Ausgabe 
(27.9.1932) Nr. 215
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Verlag und Geschäftsstelle: Papenstraße 15, Redaktion: Langen- straße 48. Sprechstunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 25878.

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Sekmsling siegt riui'ek k. o.

Der Ausscheidungskampf um die Boxweltmeisterschaft endete am Dienstag früh in Newyork mit einem k. «.-Siege Max Schmelings, der. den Amerikaner Mkckey Walker in der achte« Runde über die Zeit auf die Metier brachte.

SS.-IVI»NN von Koinnnintston

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Frankfurt am Main, 26. September. Am Sonnabend abend wurden im Stadtteil Sachsen­hausen zwei SS.-Mönner von Kommunist«» an­gerempelt. Einer der Kommunisten zog An Meyer und stach den 30jährige« SS-Mann TrSfer in die linke Augenhöhle. Die TSter Mchteten; sie konn­ten noch nicht festgenommen werde«.

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Bombay, 26. Sept. Mahatma Gandhis Hungerstreik hat sechs Tage und fünf Stunden gedauert. Als ihm das Telegramm überreicht stürbe, in dem die englische Regierung bis An­nahme des Abkommens Mischen den Hindus und den Parias mitteilte, hatten sich außer seiner Frau und seinem Sohn viele seiner An­hänger, darunter der Dichter Rabindranath Ta­llore, num sein Feldbett versammelt. Gandhi sprach dreiviertel Stunden kein Wort. Dann lächelte und flüsterte er mit kaum hörbarer Stimme:

Mein Gelübde ist erfüllt. Satyragraha (Der passive Widerstand) hat gesiegt!"

Seine Frau überreichte ihm dann ein Glas mit Zitronensaft, von dem der Mahatma langsam Nippte. Gandhi hatte bereits zehn Pfund ab­genommen. Die fünf Aerzte, die ihn am Mon­tag vormittag auf seinen Gesundheitszustand untersuchten, erklärten, daß Lebensgefahr bestehe.

Die Mitteilung von der Annahme des Ab­kommens durch die englische Regierung wurde im indischen gesetzgebenden Ausschuß und dem Staatsrat mit großem Beifall und begeisterter Are.kennung aufgenommen.

In ihrer amtlichen Mitteilung von der An­nähme des Abkommens über die Wahlrechte der unte drückten Klassen erklärt die englische Regierung, daß sie mit großer Befrie­digung von der Einigung mit der Kastenhindns Kenntnis genommen habe.

Angesichts des Hungerstreiks Gandhis hat die englische Regierung die Prüfung des Ab­kommens mit größter Dringlichkeit durchge­führt. Der Staatssekretär für Indien, Sir Samuel Hoare, und Baldwrn haben während des ganzen Sonntag und bis in die frühen Morgenstunden des Montag daran gearbeitet und standen in dauernder telefonischer Ver­bindung mit dem Ministerpräsidenten. Die Entscheidung wurde erst am Montag früh gefällt.

vsi* Ksmpk:

L Runder Die Runde beginnt Mit heftigem Schlagwechsel. Max erwischt Walker mit einem Kinnhaken, der Walker auf die Bretter zwingt; erst bei 6 geht Walker wieder hoch. Die Runde ist klar für Ähmelrng.

2. Runde: Walker greift scharf an und landet beidhändig Körperschläge, die aber keinerlei Wir­kung hinterlassen. Schmeling erwidert die Schlag­serie des Amerikaners mit einem harten linken Magenschlag, der Walker auf die Bretter wirft. Der Amerikaner ist aber sofort wieder hoch und greift unverdrossen an. Gegen Schluß der Runde hat er Schmeling in die Gelle gedrängt, doch deckt Schmeling noch immer gut ab. Die Runde endet mit einem kleinen Vorteil für Walker.

3. Runde: Mit sehr hartem Schlagwechsel wird die Runde eröffnet. Beide gehen sehr hart an den Gegner. Schmeling landet wieder einen schweren Haken. Walker geht in den Clinch. Die Runde geht an Schmeling.

