Ausgabe 
(5.9.1932) Nr. 196
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Am Sonnabend und Sonntag fand in Berlin der 13. Stahlhelmtag statt, an dem über 109 003 Stahlhelmer beteiligt waren. Der Höhepunkt der Kundgebung war die große Herbstparade auf dem Tempelhofer Flughafengelände, an der sich nach Schät­zung der Scherlpresse 1Z0VVÜ Mitglieder beteiligten. Der Aufmarsch der 23 Lan­desverbände und Gaue sowie der Motor- radbrigade dauerte von morgens 5 bis vormittags 10 Uhr. Der Vorbeimarsch be­gann dann gegen 1 Uhr mittags und währte bis in die Abendstunden. An 300000 Zu­schauer sollen sich den Aufmarsch des Stahl­helm angesehen 'haben. Störungen haben sich nicht ereignet. Die Reichsregierung war durch den Reichskanzler und den Reichswehrminister sowie mehrere andere Mitglieder des Kabinetts vertreten.

Der Sonntagsparade ging am Abend vor­her ein Sportfest des Stahlhelms im deut­schen Stadion voraus.

Die Bundesführer Seldte und Düster- berg fuhren im Auto die Front ab, worauf Seldte von einer Rednertribüne aus eine Ansprache hielt, in der er erklärte, daß der Stahlhelm nicht für sich, sondern für Deutschland kämpfe. Er fordere nicht die staatliche Macht, sondern den machtvollen Staat, ein Wortspiel ohne Wert, denn, was nützt es, einen machtvollen Staat zu for­dern, ohne sich selbst dafür einzusetzen. Nach dem Deutschlandlied weihte Düsterberg über 100 neue Fahnen und betonte dabei, daß. Bünde und Parteien nicht Selbstzweck, sondern nur lebensberechtigte Dienste am Vaterland seien. Den Vorbeimarsch — an dem sich verschiedene Hohenzo ller nprinzeu beteiligten — nahm neben den Bundes­führern der Kronprinz ab. Unter den Ehrengästen sah man ferner die Kronprin­zessin, Prinz Waldemar von Preußen, Her­zog Adolf Friedrich von Mecklenburg und eine ganze Reihe weiterer Fürstlichkeiten. Auch Vertreter der Industrie und Diplo- znatie hatten sich eingefunden, während sich Dr. Hugenberg durch Hauptmann a. D. Schmidt, Hannover, vertreten ließ.

Soweit der sachliche Verlauf des zwei­fellos imponierenden Stahlhelmauftnar- sches in Berlin. Wir behalten uns vor, auf die politische Bedeutung noch einmal zuurückzukommen.

Line Kiosks gvkl In klammen auß

Rüdesheim, 5. Sept. Im benachbarten Eibingen brach in der Nacht zum Sonntag im ehemaligen Kloster ein Großseuer aus, das sich aus die Schule, das Rathaus und die Hildegardiskirche ausbreitete. Die alte Klosterkirche von Eidingen birgt Reliquien der heiligen Hildegard, die in einem wert­vollen Schrein aufbewahrt werden. Bei' dem Versuch, Liesen Schrein zu retten, 'ptzoiavq iZaitzj isMvzqqjoA u-w zqana, Erst in den Morgenstunden gelang es, des Feuers Herr zu werden. Die Kirche selbst ist vollständig ausgebrannt. Dagegen konnte der Schrein mit den Reliquien der heiligen Hildegard und den anderen Reli­quien gerettet werden. Die vier großen Glocken sind geschmolzen. Es liegt der Verdacht nahe, daß es sich um Brand­stiftung Handelt.

Beutheuer Verurteilten nach Gro-ß-Strchlitz überführt.

Beuchen, 3. Sept. Unsere am Freitag vorn preußischen StaatsmiNisterinm zu länglichem Zuchthaus „begnadigten" fünf Kameraden sind am Sonnabend früh um 3 Uhr in das Zuchthaus nach Groß-Streh- lib überführt worden.

Dienstag Wagens „kßo1KIIßs"-Vsi'oii>nung

„Aufklärung" durch Rundfunkreden der zuständige« Ressortminister«

Berlin, 4. September. Das Papenkabi- nett hat am Samstagnachmittag sein „Nothilfe­programm" verabschiedet. Noch am gestrigen Tage hat sich ein Kurier — nicht der ursprüng­lich vorgesehene Staatssekretär der Reichskanz­lei, Dr. Planck — mit dem Entwurf in Rich­tung Nendeck in Bewegung gesetzt, wo der Reichs­präsident den Plänen seines Kabinetts durch seine Unterschrist Gesetzeskraft verleihen soll. Dem Vernehmen nach sind in den letzten Bera­tungen nur noch unwesentliche Abänderungen vorgenommen worden.

Die Verkündung der Notverordnung ist für Dienstag in Aussicht genommen. In mehreren Rundfunkreden der zuständigen Ressortminister soll die Verordnung dem staunenden Volk ein­gehend erörtert werden.

Das Kernstück ist in den Steueranrech­nungsscheinen zu sehen. Es bleibt bei der vorgesehenen Höhe von 1500 und 700 Mil­lionen, im ganzen also 2,2 Milliarden Mark. Dieser Teil der neuen Maßnahme tritt nach der Verordnung am 1. Oktober in Kraft.

