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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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Berlin, 16. September. Reichsanßen-- kluister Freiherr t». Neurath empfing den franzSsischeu Botschafter Franeois-Poncet m»d teilte ihm mit, daß die Reichsregierung Nicht beabsichtigt, die am letzten Sonntag Überreichte französische NMe in der Rüstungsfrage schriftlich z« beantworten. Im gleichen Sinne hat die Reichsregierung auch die übrigen Regierungen verständigt, die seinerzeit über den deutschen Schritt in der kchrfrage unterrichtet worden waren.
, Amtlich wird hierzu mitgeteilt:
Die Reichsregiermrg bedauert feststelle« z« müssen, daß die französische Note das Problem der Gleichberechtigung sowohl in seinen Voraussetzungen wie in seinen Folgen unrichtig auffaßt und daß sie in keinem wesentlichen Punkte eine Annäherung an den deutschen Standpunkt zeigt, wie er in dem deutschen Memorandum vom 29. August dargelegt wurde. Don einer Fortsetzung des Meinungsaustausches auf dem Wege des Notenwechsels glaubt die Reichsregierung sich keine Förderung der Sache versprechen zu können, selbstverständlich ist sie aber nach wie vor zu einem Meinungsaustausch auf dem Wege mündlicher diplomatischer Unterhaltungen bereit.
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Genf, 16. Sept. Das mit großer Spannung erwartete Schreiben der Reichsregierung an den Präsidenten der Abrüstungskonferenz Henderson ist am Freitag vormittag durch den deutschen Generalkonsul dem Direktor der Abrüstungsabteilung des Völkerbundssekretariats, Aghnides, überreicht worden.
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'Genf, 16. September. Das Schreiben der Neichsregierung an den Präsidenten der Abrüstungskonferenz, Henderson, in dem die deutsche Regierung ihr Fernbleiben von der Büro-Sitzung der Abrüstungskonferenz am 21. September angekündigt, hat folgenden Wortlaut:
„Berlin, den 14. September 1932.
Herr Präsident! Im Namen der deutschen Regierung beehre ich mich, Ihnen folgendes mitzuteilen: In den Verhandlungen der Generalkommission, die der Annahme der Entschließung vom 23. Juli L. Js. vorausgingen, hat der Führer der deutschen Delegation die Gründe dargelegt, aus denen die deutsche Regierung diese Resolution ablehnen mußte. Er hat dabei ausgeführt, daß nach dem Stande der Konferenzverhandlungen die Frage der Gleichberechtigung der entwaffneten Staaten nicht mehr länger ohne Lösung bleiben dürfe. Dementsprechend hat er bei diesem Anlaß die Erklärung abgegeben, daß sich die deutsche Regierung an den weiteren Arbeiten der Konferenz nicht beteiligen könne, bevor eine befriedigende Klärung der Frage der Gleichberechtigung Deutschlands erfolgt sei.
Nachdem die Entschließung gleichwohl zur Annahme gelangt ist, steht jetzt schon fest, daß die künftige Abrüstungskonvention weit hinter dem Entwaffnungsregime des Ber- sailler Vertrages zurückbleibt, und daß sie sich von diesem hinsichtlich der Art und Weise der Abrüstung wesentlich unterscheiden wird. Damit ist die Frage unmittelbar aktuell geworden, wie es mit der Anwendung des künftigen Regimes auf Deutschland werden soll. Es liegt aus der Hand, daß ohne Beantwortung dieser Frage eine Regelung der einzelnen konkreten Punkte des Abrüstungsproblcms nicht möglich ist.
Nach Ansicht der deutschen Regierung kann nur eine Lösung in Betracht kommen, die Lösung nämlich, daß alle Staaten in bezug auf die Abrüstung denselben Regeln und
Grundsätzen unterworfen werden, und daß für keinen Staat ein diskriminierendes Aus- nahmeregime gilt.
