Ausgabe 
(2.3.1934) Nr. 60
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v reiner

das amttiche Organ -es Senats

Nr. 60 / i. Meeteljahr

19 3 4

Freitag, den 2 . März

Zeitung

-er Freien Hansestadt vremen

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ES geht ums Ganze

kiu. Der nationale Sozialismus, so hatten einst seine Gegner behauptet, verenge den Smn, raube dem menschlichen Geist dieWeite des Blicks. Wenn noch Beweise für das Ge­genteil nötig wären, vor zwei soeben erfolg­ten Ereignissen müßten auch die letzten Zweifler, sofern sie der Wahrheit zugänglich blieben, kapitulieren. Wir meinen die unter nationalsozialistischer Führung durchgeführte Lossagung aller deutschempsindenden Saar­länder von engstirnigem Parteifanatismus und den wirksamen Appell des Reichspropa­gandaministers Dr. Goebbels an die Berliner Vertreter der ausländischen Presse. Was zunächst das deutsche Einigungswerk im Saarland betrifft, so findet der Entschluß unserer Brüder jenseits des Rheines, über alles eigentlich nur äußerlich Trennende hinweg gemeinsam dem großen Ziel der Heimkehr ins Reich zuzustreben, auch im Mutterland ein jubelndes Echo. Was im Reich schon im Vorjahr zur Tat wurde, die lückenlose Geschlossenheit des nationalen Willens, war im Saarland in aller Stille herangereift und bedurfte, um aus der Tiefe der Volksseele hervorzubrechen, nur eines sammelnden Fansarenstoßes der „Teutschen Front". Der ist nun erfolgt und wird — wir sind stolz auf seine begeisternde Wirkung an der Saar — von niemand überhört, ver­brecherische Separatisten und frankophile Emigranten ausgenommen. Der Feind niede­ren Haders, der weitschauende Geist des Sichverstehens hat sich in Marsch gesetzt.

Das war auch in Berlin, vor den auslän­dischen Pressevertretern, der Fall. Dr. Goeb­bels legte in seiner Rede Zeugnis ab von der ungeheuren Spannkraft der nationalsozia­listischen Idee, von dem an unseren Landes­grenzen nicht Halt machenden Arbeitswillen Es gift für den Vermittler der öffentlichen Weltmeinung, Wesensgehalt und Aufgaben- fülle des Dritten Reiches von innen heraus kennen zu lernen, aber durchaus nicht nur in unserem Interesse. Dr. Goebbels warf wie­derholt grelle Schlaglichter auf die Bedeu­tung der deutschen Nation als eines „mit- beweaenden Faktors der europäischen Entwicklung." „Die Probleme, die uns be­schäftigen, gehen ganz Europa an." Deut­licher kann es von berufener Stelle ja doch wohl nicht gesagt werden, daß Deutschland getreu seiner neuen Staatsidee und Arbeits­methode dem Gemeinnutz auch im Völker­leben den Vorrang vor dem Eigennutz zu­erkennt. Damit dürste unsere Nation auf das Zuverlässigste Mittel zur Erhaltung und Ver­tiefung des Friedens hingewiesen haben. Aufrüstung der Geister möchten wir die von Dr. Goebbels in Angriff genommene Arbeit des Sichverstehens derVölker nennen. Wie wäre es, wenn nach Polen auch Frank­reich seine nationalen Energien für dieses Wettrüsten umformen würde?

Spanisches Kabinett zurückgetreten

6ni>. Madrid, 1. März.

Der spanische Ministerpräsident Lerroux hat am Tonnerstagmittag dem Staatspräsi­denten den Gesamtrücktritt des Kabinetts überreicht. Der Staatspräsident hat den Rücktritt der Regierung Lerroux angenom­men.

Man glaubt, daß Lerroux wieder beauftragt werden wird und er dürfte ein Kabinett mit Rechtsradikalen, Katalanischer Liga und Agra­riern zu bilden versuchen. Ob die Katholische Volksaktion in die Regierung eintreten wird, er­scheint fraglich, da Eil Nobles noch kein unbe­dingtes Bekenntnis zur republikanischen Staats­form abgelegt hat, was den Staatspräsidenten veranlassen könnte, aus seine Mitwirkung zu ver­zichten. Andererseits aber hat am Mittwoch der Papst die spanischen Katholiken aufgefordert, vorbehaltslos die Republik anzuerkennen. Viel­leicht wird also der Führer der Volksaktion noch in letzter Stunde dem Willen des Vatikans ent­sprechend handeln.

