Ausgabe 
(23.9.1932) Nr. 212
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»In. 212.

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Nie hat Binge«, dieDomäne" der Zentrnms- pattei, so viele Bauern zusammengesehen, als bei der letzten BauernkundgMüig am Sonntag. Un­ter größter Spannung trat

Pg. R. Wallher Darrt, der Reichsfach­berater für Landwirtschaft der NSDAP,

«n das Rednerpult. Ausgehend von dem ver­öffentlichten Brief des Grafen Otto von Kömgs- marck gegen die NSDAP-, der sich von selber richte, erzählte er zunächst von dem unerbittlichen Ringen des Führers um die deutsche Volksseele. Herr Papen aber glaubt nun allein, ohne das Volk weiterznregieren zu dürfen. Ein Bismarck hatte noch die Aufassung, daß über einen Staats­mann der Erfolg entscheide, Herr von Papen aber scheint der Meinung zu sein, daß über einen Staatsmann der Mißerfolg entscheide. Die Not- Verordnung läßt von der Landwirtschaft über­haupt nichts hören. Ein Satz in der Notverord­nung heißt z. B-, daß Steueranrechnungsscheine nur der erhält, der 1. mit keiner Steuer im Rückstand ist, und 2. die Steuern bar be­zahlt. Wo gibt es aber heute noch Landwirte, die nicht mit ihren Steuerzahlungen noch im Rück­stand sind, und die immer bar bezahlen können?

Das Kabinett Papen ist restlos entlarvt als ein vom Leihkapital geführtes Werkzeug in Verbin­dung mit krassester Sozialreaktion und Landwirt- schastsfeindlichkeit. Anstatt die Landwirtschaft

Berlin, 22. Sept. In wie unerhörter Weise die Machthaber Rat-Preußens die Steuergroschen des Volkes verschleudert ha­ben, haben wir in einigen Veröffentlichun­gen gesagt, aber je tiefer man in die Fülle des Materials eindringe» um so lieblichere Sachen kommen ans Tageslicht. Jetzt stellt sich heraus, daß die in den letzten Wahl­kämpfen auffällig viel benutztet» Tonfilm­wagen und Tonfilmapparaturen der SPD., die im ganzen Lande herumreisen, aus Staatsgeldern bezahlt worden sind. Braun, Severing «nd Grzesinski ließen von sich Tonfilme herstellen, in denen sie Wahl- reden hielten. Das Berliner Polizeiprä­sidium bzw. ein hoher Beamter dieses In­stituts hatte den Auftrag, 6 Phono-Box- apparate für insgesamt 2000V Mark zu kaufen. Zu diesen Apparaten kamen noch Tonkoffer, die auch! eine große Summe kosteten.

Außer den Kurzfilmen, die die System­größen zeigten, wurde ein größerer Film gedreht, der die Großtaten der Sozialdemo- kratie als Regierungspartei in Preußen marktschreierisch anpries. Derselbe Beamte des Berliner Polizeipräsidiums, der die Apparate gekauft hatte, verfaßte mit meh­reren Ministerialräten und Regiernngsräten zusammen in monatelanger Arbeit das Ma­nuskript. Was die Beamten für ihrekünst­lerische" Tätigkeit erhalten haben, ist bis jetzt leider noch nicht festgestellt. Festge­stellt ist aber, daß die Herstellung des Films 18060 Mark kostete, wovon Herr Severing 3000 Mark aus Staatsmitteln an die Tonfilmfirma zahlte, während 15000 Mark Über Ministerialrat Hirschfeld vom preu­ßischen Innenministerium aus Steuermitt- teln bezahlt wurden.

Der Ministerialrat Dr. Hirschfeld, durch

von ihrer Zinsenlast zu befreie», gegen die aus­ländisch« Preisschleuderei zu sichern und sie in den Mittelpunkt eines großzügig angefaßten Arbeits­programmes z« stellen, jagt er weitere 1500 Mil­lionen Mark in die Tasche der Pleite-Großbanken, und gibt Lohnzufchüsse in Betriebe, die bisher rück­sichtslos die Arbetter auf die Straße warfen.