Um diese Voraussetzung für ihre weitere Mitarbeit an der Konferenz so schnell als möglich zu verwirklichen, hat sich die deutsche Regierung inzwischen bemüht, eine Klärung der Frage der Gleichberechtigung auf diplomatischem Wege herbeizuführen. Leider muß festgestellt werden, daß die deutschen Bemühungen bisher zu keinem befriedigenden Ergebnis geführt haben.
Unter diesen Umständen sehe ich mich zu meinem Bedauern genötigt, Sie davon in Kenntnis zu setzen, daß die deutsche Regierung der Einladung zu der am 21. September Js. beginnenden Tagung des Büros der Konferenz nicht Folge leisten kann. Die deutsche Regierung ist nach wie vor der Ueberzeugung, daß eine radikale Durchführung der allgemeinen Abrüstung im Interesse der Sicherung des Friedens dringend geboten ist. Sie wird die Arbeiten der Konferenz mit Interesse verfolgen uud sich je nach deren Verlauf über ihr weiteres Verhalten schlüssig werden."
Panzerschiff O wird gebaut
Berlin, 6. Sept. Nachdem die Abrüstungskonferenz bisher leine praktischen Ergebnisse gezeitigt
hat, hat die Reichsregierung, wie die „DAZ." aus Wilhelmshaven berichtet, jetzt der Wilhelms- havener Marinewerft den Auftrag gegeben, den Bau des Panzerschiffes O in Angriff zu nehmen. Die Kiellegung erfolgt am 1. Oktober. Die Bauzeit ist auf vier Jahre veranschlagt.
Die erste Baurate für das Panzerschiff O war in den noch von der Regierung Brüning aufgestellten diesjährigen Marinehaushalt eingesetzt worden Die Regierung hatte aber die Einschränkung gemacht, den Baubeginn von den Ergebnissen der Genfer Abrüstungskonferenz abhängig zu machen.
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Berlin, 16. Sept. Die Presseleitung der nationalsozialistischen Reichstagsftaktion teilt mit:
„Reichstagspräsident Goering empfing am Freitag mittag im Präsidentenhause die Vertreter Her gesamten ausländischen Presse, um ihnen die staatspolitischen und staatsjuristischen Fragen darzulegen, die nunmehr bei dem Konflikt zwischen Reichsregierung und Reichstag eine Rolle spielen. Er benutzte ferner die Gelegenheit, eine Anzahl der in den letzten Tagen in der ausländischen Presse über die Vorgänge vom 12. und 13. September aufgetauchten Gerüchte und Kombinationen über Haltung und Absicht der NSDAP. zu berichtigen.*
Das sinrß rUs ttsi'i'sn MsiK unri EZnrssinskU
„vep /^ngnitt" bringt es sn ösn
Berlin, 16. Sept. Vor der 5. Großen Strafkammer beim Landgericht I begann am Freitag vormittag der Beleidigungsprozetz gegen die „Angriff"-Redakteure Pgg. Dr. Lippcrt uud Krause. In mehreren Artikeln des „Angriffs" war dem abgesetzten Polizeivizepräsidenteu Weiß u. a. vorgeworfen worden, daß er in pflichtwidriger Weise gegen bestimmte Spielklubs nicht vorgegangen sei, weil er an diesen finanziell interessiert gewesen sei. Dem früheren Polizeipräsidenten Grzesinski wurde vorgeworfen, daß er diese Handlungsweise Dr. Weiß' gebilligt habe. Grzesinski und Dr. Weiß sind in diesem Prozeß, der das Gericht acht Tage lang beschäftigen wird, nur als Nebenkläger zugelassen.
Der als Zeuge vernommene frühere Berliner Polizeipräsident Grzesinski erklärte bei seiner Vernehmung, daß ihm nichts davon bekannt sei, daß Dr. Weiß an verbotenen Glücksspielen teilgenommen habe. Er selbst habe verschiedentlich in dem Klub „Bühne und Film" verkehrt und sei auch hin und wieder aus dienstlichen Interessen in die Spielzimmer des Klubs gegangen, ohne selbst dort zu spielen. Er habe in dem Klub „Bühne und Film" ein- oder zweimal seinen damaligen Polizeivizepräsidenten Dr. Weiß getroffen. Grzesinski bestreitet die Behauptung des „Angriffs", daß ihm einmal in „Bühne und Film" gesagt worden sei: „Wissen Sie, was hier gespielt wird? Das find die Spiele, die sonst Ihre Polizei verbietet." Dr. Lippert macht Grzesinski darauf aufmerksam, daß diesen Wortwechsel die Schauspielerin Rosa Va- letti mit angehört habe.
