. Aber je länger der Streit andauere, um so deutlicher werde es, daß Frankreich in dieser Hinsicht nicht Ernstzunehmendes geboten werde. Frankreichs Wahl könnte also nicht zweifelhaft sein. Die schlimmste Lösung bestünde in einer Aufrüstung Deutschlands, verbunden mit einer Abrüstung Frankreichs.

änb. London, 3. März.

Eden berichtete am Freitagnachmittag dem Premierminister MacDonald über seine Reise nach Paris, Berlin und Rom. Die Ausfichten in der ALrüstungssrage werden von dem diplomati­schen Mitarbeiter desDaily Telegraph" sehr pessimistisch beurteilt. Man gebe zu, daß sich der englische und italienische Standpunkt sehr nahe kämen und auch die Anschauungen Englands und Deutschlands keine großen Verschiedenheiten aus­wiesen. Aber die Aeußerungen französischer Minister Eden gegenüber nnd die einstimmige Feindseligkeit der französischen Presse dem abgeänderten englischen Ab­rüstungsplan gegenüber zeigten, daß wenig Aus­sicht aus eine Annähme des Planes durch Frank­reich bestünde. Der diplomatische Mitarbeiter des sozialistischenDaily Herald" meldet n. a., Frank­reich werde weitere Sicherheitsverpflich­tungen von England fordern als Bedingung dafür, daß es seinen jetzigen Rüstungsstand halt«.

änb. Washington, 3. März.

Das amerikanische Staatsdepartement ver­öffentlichte am Freitag das britische Memoran­dum sowie den Text der Ausführungen des ameri­

kanischen Unterstaatssekretärs Phillips, die dieser am 19. Februar dem. britischen Botschafter gegen­über gemacht hat. Darin betont Phillips die grundsätzlicheUebereinstimmungder Vereinigten Staaten mit den briti­schen Vorschlägen in der Abrüstungsfrage. Die Vereinigten Staaten sehen ein, daß die bri­tische Regierung mit Rücksicht auf die politischen Verhältnisse in Europa nicht so weit habe gehen können, wie die Vereinigten Staaten es gewünscht hätten und wie es Roosevelt seinerzeit in den be­kannten drei Punkten niedergelegt habe. Die Vereinigten Staaten mischten sich nicht in die europäische Politik. Sie seien aber stark inter­essiert an der Erhaltung des Friedens in Europa und betrachteten daher ein Abkommen, das die tatsächliche Abrüstung herbeiführe, als nicht nur

ävd. Saarbrücken, 3. März.

, Die Blätter der Deutschen Front des Saar­gebietes begleiten in Leitartikeln die neuen Ereig­niss« im Saargebiet und geißeln in scharfen Worten die durchsichtigen Gegenmanöver der marxistischen Presse. DieSaarbrücker Zeitung" schreibt, daß sich auch die Gegner einer Rückgliederung ans Reich mit der laprdaren Tat­sache der Geschlossenheit der Deutschen Front ab­finden müßten, so peinlich es ihnen auch sein möge und so gründlich auch dieser machtvolle Zu­sammenschluß ihre eigenen Absichten erledige. Sicher suchten sie auch jetzt wieder mit ihrem be­kannten Trick zu arbeiten, aber was sie sich an Sprengminen ausgodacht hätten, sei wirkungslos verpufft und die Dummen, die an ihre alar­mierenden Falschmeldungen glauben sollten, hätten sich nicht gefunden.

DieSaarbrücker Landeszeitung" stellt in aller Deutlichkeit fest:So, wie es nur einen Willen gibt, so gibt es jetzt auch für alle eine Front und einen Weg; geschlossen im Willen und geeint in einer gewaltigen Organisation treten wir nun diesen Weg an, der uns durch Kampf und Sieg nach Deutschland führen wird. Wenn jetzt in einer gewissen Presse, die in deutscher Sprache auf längst verlorenem Posten gegen Deutschland hetzt, aus durchsichtigen Gründen der Versuch ge­macht wird, den einen gegen den anderen auszu­spielen und aufzubringen, dann dürfen wir ge­trost feststellen, daß nur eine Sache gesiegt Hai, die uns alle als das oberste Ziel dieser Tage vor Augen steht; das Wühlen und Hetzen jener Presse ist überdies allzu deutlich von der pein­lichen Tatsache bestimmt, daß sie sich gegenüber einem großen Durchbruch deutschen Wollens der eigenen Ohnmacht mehr als bewußt geworden ist.

