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Üas amtliche Organ Ses Senats
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Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Eeeren 8 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 625.
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der Freien Hansestadt vremen
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Nr.6i / i. Vierteljahr
Gonnadenö, öm 3. März
Einzelpreis 15 Npf.
Ministemml
bei der Obersten SA.-Führung
Berlin, 2. März.
Das Presseamt der Obersten SA.-Führung teilt mit:
„Bei der Obersten SA.-Führung wird ein Ministeramt errichtet, welches die Aufgabe hat, alle die Angelegenheiten zu bearbeiten, die dem Stabschef der SA. Rühm in seiner Eigenschaft als Reichsminister berühren. Das Ministeramt hat seinen Sitz vorläufig in Berlin, Wilhelmstratze 63. Zum Chef des Minister- amtes wurde SS.-Bruppenführer Reiner ernannt."
Spiel mit Zahlen
Wie Frankreich seine Nichtabrüstung verschleiern will
ckvb. Berlin, 2. März,
Der Vorsitzende des Ausschusses für Heeresfragen, Mässigli, hat im französischen Senat an Hand einer Statistik die Behauptung ausgestellt, Frankreich Habe gegenüber 1914 seine Heeresstärken um SS v. H. herabgesetzt. Er gab dazu die Effektivstärken sür 1914 mit 675 VOO, sür 1927 mit 439 000 und sür 1934 mit 300 000 an.
Dieses Spiel mit Zahlen, selbst wenn man sie als zutreffend hinstellt, hat den Fehler, irre- fü.h rend zu sein. ,1914 galt in Frankreich nämlich die dreijährige, 1927 die anderthalbjährige und 1934 die einjährige Dienstzeit. Selbstverständlich verändert bei einem Heer der allgemeinen Wehrpflicht die Länge der Dienstzeit notwendig das Bild der „Effektivstärken". Daraus laßt sich aber kein Vewei's fü r «ine AL« rüstnng herleiten, da die Herabsetzung der Effektivstärken auf der anderen Seite eine Zunahm« der ausgebildeten Reserven bedingt.
Gänzlich außer acht gelassen ist bei den statistischen Angaben die Stärke der Ueberseetruppen von ISO 000 Mann, die vor den Toren Frankreichs jederzeit zum Einsatz auf europäischem Boden bereitstehen, ferner die ungeheure Steigerung des Kriegsgerätes und des Materials seit 1914. Tatsächlich beträgt die Gesamtwehrmacht Frankreichs zur Zeit 43 000 Offiziere und 655 000 Mannschaften. Also können die Ausführungen nicht als Beweis für eine Abrüstung Frankreichs angesehen werden, sondern sind nur ein Spiel mit Zahlen, hinter dem sich der Wille zur Nichtabrüstung verbirgt.
Verteidigungsrat hat das Wort
äiib. Paris, 2. März.
Der Ministerrat beschloß nach Entgegennahme eines Berichtes des Außenministers über die letzten Besprechungen Edens in Paris, den Landesverteidigungsrat einzuberufen. Dieser soll ein Gutachten über die verschiedenen Denkschriften abgeben, die der französischen Regierung in letzter Zeit überreicht worden sind.
Amerikanische Abrüstungsnote an England
änb, Washington, 2, März,
Im Staatsdepartement hat man am Freitag zugegeben, daß in den letzten Tagen eine Note in der Abrüstungssrage an die englische Regierung gesandt worden sei, die eine Antwort aus die britische Abrüstungsdenkschrift darstelle. Da Eroßsiegelbewahrer Eden, so erklärt man, jetzt von seiner Europareise nach London zurückgekehrt und damit ein gewisser Abschluß der Abrüstungsbesprechungen erreicht sei, habe die amerikanische Regierung Veranlassung genommen, ihre in der Botschaft des Präsidenten Roosevelt vom 16. Mai 1833 dargelegte Auffassung erneut zu bekräftigen.
Wie hier weiter verlautet, ist in der Note auch die Zustimmung der Vereinigten Staaten zu dem britischen Vorschlag zum Ausdruck gebracht worden, daß Deutschlands Rüstungsstand „angeglichen" werden sollte. Norman Daois, der in privaten Angelegenheiten nach Europa gereist sei, werde in London dies auch mündlich dem britischen Auswärtigen Amt mitteilen.