4. Runde: Schmeling hat im Nahkampf zwar noch Vorteile, doch wird er von dem Amerikaner immer wieder zum Clinch gezwungen. Walker kommt mit seiner Linken von nuten rauf, und es gelingt ihm, dem Deutschen den Mund aufzu­schlagen. Schmeling blutet. Die Runde geht an Walker.

5. Runde: Waller ist weiter scharf im Angriff; er schlägt Schmeling auch noch die Augenbraue auf. Schmeling blutet stark. Zum Schluß der starke Angriff Wallers; Schmeling blockt.

6. Runde: Der Kampf wird wieder ausgegliche­ner, aber sehr scharf geführt. Schmeling versucht, seine Schläge an Wallers Kopf zu landen, wäh­rend der Amerikaner Schmeling mit Körper- schlägen bearbeitet. Gegen Schluß der Runde hat Schmeling wieder mehr vom Kampf. Die Runde geht an Schmeling.

7. Runde: Die Runde beginnt ziemlich ein­tönig. Beide Boxer halten sich zunächst etwas zurück. Bei dem an sich uninteressanten Schlag- wechsel kann Waller leichte Vorteile für sich bu­chen. Die Runde geht knapp an Waller.

, 8. Runde: Beide Kämpfer haben sich in der

> vorigen Runde geschont und beginnen mit wildem Schlagwechsel. Schmeling erwischt Walker mit einem schweren Haken, der den Amerikaner bis 7 auf die Bretter bringt. Walker erhebt sich, stürzt auf Schmeling los, der mit einer schweren Serie Nechtshaken empfängt. Zum zweiten Male muß Walker die schützenden Bretter aufsuchen. Dies­mal erhebt sich Walker erst mühsam bei 9, taumelt wieder auf Schmeling los, abermals, ein wilder Schlagwechsel. In dem Tumult ist nicht festzu­stellen, ob der Ringrichter den Kampf abgebrochen hat oder ob die Sekundanten das Handtuch ge­worfen haben. Alles ist von den Plätzen gesprun­gen und ungeheure Erregung liegt auf der Menge. Jedenfalls ertönt der Gong und Max Schmeling

wird zum Sieger Lurch techn. k. o. erklärt.

*

Nach dem Kampf Schmeling-Walker

Schmeling bewies in seinem Kampf, daß er, nach dem Urteil aller, die den Kampf sahen, nicht nur ein mutiger, sondern auch ein technisch überlege­ner, geschickter und denkender Kämpfer ist. Der Kampf Schmeling-Walker war eines der brillan­testen Boxtreffen, das man fe in Newyork sah. Obgleich Walker in den ersten Runden alles daran setzte, um schmeling seinen Stil aufzuzwingen, kam er bei dem Deutschen nicht zum Ziel. Schme- ling meisterte ihn von Anfang an, gab zwar einige Runden ab, doch war an einem Siege Schmelings keinen Augenblick zu zweifeln.

Das Urteil des Ringrichters wurde von den Massen mit großer Begeisterung aufgenommen, die schmeling immer neue Ovationen darbrachten.

Schmelings Börse wird eknbehaltenl

Der Oberrichter Shieldag, der den Prozeß des italienischen Riesenboxers Camera gegen Max Schmeling wegen eines nicht erfüllten Kampfver­trages geführt hat, hat verfügt, daß die Börse, die Max Schmeling für seinen Kampf gegen Mickey Walker erhält es werden etwa 100000 bis ISO 000 Dollar sein solange einbehalten wird, bis der Prozeß Cameras endgültig ent­schieden ist.

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Beschäftigung von 20-25 061» Arbeitern

Oldenburg, 27. Sept.

