Ausgabe 
(19.9.1932) Nr. 208
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Verlag and Geschäftsstelle: Papenstraße 15, Redattion: Langen- straße 48. Sprechstunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 858 78.

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Berlin, 17. Sept. Amtlich wird mitgeteilt: Das Reichskabinett beschloß ia seiner heutigen Sitzung, dem Herrn Reichspräsidenten, den S. No­vember 1932 als Termin der Neuwahlen znm Deutschen Reichstag vorzuschlagen.

Todesfturz beim NS»-Flugtag Braunschweig, 18. Sept. Bei dem nationalso­zialistischen Flugtag anläßlich der Tagung des nationalsozialistischen deutschen Aerztebundes in Braunschweig, kam es am Sonntag nachmittag zu einem tödlichen Absturz. Der Pilot Albrecht, der von seinem Eindecker aus drei gut gelungene siallschirmabsprlinge photographieren wollte, wurde von einer anderen Maschine gestreift. Aus uuge- sähr 6V Meter Höhe stürzte die Maschine zu Bo­den, nachdem vorher das Leitwerk abgerissen war. Der Pilot war sofort tot. Die Maschine wurde zertrümmert.

Banking Avitt kämpfen

Nanking. Die chinesische Zentralregierung Hat beschlossen;, eine Armee zur Wieder- rroberung der Mandschurei auszustellen. Die Führung im Kampf gegen Japan sollen Marschall Feng und General Jensischan erhalten.

Neuer Bürgerkrieg in China Schanghai. In der chinesischen Provinz Schändung ist ein Bürgerkrieg zwischen -den Anhängern des Gouverneurs von Schen­kung, General Hanfutschi, und denen des chinesischen Generals Liutschenjen ansge- brochen, der in den letzten fünf Jahren das Oberkommando über den Tschefu-Bezirk führte. General Hanfutschi verfügt über 80000 Truppen, während sein Gegner nnr DOM Mann ins Feld stellen kann. Das Kampfgebiet ist bereits zu einem großen Teil von der Zivilbevölkerung geräumt worden.

Chinesisch«: Nationaltrauertag

K Hanghai, 18. September. Aus Anlas des Nationaltrauertages wegen der Besetzung de Mandschurei durch japanische Truppen haben alle öffentlichen Gebäude mit Trauerflor um wundene Fahnen gehißt. In zahlreichen Ver­sammlungen forderten Führer der Kuomintang zum Kamps gegen den japanischen Jmperialis-' mus auf. Japanische Patrouillen haben eine: starken Wachtdienst eingerichtet.

In Hankau wurden acht »Japaner von chi­nesischen Demonstranten bei einem Zusammen stoß verletzt. Chinesische Polizei konnte we tere Zusammenstöße verhindern. In der Um gebung von Hankau wurde in ein japanisches Warenhaus eine Bombe geschleudert. Dabei wurden zwei Japaner getötet.

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Genf, 17. September. Der bolivianische Außenminister hat am Sonnabend telegra­phisch dem Generalsekretär des Völkerbun­des mitgeteilt, daß die paraguahanischen Truppen während der letzten Schlachten den Genfer Rote Kreuz-Konvention gebro­chen hätten, in der sich die Mächte zu einer bestimmten Behandlung der Verwundeten verpflichten. Die paraguahanischen Truppen seien gegen die verwundeten bolivianischen Truppen mit Messern losgegangen. Das Sanitätspersonal, das den Verwundeten zur Hilfe geeilt sei, hätte das gleiche Schicksal erlitten.

Ferner hätten die paraguahanischen Trup­pen die Genfer Rote Kreuz-Konventionen vom Jahre 1929 über die Behandlung der Kriegsgefangenen gebrochen.

Gleichzeitig ist eine Note der paraguayani- schen Regierung eingetroffen, in der diese erklärt, sie sei nach wie vor bereit, alle notwendigen Sicherheitsgarantien zu leisten ruck» einen Waffenstillstand abzuschließen. ^

Das Volk lskl niokt mit slok spislon"

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BraunschweiK 18. Sept. Im Rahmen der 8. Reichstagung der nationalsozialistischen Deutschen Aerztetages sprach der Reichsorganisationsleiter de, NSDAP, Gregor Straßer. Er erklärte n. a., es be­stehe kein Zweifel darüber, daß man sich zurzeit in einer schwierigen Lage befinde, die dadurch ent­standen sei, daß man die selbstverständliche Forde­rung der Nationalsozialisten nach der Macht abge­lehnt habe. Der Sturz Brünings sei ein Kabinett­stück republikanischer Jntrige gewesen. Das SA.- Verbot habe man Groener planmäßig suggeriert, damit er darüber stürze und Brüning mit sich reiße und der neue Kanzler durch Aufhebung des SA.-Verbots eine zunächst günstige Atmosphäre in dem Verhältnis zum Nationalsozialismus schaffe. Dies habe dem Nationalsozialismus im Wahlkampf 1)ä2 Millionen Stimmen gekostet. Man möge zu den großen deutschen Problemen stehen wie man wolle, die notwendigen Rettungsmaßnahmen wür­

den, der Größe der Not entsprechend, von ein­schneidender Art fein. Sie würde« aber nicht durch­zuführen sein, wenn sie besohlen würden, sondern nur, wenn ein großer Teil des Volkes zu freiwilli­ger Mitarbeit bereit sei. Papen könne das beste Wirtschaftsprogramm der Welt herausbringen, er werde doch nicht in der Lage sein, dafür die große Masse zu gewinnen. Die Regierung werde die psy­chologische Grundaussassung nie kennenlernen, weil sie mit dem Volk nichts mehr zu tun habe.