Rücktritt der lettischen Regierung
Riga, 2. März.
Die lettische Regierung, unter Führung des Ministerpräsidenten Blodnil, ist am Freitagabend zurückgetreten, nachdem der Ministerpräsident im Parlament ein Mißtrauensvotum, das der Bauernbund eingebracht hatte, erhalten hat. Es erregte allgemeines Aufsehen, daß bei der Abstimmung von 100 Abgeordneten nur neun dem Ministerpräsidenten ihr Vertrauen aussprachen, — brach Lage der Dinge wird der Bauernbund die Neubildung der Regierung übernehmen, wobei die Verhandlungen in erster Linie in den Händen der Abgeordneten Ulmains und Bersin liegen.
Norman Daois in Plymouth eingetroffen. Der amerikanische Sonderbeauftragte für Abrüstungsfragen, Norman Daois, traf am Donnerstagabend in Plymouth ein. In seiner Begleitung befand sich der amerikanische Botschafter in London, Vingham.
Kör-erung der deutschen Ausfuhr
Ein deutsch-dänisches Abkommen ubee den gegenseitigen Warenverkehr
änb. Berlin, 2. März.
Die Mitte Januar zunächst in Berlin aufgenommenen und vor einigen Tagen in Kopenhagen fortgesetzten Wirtschastsverhandlungen zwischen Deutschland und Dänemark haben am 1. März 1834 zur Unterzeichnung eines deutschdänischen Abkommens über den gegenseitigen Warenverkehr geführt, das geeignet ist, die wirtschaftlichen Beziehungen beider Länder aus eine befriedigendere, ihren wichtigsten Aussuhrbedürsnissen entgegenkommende Grundlage zu stellen. Die Unterzeichnung erfolgte aus deutscher Seite durch den deutschen Gesandten Freiherr» von Nichthofen und den Führer der deutschen Abordnung, Ministerialdirektor im Reichsministerium sür Ernährung und Landwirtschaft, Dr. Koehler, auf dänischer Seite durch den Chef der wirtschaftspolitischen Abteilung des Außenministeriums, Gesandten Otto Mohr.
Zu dem Abschluß des Abkommens wird von zuständiger Stelle mitgeteilt: Der unmittelbare Anlaß für die deutsch-dänischen Wirtschaftsverhandlungen war die mit Beginn dieses Jahres in Deutschland im Zuge der neuen Agrar-Politik getroffene. Neuregelung für den Verkehr mit Butter, Käse und Eiern, die sich auch
auf die Einfuhr dieser Erzeugnisse erstreckt und bekanntlich zunächst in den deutsch-holländischen Handelsvertragsverhandlungen gegen Schluß des vorigen Jahres ihre bedeutsame Wirkung erwiesen hatte. Die Verhandlungen mit Dänemark wuchsen aber sehr bald über dieses engere Gebiet hinaus und ergriffen einen erheblichen Teil des beiderseitigen Warenaustausches.
Für die deutsche Ausfuhr nach Dänemark hat die dänische Valuta-Regelung den besonderen deutschen Bedürfnissen in angemessener Weise Rechnung zu tragen. Deutschland hat andererseits im wesentlichen entsprechenden Anteil an Molkereierzeugnissen und Eiern zur Einfuhr nach Deutschland zuzulassen. Darüber hinaus hat sich in eingehenden Verhandlungen mit allen beteiligten Staaten durch die beabsichtigte Ausdehnung des llebernahmescheinverfahrens auf Schlachtvieh ein Weg finden lassen, der es ermöglicht, Dänemark auch auf dem für dieses Land besonders wichtigen Viehgebiet ein gewisses Entgegenkommen zu gewähren, ohne daß dadurch der deutsche Schlachtviehmarkt gestört wird.
