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Nr. 51 / i. Vierteljahr
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Mittwoch, den 21. Februar
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Unterirdische Flughäfen
Eowjet-Il-Boote über Land nach Wladiwostok befördert
Dr. Robert Leu
spricht heute in Bremen
Bremen erwartet heute ein besonderes Ereignis: Dr. Robert Ley, der Organisator der Deutschen Arbeitsfront, wird heute nachmittag 6 Uhr im Hafen li sprechen. Dr. Ley gehört zu jenen Männern der nationalsozialistischen Bewegung, deren Namen im Volke neben dem Führer selbst wohl am meisten genannt werden. Ihm ist aber auch eine der schwersten Aufgaben übertragen worden, die im nationalsozialistischen Deutschland überhaupt zu erfüllen sind. Wenn je ein Mensch dem alten deutschen Erbübel, der Zwietracht, mit organisatorischen Mitteln entgegentreten und dieser Zwietracht .mitten ins Herz das scharfe Schwert der deutschen Volksgemeinschaft stoßen konnte, so war dies
Dr. Ley vorbehalten gewesen. Der Führer hat auch hier wieder mit scharfem Auge den rechten Mann an den verantwortlichsten Posten gesetzt, und Dr. Ley hat es verstanden, in stetem organischen Aufbau die Deutsche Arbeitsfront zu schassen, die heute natürlich noch nicht vollendet, deren Fundament aber bereits so stark untermauert ist, daß sie jedem Sturm trotzen kann. Gar mancher hat im vorigen Jahre, als Dr. Ley begann, die Deutsche Arbeitsfront aus die Beine zu stellen, ungläubig danebengestanden und gemeint, was hier begonnen werde, sei Utopie. Diese Kleingläubigen und Zweifler haben aber dabei übersehen, daß der deutsche Mensch heute ein anderer ist, als im liberalistischen System. Unter jenem System allerdings wäre eine Ueberbrückung der sozialen und wirtschaftlichen Unterschiede ein aussichtsloses Beginnen gewesen. Dr. Ley kam es in erster Linie, dem Auftrag des Führers folgend, darauf an, den Arbeiter wieder für den Staat zu gewinnen, aber darüber hinaus ihm seinem Beruf und seiner Arbeit einen Inhalt zu geben. Und wer ist wohl dankbarer als der Arbeiter, wenn er fühlt, daß wirklich jemand gekommen ist, der seine Sorgen und Mühen versteht, der in seiner Seele lesen kann. Dr. Ley war der Mann hierzu. Und so kamen sie, die Millionen Arbeiter der Stirn und der Faust, erst schüchtern, etwas mißtrauisch, weil man sie in den früheren Jahren hundertmal belogen, betrogen und mißbraucht hatte, dann aber vertrauensvoll mit gläubigen Herzen an eine neue Zukunft. Es liegt im Wesen der nationalsozialistischen Bewegung, daß nichts versprochen wird. Auch Dr. Ley hat dem Arbeiter grundsätzlich nichts versprochen als das eine, daß er im Staate mit allen anderen Volksgenossen gleichberechtigt sei und der Führer mit ihm, dem Arbeiter, den neuen Staat aufbauen will. Das klingt anders als nach 1918, da die roten und rosaroten Herrschaften dem Arbeiter lediglich eine wohl- gefüllte Lohntüte als Ideal in entsprechendem Abstand vor die Nase hielten und me daran dachten, diese Lohntüte auch tatsächlich zu füllen. Wenn heute der nationalsozialistische Staat sich um die Seele des Arbeiters kümmert, dann sorgt er gleichzeitig auch um das materielle Wohlergehen des Arbeiters. Eines ohne das andere ist undenkbar. So führte Dr. Ley den deutschen Arbeiter aus der Gefangenschaft unfruchtbarer liberallst,- scher und marxistischer Ideen heraus und gab ihm die wahre Freiheit, die einem ehrlich schaffenden Menschen in einem geordneten Staätswesen gebührt. Und neben den Arbeitnehmer stellte er den Arbertgeber. Früher zwei Begriffe, die wie Feuer und Wasser sich zueinander verhielten " 7 , H/E e i n Begriff, der die gegenseitige Achtung als Mensch und Arbeiter aus Leistung ausbaut. Und das ist das größte Werk Dr. Leys, daß er bei seiner Organisationsarbeit nicht die Grundlagen der deutschen Wirtschaft zerschlug, sondern diese Wirtschaft im Gegenteil
Del). Moskau, 29. Februar.