Der Rücktritt des spanischen Kabinetts er­folgte, nachdem die Katholische Volksaktion und die Agrarier beschlossen hatten, Lerroux wegen seiner nach links neigenden und da­mit nicht dem Volkswillen entsprechenden Politik das Vertrauen zu entziehen.

Barthou wird antworten

agen des Auswärtigen Kammerausschusses ckiib. Paris, 1. März.

er Auswärtige Kammerausschutz hat ver­denk Fragen vorbereitet, zu denen Augen- ister Barthou am Freitag Stellung nehmen . Diese Fragen betreffen: 1. die Folgen des kanpaktes. 2. die Stellung des österreichischen beskanzlers Dollfutz gegenüber Deutschland äe Gerüchte über die Wiedereinsetzung der sburger, 4. die deutsch-französischen und zösisch-englischen Zollbeziehungen. 5, die Hai- , der Regierung zu der Fragederlnter- erten Schulden und zu den Vorschlagen kter Verhandlungen mit Deutschland.

Eden in Paris erfolglos

Statt Fortschritt in der Abrüstungsfrage Derlegenheitslösung

and. Paris, 1. März

Grotzsiegelbewahrer Eden ist Donnerstag früh in Paris eingetroffen. Er begab sich sofort zur englischen Botschaft. Eden wird noch am Vor­mittag eine Besprechung mit Außenminister Bartou haben, wobei er diesem das Ergebnis seiner Besprechung in Berlin und Rom mitteilen wird.

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Ueber die Unterredung des Grotzsiegelbewahrers Eden mit dem französischen Ministerpräsidenten und dem Außenminister Barthou wird eine amt­liche Verlautbarung veröffentlicht, in der es heißt: Im Verlaus der Unterredung wurden die grund­sätzlichen Richtlinien der britischen Denkschrift ge­prüft. Ministerpräsident Douinergue und Außen­minister Barthou haben angekündigt, daß sie diese Prüfungen fortsetzen werden und Eden in nächster Zeit von den Schlußfolgerungen unterrichten wer­den, die die französische Regierung treffen wird.

Abends waren die Pariser Besprechungen Edens beendet. In politischen Kreisen glaubt man nicht, daß sie die Abrüstungsfrage einen Schritt weiter gebracht haben. Den in der amtlichen Verlaut­

barung enthaltenen Hinweis, Frankreich werde die Prüfung der Informationen Edens fortsetzen, um der englischen Regierung in Kürze ihre end­gültige Haltung mitzuteilen, hält man eher für eine Verlegenheitserklärung. Man betont, daß die französische Regierung dem sogenannten englisch­italienischen Mindestplan nicht zustimmen könne, weil er angeblich keine genügende Garantie ent­halte und die Frage der halbmilitärischen Organi­sationen nicht in befriedigendem Sinne regele.

Auch die Pariser Abendblätter geben allgemein ihrer Skepsis Ausdruck. „Paris Soir" glaubt zu wissen, daß Eden von vornherein eine eigene Stellungnahme abgelehnt habe, bevor er nicht mit seiner eigenen Regierung Rücksprache genommen hätte. Er habe sich im wesentlichen darauf be­schränkt, den französischen Vertretern die Vor­schläge Mussolinis bekanntzugeben. Außen­minister Barthou, so erklärt der „Paris Soir" weiter, habe zugegeben, daß sich die Vorschläge Mussolinis sehr viel mehr dem französischen

Standpunkt näherten als die englische Denkschrift. Er habe aber dennoch seinen Bedenken darüber Ausdruck gegeben, daß man Deutschland ein Heer von 300 000 Mann zugestehe. Der ..Paris Soir" will weiter wissen, daß auch die österreichische

Frage Gegenstand eines eingehenden Meinungs­austausches gewesen sei. Eden sei der Ansicht ge­wesen, daß man" die Tätigkeit Mussolinis im Augenblick nicht durchkreuzen solle.

