Ausgabe 
(26.9.1932) Nr. 214
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Nn. 214.

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Bombay, 26. September. Gandhi erklärte «m Sonntag, er werde seinen Hungerstreik nur beenden, wenn die englische Regierung das M- kommen Wer das Wahlrecht der Parias be­dingungslos annehme. Er richt« jedoch nicht nur an die englische Regierung, sondern auch an das indische Volk ein Ultimatum: Er werd« seinen Hungerstreik sofort wieder aufnehmen, wenn die Hindus nicht energische Maßnahmen ergreifen würden, um das Pariatrrm auszurod- ten.Aber", so fährt Gandhi fort,das hin­reißende Erwachen in Indien in den letzten fünf Tagen erfüllt mich mit der Hoffnung, daß der Orthodoxismus sich selbst überwindet und daß das Hindutum von dem Geschwür des Pariatmns befreit wird, das seine lebens­wichtigsten Teile vernichtet."

Tatsächlich hat der Hungerstreik Gandhis bereits Wunder gewirkt und die auf der Ber­mittlungskonferenz, in Bombay vertretenen Führer der hochstehenden Hindukasten zu großen Zugeständnissen gegenüber den Parias veran­laßt. Es wurde erklärt, daß diese in Zukunft volle Berechtigung haben sollen, alle Tempeil und Schulen zu besuchen und sämtliche Straßen und Brunnen zu benutzen.

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London, 26. September. In einer Unter­redung mit einem Vertreter derDaily Mail" richtete Adolf Hitler scharfe Angriffe gegen die Reichsregiernng. Er habe es gar nicht nötig, so erklärt Hitler, gegen die Re­gierung zu agitieren. Er könne sich ruhig in die bayerischen Berge zurückziehen und die Politik vergessen. Die Regierung von Papett würde in der Zwischenzeit sein Pro- pagandatverk für ihn durchführen« Deutsch­land sei eine Autokratie geworden, die mit dem zaristischen Vorkriegsrußland zu ver­gleichen sei. Keine Regierung in Deutsch­land könne jedoch ihre Macht gegen den Willen des Volkes behaupten« Hitler wandte sich dann gegen das Wirtschafts­programm der Reichsregierung, unter dem das Volk leiden werde. Er werde dem­nächst eine Erklärung veröffentlichen, in der das Wirtschastsprogramm im ganzen und in den Einzelheiten behandelt werde. Das Programm sei in erster Linie zum Scheitern verurteilt, weil es nicht vom Vertrauen des Volkes getragen sei und weil es < die lebenswichtige Frage der Vermehrung der

Erzeugung nicht berühre. Die nationalsozia­listische Bewegung würde einen ausgcreis- ten Plan für die Behandlung der wirt­schaftlichen Fragen Deutschlands in Kraft setzen, der sicherlich die Zustimmung des Reichstages und des Volkes finden würde. Die Nationalsozialisten würden siegreich sein und Deutschland neues Leben und neue Größe bringen. Abschließend erklärte Hit­ler, auf die Worte eines Regierungsan­hängers Bezug nehmend, daß das Volk von den seit der französischen Revolution gelehrten giftigen Grundsätzen befreit wer­den müsse:Dies scheint zu bedeuten, daß der Wille des Volkes von jetzt ab als nichtvorhanden betrachtet werde. Ich kann versichern, daß die an der Macht Befind­lichen, falls sie versuchen, das Volk so zu behandeln, wie es vor der französischen Revolution behandelt wurde, einer Sache sicher sein können, nämlich, daß sie eine Revolution hervorrufen werden, die mög­licherweise noch heftiger sein wird als die französische Revolution."