Während von allen Seiten im nahen und im fernen Osten versichert wird, daß niemand an einen Krieg denke, sondern nur jeder aus alle Fälle zur „Abwehr" gerüstet sei, werden einige neue Tatsachen bekannt, die eigentlich nicht aus einen absoluten Friedenswillen schließen lassen. Die Kriegspropheten haben ihre Rechnungen, die von einem Ausbruch des fernöstlichen Krieges schon zu Beginn dieses Frühlings wissen wollten, revidiert und meinen, daß frühestens heute in einem Jahr der Krieg beginnen dürste.
Die russische Armee hat in den letzten sieben Wochen ununterbrochen seltsame Transporte nach Fern Ost gehen lasten. Ausgangspunkt für diese Transporte war Kronstadt. Die Ladung bestand
ckvb. London, 20. Februar
Die „Daily Mail" veröffentlicht eine lange Unterredung ihres Sonderberichterstatters Ward Price mit General Eöring. Der preußische Ministerpräsident sagte dabei u. a.:
Deutschland muß eine defensive Luftflotte haben, falls die anderen Großmächte nicht bereit sind, ihre Bombenflugzeuge aufzugeben, und ich glaube nicht, daß sie dazu bereit find. Wir haben gemeinsame Grenzen mit Frankreich, Belgien, Polen und der Tschechoslowakei. Ich muß zwischen 30 und 1l> v. H. der gesamten Flugzeugstärke dieser Länder haben. Dies ist die bescheidenste defensive Luststreitmacht, die die nationale Sicherheit Deutschlands schützen würde. Wir haben keine Militär-Flugzeuge und auch keine Flug- zeugabwehrgeschütze. Diese Tatsache macht die Reichswehr und die kleine deutsche Küstenvertei- digungsflotte so gut wie zwecklos. Denn wenn es einem unserer Nachbarn einfiele, uns anzugreifen, so könnten seine Flugzeuge unsere Bevölkerung vernichten und unser Gebiet zerstören, ohne -aß er einen einzigen Soldaten über die Grenze schickt. Aus diesem Grunde verlange ich eine defensive Luststreitmacht, die aus Kampfflugzeugen besteht und eine angemessene Ausrüstung mit Flugzeugabwehrgeschützen.
Den defensiven Charakter dieser beiden Waffen- arten unterstrich der General noch in weiteren Ausführungen. Auf eine Frage des Korrespondenten erklärte er, die Behauptung, daß die Opel- Werke bereits lleberstunden machen, um Flugzeug-Motoren herzustellen, für völlig unrichtig und fügte hinzu, daß z. B. die Opel-Werke die Herstellung solcher Motoren eingestellt haben.
