Ausgabe 
(29.9.1932) Nr. 217
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Verlag und Geschäftsstelle: Papenstraße 15, Redaktion: Langen- trahe 48. Sprechstunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 25878. hie BRZ erscheint Werktags und kostet 1.90 frei Haus, durch die Post zuzüglich 36 Bestellgeld.

Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Das Oldenburgische StaatsminWerimn zur geplante« Bankenv erordrmug

Oldenburg, 28. September. Das vlderv- burgifche Staatsministerium hat an den Herrn Reichskanzler die nachstehende Ein­gabe gerichtet:

Zeitungsnachrichten zufolge sind seitens der Reichsregierung Maßnahmen zugunsten der privaten Banken in Vorbereitung, die vor allem eine Liquidätsverbesserung her­beiführen sollen« Don irgendwelchen Maß­nahmen zugunsten des öffentlichen Bank- gewerbes verlautet nichts, obwohl sich die öffentlichen Finanzanstalten in nicht bes­serer Lage befinden. Das Staatsministerium kann sich der Befürchtung nicht verschließen, daß die Reichsregierung anf diesem Gebiete einseitig zugunsten des Großkapitals han­delt^ die Interesse« aber der großen Masse des Volkes hintansetze« wird. Diese Be­fürchtung erscheint umso mehr begründet, als die bisherigen Maßnahmen der Reichs" regierung sich inr wesentlichen zugunsten des Großunternehmertums und leider zu Lasten der ärmsten unserer Volksschichten Ausgewirkt haben. Das Staatsministerium bittet daher dringend, auf eine gerechte Ab­wägung aller Interessen bedacht z« sein.

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Einstweilig« Verfügung gegen Unterstützung eines Streiks

Weißenfels, 28. September. - Da sich die Gewerkschaften für den wilden Streik in der Weißenselser Schuhindustrie eingesetzt

haben, haben die Arbeitgeber der Schuh­industrie beim Amtsgericht Weißenfels eine einstweilige Verfügung erwirkt, nach der den beteiligten Gewerkschaften untersagt wird, den Streikenden tatsächliche oder finanzielle Unterstützung zu gewähren, den Streik weiter zu organisieren und öffent­liche Kundgebungen an die Einwohnerschaft z» erlassen; die Gewerkschaften werden auf­gefordert, mit allen Mitteln darauf hin­zuwirken, daß in den Weißenselser Schuh­fabriken der tarifliche Zustand wieder her­gestellt wird. Den Gewerkschaften ist für jeden Fall des Verstoßes eine Geldstrafe von je 3V0V RM. im Einzelfall angedroht.

Der Arbeitgeberverband hat daraufhin die streikenden Arbeiter aufgefordert, die Arbeit am Mittwoch früh wieder aufzu­nehmen. Der Zweigverein Weißenfels im Reichsverband der deutschen Schuhindustrie

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Berlin, L7. Setzt. Zu dem landwirtschaftlichen Programm der Regierung von Papen übermit­telt uns der Vorsitzende des Landwirtschaftlichen Ausschusses des Preußischen Landtages, der schles- wig-holsteinische Gauleiter Pg. Meyer-Ouaade, im Namen der nationalsozialistischen Bauern unserer Preußenfraktion folgende Stellungnahme:

Das durch den Herrn Reichsernährungsmini- fter veröffentlichte Agrarprogramm mutz die Land­wirtschaft aufs Tiefste enttäusche«. Es wird damit offenbar, datz dem Kabinett gegenüber den ehr­lichen Bemühungen des Reichsernährungsministers der Einfluh der Banken, Jndustriekonzerne und der Exportindustrie stark genug war, die längst notwendige, grundlegende Abkehr von dem bis­herigen System einer bauernfeindlichen Agrar­politik z« verhindern.