Wenn man glaube fünfmal wählen zu laßen, so irre man sich. Das Volk werde nicht mit sich spie­len lassen und diejenigen beseitigen, die die neue Bewegung an der Machtübernahme hindern woll­ten. Der Nationalsozialismus zerbreche nicht daran, daß er die Macht ein halbes Jahr früher oder später übernehme, sondern nnr wenn er von seinem Programm irgendwie und irgendwann abweiche.

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London, 18. September. Die englische Regierung hat eine längere Mitteilung ver­öffentlicht, in der sie nach einer Versicherung über ihre Bemühungen zur Förderung der Abrüstungsfragen und der Wiederherstellung der Wirtschaft ihre Beobachtungen zu dem deutschen Anspruch auf Gleichberechtigung bekanntgibt. Im Hinblick auf die bevor­stehende Weltwirtschaftskonferenz, auf die großen Zugeständnisse in der Reparations- frage und auf die gegenwärtigen wirtschaft­lichen Bedürfnisse betrachtet sie es als un­glücklich, ungelegen und unklug, daß Deutsch­land seine Forderung jetzt erhoben hat und erblickt darin erhebliche Nachteile. Rechtlich sei die Lage so, daß der Teil V des Ber- sailler Vertrages noch verbindlich sei un­feine Wirkung nur durch allgemeine Ueber- einkunft verlieren könne. Deutschland sei berechtigt zu dem Anspruch, daß durch das Zustandekommen oder Nichtzustandekommen einer Abrüstungskonvention der Teil V des Versailler Vertrages hinfällig werde, weil die anderen Mächte ihr Versprechen nicht erfüllt hätten. Es sei auch keineswegs ge­sagt, daß die Art, wie die deutsche W- rüstung vollzogen sei, auch unbedingt auf die anderen Unterzeichnermächte Anwen­dung finden müßte. England sei aber der Ansicht, daß der deutsche Anspruch sich nicht aus juristischen Ableitungen aus dem Frie­densvertrag ergebe, sondern vielmehr eine Aufforderung zur Berichtigung der Rüstun­gen sei, weil die deutsche Abrüstung der Vorläufer für die Abrüstungen der anderen sein sollte.

England habe schon sehr weitgehend ab­gerüstet. Die englische Regierung macht dann folgenden Vorschlag: Sie erblicke die Aufgabe der Abrüstungskonferenz darin, den Rahmen einer Abrüstungsvereinbarung ge­stützt auf den Grundsatz zu schaffen, daß jeder Staat für sich in Uebereinkunst mit anderen eine Begrenzung ausführt, die er sich selbst auferlegt und freiwillig über­nimmt, und zwar als ein Teil der gegen­seitigen Verpflichtungen von einem Unter- zeichnerstaate dem anderen gegenüber. Als Ergebnis der Vereinbarungen wird es da­her keinen Unterschied imStatus" geben. Die Rüstungen eines jeden werden durch dieselbe Methode überwacht werden. Die- Begrenzungen, Ug bLMtZ durch dir be­

stehenden Verträge wie die Frieden s- verträge und Flottenverträge von Washing­ton und London bestehen, werden, so­weit sie nicht durch gegenseitige Ueber­einstimmung abgeändert werden, in der frei­willigen und allumfassenden Uebereinkunst wieder erscheinen, über die zu verhandeln man sich jetzt gerade anschickt. Dieses letzt­genannte Dokument wird es dann sein, das eine wirksame Verpflichtung für alle ist. Diese Auffassung von der Art und dem Zwecke der Abrüstungskonferenz hieße nach Ansicht der englischen Regierung die Ant­wort auf die Frage des Status, die in der Mitteilung der deutschen Regierung vom 29. August aufgeworfen worden ist. Die Note schließt damit, daß das Ziel sich nicht durch eine scharfe Herausforderung oder durch Richttcilnahme an der Ab­rüstungskonferenz, sondern nur durch ge­duldige Verhandlungen <N) im Verlauf einer Konferenz erreichen läßt.

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Berlin, 19. September. Die amtliche eng­lische Stellungnahme zur deutschen Gleich- berechtigungssorderung, die am Sonntag nachmittag in London veröffentlicht wurde, wurde gleichzeitig in Berlin durch den eng­lischen Botschafter dem Reichsanßenminister überreicht.

