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Die Entwicklung des Konflikts zwischen Reichstag und Neichsregierung, d. h. die Auseinandersetzungen zwischen Goering und dem Reichspräsidenten sowie dem Reichskanzler haben inzwischen folgenden Gang genommen. Reichstagspräsident Goering hat in einem Schreiben an den Reichskanzler den Borwurf des Versassungs- bruchs mit aller EntschiÄ-enheit zurückgewiesen und noch einmal betont, daß die Abstimmung über den Mitztrauensantrag und die Aufhebung der Notverordnung bereits im Gange war, als sich der Reichskanzler von Pape« zum Wort meldete. Andererseits hat Pg. Goering dem Reichskanzler bestätigt, daß auch ein gestürzter Minister,, der noch das Vertrauen des Reichspräsidenten hat, zur Gegenzeichnung eines Auflösungsdekrets berechtigt ist, daß also der Reichstag formal-juristisch zu Recht ausgelöst sei.
In einem weiteren Schreiben hat dann der Reichstagspräsident Goering an den Reichspräsidenten unter anderem solgenden Appell gerichtet:
Die selbstverständliche Folge der Annahme des Mißtrauensvotums wird der unverzügliche Rücktritt der Regierung Papen sein, da eine Regierung, die zu 95 Prozent das deutsche Volk gegen sich hat, weder weiter die Politik im Innern bestimmen, noch Deutschland in der jetzigen schwierigen Lage dem Ausland gegenüber vertreten kann. Es steht fest,
1. daß somit der Abstimmungsakt vor der Auflösung des Reichstags stattgefunden hat;
2. daß das Ergebnis dieser Abstimmung zu recht besteht;
3. daß nach der Reichsversassung die betreffenden Notverordnungen außer Kraft zu setzen sind;
4. daß die Regierung Papen mit einer vernichtenden Mehrheit vom deutschen Volke durch seine erwählte Vertretung gestürzt worden ist.
Weiterhin stellt dann der Reichstagspräsident fest, daß der Reichstag entgegen der Verfassung am 12. September tatsächlich aus den gleichen Gründen aufgelöst worden ist, wie am 4. Juni, denn beide Male habe die Regierung Papen nicht das Vertrauen der deutschen Volksvertretung gefunden. Aus diesen Gründen erhebt der Reichs- togspräsident vor dem ganzen deutschen Volks feierlichen Protest gegen die Begründung des stuslösungsdekrets.
Im weiteren Verlauf der gestrigen Verhandlungen hat sich, wie wir schon an anderer Stelle berichten,
ein neuer Konflikt mit der Reichsregierung ergeben, da diese sich weigert, vor dem Ueber- wachungsausschuß des Reichstages zu erscheinen. Reichstagspräsident Goering hat in einem Schreiben an den Reichspräsidenten dagegen protestiert, jedoch hat der Reichspräsident den Vorwurf des Versassungsbruches zurückgewiesen.
Des weiteren wird darüber Klage geführt, daß der erste Brief Goerings an den Reichspräsidenten weder eine Anrede noch eine Höflichkeitsformel am Schluß enthält. Demgegenüber weist Pg. Goe- !ring darauf hin, dgß es sich bei seinem ersten Schreiben um eine amtliche Mitteilung gehandelt habe und daß nach Mitteilung des Direktors beim Reichstag, Geheimrat Galle, es bisher üblich gewesen sei, bei allen amtlichen Berichten des Reichstagsausschusses jede Höflichkeitsformel fortzulassen.
Wie wir noch weiter erfahren, wird der Staats- tzerichtshof gegen die Auflösung des Reichstags «icht angerufen werden.
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in Ss^Iin
Berlirk, 13. September. In Berlin fand in Anwesenheit Adolf Hitlers eine nationalsozialistische Führertagnng statt, an der neben dem Reichstagspräsidenten Goering auch die nationalsozialistischen Ministerpräsidenten mehrerer deutscher Länder sowie die Mitglieder der noch in Berlin versammelten nationalsozialistischen Reichstagsfraktion vollzählig teilnahmen. Nachdem Minister a. D. Dr. Frick einleitend die Bedeutung des gestrigen, für die Regierung von Papen berechtigten Mißtrauensvotums des Volkes hervorgehoben und Reichstags- präsident Goering über die Vorgänge im Reichstag und die sich daraus ergebenden verfassungsrechtlichen Folgerungen referiert hatte, gab der Führer die Richtlinien für die neue Phase des Kampfes bekannt, in den die nationalsozialistische Bewegung mit dem gestrigen Tage eingetreten ist und den sie mit dem Volk «nd für das Volk gegen eine reaktionäre Clique durchzuführen entschlossen ist, die die Rechte des Volkes mit Fristen tritt.