Wenn der Landwirtschaft heute geholfen werden soll, dann nur, wenn die Wirtschaftspolitik hun­dertprozentig auf den autarkischen Staat hin­steuert. Es ist ferner ein Verbot aller Zwangsver­steigerungen notwendig, damit der Landwirt wie­der einmal eine Atempause hat, und schließlich eine generelle Senkung der Zinslasten zur Beruhi­gung in der Landwirtschaft.

Die Landwirtschaft ist kein Teil der Wirtschaft, sondern deren Voraussetzung. Ein gesundes Bau­erntum ist die Blutquelle als Voraussetzung des Volkstums überhaupt. Ein solcher Staat kann aber mit dem Kabinett Papen nicht aufgebaut werden, «nd darum mutz auch der Kampf uner­bittlich und bedingungslos bis zum endgültigen Sieg weiter gefochten werden. Entweder regiert ein Volksstaat, vom Bauerntum und Blut auf­bauend, ein deutscher Staat der Deutsche», oder in Deutschland regiert das Börsentum. Wo Men­schen miteinander ringen, da siegt der härtere Wille, und dieser härtere Wille liegt bei uns, das werden wir in nächster Zeit beweisen.

bessert Hände ja bekanntlich fast alle jene Gelber flössen, die im Interesse Rot-Preu­ßens vergeudet wurden, läuft immer noch frei herum.

Die großen Marxisten-Töter und Angius- stall-Ausmister Papen und Bracht halten es nicht für nötig, gegen diese übliche Blüte aus dem marxistischen Korruptionssumpf

Berlin, 22. Sept. Die Zahl der bei den Arbeits­ämtern gemeldeten Arbeitslosen betrug am 15. September rund 5 200000, lag also nicht wesent­lich über der Zahl vom 31. August. Die Bewe­gungen, die zu diesem Endergebnis geführt ha­ben, waren sehr verschiedenartig. In einzelnen wichtigen Berufsgruppen fand eine Entlastung, in anderen eine Neubelastung des Arbeitsmarktes statt, beides überwiegend aus jahreszeitlichen Ur­sachen. Im übrigen drückt sich in der Zahl der Arbeitslosen auch die starke Zunahme der Arbeits­dienstwilligen aus, die zweifellos über die Zahl vom 31. August (rund 144 000) weit hinausge­wachsen ist. In der Berichtszeit ist die Arbeits­losenzahl um rund 38ÜÜ0 gestiegen, während in der entsprechenden Zeit des Vorjahres eine Zu­nahme um rund 10S000 zu verzeichnen war.

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Berlin, 2. Sept. Wie wir hören, ist damit zu rechnen, daß die Deutsche Bank in Berlin am 1. 10. über 200 Angestellte aus die Straße wirft. Bermeidbar wären diese Massenentlassungen nur dann, wenn bereits am 1. 10. eine 4prozentige Gehaltskürzung eintritt, zum 1. 1. 33 eine neue 2proz. Gehaltskürzung und wenn mit sofortiger Wirkung die Arbeitszeit verkürzt würde. Auf alle Fälle ist damit zu rechnen, daß die Angestellten 1

irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen.

Herrn Severing und Herrn Braun aber stellt man zum Dank für ihreAufbau­arbeit" auch nach ihrem Hinauswurf noch

Gehalt, Dienstauto und Dienstwohnung zur Verfügung!

Wie bekannt geworben ist, beziehen näm­lich die preußischen Minister im Einver­ständnis mit dem derzeitigen Reichskom­missar für Preußen, der v. Papen heißen soll, ihr volles Ministergehalt Wetter.