Wir vermissen eine Senkung der Steuern und öffentlichen Abgaben. Wir vermissen insbeson­dere die Aufhebung der Schlacht- und eine wirk­same Senkung der Zuckersteuer und der völlig un­gerechten zweiprozentigen Umsatzsteuer für land­wirtschaftliche Veredelungsprodukte. Wir ver­missen abgesehen von der Nichterfüllung der alten Forderung auf generelle Zinssenkung eine Senkung der effektiven Zinslast, da sich die in Aussicht gestellte Zinssenkung nur auf den Nomi- nalzins erstreckt und außerdem nur geeignet ist, den landwirtschaftlichen Kredit endgültig zu zer­schlagen.

Wir vermissen die Berücksichtigung der durch die angekündigten Maßnahmen nicht entlasteten Schuldner von Pfandbriefen, die, wie zum Bei­spiel die Roggenrentenschuldner, eine zwar verhält­nismäßig geringe Zinslast zu tragen haben, dafür aber in wucherischer Weise durch ein unglaubliches Disagio bei der Auszahlung und weiteren Behand­lung schwerste finanzielle Schädigungen erfahren haben.

Wir vermissen die autonome Regelung der Kon­tingentierung, insbesondere für Einfuhr von Wein,

Schweinen, Fellen und Häuten, Eiern und Zell­stoff usw.

Wir vermissen eine klare Regelung der Butter­frage, bei der die Kontingentierung allein keines­wegs genügt.

Wir vermissen die Inangriffnahme der Senkung der Kunstdüngerpreise und erkennen gerade hierin den bekannten Einfluß im Kabinett.

Darum fordern wir:

Erstens: Senkung sämtlicher Steuern und Lasten auf ein den Preisverhältnissen der landwirtschaft­lichen Erzeugnisse entsprechendes Matz. Zweitens: Aushebung der Schlachtsteucr, gerechte Senkung der Umsatzsteuer und Halbierung der Zuckerftcuer. Drittens: Generelle Zinsscnkung, mindestens aus Vorkriegshöhe. Viertens: Eine autonome Kontin­gentierung in einem Ausmaß, datz jede über­flüssige Lcbensmitteleinsuhr verhindert wird. Fünftens: Die Rettung der Veredelungswirtschast. Eine wirksame Kontingentierung der Buttereinsuhr und Margarineerzeugung. Einen wirksamen Ber- wendungszwang für inländische Fette und ein Verbot der künstlichen Färbung von Lebensmittel insbesondere der Margarine. Sechstens: Eine wirksame Senkung der Kunstdüngerpreise, vor allem angesichts eines Durchschnittseinkommens von je 137 000 Mark für dreiundsünfzig Vorstands­mitglieder und über eine Million Aufwandsent­schädigungen für Aussichtsratsmitglieder der I. G. Farben-Jndustrie.

Diese Forderungen wird nie ein trotz heilig­ster Versicherungen liberalistisch hingestelltes Kabinett erfüllen. Wir betonten, datz Herrn von Braun das gleiche Schicksal ereilt wie Herrn Schiele.

Allein der Nationalsozialismus, zur Herrschaft gelangt, wird mit der Landwirtschaft das deutsche Volk retten.

Deshalb, deutsches Landvolk,Gebt Hitler die Macht!"

hat nunmehr die üngedrohten Aussper­rungsmaßnahmen eingeleitet. In allen Wei- ßenfelser Schuhbetrieben sind die Kündi­gungen mit einer Kündigungsfrist von 14 Tagen ausgesprochen worden. Sollte bis zu diesem Tage der Streik nicht beigelegt sein, so werden die Belegschaften sämtlicher Weißenselser Schuhfabriken ausgesperrt wer­den. Von dieser Maßnahme würden etwa 1200 Arbeiter betroffen werden.