Köln, 25. Sept. Die KPD. veranstaltete am Sonntag in der Kölner Rheinlandshalle eine Kundgebung. Während diese Veranstaltung ruhig verlief, kam es im Laufe des Tages in der Stadt mehrfach zu Ausschreitungen. So wurden am Nachmittag in Köln-Kalk Polizeibeamte, die einen kommunistischen Umzug auflösen wollten, von allen Seiten mit Steinen, Flaschen usw. beioorfen und auch beschossen. Die Beamten mußten schließ­lich von der Schußwaffe Gebrauch machen. Bei

einer Hansdurchsuchung fand man später eine» 25jährigen Arbeiter mit einem schweren Vecken- schuß auf. Der Schwerverletzte ist im Krankenhaus gestorben. Zwei Polizeibeamte sind verletzt wor­den. Zwanzig Personen wurden verhaftet. Bei einem kommunistischen Uebersall aus National­sozialisten wurde» zwei NSDAP.-Mitglieder ver­letzt.

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Herriots große politische Rede in Gramst

Paris, 25. September. Während eines Festessens, das am Sonntag in Gramat gegeben wurde, beschäftigte sich Her riot .in einer großen Rede mit finanz- und koirtschastspolitischen Fragen, vor allem jaber mit der Abrüstung, Sicherheit, und der deutschen Gleichberechttgungssorderung. Herriot benutzte die Gelegenheit, um gegen die deutsche Forderung Stellung zu nehmen und die Reichsregierung der offenen Ver­letzung des Bersailler Vertrages zu be­schuldigen. Die Schaffung des Reichskura­toriums für Jugendcrtüchtigung bezeich­nete Herriot als die Vorbereitung der Ju­gend zum Kriege. Frankreich, so betonte er, sei nur von dem einen Gedanken des Friedens beseelt (!!). In diesem Punkt ist unser Programm, das wir erst kürzlich in unserer Antwort an Deutschland dar­gelegt haben, klar und unzweideutig. Wir führen die Politik des Völkerbundes vor der alle Völker gleich sind, und die mit den geheimnisvollen Prozeduren bricht, aus denen so viele Kriege hervorgegangen sind. Wir stellen mit Freuden fest, daß wir nicht die einzigen sind, die erklären, daß eine Wiederaufrüstung Deutschlands die Wiederkehr neuer Wahnsinnstaten bedeuten würde. An Beweisen dafür mangelt es auch außerhalb der sehr deutlichen Kund­gebung nicht. Der Erlaß vom 13. Septem­ber organisiert die Jugend in einer Weise, die sie dazu eignen soll, Waffen zu tragen. Es ist eine der größten Traurigkeiten un­serm Zeit, wenn man zusehen muß, wie die neue Generation, die eigentlich von der traurigen Erfahrung ihrer Vater gelernt Laben sollte, zu Uebungen herangezogen und

an Handlungen gewöhnt wird, die nichts mit der moralischen Abrüstung und mit dem Frieden gemeinsam haben. Wie kann man Kindern die Kunst zu töten beibrin­gen? Welcher Schwindel, dauernd von der materiellen Abrüstung zu sprechen, wenn nichts getan wird, um die moralische Ab­rüstung zu ermöglichen, und wenn man mittelbar oder unmittelbar, öffentlich oder geheim die herrlichsten Kräfte des Lebens für die unheilvollsten Werke des Todes vorbereitet, und wenn man die Gemüter aufwiegelt, denen der heutige Stand der Industrie zu gegebener Zeit die Mittel an die Hand geben könnte, um die Menschen zu zerstören! Frankreich, das man so oft böswillig verleumdet hat, kann die Welt zum Zeuge« dafür anrufen, -atz es nicht von dieser Seuche befallen ist, und daß seine nationale Erziehung andere Ziele ver­folgt."

