Ausgabe 
(7.9.1932) Nr. 198
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Tie Hauptabteilung 3 (Ingenieurtechnische Ab­teilung) der Reichskeitung der NSDAP. hat im Benehmen nrit der Reichsorganisationsleitung in das Braune Haus nach München eine Konferenz einberufen, deren Beratuugsgegenstand ausschließ­lich das Zentralproblem der Arbeitsbeschaffung sein sollte.

SpüSteungsr'srts Li'sgoe' ZtpsKens

Die Sitzung begann am Montag, den 9. Sep­tember, im kleinen Sitzungssaal des Braunen Hauses mit einer ausgezeichneten Eröffnungsrede Gregor Straßers, der zunächst die Grundlinien der Tagesordnung entwarf und dieselben in Beziehung brachte zum nationalsozialistischen Programm, zur Staats- und Wirtschastsaufsafsung des National­sozialismus, seinem neuen staatlichen und wirt­schaftlichen Denken.

Es komme darauf an, die heute bestehende Ge­fahr zu erkennen, die darin liege, daß unsere Grundgedanken von anderen übernommen und mit unzureichenden Mitteln durchgeführt bzw. sogar gefälscht, abgebogen und auf einen Seitenweg ge­schoben würden; daß die vom Volk mit tiefer Hoff­nung aufgenommenen Grundgedanken des Natio­nalsozialismus durch scheinbare Mitarbeit soge­nannterbewährter Kräfte" des alten Systems um ihre unmittelbare und letzte Wirkung gebracht wer­den könnten! Dieser Gefahr gelte es entgegen­zutreten und die große Sehnsucht zu verwirklichen, die die breite Masse des Volkes dem National­sozialismus heute entgegenbringe,

vis Ssknsuekt nsek Apdsit

An diese mit stürmischen Beill entgegengenom­menen Ausführungen schloß sich ein umfassender, groß angelegter

Vortrag des Pg. Feder, MdN über dieGrundlinien eines umfassenden Arbeits- beschajsungsprogramms". Der Nationalsozialis­mus stehe schon an der Schwelle der politischen Möcht, er müsse hineinkommen, um das Zentral­problem unserer Zeit zu lösen, die Arbeitsbefchaf- / jung. Diese große Aufgabe sei restlos verpflich­tend, der dafür einheitliche eingesetzte Wille müsse zum Ziel führen, besonders auf der einheitlichen vorgezeichncten Grundlinie, die im Programm des Führers, in den 25 Thesen und in der national­sozialistischen Literatur schon seit Jahren heraus­gearbeitet worden sei. Der Reichswirtschaftsrat der Reichsleitung, die Wirtschaftspolitische und Ingenieurtechnische Abteilung haben im Zusam­menhange damit schon umfassende Vorarbeiten ge­leistet. Der Vortragende zeigt in der Folge die falsche Geisteseinstellung in der Wirtschaftspolitik auf, die aus dem Materialismus und dem auf ihn: fußenden egoistischen Individualismus, aus den falschen Finanzierungsmethoden und den fal­schen politischen Arbeitsmethoden entstanden sei. Daraus resultierte der Steuerbolschewismus mit seinen verheerenden Auswirkungen, die Verschul­dung und Zinsverknechtung unserer Wirtschaft, die falsche Handelspolitik!

Der Nationalsozialismus stellt gegen den Li­beralismus die Idee von der obersten geistigen Aussicht des Staates über die Wirtschaft als Leit­gedanken auf, den Gedanken der treuhänderischen Leitung der Wirtschaft seitens des Staates zugun­sten der Allgemeinheit. Er betont besonders auch die bewährte individuelle schöpferische Leistung. Wo die schöpferische Persönlichkeit den Ausschlag gibt, wo das persönliche Risiko maßgebend ist, soll der Staat zurückstehen. Die Staatsaufgaben er­

wachsen vor allem in der sogenannten Zirkula- tionssphäre der Wirtschaft, wo die schöpferische Leistung schon mehr beendet ist, in der Produk- tionssphäre sollte sich der Staat von allen Ein­griffen möglichst zurückhalten. Seine Aufgaben liegen mehr auf dem Gebiet des Verkehrs, der Elettro- und Wärmeversorgung, der Oberaufsicht über Kraftstoffversorgung und -lieferung, weniger im Bereiche des Handels. Aus der Nahrungsver­sorgung müsse allerdings der Wucher ausgeschaltet werden. Bei der Getreideversorgung sei als Grundgedanke maßgebend, dem Arbeiter von Staatswegen sein tägliches Brot zu garantieren. Sofern im Handel schöpferische Leistungen nicht mehr zu verzeichnen seien, gewinnt ein Gedanke der früheren deutschen Volkswirtschaft, die Dienst­leitungsidee des deutschen Kaufmannes wieder an Bedeutung. Im Außenhandel sei die Frage eines Antzenhandelsamtes oder einer staatlichen Devisen- zentrale spruchreif. Hier gelte der Grundsatz, daß Produkte, die in Deutschland wachsen oder erzeugt werden können, nicht aus dem Ausland eingeführt werden sollten.