Es kommt dann zu längeren Erörterungen über die verschiedene Auffassung der „Nngriffs"-Redak- teure und der Nebenkläger über die strafrechtliche Auslegung des verbotenen Klubsspiels, wobei unsere Parteigenossen auf dem Standpunkt stehen, daß Spiele wie EeartL, Baccarat, Poker Glücksspiele find, wenn sie öffentlich oder gewohnheits- und gewerbsmäßig gespielt werden. Der dann als Zeuge vernommene ehemalige Polizeipräsident Dr. Weiß erklärt, daß er noch Polizeipräsident sei. (!!) Er wendet sich gegen die Vorwürfe des „Angriffs"
und erklärt, daß ihm der schwerste Borwurf, den man gegen einen Beamten erheben könne, gemacht worden sei, nämlich der der Bestechung. Es sei durchaus richtig, so erklärt Dr. Weiß, daß die Krimmalpolizei einen Unterschied zwischen Spielklubuuternehmungen und den übrigen Klubs, in denen gelegentlich gespielt worden sei, gemacht habe. Dieser Standpunkt rechtfertige sich aus Polizeilichen, rechtlichen und auch moralischen Gründen.
Das Spiel als solches werde sich niemals aus- treiben lassen; denn das sei eine Erbeigenschaft der alten Germanen.
Das Gericht erörterte dann die bekannte zehntägige Riviera-Reise des Dr. Weiß, bei der dieser außer der Fahrkarte lediglich 200 Mark mit über die Grenze genommen haben will. Dr. Lippert erklärte, daß ihm von Steinmeier gesagt worden sei, daß Dr. Weiß in Begleitung eines Industriellen — es war der Generaldirektor der Schuhfabrik Tack n. Co- AG., der Jude Krojanker — ebensalls in der Riviera und dem Spielkasino in Monte Earlo gewesen sei. Daraus habe der „Angriff" eine Notiz darüber gebracht, worauf das Landesfinanzamt in der „Angriff"-Redaktion darüber angefragt habe, ob sie näheres darüber wüßte, denn Dr. Weiß habe keine Genehmigung der Deviscnbewirtschaftungsstelle gehabt, mehr als 200 Mark mitzunehmen. Dr. Weiß hat dann genaue Aufstellungen über seine Ausgaben gemacht, so daß es möglich erscheinen kann, daß er mit 2VV Mark zehn Tage au der Riviera (?) ausgekommen ist. Dr. Weiß hat verschiedentlich im Kasino Monte Carlo gespielt.
Der als Zeuge vernommene Kriminalkommissär Greiner, der Leiter des Spieler-Dezernats, bekundete, daß er verschiedentlich Differenzen mit Dr. Weiß betr. der Behandlung der geschlossenen Klubs gehabt habe. Während er auch gegen die geschlossenen Klubs vorgehen wollte, habe Dr. Weiß einen andere« Standpunkt eingenommen. Dr. Weiß habe seinen Antrag, in alle geschlossenen Klubs einzudringen, abgelehnt.