Niemand sieht schließlich mit Vergnügen zu, wie ihm seine Felle wegschwimmen und wie sich lang genährte Spekulationen schließlich als eine Fehlrechnung erweisen. Das deutsche Saarvolk, das sich jetzt in einem freudigen Aufbruch seiner Stärke und Geschlossenheit bewußt geworden ist, geht über dieses Treiben ruhig und sicher hin­weg und läßt sich weniger als je zuvor in Vor­

an sich sehr notwendig, sondern auch als Vor­bedingung zur Erleichterung der allgemeinen po­litischen Befriedung. Die amerikanische Regie­rung erkläre daher mit Ausnahme weniger techni­scher Punkte und der vorgeschlagenen Abänderun­gen zu Teil I des Konventionsentwurfes die von der britischen Regierung vorgetragenen Grund­sätze als sehr begrüßenswert. Sie erhoffe die bal­dige Wiederaufnahme allgemeiner A b - rüstungsverhandlungen.

Hierzu wurde vom Weißen Hause bemerkt, daß Norman Davis erst dann nach Genf gesandt werden würde, wenn der Zeitpunkt für die allge­meinen Besprechungen festgesetzt sei. Ferner wurde die amerikanische Zustimmung zu dem bri­tischen Vorschlag einer beschränkten deutschen Auf­rüstung bestätigt.

wirrung bringen. Es richtet an alle den Appell, sich ihm anzuschließen, nicht zuletzt an jene, die bisher als deutsche Menschen die irregeleiteten Opfer einer unverantwortlichen Propaganda ge­wesen sind."

Angstlösung m Spanien

Regierung Lerroux wird umgebildet

änb. Madrid, 3. März.

Der mit der Bildung der Regierung beauftragte bisherige Ministerpräsident Lerroux hat die Umbildung des Kabinetts vorgenommen und vom Staatspräsidenten genehmigt erhalten. Demnach bleibt die Regierung die gleiche wie die zurück­getretene. Lediglich die drei Vertreter des lin­ken Flügels der Radikale» Partei find aus­gebootet und durch folgende Minister ersetzt wor­den: Finanzministerium Marraco (bisher Eouoernenr der Bank von Spanien, rechtsradikal), Innenministerium Salazar Alonso (rechts­radikal), Unterrichtsministerium Salvador Madariaga (Botschafter in Paris, parteilos).

Dies« Umgruppierung stellt einen leichten Ruck nach rechts dar. Sie kann keineswegs als Lösung der schweren Krise angesehen werden, in der sich Spanien befindet. Die Austragung des Streites zwischen rechts und links ist also nur aufgeschoben, nicht aber aufgehoben. Vom deut­schen Standpunkt aus verdient lediglich die Be­rufung Madariagas Beachtung, der im Laufe seiner Pariser Votschafterzeit sich zum aus­gesprochenen Vertreter der Belange des Quai d' Orsays entwickelt hat. Diese zweite Regierung Lerroux' wird eine noch stärkere Opposition von links finden wie die erste und außerdem weder von der katholischen noch von der monarchistischen Richtung unterstützt werden, so daß mit einer neuen Regierungkrise in der nächsten Zeit gerech­net werden muß. Diese sogenannte Lösung ist eine Angstlösung von ältestem parlamentarischen Stil.

Nur eine Gaarfrorii

Den Quertreibern schwimmen die Felle weg

König Boris von Berlin abgereist

ävb. Berlin, 3. März.

König Boris von Bulgarien verließ Sonnabend früh nach einem mehrtägigen Aufenthalt in der Reichshauptstadt in Begleitung seines Adjutanten Oberst Lukacz und seines Sekretärs Dr. Hanieff Berlin. Zum Abschied hatten sich eingefunden der bulgarische Gesandte in Berlin, Dr. Pomenhoff, sowie die Mitglieder der bulgarischen Gesandtschaft und zahlreiche Angehörige der Kolonie. Außer­dem waren Reichsaußenminister von Neurath und der Chef des Protokolls, Graf von Bassewitz, auf dem Bahnhof erschienen.