Zur Frage der Abrüstung erklärte Herriot u. a., es sei wahr, daß die Verbündeten des letzten Krieges versprochen hätten, abzurüsten. Man ver­gesse zu oft nicht nur das Vorwort des 5. Teiles des Bersailler Vertrages, sondern auch das von Clemencean im Namen der Verbündeten über­reichte erläuternde Dokument, das feststelle, daß die Abrüstung Deutschlands den ersten Schritt zur allgemeinen Abrüstung darstellt. (! y

Herriot wies dann weiter auf die Frage der Sicherheit hin. Er werde nicht müde werden, darauf hinzuweisen, daß im Sinne des Geistes und des Buchstaben des Artikels 8 der Völkerbunds­satzungen Frankreich, das die Abrüstung mehr her­beisehne als irgendwer, diese in der Sicherheit wünsche. Schiedsgerichte, militärische und wirt­schaftliche Sanktionen seien notwendige Voraus­setzung für die Lösung des Problems. Die Völker

wünschten den Frieden, aber noch mehr die Sicher­heit. Der organisierte Frieden müsse die völlige Ausschaltung der Gewalt als Mittel zur Lösung internationaler Konflikte mit sich bringen d. h. die klare und deutliche Verpflichtung für die Parteien, sich Schiedssprüchen zu fügen und im Falle des Zuwiderhandelns eines Staates die Pflicht zur sofortigen Intervention mit allen Mitteln an der Seite des Staates, dessen Rechte verletzt sind, an der Seite des gesamten Völkerbundes. Diese Doc- trin sei auch heute noch diejenige Frankreichs. In diesem Zustand des gegenseitigen Friedens würde die Lösung des von Deutschland aufgerollten Pro­blems nicht stören. Man muß ein Friedensstatut errichten, das alle europäischen Völker in dem glei­chen Zustand der Sicherheit vereint, und das selbstverständlich Deutschland seine volle Sicherheit garantiert. Er glaube zu misten, daß hervor­ragende Mitglieder des Völkerbundes gegenwärtig ein Progamm ausarbeiten, das die Abrüstung in ein Verhältnis zur Sicherheit stellt.

Unter den gegenwärtigen Umständen beabsichtige Frankreich, auf der völligen Achtung der Friedens­verträge und der Völkerbundssatzung zu ver­harren.

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Brünn, 24. Sept. Um 9.15 Uhr wurde im Schwurgerichtssaal des Brünn er Reichsgerichts das von der gesamten sndetendeutschen Öffentlich­keit mit Spannung erwartete Urteil im Brünner Hochverratsprozeß gefällt. Das Urteil lautet:

Die sieben Angeklagten sind schuldig, sich seit den Jahren 1930, 1931 und 1932 in einigen Orten der tschechischen Republik zu Anschlägen auf diese vereinigt zu haben und zu demselben Zwecke in unmittelbare oder mittelbare Verbindung mit fremden Faktoren getreten zu sein, und haben zu demselben Zwecke bewassnete Kräfte gesammelt, organisiert und ausgebildet, wodurch sie sich des Verbrechens des § 2 des Schutzgesetzes strasbar machten. Sie sind deshalb gemäß dieses Para­graphen verurteilt worden: und zwar:

Dr. Alexander Petermichel zu 18 Monaten Staatsgesängnis, Ingenieur Halber zu drei Jah­ren Staatsgesängnis, Palide zu 15 Monaten Staatsgesängnis, Downhäuser zu zwei Jahren Staatsgesängnis, Schwab zu einem Jahr Staatsgesängnis, Jlling zu drei Jahren Staats­gefängnis und Mctzner zu drei Jahren sowie zu den Verlusten aller bürgerlichen Ehren­rechte. Die Untersuchungshaft wird ihnen an­gerechnet.

Die Verteidiger werden Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung anmelden. Die Angeklagten nah­men das Urteil mit Rübe auf.

