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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
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Zsgniktsvsnwinnung
Es wäre leicht, in diesen Tagen politischer Erregung zu der nach unserer Auffassung herrschenden Begriffsverwirrung noch weiteres beizutragen, indem man die Kampjesart der Regierung Papen und vor allem der hinter ihr stehenden Presse sowie der völlig aus dem Häuschen geratenen Doutschnationalen Volkspartei aufgreist und mit Schlagworten gegen Schlagworte kämpft, die jede Beziehung zu den Tatsachen verloren haben. Wir nehnien eine so außerordentlich zutreffende Position ein, daß wir es nicht mehr nötig haben, uns über die jeweiligen Politischen Tagesereignisse zu erregen, aber wir halten es für erforderlich, immer wieder auf das Wesentliche und Grundsätzliche hinzuweisen und dabei gleichzeitig die zwangsläufige, geschichtliche Entwicklung aufzuzeigen, die durch diese Ereignisse sich wie ein roter Faden hindurchzieht.
Der Reichstag ist aufgeflogen. Nicht, wie die Deutschnationale Volkspartei in demagogischer Absicht behauptet, durch eine „offene Revolte gegen die Staatssührung", sondern, wie wir glauben, durch ein nicht ungeschickt arrangiertes Manöver des deutschnationalen Dr. Oberfohren, der im Aelte- sten-Ausschuß erklärt^ „er werde sich gegen die von den Kommunisten geplante Aenderung der Geschäftsordnung einsetzen" und es dann im entscheidenden Augenblick unterließ und damit den kommunistischen Vorstoß zum Erfolge verhaft. Das aber ist nur der rein äußerliche formale Vorgang ohne jegliche Bedeutung, denn es war vorher allen bekannt, daß Herr von Papen und der Herrenklub entschlossen waren, den Reichstag um jeden Preis aufzi lösen, allerdings erst, nachdem Herr Von Papen selbst seine Regierungserklärung abgegeben hatte. Dieses Planchen hat der Reichstagspräsident Goering durch absolut korrektes Vorgehen verhindert und dabei gleichzeitig der Reichsregierung die Gelegenheit gegeben, zu erkennen, mit welcher Autorität und welchem Vertrauen sie ausgerüstet ist.
Herr von Papen hat dann seine Programm- oder Wahlrede am gleichen Abend im Rundfunk gehalten, in der er zunächst noch einmal seine wirtschaftlichen Pläne entwickelte und dabei die Unternehmer beschwor, die Reichsregierung nicht im Stich zu lassen. Dann ging er auf die innerpolitische Lage ein, wobei er das Ansehen seiner Präsidial- regierung auf Kosten der NSDAP. retten wollte. Hier liegt die erste Begriffsverwirrung vor. Alle die Politiker und Zeitungen, die sich heute auf eine Präsidialregierung berufen, haben 14 Jahre lang mit angesehen, wie der Parlamentarismus Deutschland zu Grunde richtete, ohne etwas dagegen zu unternehmen. In dem Augenblick aber, in dem eine Bewegung diesen Parlamentarismus zerschlagen hat und von dem Volk mit dem Vertrauen ausgerüstet wurde, eine Präsidial-Regie- iung zu bilden, berief man einen Klub zur Regierungsbildung, der nun seinerseits sich darüber entrüstet, daß ihm nicht sofort das Vertrauen des ganzen deutschen Volkes zufliegt.
Wir Nationalsozialisten sind grundsätzliche Gegner parlamentarischer Koalitionsregierungen und haben seit über einem Jahrzehnt eine Präsidialregierung gefordert, deren erste Voraussetzung aber nicht die Unabhängigkeit vom Reichstag, sondern das Vertrauen der ausbauwilligen Kräfte der Nation ist. Herr von Papen hat eine Regierung gegen das Vertrauen dieser Kräfte gebildet und er irrt grundsätzlich, wenn er in seiner Rundfunkrede sich darüber entrüstet, daß eine große Partei der Regierung bitterste Opposition bereite, obwohl diese Regierung das Programm dieser Partei im wesentlichen auf ihre Fahnen schreibt, nur weil Herr von Papen und seine Kollegen zufällig nicht aus den Reihen jener Partei hervorgegangen seien.
Erstens ist Herr von Papen nicht „zufällig"
kein Mitglied der deutschen Freiheitsbewegung, sondern weil er in wesentlichen Fragen der Weltauschauung grundsätzlich auf einem anderen Boden steht und zweitens verkennt Herr von Papen vollständig, daß nicht die zufällige Nichtmit- gliedschaft sondern der 14 Jahre vor den Augen der Ration durchgeführte Kamps die Führer der RSDAP. mit dem Vertrauen des Volkes ausgerüstet hat, das Herr von Papen nicht zufällig, sondern zwangsläufig nicht besitzt.