In einem kurzen Nachwort ergänzte Gregor Straßer den Vortrag Feders noch durch Aus­führungen über das Handelsvertragswesen und das

von ihm befürwortete Kontingentierungssystem, über Stadtrand- und HeimstLttensiedelung, be­tonte noch die Notwendigkeit der Flußregulierun- gen und Hochwasscrschutzbauten.

Der erste Vortragende der Nachmittagsfitzung Pg. Daitz, Lübeck

zergliederte die Mittel zur Bekämpfung der Ar­beitslosigkeit. Er forderte Lastensenkung, Herab­setzung des überhöhen Zinsfußes und Abschnürung des Valutadumpings als Voraussetzungen einer zusätzlichen Arbeitsbeschaffung. Bei den aufge­blähten Verwaltungsetats können große Einspa­rungen vorgenommen werden, dann müßten wir zu einem Lastensenkungs- und Zinssenkungsgesetz kommen, und erst dann hätte es Zweck, ein zu­sätzliches Kreditvolumen zu schaffen. Diese gesetz­geberischen Maßnahmen müßten der zusätzlichen Arbeitsbeschaffung vorausgehen.

Es folgten Vortrage des Pg. Dr. Wagener über Preispolitik, und des Präsidenten der württember- gischen Notenbank, Pg. Roser, über die Auswüchse der Rationalisierung.

Pg. Dr. Lawaczek von der Ingenieurtech­nischen Abteilung der Reichsleitung hielt in der

Folge einen mit starken Beifall entgegengenom» menen Vortrag über

Mißbrauch der Technik und ihr richtiger Einsatz im Dienste der Nation".

Die kapitalistische Wirtschaft sei aus einer Geistes« richtung entstanden, die Kapital und Arbeit ledig« lich aus geldpolitischen Gründen einsetzt, Volks« wirtschaft aber aus einer Geistesrichtung, welche Kapital und Arbeit um des Volkes willen einsetzt, Der Kapitalismus ist" fortschrittshindernd. Er mißbraucht besonders auch die Technik im Jnter« esse des Geldverdienens. Anhand von ausgezeich« neten Beispielen zeigte der Vortragende, daß zwi« scheu Erzeugung und Verbrauch, Boden und Ar« bett immer der Wucher, die Geldleihe, dazwischen« geschaltet sei. Der Bodenertrag muß gesteigert und unter Ausschaltung des Warenwuchers an den Verbraucher, den Arbeiter, herangebracht werden« Die Technik ihrerseits hat die Aufgabe, den Boden« ertrag zu steigern, an den Verbraucher heranzu« bringen (Verkehr, Veredelung) und aufzuspeichern! (Konservierung).

Nach einer kurzen Aussprache folgte ein fehl bemerkenswerter Vortrag von Pg. Dr. R ei sch l« von der landwirtschaftspolitischen Abteilung, wel, cher über die

weisen unbedingt vsutsok- Isnrls Vereinigung sloksnn

Königsberg, 6. September. Im Anschluß an die Manöver begrüßte Reichswehrmiuister von Schlei­cher die Vertreter der Presse. Er erklärte auf eine Bemerkung, Ostpreußen müsse unter allen Umständen zum Schutz gegenüber den Nachbarn gleiche Berechtigung in der Bewaffnung erhalten. Zweitens sei es notwendig, daß jeder Ostprenße wisse, wo und wie er im Ernstfall sein Vaterland zu verteidigen habe. Ostpreußen sei ganz beson­ders vom Feinde bedroht, und er könne nur immer wieder darauf hinweisen, daß Deutschland die gleichen Rechte wie andere Länder haben müsse. Wenn beispielsweise ein Land wie die Schweiz diese Forderung stellen könne, und dort alles zur nationalen Verteidigung hergerichtet sei, so habe Deutschland das gleiche Recht. Er betonte weiter, es habe ihn traurig berührt, in einer Tageszei­tung lesen zu müssen, daß diese Regierung nicht das Recht habe, solche Forderungen wie die nach der Gleichberechtigung zu stellen. Die jetzige Re­gierung habe wie jede andere nationale Regierung nicht nur das Recht, sondern auch die Pflicht, den nationalen Schutz des Vaterlandes zu fordern und durchzuführen.