Das Abkommen gilt zunächst nur für das Jahr 1934. Um seine Durchführung zu erleichtern, ist nach dem Vorbilde des deutsch-holländischen Vertrages die Bildung je eines deutschen
und dänischen Regierungsausschusses für die Vieh einfuhr vorgesehen. Die beiden Regierungen sind ferner dahin übereingekommen, alsbald in Verhandlungen miteinander einzutreten und die aus früherer Zeit stammenden wirtschaftlichen Verträge, insbesondere einzelne Verträge, zwischen Dänemark und früheren deutschen Bundesstaaten zu vereinheitlichen und den gegenwärtigen Verhältnissen anzupassen.
Das neue deutsch-dänische Abkommen bewegt sich, indem es eine Förderung der deutschen Ausfuhrmöglichkeiten durch Zugeständnisse auf landwirtschaftlichem Gebiete erstrebt, in der gleichen Richtung, wie der im Dezember 1933 abgeschlossene deutsch - holländische und der danach mit Ungarn vereinbarte Vertrag. Sein Abschluß ist nur dadurch möglich, daß die neue deutsche Agrarpolitik mit ihrer festen Regelung des innerdeutschen Marktes für die wichtigsten landwirtschaftlichen Erzeugnisse die Voraussetzungen dafür geschaffen hat, daß den auf landwirtschaftlichem Gebiete liegenden Ausfuhrinteressen anderer Länder ohne Schädigung der deutschen Landwirtschaft entgegengekommen werden kann.
Aus Frankreichs Korruptionssumps
Frau Gtavlsku festgenommen / Die Rolle Vresfards / Neuer Finanzflandal
cknb. Paris, 2. März.
Der Untersuchungsrichter hatte heute Frau Stavisky zu einem Verhör geladen. Nach Beendigung der Vernehmung, die nicht sehr lange dauerte, wurde Frau Stavisky festgenommen.
Das Innenministerium hat am Donnerstag in später Nachtstunde der Presse eine Mitteilung über. die Auffindung der Stavisky- schen Scheckabschnitte übergeben. Sie lautet: Die Staviskyschen Scheckabschnitte, die bisher nicht aufgefunden werden konnten, sind heute nacht, dank der Bemühungen der Sicherheitspolizei in. den Händen der Justiz. Innenminister Sarraut erklärte, wie Havas berichtet, den Journalisten, daß der Name des letzten Inhabers der Scheckabschnitte für den Augenblick nicht genannt werden könne.
Nach der Havas-Agentur sollen die Scheckabschnitte anfänglich von Frau Stavisky aufbewahrt worden und dann von einer Hand in die andere übergegangen sein, um sie den Nachforschungen der Behörden zu entziehen, bis sich ihr letzter Inhaber entschloß, sie auszuliefern. Der Untersuchungsrichter hat den geheimnisvollen Inhaber verhört und dann bis in die frühen Morgenstunden die auf den Scheckabschnitten enthaltenen Namen durchgesehen.
Vor kurzem ging bekanntlich durch die Presse die Nachricht, der ermordete Gerichtsrat Prince sei im Besitze von zwei Briefen gewesen, in denen er von Eeneralstaatsanwalt Pressard aufgefordert worden sei, sich mit dem Fall Stavisky nicht weiter zu beschäftigen, da er selbst den Fall bearbeiten wolle. „Echo de Paris" will nun melden können, daß nach Auf- rollung der Stavisky-Angelegenheit Pressard im Gegensatz zu dem Inhalt der beiden Briefe, Prince zur Rede gestellt habe, weshalb er seinerzeit nicht gegen Stavisky eingeschritten sei. Prince habe nun, um sich von diesem Vorwurf zu entlasten, die beiden Briefe Pressards photographieren lassen wollen, wozu er jedoch nicht mehr gekommen sei. Seit seinem Tode fehlten nun diese Briefe.
Wie „Populaire" meldet, befindet sich in den Aufzeichnungen Princes eine Notiz, wonach er als Leiter der Finanzabteilung der Pariser Staatsanwaltschaft eine Untersuchung gegen eine der Staviskyschen Eründungne beantragt habe, die dann im Januar 1930 nach.einer Besprechung zwischen dem damaligen Justizminister Peret, dem damaligen Finanzminister Raynaud und dem damaligen Arbeitsminister Laval niedergeschlagen worden sei.