Die Pressestelle des Oldenburgischen Staatsministeriums veröffentlicht einen An­trag des oldcnburgischen Junenministieriums an den Reichskanzler von Papen, durch den Bereitstellung von Mitteln für ein Arbetts- bcfchaffungsprogramm erbeten wird. Die Durchführung des Programms würde für viele Jahre die Beschäftigung von etwa 16 666 Arbeitern bringen. Außer dieser direkten Beschäftigung erwartet der Antrag auf dem Wege über die Kaufkraftstärkung der Beschäftigen, dann auch von örtlichem Handel, Handwerk und Gewerbe, und schließ­lich auch der Industrie für Gebranchsgüter, des Verkehrs usw. eine zusätzliche Indirekte Beschäftigung von »vetteren 1615666 Ar­beitern. Ueber die Finanzierung des Pro­gramms werden nähere Einzelheiten an­geführt. Die in der Anlage des Antrages d«s oldenburFischen Innenministeriums an den Reichskanzler nachgewiesenen Arbeits­

möglichkeiten sind folgender

1. Moor- und Ödlandkultivierungen (einschl. Wegebau und Entwässerung): kul- tnrfähige Flächen des Staates, kultur- fähige Flächen der Privaten 62000 Hek­tar, Erledigung in 16 Jahren bei 16660 Beschäftigten.

2. Drainierungen: drainingsbedürftige Flächen 80000 Hektar, für 16 Jahre 566 Beschäftigte.

3. Bedeichungen: Elisabethgroden 350 Hektar, Langwarder Groden 200 Hektar, Weserplaten und Inseln 1200 Hektar, Gro­den am Jadebusen 200 Hektar: für vier Jahre 666 Beschäftigte.

4. Aufforstungen von 10000 Hektar, Waldarbeiten (Gesamtforsten 54000 Hek­tar), für 16 Jahre 366 Beschäftigte.

5. Flurbereinigung (Berkoppelung) mit Folgeeinrichtungen 15000 Hektar, i« 15 Jahren 166 Beschäftigte«

6. Ausbau der kleineren Vorfluter, Bau von Sommerschutzdeichen, für 16 Jahre 766 Beschäftigte.

7. Ausbau der Hauptvorflnter: 666 Be­schäftigte in vier Jahren, und zwar: Obere Hunte vom Dümmer bis Wildes­hausen 230000 Tagewerke, obere Hunte von Wildeshausen.bis Oldenburg 2M000 Tagewerke, Hasse 120000 Tagewerke, Soeste-Lahe und Marka 45000 Tagewerke.

8. Ausbau der unteren Hunte 600-Ton- nenschiffe(Reichswasserstraßenverwaltung): für zwei Jahre 206 Beschäftigte.

9. Ausbau des Straßennetzes, Staats­straßen, 400 km Umbau, 120 km Neu­bau, Amtsverbands- und Gemeinde- chausseen, 600 km Umbau und 300 km Neubau, für vier Jahre 2606 Beschäftigte.

10. Hausbauten für 400 Neusiedlungen von 2 bis 12 Hektar a RM- 5000: 1666 Beschäftigte.

11. Hausbauten für Stadtrandsiedlun­gen, Eigenheime, zusammen 1000 Ge­bäude von RM. 4000-6000 : 2566 Beschäf­tigte. Die Gesamtzahl der nach dem Plau auf Jahre Beschäftigten beträgt 6566.

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Wenn man die Regierungspresse in den letzten Wochen verfolgte, die auf Grund ihrer libera- Mischen Weltanschauung die beneidenswerte Fä­higkeit besitzt, sich der jeweiligen Regierung so rasch als- möglich anzupassen, so mutzte man an­nehmen, daß Reichskanzler von Papen und die hinter ihm stehenden Wirtschaftsgruppen das Ei des Kolumbus auf den Kopf gestellt hatten, ohne dabei die Schale zu zerbrechen. In der Schtme- mannpresse, die schon seit der Reichstagsauslösung sich wieder einmal befleißigt, der bremischen Be­völkerung Objektivität und Ritterlichkeit, gutert Ton und Sachlichkeit im Wahlkampf vor Auge« zu führen, konnte man sogar Leitartikel in Forts fetzung finden, die von dem Vormarsch der Wirt« fchaft berichteten und die alle auf den gleichen Ton gestimmt waren, den wir aus der Zeit kennen, in der die gleiche Presse dem deutschen Volke den Houngplan aufschwatzte. Plötzlich hat dieses rohs Ei einen Sprung bekommen und die enttäuschtes Bewunderer stellen mit merkbarer Ernüchterucktz fest, daß etwas faul ist, daß die Regierung Papen plötzlich anrüchig geworden ist.