Japan gibt keine Antwort

China und Mandschukuo

Snb. Tokio, 3. März.

Die chinesische Regierung hat an das japanische Auswärtige Amt eine Note gerichtet, in der die chinesische Regierung gegen die Ausrufung des mandschurischen Kaiserreiches protestiert und Japan dafür verantwortlich macht. Das japanische Außenministerium hat beschlossen, keine Antwort auf diese Note zu geben, da der mandschurische Fragenkomplex im Zusammenhang mit der Ausrufung des mandschurischen Kaiser­reiches jür Japan vollkommen geklärt sei und

irgendwelche chinesische Ansprüche daher nicht gel­tend gemacht werden können.

^.00. Moskau, 3. März.

Zu der Krönung Pujis zum Kaiser schreibt die Prawda", daß es sich um einen ausgesprochenen imperialistischen Akt Japans handle. Die neue Monarchie sei nur aus einem künstlichen Boden erstanden und könne daher auch nur mit Hilfe der japanischen Truppen erhalten werden. Das Blatt betont noch besonders, daß durch die Kaiser­krönung in dem Verhalten Sowjetrußlands zur mandschurischen Frage keine Aenderung eintreten werde.

Ratstagung zum Chaco-Konslikt

LL. Genf, 3. März.

Wie man im Völkerbundssekretariat erklärt, hat Paraguay den letzten von der vom Völker­bund nach Südamerika entsandten Kommission ausgearbeiteten Vermittlungsplan im Chaco- Streit abgelehnt, während Bolivien ihn ange­nommen hat. Die Kommission hat nach Gens berichtet und neue Instruktionen verlangt. Man hält es nicht für ausgeschlossen, daß der General­sekretär aus Grund dieser Mitteilung den Völker­bundsrat zu einer außerordentlichen Tagung zu- sammenberufen wird, da man vorläufig keine Möglichkeit mehr sieht, in der Chaco-Frage vor­wärts zu kommen.

Lettländifch-rufstscher

Zwischensall

and. Riga, 3. März

Zwei sowjetrussische Militärflugzeuge landeten am Freitag in der Nähe von Dünaburg, das eine Flugzeug etwa acht Kilometer nördlich, das an­dere einen Kilometer südlich der Stadt. Vor der Landung kreisten die Flugzeuge mehrere Male über Dünaburg. Bei der Landung wurden beide Flugzeuge etwas beschädigt, doch blieben die Insassen, vier sowjetrussische Fliegeroffiziere, unverletzt. Sie wurden sofort verhaftet und in die Dünaburger Abteilung der lettländischen politischen Polizei gebracht. Sie erklärten, daß sie auf dem Wege von Moskau nach Smolensk sich infolge ungünstiger Witterung verirrt hätten und schließlich wegen BrennstoffmangeIs hatten niedergehen müssen. Es handelt sich um sowjetrussische Aufklärungsflugzeuge neuester Bauart.

Die Landung der russischen Militärflieger er­regt nach Vlätterstimmen hier um so grö­ßeres Aussehen, als Dünaburg Festung ist. Die Flieger werden zurzeit eingehenden Verhören unterworfen. Die Maschinen werden von lett- ländischem Militär bewacht. Es ist anzunehmen, daß von Seiten der sowjetrussischen Gesandtschaft Schritte wegen Auslieferung der Militärflieger ' unternommen werden.