Der „Temps" warnt davor, die Eden zuge­schriebene Auffassung gls bare Münze hinzuneh­men, da es noch nicht gewiß sei, ob sie mit der Ansicht der. ganzen englischen Regierung über­einstimme. Das Blatt gibt einen ausführlichen Rückblick über die bisherigen Ereignisse und wirft Deutschland in diesem Zusammenhange vor, nie­mals die Abrüstung gewollt zu haben. (Das ist eine Behauptung wider besseres Wissen! Die Schriftl.) Angesichts der deutschen und der fran­zösischen Auffassungen verstehe man sehr schwer die Haltung Englands und Italiens.

„Notre Temps" wirft der französischen Regie­rung vor, einen großen Teil der Verantwor­tung an dem augenblicklichen Stand der Rü­stungsfrage zu tragen. Es habe eine Zeit ge­geben, betont das Blatt, in der die französische Regierung aufrichtig bereit gewesen sei, abzu­rüsten, um Deutschland nicht zur Aufrüstung zu veranlassen. Die neue französische Regierung habe diese Absicht aber vollkommen fallen ge­lassen.

„Gaarlän-ische Eidgenossenschaft"

Die Variete« verMwinöen / Deutsche Front ö i e Kampfgemeinschaft

cknb. Saarbrücken, 1. März.

Mit dem 1. März hat sich das restlose Aufgehen aller Parteien in die Deutsche Front an der Saar vollzogen. Dieses Ereignis findet seinen Nieder­schlag in folgenden von der Saarländischen Presse verössentlichten Ausrufen:

Deutsche Männer und Frauen! Mit dem heuti­gen Tage geht der Wunsch in Erfüllung, dessen Verwirklichung wir Saarländer ausnahmslos er­sehnten. Es ist Schluß mit allem Parteihader. Wir haben die große Pflicht und Ehre, der Welt zu sagen, was in der Stunde des Gebotes es heißt: Deutscher zu sein.

Am heutigen Tage schließen wir das herrlichste Bruderbündnis. Der Katholik geht in die katho­lische Kirche, der Protestant in die seine — aber beide sprechen das gleiche Gebet: Unser Deutsch­land. Der Arbeiter, der Bauer, der Unternehmer, der Beamte, jeder tut an seiner Stelle seine Pflicht, alle aber tragen das Gemeinsame in ihren Herzen: Unser Deutschland. Der Sozialdemokrat, der Kommunist, der Zentrumsmann, der National­sozialist, der christliche Gewerkschaftler, der freie Gewerkschaftler, jeder mag politisch anders gedacht haben, nun aber treffen sie sich alle bei dem einen Gedanken: Unser Deutschland. Von diesem ge­schichtlichen Augenblick an sind wir eine einge- schworene Genossenschaft, in der einer für den anderen einsteht und keiner gegen den anderen aufsteht. Mit diesem Wollen gehen wir nun an die Arbeit! Der Sieg wird unser sein! Es lebe die Deutsche Front!

Saarbrücken, den 1. März 1834.

Der Landesleiter der Deutschen Front,

(gez-1 Pirro.

In der Aufnahmeerllärung zur Deut­schen Front im Saargebiet heißt es: Ich bin Deutscher und Litte um Aufnahme in die Saar- volksgemeinschaft „Deutsch« Front". Gleichzeitig erkläre ich, daß ich mit dem Tage meines Ein­tritts in die Deutsche Front mich lossage von allem, was Partei heißt und nur die eine Parole kenne: Unser Deuftchland.