Der General schilderte dann die Lage, die er bei Uebernahme des Lustfahrtministeriums vorgefunden hatte: Es gab keine sechs erstklassigen modernen Maschinen in ganz Deutschland. Unser Personal ist von bester Qualität. Unsere Organisation auf der Erde ist wahrscheinlich die beste in der Welt. Aber unser Flugzeugmaterial bleibt an Beschaffenheit noch weit hinter dem anderer Nationen zurück. Als ich ins Amt kam, fand ich, daß die deutschen Luftverkehrslinien Maschinen gebrauchten, die zehn und elf Jahre alt waren. Ich habe darauf bestanden, daß die Betriebssicherheit in den Vordergrund der Erwägungen gestellt wurde. Alle Passagiermaschinen haben jetzt mehrere Motoren. Wir bauen jetzt nur erstklassige Passagiermaschinen und haben einige im Auslande, besonders in den Vereinigten Staaten, gekauft. Auf die Frage, ob nicht die Reserve an ausgebildeten Flugzeugführern sehr groß sei, erwiderte General Eöring: Wir haben getan, was uns möglich war, um die Aufmerksamkeit der deutschen Jugend auf die Wichtigkeit der Luftfahrt zu lenken. Alle Länder können ihre Piloten in ihren Luststreitkräften ausbilden. Wir können dies nur durch
stärkte, indem er Arbeitnehmer und Arbeitgeber zu gleichen Teilen mit Verantwortung belastete. Eine Riesenarbeit steckt noch im Aufbau der Deutschen Arbeitsfront, aber es ist für jeden Werktätigen eine Freude, ihr anzugehören und in ihr mitzuarbeiten. Sonne und Freude wird bis ins letzte Haus Hineindringen, wenn wir alle bedingungslos mit der Führung zusammenarbeiten, denn je größer die Aufgaben werden, desto mehr brauchen wir Sonne im Herzen. Und auch hier hat Dr. Ley durch die neue große Organisation „Kraft durch Freude" den Hebel in Bewegung gesetzt.
Die Bevölkerung Bremens, und besonders die Arbeiter der Stirn und der Faust, begrüßen heute herzlich Dr. Ley als den Beauftragten Adolf Hitlers, als den Mann, der als Organisator nicht nur Dinge, sondern auch Herzen und Köpfe reformierte im Geiste einer glücklichen deutschen Zukunft. k.K.
aus sorgsam numerierten Eisentcilen, großen Platten und jeweils einem länglichen Rumpf.
Es handelte sich um U-Boote, die in Kronstadt auseinander genommen, mit dem Zuge vom Finnischen Meerbusen also nach Wladiwostok befördert wurden und dort in den asiatischen Gewässern ihre Auserstehung erlebten. Man rechnet, daß 10 U- Bootc auf diesem somit nich. mehr ungewöhnlichen Wege nach Wladiwostok gelangten. Den Japanern sind diese Methoden der U-Voot-Reisen über Land durch Spione bekannt geworden. Man wird verstehen, daß sie die Anwesenheit von 19 neuen U- Vooten im Fernen Osten nicht als freundliche Gäste bewerten.
Ferner hat man in Sibirien hinter den stark ausgebauten eventuellen Kampffronten Flughäfen
Sport tun. Unsere jungen Männer haben den Eleitflug mit Begeisterung ausgenommen und die besten Leistungen der Welt dabei erzielt. Im Fliegen im Nebel haben unsere Flugzeugführer ebenfalls nicht ihresgleichen, und wir haben die beste Organisation auf der Erde
Aber die Tatsache, daß wir keine Luftstreitmacht haben, beraubt uns vieler Vorteile bei der Entwicklung der Kitschen Luftfahrt. Um eine angemessene Luftflotte für die Verteidigung Deutschlands mit unseren eigenen Hilfsmitteln zu bauen, würde zwei Jahre erfordern, daß wir unsere Fabriken würden umwandeln müssen. Alte Typen eingeschlossen, besitzt Deutschland jetzt rund dreihundert Zivilflugzeuge. Der Gedanke, daß sie für einen Angriff auf ein anderes Land benutzt werden könnten, das eine Luftstreitmacht besitzt, ist absurd. Bor allem kann ein Zivilflugzeug nicht schnell genug aufsteigen. Man kann einen Kraft- wagen für militärische Zwecke geeignet machen, wenn man ein Maschinengewehr hineinstellt. Aber ein solcher Kraftwagen würde gegen einen regulären Panzerwagen nichts ausrichten können. Dasselbe gilt auch von den Flugzeugen.