Nach Edens Heimkehr
Frankreich bleibt hartnäckig
änb. London, 2. März
Zu der Rückkehr des Lordsiegelbewahrers Eden aus Paris schreibt der diplomatische Korrespondent des „Daily Telegraph": Der Umstand, daß Eden in Paris nicht länger geweilt hat, um weitere Besprechungen mit den französischen Ministern zu führen, hat in britischen Kreisen einigermaßen überrascht. Er hatte früher die Absicht geäußert, seinen Aufenthalt um einige Tage zu verlängern, falls die französische Regierung zu Verhandlungen bereit sein sollte. Seine schnelle Abreise aus Paris gibt naturgemäß zu vielfachen Vermutungen Anlaß. Sicher fällt es dem französischen Kabinett nicht leicht, sich Lei der schwierigen innenpolitischen Lage der Abrüstungsfrage zu widmen. Es gilt auch als sicher, daß in einem Koalitionskabinett, wie das Kabinett Dou- mergue, beträchtliche Gegensätze in dieser Frage bestehen, die sich erst im Laufe der Zeit ausgleichen lassen werden.
Der französische Korrespondent des „Daily Telegraph" meldet aus Paris, Doumergue und Barthou hätten es zwar vermieden, die Tür für weitere Besprechungen zu verschließen, sie hätten aber die Hoffnungen auf eine Lösung der Abrüstungsfrage nicht sehr ermutigt. Es scheine, daß der britische Vorschlag für Frankreich nicht annehmbar sei. Der Ober st «Rat der nationalen Verteidigung werde demnächst einberufen werden, und von feinem Gutachten werde es abhängen, ob die britische Denkschrift angenommen wird oder nicht.
Der Pariser Korrespondent der „Times" sagt u. a., die britischen und die italienischen Vorschläge würden selbst, wenn Deutschland ihnen zustimmte, vom französischen Standpunkt aus noch viel zu wünschen übrig lassen. Die italienische
Politik werde insofern günstiger beurteilt als die britische, als sie es Frankreich ermöglichen würde, seine schweren Rüstungen zu behalten. Aber auf den Vorschlag, dafür sollte ein teilweifes Aufrüsten Deutschlands zugelassen werden, antworte man, man könne seine Aufrüstung nicht rechtlich umgrenzen, -da man nicht wisse, wieweit es eventuell schon aufgerüstet habe. Der Korrespondent schreibt weiter, die französische Regierung stehe jetzt vor der Wahl, entweder die britischen und italienischen Vorschläge rundweg abzulehnen oder ein Kompromiß anzunehmen, das sich auf diese Anregungen stütze. Die nächsten Tage würden zeigen, in welcher Richtung sich die französische Regierung entscheide.
Antwort nicht vor acht Tagen
änb. Paris, 2. März.
Im Anschluß an den Ministerrat am Freitag erklärt man in gut unterrichteten politischen Kreisen, daß die französische Antwort auf die englische Denkschrift und die von Eden dargelegten Ansichten nicht vor acht Tagen zu erwarten sei. Bis dahin werde der Landesverteidigungsrat dazu Stellung genommen haben und die zuständigen Stellen am Quay d' Orsay Gelegenheit nehmen, den ganzen Fragenkomplex, zu prüfen. Hierbei werde man gezwungenermaßen den Ansichten der verschiedenen Kammer- und Senats- Ausschüsse Rechnung tragen müssen, die sich bekanntlich ohne Ausnahme gegen jede Abrüstung ausgesprochen haben.
Die Pariser Abendpresse befaßt sich sehr eingehend mit der neuen Lage, vor die die Regierung gestellt ist. Man hält es allgemein für unwahrscheinlich, daß Frankreich dem italienisch-englischen Plan zu-
Der „Peuple" berichtet aus der Sitzung des Stäpisky-Ausschusses, daß einer der Helfershelfer Staviskys, der frühere Attache im . Finanzministerium Guibaud Ribanoud, sich seinerzeit um die Unterstützung des französischen Außenministeriums für eine Lufttransportangelegenheit bemüht habe. Das Ministerium hatte aber erfahren, daß Guibaud Ribanoud der Rechtsanwalt des internationalen Betrügers Varmat gewesen sei, weshalb die Unterstützung abgelehnt worden sei.