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Genf, 28. September. Reichsaußenmini­ster von Neurath ist Mittwoch um 18 Uhr in Begleitung von Legationsrat Voelkers mit dem fahrplanmäßigem Baseler Schnell­zug nach Berlin abgereist. Er trifft am Donnerstag nachmittag in Berlin ein. Die Führung -er deutschen Abordnung hat der Gesandte von Rosenberg übernommen«

Es ist jedoch nicht ausgeschlossen, daß von Neurath, falls erforderlich, zu den Ver­handlungen über die Minderheitenfrage am Schluß der Völkerbundsversammlung zu­rückkehrt, da die Reichsregierung einen energischen Vorstoß in der Richtung einer grundlegenden Revision der bisherigen kata­strophalen, die Minderheiten sabotierenden Haltung des Völkerbundes unternehmen will.

Die Abreise des deutschen Außenministers hat t« hiesigen französischen Kreisen völlig überrascht und großes Aufsehen erregt, da man bisher eine derartige Haltung der

Reichsregierung nicht gewohnt war. Man hatte auf französischer Seite fest damit ge­rechnet, daß der Reichsaußenminister we­gen der angekündigten Rede Herriots un­verzüglich seine Abreise verschieben würde und damit seine Kompromißbereitschaft be­kundet hätte.

In englischen Kreisen beurteilt man da­gegen die Abreise des Freiherr» v. Nenvath durchaus ruhig und sachlich und weist dar­auf hin, daß der englische Außenminister bereits vor einigen Tagen abgereist sei und seine Rückkehr völlig ungewiß wäre.

Auf französischer Seite bestand zweifellos die allzu offensichtliche Absicht, Herriot in Anwesenheit des deutschen Außenministers einen großen Triumph in der Völkerbunds­versammlung zu ermöglichen, unk damit für die weiteren Verhandlungen der Gleich- berechtigungssrage eine den französischen Wünschen entsprechende Atmosphäre zu Massen.

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Magdeburg, 28. September. Das Polizei­präsidium teilt mit: In der Nacht zum Mittwoch kam gegen 23.30 Uhr ein auf der Fahrt von Ntederdodeslebeu nach Magde­burg befindlicher Personenkraftwagen, der mit Nationalsozialisten besetzt war, durch den Stadtteil Diesdorf. In der Zcrrenner- straße wurde der Kraftwagen mit harten Gegenständen beworfen, so daß die Wind­schutzscheibe und der Sucher beschädigt wur­den. Daraufhin gab einer der Wageninsas­sen aus einer Selbstladepistole fünf bis sechs Schüsse ab. Ein Diesdorfer Ein­wohner wurde durch einen Schuß verletzt und mußte sich in ärztliche Behandlung begeben. Der zunächst unbekannte Schütze hat sich in den Vormittagsstunden des 28. 9. der Polizei gestellt. Wie die Wageninsassen angeben, ist auf den Kraftwagen geschossen worden. Tatsächlich befindet sich auch am Kraftwagen eine Stelle, die von einem Geschoßauffchlag herrührt.

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Berlin, 29. September. Der französische Ministerpräsident Herriot hat, nach einer Meldung Berliner Blätter aus Wien, den Ehrenvorsitz der bevorstehenden Baseler Paneuropa-Konferenz niedergelegt. Der Schritt sei durch einen offenen Brief ver­anlaßt worden, in dem Graf CoudeAlhove- Kalergr Herriot zum Vorwurf machte!, - er in einer Rede auf dieGleichberechtigungs- forderung DeutschlandsNein, niemals" geantwortet hat. Gegenüber einem Der-

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Warum steht die jüdische Börsenpreise hinter der Papon-Regierung?

Wer kennt nicht die schöne Anekdote, wie vis halberwachsene Tochter ihre märchengläubigeN jüngeren Geschwister belehrt: Der Weihnachts­mann und der Osterhase und der Klapperstorch, das ist immer wieder der Papa. Daran muß man denken, wenn man sieht, wie die Allstem- und Mossejuden mit Leidenschaft für die Papen- Regierung und ihr Programm Partei nehmen« Wer von den wahren Vorgängen, die den Lei­densgang der jüngsten Geschichte bestimmt ha­ben, auch nur einen Hauch verspürt hat, muß kehrtmachen, wenn er feststellt, datz die jüdische Börsenpreise mit von der Partie ist.