Der Berichterstatter fragte: Glauben Sie als einer der großen Flieger des letzten Feldzuges, daß das Flugzeug eine entscheidende Waffe im Kriege ist?
Der General erwiderte: Gegen ein Land ohne Luftverteidigung wie Deutschland ist sie sicher entscheidend. Die Frage, ob er einen Krieg in Europa für wahrscheinlich halte, beantwortete der General: Ich bin kein Prophet. Aber niemand kann leugnen, daß es eine ungeheure Menge von eventuellen Kriegsursachen gibt. Ich hoffe, es sind noch genug Menschen am Leben, die sich an den letzten Krieg erinnern und sich klar machen, daß ein neuer Krieg, wo er auch beginnen würde, sich ausbreiten würde, bis die europäische Zivilisation in einem allgemeinen Blutbade zugrunde ginge. Wenn alle europäischen Staatsmänner wirkliche Führer wären wie die in Deutschland, anstatt unter der Herrschaft demokratischer Parteien und parlamentarischer Cliquen zu stehen, dann würde der Weltfrieden sicher sein.
Ich sage mit allem Nachdruck, daß die europäische Solidarität außerhalb des Völkerbundes gesucht werde» muß, der niemals seinen Charakter als Bund der Sieger gegen die Besiegten und
ckab. Saarlouis, 2V. Februar.
In der Berufungsverhandlung des Prozesses gegen Kommerzienrat Hermann Röchling, Verlagsdirektor Hall und die drei Mitbeteiligten Mercher, Hillmann und Dibo wurde am Dienstag das Urteil verkündet: Danach wurde Kommerzienrat Röchling unter Verwerfung der Berufung der Staatsanwaltschaft wegen einer durch Verbreitung von Flugschriften begangenen Beleidigung gegen den Bergmann Dorscheid zu 80V Franken Geldstrafe verurteilt, Verlagsdirektor Hall wegen Beihilfe zu 30V Franken, die anderen drei Angeklagten ebenfalls wegen Beihilfe zu je 5V Franken Geldstrafe. Im übrigen erfolgte Freisprechung.
Der Nebenkläger Dorscheid darf den erkennenden Teil des Urteils im Gemeindehaus in Lud- weiler aushängen.
In der Urteilsbegründung vor dem Obersten Gerichtshof führte Senatspräsident Acker u. a. aus: Die Flugblätter seien nur gegen die französischen Schulen und gegen diejenigen, die diese zu propagandistischen Zwecken mißbrauchten, gerichtet. Es kämen daher bei den
erbaut, die eine ganz besondere Bauart ausweisen. Die Flughäfen sind nämlich unterirdisch. Nicht nur die Schuppen für die Apparate, sondern auch die Anlaufflächen für die Flugzeuge selbst. Sie haben also genug Anlauf und genug Auslaufssläche, um — aus der Luft gesehen — spurlos in der Erde zu verschwinden und aus der Erde emporzutauchen bzw. gleich in die Höhe aufzusteigen.
Die Anlaussstollen sind großartig auszementiert und in jeder Weise gegen Sicht verdeckt. Derartige Flughäfen, die eine geradezu phantastische Vollkommenheit ausweisen, find über der ganzen Front verteilt und nach russischer Auffassung ein fast hundertprozentiger Schutz gegen die drohende Vernichtung der sibirischen Flughäfen durch japanisch« Bombengeschwader.
als ein Bündnis zum Schutze der Siegesbeute verloren hat. Am besten wäre es, wenn alle Staatsmänner in Europa alte Frontsoldaten wären. Der Friedenspakt, den wir kürzlich mit Polen abgeschlossen haben, war nur möglich, weil die Führer auf beiden Seiten Krieg aus persönlicher Erfahrung kennen und wünschen, ihren Ländern die Schrecken des Krieges zu ersparen.