Ihr Ernährungsminister hat auf dem Mün­chener Oktoberfest ein grüngoldenes Agrarpro- gramm entwickelt, das, wie die Telegraphen« Union meldet,eine befriedigende Aufnahme an der Börse fand," das, wie dieWeser-Zei- tung" feststellt,eine Verwischung der sonst so außerordentlich klaren wirtschaftspolitischeft Linie des Kabinetts abgibt," das, wie dasHam­burger Fremdenblatt" bemerktdie beabsichtigte Wirkung des wirtschaftlichen Gesamtprogramms wieder aufhebt." Das Kabinett Papen hat sich also, wie wir nicht anders erwartet haben, zwischen zwei Stühle gesetzt, hat sich dazwischen setzen müssen, denn es gibt heute, wie wir in diesen Spalten immer wieder festgestellt haben, keine libe- raliftische Lösung der Wirtschaftskrise. Die Zeit ist vorbei, in der man einen Berussstand gegen den anderen ausspielen konnte, in der man heute den für die Hansestädte lebenswichtigen Export unterstützte und die Landwirtschaft belastete, nrN am nächsten Tage die Landwirtschaft aus Kosten des Außenhandels vor dem Zusammenbruch zu retten. Man war so stolz in gewissen Kreisen auf das Präsidialkabinett, dessen grundsätzlicher Wert ja doch wohl nicht in der Auflösung des Reichs­tages, sondern in der kompromißlosen Handlungs­freiheit liegt und nun stellt man fest, daß das Ka­binett selbst ein Heiner Reichstag ist, in dem mit Kompromissen und unkontrollierbaren Einflüssen gearbeitet wird, die auf der einen Seite das wieder auswischen, was auf der anderen eben ausgebaut worden ist. DieWeser-Zeitung" sieht als einzige Hoffnung, daß der Minister noch ver. handeln müsse, daß also noch weitere Kompro­misse geschlossen werden sollen.

Man verstehe uns nicht falsch. Auch wir weh­ren uns gegen eine einseitige Belastung der lebens­notwendigen Wirtschaftszweige unserer Heimat­stadt. Auch wir halten ein Wirtschaftsprogramm für verfehlt, das der Landwirtschaft nicht hilft und dem deutschen Export schadet. Darum be­tonen wir auch immer wieder, daß nur eins grundsätzliche weltanschaulich neufundierte und or­ganische Wirtschaftsordnung, hinter der alle auf- vauwkllrgen Kräfte der Nation stehen, die Not der deutschen Wirtschaft meistern kann. In dieser Wirtschaftsordnung wird die Privatinitiative ein wesentlicher Faktor sein, aber auch dieser Faktor wird sich und das ist das Entscheidende dem Gesamtwohl der Nation einordnen müssen. Weil wir auf diesem Standpunkt stehen, der uns bis­her immer durch den Verlauf der Dinge als rich­tig bestätigt worden ist, haben wir die Regierung Papen abgelehnt und nicht, weil wir Freude am Parlamentsspiel oder Freude an der Opposition haben. Der Führer hat nicht, wie dieBremer Nachrichten" so geschmackvoll behaupten, seift Wort gebrochen, als er sich weigerte, die Bewegung an Papen auszuliefern, sondern er hat dem deut­schen Bolle die Treu gehalten und trotz aller ver­lockenden Angebote die Bewegung vor einer Re­gierungsbeteiligung bewahrt, die genau so ift Kompromissen und Halbheiten stecken bleiben! wird, wie alle früheren.

Der Export ist mit Recht besorgt, daß durch dig