Wir haben früher schon des öfteren betont, daß Deutschland und seine Wirtschaft nicht durch Gs- setzesreformen gerettet werden kann, sondern durch Glauben und Vertrauen jener Kräfte, die durch die Tat bewiesen haben, daß sie bereit sind, für Staat und Volk Leben und Gut einzusetzen. Allein dieses Vertrauen wäre die erste Voraussetzung für eine Präsidialregierung gewesen, ohne dieses Vertrauen mutz die Regierung Papen als die ärgste und unerfreulichste Parteidiktatur einer lächerliche» Minderheit aufgefaßt werden, die jemals in einer Parlamentsgeschichte möglich war.
Herr von Papen übernimmt vor der Geschichte eine ungeheure Verantwortung, eine Verantwortung, wie sie der Spieler trägt, der das gesamte Kapital seiner Familie auf dem grünen Tisch als Einsatz wagt. Es handelt sich dabei weniger um Herrn von Papen persönlich, als um die Tatsache, daß ei« Kabinett jetzt darangeht, das von der
NSDAP. in lljährigem Kampfe aufgespeicherte Vertrauenskapital des deutschen Volles zu verspielen, und wir sehen die Zeit nicht fern, in der sich die Sozialdemokratie händereibend dazu bereit erklärt, sich hinter Herrn von Papen zu stellen, was sie praktisch bereits gestern getan hat.
Dem früheren Kanzler Brüning war es beinahe gelungen, seine Position durch Mißbrauch des Namens Hiudenburgs zu retten. Wenn Herr von Papen jetzt die Wahlparole ausgibt, „mit tzinden- burg für Deutschland", so wie es der Herrenklub sich vorstellt, so geht er den gleichen Weg wie Brüning und wird auch genau so enden wie sein Vorgänger.
Wir haben den jetzt kommenden Wahlkampf nicht gewünscht, aber wir sind die einzigen, die ihn auch nicht zu fürchten haben. Oder glaubt Herr von Papen wirklich, daß der kommende Reichstag ihm mehr Vertrauen entgegenbringen wird als der jetzige?
Herr. von Papen ist in der Tat nicht nur „zufällig" kein Mitglied der deutschen Freiheitsbewegung, sonst würde er dem Aufbruch der Nation bei allem seinen guten Willen nicht so fremd gegenüberstehen, wie es nur das Mitglied eines „Her- ren"klubs tun kann, deren Mitglieder ihre einstige Führerrolle in der Nation seit mehr als 20 Jahren verspielt und vertan haben. —art.
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Am Regierungstisch hat Reichskanzler von Papen ,der sich dem Reichstag zum ersten Male vorstellt, mit sämtlichen Mitgliedern des Kabinetts Platz genommen. Das Haus ist fast vollzählig versammelt. Die Tribünen sind überfüllt. In der Diplomatenloge sieht man die Botschafter von Frankreich, England, Italien und Spanien, den österreichischen Gesandten, den Gesandten von Dänemark und eine Reihe weiterer Vertreter ausländischer Mächte. Die nationalsozialistischen Reichstagsabgeordneten find zum Teil in den Uniformen der SA. und SS. erschienen.
Unter allgemeiner Spannung eröffnet Präsident Goering um 15 Uhr die Sitzung.
Vor Eintritt in die Tagesordnung beantragt Abg. Torgler (Kom.), die Anträge seiner Fraktion auf Aufhebung der Notverordnungen sofort auf die Tagesordnung zu setzen und ohne Aussprache darüber abzustimmen. Der Redner beantragt weiter, die Mißtrauensauträge gegen die Regierung von Papen ebenfalls sofort zur Abstimmung zu bringen
Abg. Löbe (Soz.) beantragt, Anträge seiner Fraktion ebenfalls sofort auf die Tagesordnung zu setzen, wonach die noch nicht in Kraft gesetzten Teile der Notverordnung nicht in Kraft gesetzt wer. den sollen, bevor der Reichstag über die Anträge auf Aufhebung der Notverordnung entschieden, hat.
Präsident Goering stellt darauf die Frage an das Haus, ob gegen den kommunistischen Antrag, die Abstimmungen jetzt schon als ersten Punkt auf die Tagesordnung zu setzen, Widerspruch erhoben wird.
Das ist aber nicht der Fall. Zur allgemeinen Ueberraschung bleibt der von deutschnationaler Seite erwartete Widerspruch aus.
Unter allgemeiner Bewegung beantragt dann Abg. Dr. Frick (Natz-Soz.) Unterbrechung der Sitzung um eine halbe Stunde. Dieser Antrag wird mit einer Mehrheit, die aus Nationalsozialisten, Zentrum und Bayrischer Volkspartei besteht, angenommen.
Im Hause herrscht große Erregung; überall bilden sich Gruppen, die die Vorgänge lebhaft besprechen. Nur langsam leert sich der Saal.
Gegen 4 Uhr wird die Sitzung wieder eröffnet. Das Haus hatte sich schon auf das erste Klingelzeichen hin sofort im Saal eingesunden, während die Regierungsbank leer blieb. Präsident Goering erschien im Saal zunächst auf seinem Abgeordnetensitz, um sich nach kurzer Besprechung mit einigen führenden Mitgliedern seiner Fraktion auf den Präsidcnteusitz zu begeben. Nachdem Präsident Goering dann die Sitzung wieder eröffnet hatte, erschien auch Reichskanzler von Papen wieder im Sank. Er hatte eine rote Aktenmappe unter dem Arm, im Hause setzte, als dies bemerkt wurde, Heiterkeit und Erregung ein.