Der Berichterstatter fragte, ob General Eöring einen neuen Krieg zwischen Deutschland und England zum Beispiel wegen der Kolonien für wahrscheinlich halte,
Der General lachte geringschätzig und sagte: Wer daran denkt, Krieg in Europa zu beginnen, um Kolonien in Afrika zu erlangen, muß wahnsinnig sein. Auch haben wir kein Gefühl der Rachsucht gegen England.
General Eöring fügte noch u. a. hinzu: Sie
können es sich leisten, uns zu vertrauen. Ein Mann, der erreicht hat, was Adolf Hitler vollbracht hat, verdient, daß man seinem Worte Glauben schenkt. Seine Politik ist Frieden mit Gleichberechtigung. Er hat Deutschland gewonnen, weil er seinen Versprechungen immer loyal und treu geblieben ist.
Zum Schluß stellte der Korrespondent eine Frage über die kommunistische Gefahr. General Eöring erwiderte: Sie besteht noch immer. Sie ist nur unter die Erde getrieben. Die kommunistische Gefahr wird solange schwelen, wie sie nicht in anderen Ländern ausgelöscht ist.
Dollfuß Bundeöpräfiöent?
cknb. Paris, 2V. Februar.
Die Pariser Abendblätter veröffentlichen eine Meldung der Nachrichtenagentur „Information" aus Wien, daß Vundespräsident Miklas demnächst zurücktreten werde. Er sei durch die blutigen Ereignisse tief betrübt und von den Todesurteilen und den Vollstreckungen stark beeindruckt. Er wolle zurücktreten, jedoch nicht gegenwärtig, weil dies eine Desavouierung Dollfuß' bedeuten würde. Deshalb wolle er für seinen Rücktritt einen günstigen Augenblick abwarten. Im Falle seines Rücktrittes würde Dollfuß Vundespräsident werden.
angewandten Ausdrücken, wie Gesinnungslumpen, Eewaltpolitiker, Agitatoren usw. nicht Teile der Bevölkerung, sondern nur Einzelpersonen in Frage. Die Flugblätter richteten sich nur gegen solche deutsche Eltern, die unter Druck ihre Kinder in die französischen Schulen schickten. Aus diesem Grunde könne eine Aufreizung von Teilen der Bevölkerung gegeneinander nicht als erwiesen angesehen werden. Auch könnte nicht nachgewiesen werden, daß Röchling sich einer Aufreizung bewußt gewesen sei. Noch weniger sei der Nachweis erbracht, daß ein Erfolg der angeblichen Aufreizung eingetreten sei. Aus diesen Gründen käme ein Verstoß gegen die Verordnung der Regierungskmnmifston vom 28. Juni 1923 nicht in Frage. Dasselbe gelte auch von den übrigen Angeklagten.
Zur zweiten Verteilung der Flugblätter im September 1933 führt die Begründung aus, daß die Angeklagten wegen mangelnder Beweise freigesprochen werden müßten. Zum dritten Punkte der Anklage, Beleidigung der beiden Nebenkläger Köhler und Dorscheid im Flugblatt, wird im
(Fortsetzung auf Seite 2)
Sicherheit
u. Llü. Bremen, 21. Februar.