In einem weiteren Ausruf an alle Nationalsozialisten der Saar wird aus­geführt: „Der Nationalsozialismus hat ein Ziel, das heißt: Deutsche Volksgemeinschaft. Wo sind die Voraussetzungen, diesen Bund zu schaffen, mehr gegeben als bei uns an der Saar? Kein Deutscher will etwas anderes als die deutsche Volksgemeinschaft, er mag in dieser oder jener Partei bisher gestanden haben. Als aufrechte Männer, die über allem Parteiegoismus die Schicksalsverbundenheit aller an der Saar stellen, erkennen wir als höchste Ehrenpflicht an, einzu­schlagen am heutigen Tage zu dem Bündnis mit allen — Katholiken mit Protestanten, Arbeiter mit Bauern, Beamten mit Gewerbetreibenden, Nationalsozialisten mit den Männern und Frauen aus allen Parteien. Fort mit allen Ge­gensätzen! Wir echten Nationalsozialisten erklären an diesem 1. März: Bei uns gibt es bei Anerkennung gleicher Rechte und Pflichten an der gleichen Front nur eines: Unser Deutschland!

2!u dieser restlosen Einigung im Saargebiet aus der gemeinsamen Linie der Deutschen Front schreibt der neue Landessicherer Pirro im Organ der deutschen Front u. a. folgendes „Der deutsche Arbeiter an der Saar ist deutscher Sozmlist. Der deutsche Sozialismus ist die Voraussetzung seines Lebens Seine Verwirklichung ,st fern

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schehen: Durch eine Revolution ist endlich der wahrhaft sozialistische Gedanke durchgebrochen und hat den deutschen Ar­beiter wieder in seine natürlichen Rechte einge­setzt. Den deutschen Arbeitern an der Saar ist es unter den furchtbaren Nackenschlägen der letz­ten 14 Jahre bewußt geworden, wer ihm seine völlige Existenz nehmen will. Sein Kampf um die Existenz ist ein Kampf um sein Deutschtum. Deutschland hat aus eigener Kraft die Parteien überwunden. Eine einzige gemeinsame Front ist es in Deutschland: Die Deutsche Front. Da kön­nen wir an der Saar nicht zurückstehen. Wir wollen auch aus innerer Kraft die Parteien, ja, was uns trennte, überwinden und uns zusammen­schließen und uns eingliedern in die große Deutsche Front, in die Deutsche Front an der Saar.

Der historische Prozeß ist längst über die Par­teien hinausgegangen.' Im Reich sind sie liqui­

diert, auch wir .wollen sie restlos liquidieren. Der Nationalsozialist hängt nicht an dem Wort „Partei". Er weiß, daß er in der großen Deut­schen Bewegung steht. Es geht ihm um die große Sache allein: Unser Deutschland! Er ist unter dem einen Ruf marschiert, der ge­rade auch im Saargebiet den Nationalsozialisten allein Rettung war: Deutschland, nichts als

Deutschland!

Mit dem heutigen Tage fallen alle Parteien! Das große Einigungswsrk ist endlich gelungen! Was der 12. November für das innere Reich bedeutete, das bedeutet der 1. März für das deut­sche Saarvolk. Wir treten nun gemeinsam un­seren Marsch an. Wir werden eine verschworene Volksgenossenichaft sein, eine Gemeinschaft aller Deutschen an der Saar, wo sie auch in der Ver­gangenheit standen. Durch den einen Ring sind wir alle zusammengoschweißt: Unser Deutsch­

land !

Jubel im Saarland

Vreffestimmen zur Einigung

Die gesamte saarländische Morgenpresse bringt den Aufruf des Führers der Deutschen Front und den Aufruf an alle Nationalsozialisten des Saar­gebietes in größöter Aufmachung. Sie fordert gleichzeitig die Bevölkerung auf, zum Zeichen dieses für Deutschland im Saargebiet so überaus wich­tigen Tages die Häuser zu flaggen. In der „Saar- brllcker Zeitung" wird die „Deutsche Front" als die Erlebnis-, Schicksals- und Kampfgemeinschaft aller begrüßt, die sich über soziale und berufliche Schichtungen, über weltanschauliche und konfessio­nelle Verschiedenheiten hinweg im Glauben an Deutschland und das Einstehen zum Deutschtum an der Saar verbunden fühlen. „Es hat nur die selbstverständliche Folgerung, aus dem Erlaß des Stellvertreters des Führers, wenn der neuer­nannte Führer der Deutschen Front in seinem Auf­ruf an die deutsche Bevölkerung des Saargebietes und in seiner Aufforderung an die Nationalsozia­listen jeden Parteigeist absagt und die saarlän­dische Eidgenossenschaft der Deutschen Front pro­klamiert.