Aber das ist noch nicht genug. Wie wir aus einwandfreier Quelle erfahren konnten, beziehen die ehemaligen Systemgrößen nicht nur ihr Gehalt weiter, sondern wohnen auch noch nach wie vor in ihren Amtswoh­nungen und das Tollste ist, daß ihnen ihre Dienstautos ebenfalls noch zur Verfügung stehen. Herr Otto Braun, der sich zur Zeit noch fürbeurlaubt" hält, kann sogar mit Einwilligung Papens in der Schorf- heide, in einem preußischen Staatsforst, mannhaft bewehrt mit einer Büchse, seiner Jagdlust auf preußische Böcke und Hirsche frönen.

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Leipzig, 22. Sept. Gegen die Notverordnung zur Auflösung bestimmter Landkreise in Preußen haben diese Landkreise protestierend Stellung ge­nommen und eine ganze Anzahl von ihnen etwa 15, hat Klage beim Staatsgerichtshof aus Ungül­tigkeitserklärung der Verordnung eingereicht. Sie alle verlangen, daß der Staatsgerichtshof durch einstweilige Verfügung der derzeitigen Preußischen Regierung untersage, die Notverordnung anzu­wenden und die bereits getroffenen Bestimmun­gen durchzuführen.

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Köln, 22. Sept. Der Zollfahndungsstelle Köln ist es gelungen, einem umfangreichen Wassen- schmuggel auf die Spur zu kommen. Es gelang, eine Frau festzunehmen, in deren Besitz noch 13 fabrikneue Mehrladepioleu belgischen Ursprungs gesunden wurden. Außerdem konnten zwei Be­teiligte am Morgen des 21. September durch Be­amte der politischen Polizei in Köln-Poll gestellt werden. Da sie zu flüchten versuchten und aus Anruf nicht stehenblieben, machten die Beamten von der Schußwaffe Gebrauch. Einer der Flüch­tenden erhielt einen Oberschenkelschuß und mußte dem Krankenhaus zugeführt werden. Sein Ge­nosse konnte verhaftet werden.

der Deutschen Bank, wenn es nicht zur Entlassung kommt, mit einer rigorosen Herabdrückung des Lohnes zu rechnen haben.

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Arbeitsniederlegung gegen die Papenschen Lohn­kürzungen in Hagen SA. stellt Streikposten Hagen, 21. Sept. Bei dem Gußstahlwerk Wittmann in Hagen-Haspe sollte zum ersten Mal auf Grund der Papenschen Lohnlürzungs-Berord- nung eine Senkung der Löhne um 10 v. H. durch­geführt werden. Der Betriebsrat hat sofort gegen diese Maßnahme Protest erhoben. Von der 500 Mann starken Belegschaft find 400 Mann in den Streik getreten, an dem die nationalsozialistische Betriebszelle, die Freien Gewerkschaften und die RGO. beteiligt sind. Mitglieder der NSBO. stan­den in ihrer SA.-Unisorm Streikposten. Die Braunhemden vor den Fabriktoren stachen jedoch der Polizei so sehr in die Augen, daß sie die NSBO.-Mitglieder zwang, in Zivil Streikposten zu stehen.

In brutaler Weise wurden die streikenden Ar­beiter, die sich nicht mit der neuerlichen Herab­setzung ihrer Hungerlöhne einverstanden erklären wollten, von der Werksleitung fristlos ans ine Straße geworfen.

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Ein erheblicher Stimmenrückgang bei der NS­DAP. scheint bei der Regierungspresse, den Deutschnationalen und dem Stahlhelm eine aus­gemachte Tatsache zu sein, so ausgemacht, daß kaum einer an die praktischen Folgen dieses Wunschtraumes denkt. Wir Nationalsozialisten sind so unparlamentarisch, daß wir den Wert und die schöpferische Kraft unserer Idee, die bereits heute das gesamte politische Leben Deutschlands befruch­tet hat, nicht nach der Zahl der Stimmen be­messen, die die Partei erhält. Und wir können uns selbst h?i einem Stimmenverlust nicht die trostlose Stimmung vorstellen, die uns von un­seren guten Freunden an den Hals gewünscht wird. Aber man spekuliert in diesen Kreisen noch weiter und da scheint es uns doch an der Zeit zu sein, einigen Gedanken Ausdruck zu geben, die von der anderen Seite geflissentlich unterdrückt werden.