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Es war ein seltsames Zusammentreffen, daß an dem Tage, an dem die gesamte Presse veröffentlichen mußte, ein wie lächerlich kleiner Teil des deutschen Volkes hinter Papen steht, gleichzeitig die
französisch« Antwort
auf das deutsche Gleichberechtigungsverlangen bekannt wurde. Das, was wir vorausgesetzt hatten, ist eingetreten: Frankreich hat direkte Verhandlungen mit Deutschland über eine Umorganisation der Reichswehr und einen Neubau des deutschen Wehrsystems rundweg abgelehnt. Der Versaillcr Vertrag und die Genfer Abrüstungskonferenz find die Bedenken, hinter denen sich Herriot in seiner Antwort verschanzt. Der Versailler Vertrag sei nicht von Frankreich allein unterzeichnet worden, sondern noch von so und so vielen anderen Mächten, also müßten auch die gehört werden, und es sei daher sinnlos, mit Frankreich allein zu verhandeln. Eine Antwort, durch die der Reichsregierung die Zwccklosigkeit ihres Pariser Schrittes klar geworden sein muß. Denn nur, um die Aufmerksamkeit der Weltmeinung auf die deutschen Ansprüche zu lenken, einen solchen Preis einer deutschen Niederlage in Paris zu bezahlen, wäre doch wohl eine allzu große Verschwendung. Vor allem, weil die wichtigsten der übrigen Mächte, wie England, Italien und auch die Vereinigten Staaten von der Berechtigung der deutschen Forderung an sich nicht mehr überzeugt zu werden brauchen.
Neben dem klaren Ausspruch Mussolinis: Deutschland hat recht, verdient deshalb der Satz des amerikanischen Botschafters in Paris anläßlich der Einweihung des Marneschlachtdenkmals, es sei das Grundrecht jedes Volkes, gegen die Gefahr eines Einfalles geschützt zu sein, besondere Bedeutung, Daß die englische Regierung jedenfalls vorläufig in dieser Frage nicht gewillt ist, sich zum Schildträger Frankreichs zu machen, bewies schon das lauge Zögern, bevor sie offiziell Stellung nahm. Auch England erkennt die Richtigkeit der deutschen Forderung an, obschon es seine bestimmte Hoffnung ist, daß sich in Genf auf der Abrüstungskonferenz ein Weg finden wird, um den lästigen Mahner noch einmal mit einigen belanglosen Zugeständnissen abzuspeisen. Eine Hoffnung, die ihre Begründung sofort in der an sich sehr unklar und wenig fest umrissen gestellten deutschen Forderung nach Gleichberechtigung findet.
Immerhin mutz man der Regierung zugestehe^ daß sie bis jetzt den
Lockungen aus Gens
absolut standgehalten hat. Seit Bekanntwerden des deutschen Schrittes in Paris war die Probe auf seine Ernsthaftigkeit die Frage, ob Deutschland sich wieder an den Arbeiten des technischen Unterausschusses des Ausschusses zur Begrenzung d-er Niistungsausgaben, der als erster nach der Vertagung der Abrüstungskonferenz wieder zusammentreten sollte, teilnehmen würde oder nicht. Wäre Geheimrat Worbs, der deutsche Vertreter in diesem Ausschuß, in dieser Woche auf dem Genfer Bahn« Hof angekommen, dann wäre ein erleichtertes Aufatmen durch die Räume des Völkerbundspalastes in Genf und mancher Außenminffterien gegangen, und man hätte wieder einmal feststellen können, was denn nun eigentlich schon dran ist, wenn Deutschland große Worte macht. Aber Herr Worbs ist ausgeblieben. Die Ausschußsitzung wurde uM zwei Tage verschoben und mußte dann trotzdem ohne einen deutschen Vertreter eröffnet werden« Und nun ist mittlerweile noch ein Schreiben des Reiches eingegangen, daß es auch nicht an den Arbeiten des Büros der Konferenz, die am 21. beginnen teilzunehmen gedenke. Also schlechtes Wetter in Gens, wie immer, wenn irgenlffemand einmal vom Völkerbund einen Berechtigungsnachweis verlangt, den er auch im
Konflikt Polen — Danzig
wieder vertagt hat. In den wirtschaftlichen Beziehungen zwischen den beiden Staaten ergeben sich dauernd Schwierigkeiten und Reibereien, vor allem deshalb, weil Polen mit aller Gewalt den Pla« verfolgt, Danzig zu einem durch nichts bcvorrech teten Anhängsel seines Zollgebietes zu mache« Dauernde Sclnkancn bringen den Handel der altq