Die „Saarbrllcker Landeszeitung" schreibt u. a.: Wir Deutschen an der Saar, die wir seit langen

Jahren vom Reiche getrennt sind und in der Treue zu unserer nationalen Heimat neue Kraft für unseren sicheren Weg fangen, finden heute mehr als je die Pflicht, einen festen und unzerstörbaren Zusammenschluß unter uns zu schaffen. Die Nach­richt, daß soeben im Sinne der Einheit und Einig­keit eine Aktivierung der Deutschen Front erfolgt ist, wird deshalb überall im Lande mit einem lauten Echo begrüßt werden. Wir wollen mit unerschütterlichem Vertrauen zusammenstehen als Deutsche mit Deutschen und in unserer politischen Arbeit nur noch die eine Wertung kennen: Den Einatz für Deutschland!"

Die katholische „Saarzeitung" in Saarlouis schreibt u. a.: Das deutsche Saarvolk will keinen Parteihader, es will keine Parteien mehr, es will statt der Gegensätze die Einigung, die Einheit.

Das offizielle Parteiblatt der NSDAP. des Saargebietes, „Die Saarfront", führt zum Zeichen der Eingliederung der Partei in die Deutsche Front ab heute nicht mehr den Namen „Saar­front", sondern „Deutsche Front".

Gin schlechter Trost

cknb. Gens, 1. März.

Das Völkerüundssekretariat veröffentlicht am Donnerstag einen Auszug aus dem letzten Viertel­jahresbericht (1. Oktober bis 31. Oktober) der Regierungskommission des Saargebietes an den Generalsekretär des Völkerbundes. Die Regic- rungskommission muß u. a. feststellen, daß sich die Zahl der Arbeitslosen von 35 302 Ende Septem­ber auf 39 841 Ende Dezember erhöht hat. Die Saarregierung tröstet sich damit, daß diese Zahl immer noch günstiger sei als die am Ende des Jahres 1932.

Der französische Haushalt endgültig verabschie­det. Der französische Haushaltsplan 1934 ist nun mehr im Senat mit 283 zu 15 Stimmen und von der Kammer mit 458 zu 132 Stimmest endgültig verabschiedet worden. Die bewilligten Kredite belaufen sich auf 48 318 570 009 Francs bei einem schätzungsweisen Einnahmenüberschuß von neun Millionen Francs.

Das Geheimnis um peince

ckvb. Paris 1. März Der Schleier, der Las Geheimnis des rät haften Todes des Gerichtsrates Prince umg beginnt sich ganz allmählich zu lüften. Bed tung verdient in diesem Zusammenhange ' Aussage einer jungen Frau. die am Tage Abreise Princes auf dem Pariser Bahnhof L für einen wohltätigen Zweck verkauft hatte.

Ihre Aussage gewinnt dadurch an Bedeutn daß die Personalbeschreibung des verdächtig Mannes mit den Erklärungen eines Rus übereinstimmt, der im Zuge nach Difon eil Mann bemerkte, der sehr auffällig alle Abt« beobachtete. Beim Eintreffen des Zuges in : jon habe er sich an die Sperre gestellt und n einmal alle Reisenden an sich vorüberge! lassen. Schließlich ist auch das Geschäft gest den worden, in dem das Messer gekauft wur das blutbefleckt neben der Leiche Princes I

Baltische Träume

(Von unserem 6. L.-Korrespondenten.)

Stockholm, Ende Februar.