Die Auffassung und das einmütige Ergebnis dieser von schärfstem Kampfeswillen für Volk und Nation getragenen Führertagung kann man wie folgt zusammenfassen:
„Mit den kläglichsten und zugleich skrupellosesten Mitteln versuchen heute gewisse Kreise, über die Entwicklung in Deutschland längst hinweggegangen ist, noch einmal in letzter Minute, die nationale Erhebung des deutschen Volkes aufzuhalten und den Sieg der deutschen Freiheitsbewegung zu verhindern.
Diesen sozialen Freiheitskampf, der mit der nationalen Freiheft untrennbar verbunden ist, hat die NSDAP. ausgenommen und sich an die Spitze des Volkes gegen seine offenen Gegner und ihre versteckte« Hintermann«! gestellt. Daß die NSDAP. diesen Kampf nicht «m Parlaments- Vorteike willen, sondern für das deutsche Volk führt, hat die national
sozialistische Fraktion gestern durch ihr Verhafte» bewiesen.
Die Regierung von Papen, die sich aus nur 42 Stimmen, also ein Fünfzehnte! der Vertretung des deutschen Volkes „stützt", aber trotzdem, wie sie behauptet, noch vom Vertrauen des Reichspräsidenten im Amte schalten wird, hat es in der Hand, aus welcher Ebene sie diesen Kampf führen will. Für welchen Weg «nd für welche Mittel sie sich aber auch entscheiden möge, die nationalsozialistische Bwegung fürchtet diesen Kamps nicht, -denn auf ihrer Seite wird in jedem Falle nicht nur das Volk, sondern auch das Recht sein.
Die NSDAP. wird ihren Gegnern so entgegentreten, wie sie es «ach ihren Gesetzen verdienen und erwarten müssen. Mögen ihre Gegner ausstellen, was immer sie wollen, durch jede Unterdrückung des legalen Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung wird diese zur Waffe, die sich gegen die Unterdrücker selber richtet.
In untrennbarer innerer und äußerer Verbundenheit treten die Millionen der nationalsozialistischen Bewegung zu diesem entscheidenden Kampf für das deutsche Volk an in dem Bewußtsein, daß der Angriff die beste Verteidigung ist und in der festen Ueberzeugung, den glänzendsten Sieg zu erringen, den die Geschichte der nationalsozialistische« Bewegung kennt."
Dr. Frick schloß die bedeutungsvolle Führertagung mit einem begeistert aufgenommenen „Heil!" aus Deutschland und seinen kommenden Führer und mit dem Gelöbnis: Nationalsozialist sein heißt Kämpfer sein. Durch Kampf sind wir groß geworden, nach elf Wahlkämpsen gehen wir in den zwölften Wahlkamps hinein. Der Sieg wir- unser sein!"
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Aus Berlin wird gemeldet, daß in preußischen politischen und parlamentarischen Kreisen nach der Auflösung des Reichstags eine starke politische Aktivität herrscht. Die nationalsozialistische Fraktion steht über den Landtagspräsidenteu Kerrl in ständiger Verbindung mit Adolf Hitler und der Reichstagsfraktion. Es werden Gerüchte laut, doß von Papen auch den Preußischen Landtag auszulösen beabsichtigt, jedoch dürfte ihm dieses Vorgehen verfassungsrechtlich noch größere Schwie- I rigkeiten machen als die Auflösung des Reichstages.
Konferenz der nationalsozialistischen Länderminister
Berlin, 13. September. Am Dienstag nachmittag tagten, wie mitgeteilt wird, unter Vorsitz des Abgeordneten Feder (Natt- Soz.s, des Vorsitzenden des Reichswirt- schastsrates der NSDAP. die nationalsozialistischen Länderminister von Oldenburg, Mecklenburg-Schwerin, Braunschweig, An
halt und Thüringe«, nm z« den nächsten Maßnahmen für die Arbeitsbeschaffung Stellung zu nehme»« Nach eingehender Aussprache wurde volle Einmütigkeit erzielt.
Neuwahlen auch in Hessen?