DieWeser-Zeitung" berichtet über eine Ver­sammlung des Bremer Stahlhelm, in der Dg Stadler erklärte, daß der Rückgang der NSDAP. besiegelt sei und sich nach den Wahlen durch ein« Krise innerhalb der Partei entweder zu einem dauernden Rückgang, oder einem festen Stand' auswirken würde. Gerettet werden könne die NS­DAP. nur durch die Harzburger Front, die er­zwungen werden müßte.

Obwohl man uns vorwirft, wir dächten nur parteipolitisch, wir seien Vorkämpfer eines un­fähigen Parlaments und anderes mehr, so schei­nen Dr. Stadler und mit ihm der Stahlhelm von den weltanschaulichen Kämpfen der Gegenwart wenig begriffen zu haben und sich ausschließlich in parlamentarischen Kombinationsmöglichkeiten zu erschöpfen. Wir find der Meinung, daß sich in Deutschland zur Zeit die zukunftsträchtige, natio­nalsozialistische, völkische Gedankenwelt ausein­andersetzt, auf der einen Seite mit der marxistisch­materialistischen Lebensauffassung und auf der anderen mit der ebenso klassenkämpferisch einge­stellten liberalistisch, bürgerlich-patriotischen Front, die die sozialistische Kraftquelle unserer Bewegung grundsätzlich und auf das schroffste ablehnt. Be­legt man diese miteinander kämpfenden Geistes­richtungen mit parteipolitischen Namen, so steht die NSDAP. dem Marxismus ebenso schroff gegen­über wie den Deutschnationalen plus Papen, Plus Herenklub, plus Stahlhelm.

Wenn jetzt die DeutschnLtionalen als letzter Hort kapitalistischer Lebensauffassung sich in einer scheinbar günstigen Position befinden, so besagt das doch weiter nicht, als daß die volkszerstören- den Kräfte des Liberalismus sich noch einmal zu einer letzten Entscheidungsschlacht zusammenge­rafft haben, nachdem bereits in den letzten zwei Jahren sämtliche RegierungsMaßnahmen sich von den Gedanken und der Furcht haben leiten lassen, wie ist der Aufbruch der Nation, wie ist der Na­tionalsozialismus und seine Gedankenwelt von der Macht auszuschalten, obwohl weder die Ge­werkschaften noch Herr von Papen in der Lage find, sich der Richtigkeit unserer politischen und wirtschaftlichen Auffassung zu entziehen.

Damit ist der Sinn des Wahlkampfes gegeben. Der Liberalismus als demokratisches Lebensprin­zip versucht unter Mißbrauch einer falschverstan­denen Präsidialregierung und unter Mißbrauch der patriotischen Gefühle des verbitterten Bür­gertums noch einmal seine kapitalistische Macht­stellung in Deutschland zu behaupten. Wer die Notverordnung der Regierung Papen sachlich prüft, wird bei all ihren Maßnahmen sehr bald' feststellen, daß weder der Arbeiterschaft noch dem Werteschaffenden Mittelstand, weder der Klein« industrie, noch der Bauernschaft geholfen wird, sondern daß ausschließlich Leihkapital und Groß­bank Nutznießer der heute für den kleinen Mann schon sagenhaft gewordenen Steuerscheine sein werden. Aber das ist nur ein Beweis, den aller­dings sich alle die Kaufleute und bürgerlichen Ele­mente vor Augen halten sollten, die optimistisch sein wollen und darum fast krampfhaft an einen Erfolg der Papenschen Notverordnung glauben. Und doch ist das nur äußerlicher Vorgang gegen­über der geistigen Zielsetzung, die sich grundsätz.

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