K. X. Bremen, 4. März 1934.

Man hat schon früher einmal von dem Zeitalter des Kindes" gesprochen. Was man sich darunter vorstellte, mar ver­schwommen, waren dunkle Vorahnungen einer späteren Zeit, die wirklich einmal Zeit finden würde, sich überhaupt ernstlich um das Kind zu kümmern. Ueber die Idee selbst ist man nie hinausgekommen. Die Menschen von damals hatten andere Sorgen. Sorgen um das nackte Leben. Nach uns die Sintflut! sagten sie. Was kümmert uns die Nation, was fragen wir nach dem Staat. Warum Kinder? Als Kanonenfutter etwa?... Das waren die Gedankengänge, die den deutschen Menschen von früher bewegten. Er lebte im Dunkeln und sein Blick war stets ins Dunkle gerichtet. So wurde das Kind zur Last und es gab selbst zahlreiche Gemeinden, die im stillen den Kinderreichtum der Bevölkerung verdammten, weil er Lasten mit sich brachte, weil er einen Lehrer mehr kostete. Wie viele Fälle sind uns bekannt, daß bei Behörden der Hinweis aus eine mehrköpfige Familie bei Gesuchen mancherlei Art nur ein bedau­erndes Achselzucken als Echo fand. Das war bestimmt nicht das Zeitalter des Kindes, selbst dann nicht, wenn man sich über das Kind und seine Zukunft nur theoretisch un­terhielt oder wenn man dicke Bücher über das Kind schrieb. Oder lag das auch auf der gleichen Linie desZeitalter des Kindes", daß man das Mädchen, das außerehelich einem Kinde das Leben gab, gesellschaftlich ächtete und das Kind selbst schon bei der Ge­burt mit einem Makel belastete? Gerade in diesem Falle gebärdete sich das Spießer­tum als falscher Gralshüter. Dasselbe Spießertum, das bei Metsabschlüssen sich im voraus vertraglich (!)jawohl, so etwas gab es auch bestätigen ließ, daß der Mie­ter für alle Zukunft sich eines Kindersegens enthalte. Da gab es Hunderte von Vorschrif­ten (vielleicht in der Großstadt weniger, da­für aber desto mehr in der Provinz), die ge­nau enthielten, wie und wo sich das Kind be­wegen durfte. Dieses Zeitalter des Kindes war in Wirklichkeit ein Zeitalter gegen das Kind, war der trübste Punkt in der Ge­schichte eines Volkes, das taub und blind durch seinen Egoismus der Zukunft gegen- über geworden war. War es denn ein Wun­der, wenn dieselbe Jugend, als sie reifer ge­worden und nachdenken konnte, Wege ge­gangen ist, die für die damalige Zeit unver­ständlich waren oder wenn sie dem Kommu­nismus in die Hände fiel, der ihr zügellose Freiheit versprach, der alle Schranken nieder­reißen und jedes Familienbündnis auflösen wollte. Man hatte Wind gesät und Sturm dafür geerntet.

Wenn es tatsächlich ein Zeitalter des Kin­des geben sollte, dann wird dieses Zeitalter der Deutsche Nationalsozialis­mus bringen. Eine zukünftige deutsche Ge­neration wird einmal später es Adolf Hitler mit heißem Herzen danken, daß er Mutter und Kind wieder in den Vordergrund der allgemeinen Erörterung gestellt hat. Wir wissen, daß die Aufgaben einer bevölke­rungspolitischen Entwicklung nicht leicht sind. Sie sind sehr heikler Natur und man kann darüber auch keine schematischen Vor­schriften erlassen. Wie der deutsche Mensch allmählich zu einem denkenden politischen Menschen im nationalsozialistischen Staat umgeformt wird, so wird auch aus bevölke­rungspolitischem Gebiete nur eine allmäh­liche Aufklärung etwas helfen. Wie die Mut­ter oft vor der großen rätselhaften und schwe­ren Frage steht: Wie sage ich es meinem Kinde? so hat dieselbe Frage von gleicher Schwere der Staat sich vorzulegen, nur daß diese Frage etwas anders lautet: Wie sage ich es meinen großenKindern?

Etwas wird bestimmt die Aufgabe erleich­tern, nämlich daß man mehr als bisher von Mutter und Kind spricht. Wie schön paßt bei­spielsweise der seit einigen Jahren von Nor­den her bei uns eingewandert Mutter- t a g dazu. Wenn wir der Mutter an jenem Tage unsere Verehrung und Ehrfurcht zu Fußen legen, dann ist untrennbar damit auch der BegriffKind" verbunden. Mutter und Kind müssen im neuen Deutschland eine Einheit sein. Wir werden also dahin kom-

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Dr. Goebbels in Hamburg

Kabinettskrise in Japan

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Die neuen niedersächfischen Boxmeister