Darmstadt, 13. September. Die Sozialdemokratin fordert Auflösung des Hessischen Landtages. Hierzu ist die Zustimmung einer ^Mehrheit des Landtags notwendig, so daß bei den Nationalsozialisten die Entscheidung über die Auflösung des Parlaments liegt. Die sozialdemokratische Fraktion hat beschlossen, alsbald einen entsprechenden Antrag einzubringen.
Der Reichsinnenminister zur Frage der Neuwahlen
Berlin, 1^. September. Reichsinnenminister Freiherr von Gayl teilte znr Frage des
Wahltermins mit, -aß die Reichsregierung
durchaus die Absicht habe, die Verfassung--! mäßigen Vorschriften einzuhalten und daß, wenn eine Wahl ausgeschrieben werde (!!), sie auch unter dem gegenwärtigen Wahlgesetz erfolgen würde. Selbstverständlich könne eine Wahl nur erfolgen, wenn Ruhe und Ordnung gewährleistet seien. Auf die Frage, ob die Reichsregierung zur Gewährleistung von Ruhe und Ordnung besondere Maßnahmen zu ergreifen gedenke, erklärte der Minister, daß die Reichsregierung hierzu gegenwärtig keinen Anlaß sehe.
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Berlin, 13. Sept. Die kommunistische Reichs- tagsfrattion teilt niit: „Eine Stunde nachdem der kommunistische Fraktionsvorstand seine Arbeitsräume verlassen hatte, besetzten etwa 40 Krimi- nulbeamte die Fraktionszimmer der KPD. Ein Teil der Schränke wurde erbrochen. Bei der Durchsuchung, die sich sogar auf die Hsizräume erstreckte, wurde nichts gefunden".
Die Polizeipressestelle teilt mit: Auf Grund einer eingegangenen Nachricht hat in der Nacht zum 13. September um 23.30 Uhr der stellvertretende Leiter der Abteilung 1 des Polizeipräsidiums, Regierungsrat v. Werder, eine Durchsuchung im Reichstag angeordnet, da der dringende Tatverdacht eines Sprengstoffattentats vorlag. Die Durchsuchung konnte dem Reichstags- präsidenten und dem Polizeipräsidenten vorher nicht angekündigt werden, da beide Herren fernmündlich nicht zu erreichen waren. Der nach kurzer Zeit eintreffende Direktor der Reichstagsverwaltung erhob Protest und teilte mit, daß er die Angelegenheit bei den zuständigen Stellen des Reichstages zur Sprache bringen würde. Da Negierungsrat v. Werder annehmen mußte, daß Gefahr im Verzüge war, hat er trotz des Protestes des Geheimrats Galle die Durchsuchung weiter fortgesetzt. Hinweise auf ein Sprengstoff- attentat sind nicht gefunden worden.
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Stresa, 13. September. Bei den Verhandlungen des Wirtschaftsausschusses ist nunmehr endlich ein kleiner Fortschritt (?) zu verzeichnen. Der in den letzten Tagen eifrig erörterte Plan, die Vorschläge Deutschlands, Frankreichs und Italiens miteinander in Einklang zu bringen und zu einer Zusammenfassung zwischen Vorzugszöllen und Beitragsleistung zu kommen, ist von den Abordnungen der drei- Staaten am' Montag abend in privaten Besprechungen grundsätzlich gebilligt worden und von dem Führer der italienischen Abordnung, de Michelis, der Versammlung der Käufer- und Verkäuferstaaten am Dienstag morgen vorgelegt worden. Um diesen Plan ist nun die allgemeine Aussprache des Wirtschaftsausschusses eröffnet. Auf Ansuchen des Führers der deutschen Abordnung, Direktor Posse, haben zunächst die Staaten, die nicht an- tragstellende Großmächte sind, aber doch als Känserstaaten in Frage kommen, ihre Stellungnahme zu dem neuen Plan begründet. Oesterreich, die Tschechoslowakei und auch! die Schweiz erklärten sich grundsätzlich einverstanden. Sollten auch die Länder wie England, Holland und Belgien, die weder Käufer noch Verkäufer sind, ihr Einverständnis grundsätzlich erklären, dann wird der neue Plan dem Finanzausschuß zugeleitet werden müssen, der dann seinerseits über die schwierige Frage der Regelung der Beitragsleistungen, der Art der Zahlungen, der Verrechnung der Vorzugszölle usw. verhandeln wird.