Eine amtliche Stellungnahme der Berliner zuständigen Stellen liegt noch nicht vor. doch ist man in politischen Kreisen über die schroff ablehnende Haltung einigermaßen überrascht. Der wesentliche Zweck der Rote scheint zu sein, daß England in irgendeiner Form die Abrüstungskonferenz retten möchte, und daß es versuchen will, Deutschlands weitere Teilnahme zu erzwingen; denn je­des Abkommen, daß evtl. auf der Ab­rüstungskonferenz getroffen werden könnte, wäre ohne Deutschlands Unterschrist wert­los., Unbedingt abgelehnt wird aber der englische Standpunkt, daß jeder Rüstuugs- aüsgleich für den Fall, daß keine tatsäch­lich WrüstML.erfolgt, nnruMsig ist

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In der letzten Ausgabe derDeutschen Wochenschau" veröfsenUicht der Vorsitzende des Reichswirtschaftsrates der NSDAP. das nationalsozialistische Sofortprogramm der Arbeit. Gottfried Feder war als Hauptredner der nationalsozialistischen Fraktion im Reichstage vorgesehen, um die prinzipiellen Denkfehler im Papen-. Programm in aller Öffentlichkeit bloß- zulegen. Er gibt die Grundgedanken der beabsichtigten Ausführungen nunmehr wieder. Nach der vernichtenden Abreche nung mit den Plänen der Reichsregie-! rnng entwickelt Feder das vom Natio­nalsozialismus geforderte Programm, derrf wir den folgenden Auszug entnehmen. Arbeit und Brot in Freiheit und Ehre ist Gesamtinhalt unseres Staats- und Wirt­schaftsprogramms. Arbeitslosigkeit ist Not! und Fluch und Zerstörung von Staat und! Wirtschaft. Beseitigung der Arbeitslosig­keit ist schlechthin die alles überragende! Staatsaufgabe. Arbeitsbeschaffung ist eine! tchnisch-wirtschaftliche Aufgabe und ein finan­zielles Problem. Jede Finanzierung hat aber zur unbedingten Voraussetzung dit, Wiederherstellung einer gesunden deutschen; Währung durch eine grundlegende Aende­rung des Währungs-, Geld- und Kredit­systems. Im einzelnen ist zu fordern:

a) die Wiederherstellung der Reichshoheit über die Reichsbank,

b) die Abkehr von der schematifchen Golds deckung,

e> die Befreiung der Reichsbank von deck illiquiden Finanzwechsel«, Ersatz durch Prodnktionswechscl und Regierungs - sicherheiten,

d) Verstaatlichung des gesamten Geld- verkehrs einschl. des Giralgeldes, Aus-: bau -es staatlichen Bcrechnungsvcr-» kehrs und

e) Staatsaufsicht über das Bankwesen, nach den mit von der NSDAP. im Reichstag seit 13 Jahren aufgestellten Richtlinien, mit denen sich die Wage- mannschen Pläne durchaus verbinden lassen.

Die Arbeitsbeschaffung als technische und wirtschaftliche Aufgabe muß 'in ihrer Tota­lität zur Neugestaltung unseres nationalen und sozialen Lebens beitragen. Genau so wie die Vollendung der technischen Arbeiten das Gesicht des deutschen Bodens weitgehend verändern wird, genau so, wie das bele­bende Bild der im Staffelslußbau ausge­bauten Ströme und Flüsse zusammen mit einem musterhaften Straßennetz, zusammen mit der Kultivierung der Sumpf-, Moor-- nnd Heideslächen, die blühenden Wiesen und Aeckern Platz machen werden, und genau so, wie unsere Städte in ihrer Struktur eins weitgehende Auflockerung und Umsiedlung ausweisen werden, genau so wird sich auch die wirtschaftlich-soziale Struktur verändern auf Stärkung und Hebung der mittelstänü- lerischen gewerblichen Schichten der Bevöl­kerung, durch Dezentralisierung der Pro­duktion und Seßhaftmachung der wurzel­losen Jndustriearbeiterschast. Genau so wird sich aber auch die innere Struktur von Wirtschaft und Finanzen grundlegend än­dern. Jedes Volk ist so reich, als es Arbeit zu organisieren vermag. Dazu gehört nicht nur die klare technische Planung, sondern auch die staatliche Finanzierung. Dazu ist notwendig die Loslösnng vom Goldwahn, von der Golddeckung, die ja de facto längst verlassen ist. Dazu gehört das Wissen-, daß die Jnitiallösung für Belebung der, Wirtschaft vom Staate ausgehen muß. Staatsaufträge haben sich im besonderen zu erstrecken auf Straßenbau, Hochwasser­schutz, Wasserkraftnutzung, Wasserstoffwirt­schaft, landwirtschaftliche Bauernsiedlung und Heimstättenbewegung, Ausbau der Landesverteidigung und große .Einzelauj-