Gegenwärtig entfalten die kleinen süd- baltischen Randstaaten eine lebhafte außen­politische Aktivität in den Staaten um die Ost­see. Das Ziel ist ein großer baltisch- skandinavischer Staatenblock, der einen nicht zu übersehenden Machtfaktor in der Ostseepolitik der Mächte bilden soll. Es sind alte außenpolitische Träume der Rand­staaten, an deren Verwirklichung man jetzt etwas fieberhaft arbeitet. Schon gleich nach­dem sie selbständig wurden hielten die aus dem alten Rußland Hervorgegangenen neuen Staaten einige Konferenzen ab, die ein außen­politisches Zusammenarbeiten und eine ge­meinsame Verteidigung im Falle eines kriege­rischen Uebersalles anbahnen sollten. Das Ergebnis dieser Konferenzen waren damals einige platonische Solidaritätserklärungen ohne größeren außenpolitischen Wert. Man wurde zwar darin einig, daß ein Randstaatenbund von Polen bis Finnland eine Ausgabe zu er­füllen hätte, aber die Interessen der einzelnen Staaten gingen schon damals zu sehr aus­einander. Später versperrte die polnische Annexion von Wilna jedes politische Zu­sammengehen Polens und Litauens — und jetzt nach dem Abschluß von besonderen, den Frieden garantierenden Verträgen zwischen Polen und Rußland einerseits und Polen und Deutschland andererseits, hat das polnische Reich überhaupt kein besonderes Interesse an einem Randstaatenbund.

Um einen Ersatz für Polen zu bekommen, warben die baltischen Staaten um Schwe­den, aber gemäß seiner außenpolitischen Traditionen während des letzten Jahrhun­derts winkte dieses Land ab. Seine geogra­phische Lage ermöglichte ihm die risikolose Rolle des geborgenen -Zuschauers, und dann lehnte auch Finnland ab, sein Schicksal auf Gedeih und Verderb mit den baltischen Süd­staaten zu verbinden. Als handgreifliches Er­gebnis der ganzen Bündnisbestrebungen der baltischen Staaten blieb nur ein Vertei­digungsbündnis zwischen E st - land undLettland übrig, das auch in diesen Tagen erneuert worden ist.

Außen- oder militärpolitisch bedeutet aber dieses Bündnis nicht viel. Die bei den ver­bundenen Staaten sehen das auch ein und wollen deshalb ihr Bündnis nicht als das Endergebnis ihrer außenpolitischen Bestrebun­gen angesehen haben. Sie haben ihr Werben für den Bündnisgedanken im Stillen fortge­setzt und jetzt entfalten sie auch eine lebhafte offene Tätigkeit. Diese wurde durch eine Reise des lettischen Außenmini­sters nach Stockholm und Helsing- fors eingeleitet! ihre leitenden Politiker setzen sie mit öffentlichen Werbereden fort. Auch wissenschaftliche Vortrüge baltischer Ge­lehrter in den skandinavischen Ländern dürf­ten als ein Glied in der Werbeaktion anzu­sehen sein.

Einen Erfolg hat jene Tätigkeit insofern gehabt, als Litauen sich dem estnisch-letti- schen Bündnis in der nächsten Zukunft an­schließen dürfte. Wenn aber baltische Politiker öffentlich behaupten, daß eine Erweiterung dieses Bündnisses zu einem baltisch-skandina­vischen Block nicht mehr eine Frage von Jah­ren sei, sondern unmittelbar bevorstehe, so ist das verfrüht. Gewiß konnte schon bei dem Besuch des lettischen Außenministers in Stock- holm der Korrespondent eines ehemals sehr verbreiteten Berliner Tageblattes seiner Zei­tung melden, daß Schweden jetzt nach erfolgter Erhöhung seines Militäretats wieder bünd- nissähig ist und daß sehr weitgehenbe außen­politische Abmachungen zwischen der schwedi­schen Regierung und den baltischen Staaten, Finnland inbegriffen, bei diesem Besuch ein­geleitet worden sind, aber deshalb steht man noch lange nicht vor Tatsachen. Die Meldung zeugt vielmehr von einer großen Unkenntnis der wahren Sachlage. Schweden war im Ver­hältnis zu den baltischen Staaten immer bllndnisfähig, aber es ist nach wie vor nicht geneigt, sich auf irgendwelche außen­politische Bündnisabenteuer einzu­lassen.

Es ist richtig, daß der lettische Außen­minister bei seinem Stockholmer Besuch die baltischen Wünsche hinsichtlich eines Bünd­nisses der schwedischen Regierung vorgelegt hat, — er ist ja deshalb hingefahren — und es

>es Lorrst Neues-

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