Paris, 2. März
Der Kassierer der Sparkasse von Vrive, Ruffin, der von den ihm anvertrauten Geldern 90 000 Franken für sich verbrauchte, diese Summe aber später wieder zurückerstattet hatte, wurde vom Verwaltungsrat der Sparkasse nach Bekanntwerden dieser Tatsache abgesetzt. Der Kassierer hat sich - jetzt das Leben genommen.. Er fuhr mit einer Kraftdroschke in einen acht Kilometer entfernten Ort, bezahlte den Kraftwagenfllhrer für die Hin- und Rückfahrt und übergab ihm einen Brief an seine Frau. In diesem Brief teilte er mit, daß er aus dem Leben scheide, da er diese Schmach nicht ertragen könne. Die unglückliche Frau machte sich mit Freundinnen auf die Suche und fand ihren Mann in einer Scheune an einem Balken erhängt auf.
stimmt, weil dies eine vollkommene Umwälzung der politischen Einstellung Frankreichs in der Rüstungsfrage bedeuten würde. Das „Journal des Debats" begrüßt es, daß die neue Regierung andere Methoden anzuwenden scheine als ihre Vorgänger, deren Hauptsorge es stets gewesen sei, sich den andern entgegenkommend zu zeigen und schließlich in hauptsächlichsten Punkten nachzugeben. Die Methode Doumergues und Varthous schütze vor Schwäche und schalte Mißverständnisse aus.
„Oeuvre" schreibt, Eden habe geltend zu machen versucht, daß auch die einfachste Kontrolle immer noch besser wäre als gar keine. Darauf habe man französischerseits geantwortet, daß eine solche Kontrolle niemals den Verzicht auf die Aktionsfreiheit wettmachen könne. Die französische Regierung solle beabsichtigen, vom Obersten Rat für Landesverteidigung einen Bericht über das Abrüstungspröblem einzufordern. Frankreich werde sich weigern, einen Rüstungsausgleich Deutschlands zu sanktionieren. Es werde am 10. April in Genf vor dem Büro der Abrüstungskonferenz das „Versagen Deutschlands" melden und bei dieser Gelegenheit in einem ausführlich gestaltenen Schriftstück die „französischen Opfer für die Abrüstung" anführen.
„Echo de Paris" sagt, der Oberste Rat für Landesverteidigung werde demnächst zusammentreten und die französische Regierung werde seinem Gutachten entsprechend auf die vor einem Monat aus London gekommenen Vorschläge antworten, die unannehmbar seien. Durch Fortsetzung des zwecklosen Meinungsaustausches würde man nur den Tag hinausschieben, an dem Frankreich und seine Verbündeten endlich die Schutz- und Verteidi- gungsmaßnahmen ergreifen könnten, die notwendig seien, wenn der Friede gerettet werden solle.
