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Verlag und Geschäftsstelle: Papenstraße 15, Redattion: Langen- straße 48. Sprechstunde der Redattion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 25878.
Die BAI erscheint Werktags und kostet 1.90 frei Saus, durch die Post zuzüglich 36 dH-/ Bestellgeld.
Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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Win ksmpfsn liii» üs» Volk
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Neuschaffung von 25- bis 28VVV Bauernstellen.
Schwerin, 23. Sept, -
Die nationalsozialistische Landtagssraltion lhat ein ausführliches Schreiben an den Ministerpräsidenten von Mecklenburg-Schwerin, Pz. Granzow, gerichtet« In diesem Schreiben bittet die Fraktion, durch das Staatsministerium bei der Reichsregierung dafür einzutreten, daß eine großzügige Arbeitsbeschaffung in Mecklenburg-Schwerin mit sofortiger Wirkung einsetzt-
Jn einer dem Schreiben beigefügten längeren Begründung wie auch in ausführlichen Anlagen entwickelt die Fraktion einen Ar- beitsbeschassungsplan, wie er bisher noch in keinem Freistaat in Angriff genommen wurde. Es handelt sich darum, zunächst 15VV« bis 18VVV halbbauerliche Land- stellen in vollbäuerliche Landwirtschaften umzuwandeln. Fernerhin sollen 8800 bis 1V0VS neue Siedlerstellen geschaffen werden. Das Ergebnis dieses Programms würde bedeuten, daß im Lause von Verhältnis-
Stillegung der Waggonfabriken
Nach Pressemeldungen wird sich trotz den demnächst zu erwartenden Reichsbahnausträgen eine vorübergehende Stillegung der Waggonfabriken, wie sie bereits angekündigt worden ist, nicht vermeiden lassen, da die noch vorliegenden Aufträge den Werken nur noch bis Mitte oder spätestens Ende Oktober Beschästigungsmöglich- keiten bieten. Die neuen Roichsbahnaufträge werden übrigens der Waggon industrie lediglich eine Teilbeschäftigung bringen können, weil sie nur einen Bruchteil der in normalen Zeiten von der Reichsbahn für Waggonbestellungen ausgegebenen Beträge ausmachen.
Entlassungen bei der AEG.
Am 15. und 16. September wurden in Berlin in den AEG-Fabriken Ackevftvaße etwa 250 Arbeiter entlassen. Außerdem wurden 30 Angestellte gekündigt.
Zum 14. Oktober 1932 wurde ein weiterer Stillegungsantrag für 250 Arbeiter gestellt. Die Belegschaft bestand schon am 1. September nur Noch aus etwa 1840 Arbeitern.
Im Forschungsinstitut der AEG. wurde am 1. September ebenfalls etwa 20 Angestellten gekündigt.
Lparvorhabcn der Kölner Postverwaltung
Soeben werden in Köln einschneidend« „Spar"-Pläne der Post bekannt, die sich katastrophal auswirken müssen.
So wird zurzeit „nachgeprüft", wie weit die Mittagsschalterstlmden in Wegfall kommen können. Auch die abendliche Auslieferung soll gedrosselt werden. Es wird geprüft, die Geldzu- stelllmg zu „vereinfachen", die Paketbeliefe- rmig später zu legen usw. Auch untersucht man insbesondere, wie wett es möglich ist, die jetzige dreimalige Briefzustellung in eine zweimalige zu verwandeln.
Prodnltionseinschränkung
in der Papierindustrie»
Die schlechte Lage der deutschen Papier- Und Papievstofsindustrie war Anlaß dafür, eine Kommission mit der Ausarbeitung eines Sanierungsplanes zu beauftragen. Diese Kommission schlug vor, eine Betriebseinschvänkung durch Einführung eines wöchentlichen Ruhetages vor zunehmen, ferner Verlustbetriebs aus dem Produktionsprozeß auszuschalten und schließlich durch Fachgruppen das Pveisproblem regeln zu lassen. Es haben nunmehr 90 Prozent der Papier- und Papievstoffrndustrie der generellen Betriebseinschränknng um ein Sechstel durch
mäßig kurzer Zeit 25 030 bis 28000 lebensfähige Bauernstellen in Mecklenburg-Schwerin neu erstes» würden. Dieser auf Jahre hinaus den Arbeitsmarkt ungeheuer belebende Plan bedeutet aber auch für Handel, Handwerk und Gewerbe einen ungeheuren Aufschwung, wird doch durch Neubauten, Erweiterungen der Hosbauten, durch Errichtung von Scheunen und Vergrößerungen, durch Kauf von Wirtschastsgeräten und landwirtschaftlichen Maschinen eine Belebung auf dem Wirtschaftsmarkt eintreten. Die Erhöhung der Kaufkrast wird nicht nur dem örtlichen Gewerbe, sondern auch dem Staate und dem Reich von Nutzen sein.
Die Kostenfrage, die Grundbedingung für dieses nationalsozialistische Arbeitsbeschaf- sungsprogramm, ist ebenfalls in praktischer Weise gelöst worden. Das Reich würde durch eine solche wahrhafte Ankurbelung der Wirtschaft Ersparnisse in der Arbeitslosen- und Wohlsahrtssürsorge haben. Aus diesen Ersparnissen, wie auch aus den erhöhten Steuereingängen ist eine tatsächliche Deckung der Unkosten errechnet worden. .