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Die Entscheidungen, vor denen gegenwärtig oas deutsche Volk steht, find vielleicht für seine Zu­kunft bedeutsamer als irgendwelche der nachrevo- lutionären Zeit. Es ist außerordentlich wichtig, daß gerade jetzt von den Trägern der deutschen Zukunft keine Fehler gemacht werden. Die ganze Entwickelung der vierzehnjährigen Nachkriegszeit war fehlerhaft, nicht nur in dem ersten Ab­schnitt 19181923, als die Weimarer Koalitioif (Sozialdemokraten, Zentrum und Demokraten) re­gierte, sondern auch von 1924 ab, als die bürger­lichen Parteien der Mitte, insbesondere Luther und Stresemann und ihre Deutsche Volkspartei, die mit Sozialdemokratie, Zentrum und Demo­kraten diegroße Koalition" bildeten, uns einePolitik des Wiederaufbaues" mit Silber- streifen und dergleichen vorgaukelten. In Wirk­lichkeit ging es von 1924 an nicht vorwärts, son­dern immer weiter abwärts, weil nämlich dass System des 9. November 1918 und der Weimarev Koalition beibehalten wurde, Ersiillungspolitik und zerstörende Wirtschaftspolitik, Jnternationalisie- r»ng Deutschlands und Knechtschaft im Dienste des internationale.:: Großkapitals, Aufzehrung des deutschen Volksvermögens, Verarmung, Verschul­dung, Proletarisierung, geistige Abrüstung, sittliche Zermiirbung und Verwahrlosung waren die Folge^ Die Rettung und Aufwärtsentwickelung Deutschlands kann nur kommen von der völ­kischen Idee und Ethik, von der völkischen Be­wegung, die endlich in Gestalt der NSDAP. durch Adolf Hitler zu einer gewaltigen politischen und einer ebenso starken sittlichen Macht geworden ist,

die allein die allgemeine sittliche Erneuerung und völkische Wiedergeburt des deutschen Volkes zu­wege bringen kann und wird.

Der politische und wirtschaftliche Wiederauf­stieg kann nie mit nur politischen und nur wirt­schaftlichen Mitteln ermöglicht werden, eine Idee muß dahinter stehen, die mit unwiderstehlicher Gewalt alle deutschen Herzen zwingt und mitreißt, die zur völkischen Willensbildung führt, so daß das Volk zur tatsähigen Volkspersönlichkeit wird« Bis vor kurzem hatte auch die Deutschnationale Partei ähnliche Gedankengänge und Ansichten übe? eine deutsche Politik des Wiederaufstiegs, die von dernationalen Opposition" getrieben werde» müsse, vertreten, und mit uns dasSystem" be­kämpft, obwohl sie sich früher einige Male mit der Deutschen Volkspartei und dem Zentrum, in Koa- litionsregierungen verbündet hatte. Und nun dal Zwischenspiel der Papen-Regiernng! Sie behanp tet, dem deutschen Volke die Rettung bringen zr können, und verlangt vom erwachten Deutschland, daß es sie unterstützen und ihre Führung aner­kennen müsse. Sie und die kleinen Gruppen, die hinter ihr stehen, beweisen damit, daß sie von den eben erwähnten, uns längst in Fleisch und Blut übergegangenen Gesetzen der Völkerentwickelung und der nationalen Erhebung noch gar nichts be­griffen haben. Das gilt auch von den Deutsch- nationalen und dem Stahlhelm. Aber jetzt macht gerade deren Presse den Nationalsozialisten bit­tere Vorwürfe, daß sie von ihrer bisherigen politischen Linie abgingen, indem sie den Demo­kratismus und die Parteienherrschaft stützten und sich anschickten, eine Koalition mit dem Zentrum' zu schließen. Das Zentrum sei nicht national, wohl aber sei diePräsidialregierung" national, hinter diese müßten die Nationalsozia­listen sich stellen. Wie steht es damit?

Die Regierung von Papen ist von» Herrenklub" des Freiherrn von Gleichen» Rußwurm aus Tannroda in Thüringenge­macht". Sie hat auch, nachdem sie eingesetzt wor­den ist, ganz und gar die Politik des Herren« klubs getrieben. Der Herrenklub hat, wie Gras Ernst zu Reventlow in seinemReichswart" aus­führte, die Regierung Mipcn geheim, lange und sorgfältig vorbereitet, nicht zum wenigste« auch psychologisch beim Reichspräsidenten. Die Ersetzung in Masse von höheren Beamten, z. B. van Land­räten und Polizeipräsidenten, ist ausschließlich