Präsident Goering erklärte dann: Nachdem sich vorhin kern Widerspruch gegen die neue Tagesordnung geltend gemacht hat, kommen wir zur Abstimmung über die Anträge des Abgeordneten Torgler (Kom.). (Reichskanzler von Papen erhebt sich— Präsident Goering fährt fort.) Wer für den Antrag ist, bitte ich eine Karte mit Ja, wer dagegen ist, eine Karre mit Nein abzugeben. — Unter großer Erregung im ganzen Hause begibt sich alsdann Reichskanzler von Papen zum Präsidentenstuhl und legt dem Präsidenten ein Blatt Papier, die Auflösungsoerordnung des Reichspräsidenten, vor.
Der Präsident legt die Verordnung zur Seite und bleibt auf seinem Platz, um die eingeleitete Abstimmung unter seinem Präsidium durchführen zu lasten. Reichskanzler von Papen hatte sich, nachdem die Abstimmung bereits eingeleitet worden war, zweimal — vergeblich — zum Wort gemeldet.
Es wird gemeinsam abgestimmt über die kommunistischen Anträge auf Aufhebung der Notverordnung und die Mißtrauensauträge gegen die Reichsregierung. Die Minister haben inzwischen den Saal verlassen.
In namentlicher Abstimmung werden die verbundenen Anträge, die Notverordnung aufzuheben, sowie dem gesamten Kabinett Papen das Mißtrauen auszusprechen, mit 513 gegen 32 Stimmen bei fünf Stimmenthaltungen angenommen (stürmische Kundgebungen bei den Nationalsozialisten und auf der Linken).
Präsident Goering fährt fort: Nachdem bereits die Abstimmung begonnen hatte, hatte der Herr Reichskanzler um das Wort gebeten. Nach der Abstimmung hätte ich gemäß der Verfassung dem Herrn Reichskanzler das Wort erteilt. Während der Abstimmung hat nun der Herr Reichskanzler mir ein Schreibe» des Reichspräsidenten überreicht, das von dem Reichskanzler und dem Innenminister gegengezeichnet ist, die durch das Mißtrauensvotum als gestürzt zu gelten haben. Dadurch ist das Schreiben hinsallig geworden. Das Schreiben hat folgenden Wortlaut:
„Aus Grund des Artikels 25 der Reichsverfassung löse ich den Reichstag auf, weil die Gefahr besteht, daß der Reichstag die Aushebung meiner Verordnung vom 4. September verlangt."
Meine Damen und Herrenl Ich nehme den Standpunkt ein, daß dieses Schreiben vorläufig keine Gültigkeit hat, da die Gegenzeichnung von einem Ministerium erfolgt ist, das durch die Volksvertretung soeben mit überwältigender Mehrheit gestürzt worden ist. Der Sturz des Kabinetts war ebensowenig überraschend, wie die beabsichtigte Auflösung des Reichstages. Die Absicht der Auflösung des Reichstages wurde unterstrichen durch das Verhalten des Herrn Vizepräsidenten Graef bei der Vorstellung des Präsidiums bei dem Herrn Reichspräsidenten. Das Vorgehen des Herrn Vizepräsidenten Graef war ein Versuch, das Ansehen des Reichstages zu schädigen. Wir werden alle Schritte und Maßnahmen treffen, daß ein Auflösungsdekret, das von einer gestürzten Regierung gegengezeichnet ist, die lediglich über die verschwindende Anzahl von 82 Stimmen im gesamten Reichstag verfügt daß ein solches Auflösungsdekrst zurückgenommen wird (Beifall bei den Nat.-Soz.), nachdem es durch diese Gegenzeichnung die Gültigkeit verloren hat. Ich schlage vor, daß wir jetzt die Sitzung abbrechen und morgen weitertagen. Der Aeltestenrat, der in einer halben Stunde zusammentritt, wird die Tagesordnung für die Dienstag-Sitzung festsetzen.
Nach 16 Uhr schließt Präsident Goering die Sitzung.
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Berlin, 12. September. Die SPD. hat beim Reichsinnenminister die Zulassung eis nes Volksbegehrens zur Aufhebung des sozialpolitischen Teils der Verordnung des Reichspräsidenten vom 4. September bean-- tragt. Wie von sozialdemokratischer Seite! erklärt wird, sollen durch die Annahme dieses Volksbegehrens „die Lohnsenkungen un°? ter Einbruch in die Tarifpolitik" unmöglich gemacht werden. Die anderen Teile der Notverordnung sollen in das Volksbegehren nicht aufgenommen werden, weil es sich dabei um Bestimmungen des Reichshanshalts oder Finanzgesetze handelt, die nach der Verfassung nicht auf dem Wege des. Volksentscheides abgeändert werden können.