Etwa zur gleichen Zeit, in der Englands Eroßsiegelbewahrer und „Abrüstungsminister" Eden in Berlin zwischen Adolf Hitler und dem französischen Regierungschef Dou- mergue zu vermitteln versucht, wird der englischen Öffentlichkeit Gelegenheit gegeben, sich aus dem berufenen Munde des preußischen Ministerpräsidenten Göring von der Notwendigkeit einer deutschen Verteidig ungs-Luftflotte überzeugen zu lassen. Der große deutsche Flieger des Weltkrieges hat in seiner Unterhaltung mit dem Sonderberichterstatter der „Daily Mail" unter Hinweis auf die hohe Zahl der Kampfflugzeuge unserer Nachbarstaaten unser Recht auf eine schlagkräftige Luftwaffe so wirksam begründet, daß man eigentlich auch in Paris aufhorchen müßte. Es ist kein Geheimnis mehr, daß die 4500 französischen Kampfflugzeuge — von der Eiftgasindustrie ganz zu schweigen — sogar den Engländern sorgenvolle Stunden bereiten. Um so weniger wird der diplomatische Beauftragte des Jnselreiches, Eden, in Berlin Verständnis dafür aufbringen, daß man in Deutschland bei Truppenübungen die Darstellung eines Fliegerangriffs mit Kinderballons und Papier- drachen vornehmen muß. Bereits die letzte Londoner Abrllstungsdenkschrift rückte in diesem Punkt mit anerkennenswerter Offenheit von der Pariser Politik des ewigen Nein ab, indem es grundsätzlich das Recht Deutschlands zur Schaffung einer — seine Sicherheit verbürgenden — defensiven Luftstreitmacht anerkannte.
Bei den Besprechungen Edens in Paris ist indessen nicht, was ein Unbefangener auf Grund der Wehrlosigkeit Deutschlands annehmen könnte, von unserer Sicherheits- forderung, sondern von der Frankreichs die Rede gewesen. Bekanntlich will Paris im Rahmen der kommenden zwischenstaatlichen Rllftungsvereinbarung England zur Uebernahme besonderer Garantien — auch an Sanktionsbestimmungen denkt man schon wieder — bewegen. Aber in London zeigt kein maßgebender Politiker Neigung, auf die Wünsche Frankreichs einzugehen. Die verfehlte Sanktions-Politik Poincares vor 10 Jahren hat ihre abschreckende Wirkung für alle Zeiten hinterlassen. Zudem kann das Rüstungsabkommen, was nicht zuletzt der zur jungen Generation zählende Lordsiegelbewahrer Eden weiß, nur auf der Grundlage unbedingten gegenseitigen Vertrauens und unter ausdrücklicher Absage an die These vom Sieger und Besiegten erfolgen. Eden wird aber nach seinem Berliner Aufenthalt, auf der Rückreise von Rom nach London, in Paris die Ehrlichkeit der Sicherheitsforderung Frankreichs auf eine entscheidende Probe stellen können. Er wird in der Lage sein, das Nichtangriffspakt-Angebot Adolf Hitlers, vom Friedenswillen Deutschlands fest überzeugt, als den Weg zu wirklicher europäischer Sicherheit zu charakterisieren. Von der bewaffneten Sicherheit aber gilt das Wort, das Shakespeare in Macbeths geprägt hat: „Denn wie ihr wißt, war Sicherheit des Menschen Erbfeind jederzeit!"
Am Tage seines Eintreffens in Paris wurde Eden von einem Teil der französischen Presse als der Engländer gefeiert, der wie kaum einer seiner Landsleute nicht nur mit der französischen Sprache, sondern auch mit dem Geistesleben Frankreichs eng vertraut sei. In einem Punkt wird nun freilich der Londoner Diplomat feine umfassenden Kenntnisse korrigiert haben. Sollte er sich nämlich an die Feststellung Napoleons gehalten haben, daß die Sprache seines Volkes das Wort „unmöglich" nicht als französisches Wort kenne, so wird er während der Unterhaltungen mit Doumergue und Barthou gründlich eines anderen belehrt worden sein. Das „Unmöglich!" Frankreichs gegenüber der englischen Abrüstungsdenk- schrift und der darin in Erwägung gezogenen (geringfügigen) Verminderung der französischen Streitkräfte kann Eden jedenfalls nicht überhört haben. Die Pariser Presse hat es außerdem im Anschluß an die amtliche Erklärung mehrmals im Chor wiederholt.
Wenn diese Betonung der ablehnenden Tendenz der letzten Pariser Antwort-Note an Deutschland auch keine Ueberraschung war, so ist sie doch wegen ihrer möglichen Aus-
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