Einschaltung eines wöchentlichen Ruhetages zugestimmt. Diese Maßnahme wird seit wenigen Tagen verwirklicht.
Xommunisliseksn i^üplivi' vsnksttsl
Tilsit, 23. September. Bei der Paßrevision im Exprcßzug Moskau-Berlin stieß die Kriminalpolizei der Pahüberwachungsstelle des Tilsiter Bahnhofs auf einen Mann, der offenbar mit einem falschen Paß reiste. Es handelt sich um einen langgesuchten Kapitalvcrbrecher und zwar um den 18jährigen Kommunisten Kuhnert, der am 17. Februar 1932 gemeinsam mit anderen Junglom- munisten ein nationalsozialistisches Verkehrslokal in Röntgental bei Berlin überfalle« hat, in dem sich aber keine Nationalsozialisten befanden. Kuhnert hat bei diesem Ileberfall einen sozialdemokratischen Arbeiter erschaffen und zwei weitere Personen schwer verletzt. Nach der Tat ist er gemeinsam mit einigen anderen Teilnehmern des
Berlin, 23. September. Die schaffenden Schichten haben in ihrem Abwehrkampf gegen die Notverordnung des Herrenklubs und des Herrn von Popen beachtliche Erfolge erzielen können. Das einmütige Zusammenstehen der Arbeiter im Kampfe um ihre Rechte und um ihre Lebenshaltung hat trotz der Sabotageversuche der bedeutungslosen deutsch nationalen Streikbrecher-Organisationen dazu geführt, daß die Unternehmer, die sich der Notverordnung des Herrn von Papen bedienen wollten, um die Löhne zu kürzen, den Rückzug antreten mußten.
Die Proteststreiks in der Berliner Metallindustrie haben z. B. in den Rieles-Werken in Berkin-Weitzensee dazu geführt, daß die Werksleitung unter dem Druck der Arbeiterschaft erklärte, auf -ie Anwienduug der Papenschen Hunger- verordnung vernichten g« wollen«
Auch in der
Maschinenfabrik Stock in Berlin-Marienfelde
wurde der passive Widerstand der, Arheiter-
Uebcrfalles nach Rußland geflohen. Was ihn jetzt bewogen hat, mit einem falschen Paß nach Deutschland zurückzukehren, steht noch nicht fest. In seinem eleganten Lederkosser fand man ein Tagebuch, das der Polizei nähere Auskunft über sein Treiben geben dürfte. Gefesselt und stark bewacht wurde er dem Tilsiter Gerichtsgefängnis zugeführt, von wo aus er von Berliner Kriminalbeamten abgeholt und nach dem Moabiter Untersuchungsgefängnis überführt wurde.
SVIoi'üi'sieksdsnnsp VKIsu sulgsiöst
Berlin, 2g. Sept. Auf Anordnung des stellvertretenden preußischen Staatskommiffars Dr. Bracht verfügte der Regierungspräsident von Nie- derschlesien, Dr. Hopp, die Auslösung der Ortsgruppe Ohlau des Reichsbanners, Veranlassung dazu gaben die blutigen Vorgänge am 10. Juli. Die Staatsregierung sieht in dem Verhalten der Reichsbannerortsgruppe Ohlau bei den blutigen Vorfällen am 10. Juli einen Verstoß gegen 8 2 des Vcreinsgesetzes, nach dem Vereine ausgelöst werden können, deren Zwecke gegen die Strafgesetze verstoßen.
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Paris, 23. September. Der erste Abschnitt der großen Manöver in der Gegend von Cha- los sur Marne ist beendet, nachdem die Nordarmee einen entscheidenden Sieg über die Südarmee davongetragen hat und damit den Beweis lieferte, daß die Motorisierung des Heeres sowohl in der Verteidigung wie auch im Angriff ganz bedeutende Vorteile bietet. Luftfahrtminister Patnleva wohnte dem letzten Abschnitt der Manöver bei, die sich unter besonders starker Beteiligung von Lnftstreitkräften abwik- kelten.
In diesem Zusammenhang darf nicht unerwähnt bleiben, daß sich die Pariser Presse sehr eingehend mit den deutschen Manövem befaßt, die sie als einen Bluff bezeichnet, um die Machtlosigkeit der Reichswehr zu beweisen. Das „Echo de Paris" bringt außerdem ein Bild einer auf Luftgnmmireifen montierten Kanone und erklärt dazu, daß es sich hierbei um eine offensichtliche Verletzung des Ver- sgiller Vertrages handele. Das auf Gummireifen montierte Geschütz sei dazu bestimmt, von einem Motorschlepper transportiert zu werden. Der Reichswehr sei jedoch durch den Versailler Vertrag die Motorisierung untersagt.
schuft abgebrochen, nachdem die Betriebsleitung die Lohnraub-Bestimmnngen zurückgenommen hat.