Eines hat sich inzwischen schon herumgespro­chen, daß die Weisen von Zion an dem famosen, angeblichkonservativen" Wirtschaftsprogramm nicht so ganz unbeteiligt gewesen sind, und daß der Steuergutscheinzauber nicht die nationale Wirtschaft, wohl aber das Bank- und Börsenge- schüft in etwa zu beleben geeignet ist. Doch dail bedeutet für die Erkenntnis der Abgründe der Lenkung deutscher Politk aus dem Hintergründe nur wenig. Diese Abgründe tun sich erst auf, wenn man erkennt, daß das internationale Ju­dentum der Regisseur, der zielbewußte Lenker im Kleinen wie im Großen ist.

Es gibt da drei Klubs: Den Herren-

klub", denRotary-Club" und den Bund zurErneuerung des Reiches". Die Regierung Papen ist bekanntlich imHerren-, klub" des Herrn von Gleichen gefingert worden, DerPreußische Pressedienst" brachte unter dein l5. September 1932 eine sehr interessante Zu­sammenstellung von Namen der zu einem Jahres­essen desDeutschen Herrenklubs" Geladenen. Wir geben in der alphabetischen Reihenfolge einige wenige wieder:

Arnhold, Carl (Jude), Dr. ing. h. c.; Aschin- ger, Fritz; Bernstein, Otto, Dr. Rechtsanwalts Blvtzm, Walter; Frhr. von Braun (jetzt Land­wirtschaftsminister); Brauweiler, Ernst, Dr. Chef­redakteur; Enno, Dr., Reichskanzler a. D.; Din- geldey, Dr-, MdR.; Dorpmüller, Dr. ing. h. c^, Generaldirektor der Reichsbahn; v. Dryander, Dr., Geheimer Oberregierungsrat; Ehrhardt, Korvettenkapitän a. D.; Fränkel, Max, Dr., Di­rektor; Freudenberg, Reinhard, Konsul; Fried- heim, Max, Bärfelde; Friedmann, Alfred, Dr., Rechtsanwalt; Fürstenheim, Dr.; Geßler, Otto, Reichsminister a. D.; Goerdeler, Oberbürger­meister und Reichskommissar; Gottstein, Kurt, Dr., Direktor; Hagemann, Landeshauptmann, Hanno­ver; von Hammerstein-Equord, Frhr., General der Infanterie, Chef der Heeresleitung; von Hinden- burg und Beneckendorff, Generalfeldmarschall und Präsident des Deutschen Reiches; Joel, Dr., Reichsjustizminister; Kastl, Geheimrat (auch ein Jude); Graf Kayserlingk; Koch-Weser, Erich, Neichsminister a. D. (ehemals Führer der basi­schen Staatspartei); v. Koerber, Adolf Viktor, Rittmeister a. D. (ehemals Patrouillenreiter des Herrn Mahraun für seine Franzosenritte in Paris); Külz, Reichsminister a. D., MdR. (De­mokrat, genanntder Derzeitige"); von Lersner, Frhr., Potsdam (seit kurzem Gesandter in Mün­chen); von Lindeiner-Wildau, Hans, MdR.; Luther, Dr., Reichsbankpräfldent. Moldenhauer.

Vertreter aus derselben Atmosphäre finden sich in dem Bund zurErneuerung des Reiches"« Wir finden die Namen Ludwig Ephraim, Jakob Goldschmidt, Louis Levy (Hagen), Paul Hirsch, und zur Abwechsung nicht Siegmund, sondern Max Marburg. Und daneben selbstverständlich wieder die Namen alter erlauchter Familien. Und aus den Händen dieser gemischten Gesellschaft soll Deutschland Wirtschastsresormen, Finanzresormen, Verwaltungsreformen, Reichsreformen entgegen­nehmen! Und es gibt Toren, die danach schreien!

treter derNeuen Freien Presse" hab«! Herriot erklärt, er habe die ihm von G.raH Coudenhove vorgeworfene Aeußerung «i« getan.