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Im Anschluß an diese Erklärung veröffentlicht dieKönigsberger Allgemeine Zeitung" eine Un­terredung mit dem General über die Wehrfrage mit besonderem Bezug auf Ostpreußen.

Sagen Sie Ostpreußen", so erklärte der Mini­ster,daß wir es bis aus den letzten Mann ver­teidigen werden, und daß wir ihm alle Mittel, die zu seiner Verteidigung nötig sind, notfalls auf dem Seewege, heranführen werden."

Frage:Die ganze Welt, Herr General, sieht mit größter Spannung der Entwicklung entgegen, die durch die Rüstungsdenkschrift der Regierung aufgeworfen ist. Wie find Ihre Entschlüsse für die Zukunft?"

Antwort:Ich kann Ihnen nur erklären, daß Deutschland in jedem Falle er unterstrich die

Worte injedem Falle" mit einer besonders ge­schlossenen Geste seiner Hand daß durchführen wird, was für seine nationale Verteidigung not­wendig ist."

Auf jeden Fall, Herr General?"

Jawohl, auf jeden Fall. Wir lasten es uns nicht mehr weiter gefallen, als eine Nationalität zweiter Klasse behandelt zu werden."

Der Reichskanzler am Montag vor dem Reichstag

Berlin, 6. September. Aus der Tagesord­nung der für Montag nachmittag einberufenen Ncichstagssitzung steht die Entgegennahme einer Erklärung der Reichsregierung.

Im deutsche!« Volke hat die Inkraftsetzung der neuen Notverordnung unerhörte Be­unruhigung hervorgerufen. Das, was in dieser Notverordnung steht, ist nicht im ge­ringsten geeignet, die Maßnahmen vorzu­bereiten, die im Interesse eines deutschen Wiederaufstieges ergriffen werden müssen. Die schaffenden Schichten des deutschen Vol­kes werden erneut belastet. Der Willkür Volksfremder Kapitalisten wird Tür und Tor geöffnet. Die Rechte des Arbeiters werden in unerträglichem Maße geschmä­lert und keine Bcrussschicht und kein Stand Deutschlands ist davon überzeugt, daß das, was durch diese Notverordnung in Gang gesetzt werden soll, im Interesse des deut­schen Volkes liegt.

Das ganze Deutschland steht in einer ge­schlossenen Frontstellung gegen die Reak­tion der liberal-kapitalistischen und feuda­listischen Kräfte, die, ohne den geringsten

Grundlinien einer Getreidepolitik"

sprach. Der Vortragende hielt die Möglichkeit einer Sicherung der Brotversorgung durch die deutsche Landwirtschaft selbst und der Erzielung eines einigermaßen stabilen Preises vor allem auch durch die ständige Eingliederung der Getreidewirt« schaft in den Ständeorganismus und die ständische Selbstverwaltung der Landwirtschaft für gegeben« Allerdings seien in der Uebergangszeit staatliche Interventionen im Termin- und Promptgeschäft nicht zu entbehren. Der Redner sieht besonders auch in den Landwirtschaftlichen Genossenschaften ein Mittel dazu, die von ihm skizzierten Ziele zu erreichen. Seine weiteren interessanten Ausfüh­rungen über die Mobilisierung der Getreideernte, über die Technik der Finanzierung, über die stän­dische Gliederung der Anschlußwege bis zum Ver­braucher, die Ausschaltung der Spekulation, wur­den mit stürmischem Beifall aufgenommen. Da, mit schloß die Sitzung des ersten Tages.

Rückhalt im Volke, augenblicklich das Schick­sal Deutschlands bestimmen.

Wenn die Börse auf die Aktion der Reichsregierung so außerordentlich stark reagierte, dann dürfte das allein schort Beweis sein, wem diese Notverordnung Nutzen bringt. Wenn die Jobber der Börse zufrieden sind, dann hat das Volk allen Grund, skeptisch zu sein.

Der einzige Erfolg der Notverordnung des Herrn von Papen, zu der wir morgen im einzelnen kritisch Stellung nehmen wer­den, ist es bis jetzt, daß die Börsenspeku­lanten an jener Verordnung, die eine furcht­bare Belastung für die schaffenden Schich­ten darstellt, Millionen verdient haben.

Das Volk darf sich den HuNgerriemcN enger schnallen und die Börsenfürsten ver­dienen, besser kann die Situation, die au­genblicklich in Deutschland herrscht, nicht beleuchtet werden.

Au- Kosten kies Ai'ksitnskmei's

Adsi* rtie Löpss steigt