Aehnliche Erfolge wurden
in verschiedenen Werken in Adlershof
. erzielt.
Der unter Führung der NSBO. in dem Guß-Stahlwerk Wittnmnn in Hagen-Haspe durchgeführte-Streik gegen die Papensche Verordnung — hier stellten bekanntlich uniformierte SA-Leute die Streikwache — hat ebenfalls vollen Erfolg gezeitigt.
Die Werksleitung hat die Lohnkürzung zurückgezogen und die streikenden Arbeiter wieder eingestellt.
Auch bei den
Kabelwerken Rcinshagen in Ronsdorf bei Wuppertal hat die Werksleitung klein beigeben müssen.
Der Herrenklub scheint seine Fähigkeiten doch überschätzt zu haben. Der deutsche Arbeiter läßt sich nicht widerstandslos zum Kuli einer machtlüsternen Clique machen.
MvI-dNISItLSei'VVoeks
Während Deutschland nach einem heißen, ge- witterschwangeren Sommer durch die politische Erregtheit dieses Herbstes wieder einem furchtbar drohenden Notwinter entgegengeht, beginnen auch die Bilder auf der Bühne der großen Politik wieder bewegter zu werden und das Treiben hinter den Kulissen, das in diesem Sommer weniger denn je geruht hat, ist bereits von einer beängstigenden Lebhaftigkeit.
Am Mittwoch ist in Genf das
Büro der Abrüstungskonferenz zusammengetreten,
Um als ersten Punkt der Tagesordnung durch den Präsidenten Henderson das Schreiben der deut-, scheu Regierung verlesen zu bekommen, in dem das deutsche Fernbleiben von der Konferenz begründet wird. Alle Versuche Frankreichs und Englands, die Verhandlungen trotzdem in Gang zu bringen und das Fehlen Deutschlands völlig zu ignorieren, haben es nicht fertiggebracht, den Eindruck zu zerstören, daß eine Abrüstungskonferenz ohne Deutschland ein Ding der Unmöglichkeit ist. In der lustlosen und langweiligen Stimmung sind selbst die Attacken des Russen Litwi- now fast unbemerkt verpufft. Man wußte sich nicht anders zu helfen: man hat erst einmal gewartet, bis Außenminister von Neurath in Genf eingetroffen war, um an der Sitzung des Völkerbundsrates teilzunehmen. Hat man einen deutschen Außenminister überhaupt erst einmal in der Stadt am herrlichen Lac Leman, dann hofft man auch, mit ihm zu Verhandlungen zu gelangen, und verhandelt man erst, dann wird man ja auch wohl zu einem Ergebnis kommen. Vorläufig jedoch hat Herr v. Neurath sich mit dem Streit Bolivien—Paraguay oder mit der Festsetzung des Termins für eine Weltwirtschaftskonferenz oder mit der Prüfung des Lytter-Berich« tes über die "
Lage in der Mandschurei
zu besaßen.
Und damit sieht sich der Völkerbund Plötzlich wieder einmal in den Zustand vollkommener Ohnmacht versetzt, was immer dann eintritt, wenn ein Problem der praktischen Politik von ihm eine Lösung fordert.
In diesen Tagen ist es ein Jahr her, daß japanische Kanonen ihre Geschütze auf die mandschurische Hauptstadt Mulden richteten. Mulden wurde eingenommen, die Japaner besetzten die Mandschurei, die mißlungene Besetzung Schanghais sollte den chinesischen Boykott brechen. Die Rechnung ging nicht aus; es gelang jedoch, im Schutze der Brandwolken von Schanghai die Mandschurei fast unbemerkt ganz in die Hand zu bekommen, so fest, daß am 16. September der Vertrag zwischen Japan und dem „selbständigen" Staate Mandschukuo abgeschlossen werden konnte.
Japan übernimmt den militärischen Schutz des neuen Staates nach außen; alle Bahnen werden der Verwaltung der japanischen Süd- mandschurischen Bahn unterstellt; japanische Beamte überwachen die Einhaltung der Verträge; japanische Bürger haben unbegrenzte Freiheit, sich niederzulassen, zu reisen^ und Handel zu treiben. Die Mandschurei soll nach dem Willen Japans zu einem zweiten Korea werden, heute noch „unter dem Schutz Japans", morgen eintz japanische Kolonie.
Damit hat die japanische Politik ein Ziel erreicht, das ihr aus der ungeheuren Menschenfülle und dem Raummangel der japanischen Inseln seit Jahrzehnten als drängende Aufgabe erwachsen ist. Die Sicherung dieses Zieles wird jedoch von Tag zu Tag mehr zu einem der großen Probleme der Weltpolitik. Die Vereinigten Staaten beobachten mit immer größerem Argwohn die Erfolge Japans, Chinas Jugend ruft zum Kampf gegen den japanischen „Imperialismus" 200 000 Soldaten der Roten Armee stehen marschfertig an der russisch-mandschurischen Grenze. Der Osten glüht wieder einmal in einem düsteren, gefahrdrohenden Rot. Ist es Zufall, daß Japan seinen Erdölbedarf allmählich immer stärker statt in Amerika in Rußland zu decken versucht, daf
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