Streiflichter
K. blü. Bremen, 3. März.
Kiilinlioii ala ..Ein Gran Kühnheit bei allem KUMM MS ^ eine wichtige Klugheit", sagt KilWklt. ein spanischer Weiser. Lerroux, der zurückgetretene spanische Ministerpräsident und Führer der Radikalen, hat dem linken Flügel seiner Partei gegenüber jenen Rat außer acht gelassen. Er hat sich, statt die Opposition in den Reihen der Radikalen zu meistern, von ihr sein Handeln vorschreiben lassen und damit den Zorn der Agrarier und der Katholischen Volksaktion hervorgerufen. Das wiederumwar keine Kühnheit, die beiden Rechtsparteien herauszufordern, sondern eine bemerkenswerte Unklughe-it. Denn das Kabinett Lerroux war ein Minderheitskabinett, das auf die Stimmen der Agrarier und der .Volksaktion angewiesen war. Spanien will nicht mehr links, auch nicht halb links regiert werden. Das zu erkennen sollte nicht schwer sein, nachdem bei den Cortes- Wahlen im November und Dezember vorigen Jahres die Rechtsparteien die Zahl ihrer Mandate von 43 auf 207 erhöhen konnten und die Linksparteien von ihren 222 Sitzen nur 99 behielten. Auch in Spanien, besonders bei der Jugend, nimmt die Zahl -der grundsätzlichen Gegner des Parlamentarismus ständig zu; solange aber bei der Regierungsbildung die Cortes-Mehrheitsverhältnisse in Rechnung zu stellen sind, kann ein arbeitsfähiges Kabinett nur aus den Radikalen der Mitte und den größeren Rechtsparteien, die bisffer nicht in der Regierung vertreten waren, gebildet werden. Dach -dazu gehört schon etwas mehr als ein Gran Kühnheit. Die Marxisten und Anarchisten drohen nämlich für den Fall der Bildung einer rechtsgerichteten Regierung seit Wochen mit dem Bürgerkrieg. Und sie drohen nicht nur, sondern bewaffnen sich ebenso fieberhaft, wie es vor dem Wiener Blutbad die österreichischen So- zialist-en taten. Düstere Wolken ziehen über
Spanien auf_Wird siegende Kühnheit die
Zügel ergreifen, ein Chaos zu verhindern?
s-
lliitiiimlichp Als Englands Abriistungsmini- Mittos ^ ster, Lordsiegelbewahrer Eden, lvtMei. vor seiner Abreise von Berlin nach Rom gefragt wurde, welches praktische Ergebnis ' seine vorangegangenen Pariser Besprechungen hatten, antwortete er mit dem Hinweis darauf, daß die Regierung Doumergue gerade ans Ruder gekommen sei und begreiflicherweise in derAbrüstungsfrage noch keine Entscheidung habe treffen können. Inzwischen hatte man im Pariser Außen- ministerium trotz der Stavisky-Affäre Zeit genug, die englische Denkschrift einer Prüfung zu unterziehen. Um so mehr überrascht es, daß Eden in Paris lediglich die formelle Zu- sicherung der französischen Regierung erhielt, man werde das Londoner Abrüstungsmemorandum weiterhin durcharbeiten und dem englischen Kabinett die Stellungnahme dann schriftlich übermitteln. Auch Eden zog es vor, sich in der Kunst zu üben, die Dinge so lange wie möglich ruhen zu lassen: Ueber das Ergebnis seiner Verhandlungen in Berlin und Rom befragt, erklärte er, sich erst mit seinen Ministerkollegen verständigen zu müssen. Vor einigen Tagen, als Eden in London Abschied nahm, „waren Kisten und Kasten" schwer, — von Hoffnungen und guten Vorsätzen nämlich, — als er wiederkam „war alles leer..." Warum? Weil die verantwortlichen Staatsmänner in Paris gar nicht daran denken, auch nur aus einen Soldaten, e i n Maschinengewehr, ein Flugzeug zu verzichten! Im Gegenteil: aufgerüstet wird! Obschon das Land bis an die Zähne bewaffnet ist, wird ein neues Kriegsschiff gebaut, ein früher aufgelöstes Fliegerabwehrregiment neu aufgestellt, werden die Ostbefestigungen ausgebaut, die Effektivstärken des Heeres unter allerlei Reckenkunststllckchen erhöht. Nicht der Verständigungspolitiker, der Kriegsminister setzt sich durch. Beunruhigend ist nur noch die Frage, wer das Scheitern der Bemühungen um das Zustandekommen einer auch für Deutschland annehmbaren Abrüstungsvereinbarung verantworten soll. Zwei Versuche zu ihrer Entlastung glauben die Minister an der Seine unternehmen zu können. Einmal wird von einem „ernsten, besorgniserregenden Stand der deutschen Rüstung" gefprochen. (Fürchtet man wirklich schon die Ehrendolche der SA.-Fllhrer, die deutschen Papptanks
N^as -giAt .es sollst Neues-
Königiii-Luise-Bund aufgelöst
Premiere des Hans-Westmar-Films in Bremen
Carnera bleibt Weltmeister
Wer ist der beste Rundfunk-Sprecher?
Eine Oelmiihle in Flammen