Die zweite Verordnung enthält die Neu­regelung des Tariswesens, in dem ebenfalls vom Reichskanzler bereits angekün­digten Sinne. Dabei geht die Reichsregierung davon aus, daß Willkür und Vorwände zur Um­gehung der Tarife ausgeschlossen werden müs­sen. Deshalb ist als letzte Instanz hier der Schlichter eingeschaltet. Wenn also zwischen Un­ternehmer und Belegschaft eines Werkes eine

Einigung nicht möglich ist, so liegt bei einer staatlichen neutralen Stelle, dem Schlichter, die Entscheidung.

" Mit der Rückkehr des Reichspräsidenten ist nach den letzten Meldungen nicht vor Donners­tag, dem 8. September, zu rechnen. Ende der Woche dürfte dann der Empfang des neuge­wählten Reichstagspräsidiums bei Hindenbur. stattfinden. Da vor dieser Aussprache eine Reichstagseinberufung nicht in Frage kommt, wird sich Herr von Papen mit seiner Regie­rungserklärung bis zur nächsten! Woche gedul­den müssen.

LInslellung

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NSDAP-Autrag auf Rückgängigmachung

der Kündigungen bei der Reichsbahn.

Berlin, 4. September. Die nationalsozia­listische preußische Landtagsfraktion hat einen Antrag eingebracht, wonach das Staatsministe­rium beauftragt werden soll, die Reichsregierung zu veranlassen, auf die deutsche Reichsbahnge- sellschast mit allen ihr zu Gebote stehenden Mitteln einzuwirken, daß alle vorgesehenen Kün­digungen rückgängig gemacht werden. Alle Lei­stungszulagen für die höheren Dienststellen sol­len solange in Wegfall kommen, als bei der Deutschen Reichsbahn Arbeitsmangel herrscht. Die dadurch ersparten Gelder sollen für die Be­schäftigung der Arbeiter verwendet werden.

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Der deutsche Rüstungsgleichheitsantrag vor dem englischen Kabinett

London, 4. Sept. Der diplomatische Korrespon­dent des „Observer" meldet, daß sich das eng­lische Kabinett in den nächsten Tagen mit den folgenden Fragen beschäftigen werde:

1. Mit dem deutschen Antrag auf Rüstungs­gleichheit und

2. mit der japanischen Entscheidung in der Mand­schurei.

Die Frage der deutschen Rüstungen berühre au­genblicklich noch nicht die englische Regierung, aber der französisch-deutsche Meinungsaustausch gebe der englischen Regierung jederzeit das Recht ein­zugreifen, auch wenn keine Einladung von einer der Parteien vorliege. Das Kabinett werde zu­nächst zu erwägen haben, ob und inwieweit die deutsche Denkschrift eine Abweichung von den nor­malen Methoden der Abrüstungskonferenz sei, und ob der deutsche Anspruch aus Gründen des Rechts und der Zweckdienlichkeit bestritten werden könne. Da die Untcrzeichnermächte des Versailler Ver­trages nicht die Absicht hätten, in demselben Matze wie Deutschland abzurüsten, so frage das englische Kabinett nur pflichtgemäß, ob die deut­sche Forderung dadurch befriedigt werden solle, daß man Deutschland das Recht gebe, auf dem Stand der anderen aufzurüsten.

Hinsichtlich der Mandschurei rechnet man in London damit, daß die fernöstliche Frage voraus­sichtlich bald nichts mehr mit dem Völkerbund zu tun haben werde; wenn Japan aus dem Völker­bund austräte, so wären die drei hauptsächlich in­teressierten Mächte (Japan, Amerika und Ruß­land) keine Mitglieder des Völkerbundes.

Neuer Präsident von Mexiko

Mexiko (Stadt), 3. Sept. Präsident Or- tiz Rubin.hat überrasch,emd in einer Kabi­nettssitzung seinen Rücktritt bekanntgege­ben, den er mit Gesundheitsrücksichten be­

gründete. In politischen Kreisen ist man der Auffassung, baß der Rücktritt auf Mei­nungsverschiedenheiten mit dem früheren Präsidenten Calles, dem Führer der natio- nalrevolutionären Partei, zurückzuführen ist.

Mexiko-Stadt, 4. Sept. Der Kongreß wählte zum provisorischen Präsidenten von Mexiko den bisherigen Kriegsminister Rodriguenz, der am Sonntag den Eid auf die Verfassung leistete.

Verschärfte Lage in Schanghai

Schanghai, 4. Sept. Am Sonnabend wurde auf ein japanisches Geschäft im internationalen Vier­tel eine Handgranate geworfen, durch die ein Ja­paner getötet wurde. Ferner kam es am Sonn­abend in der internationalen Zone zu einem chinesisch-japanischen Zwischenfall. Eine japanische Patrouille verhaftete einen Chinesen, der jedoch von chinesischer Polizei mit Gewalt befreit wurde. Das japanische Oberkommando hat Bestrafung der in Frage kommenden Polizisten verlangt.

Infolge der antijapanischen Propaganda ist in Tschapei der Belagerungszustand verhängt wor­den. Alle japanischen Geschäfte werden von be­waffneten chinesischen Polizisten bewacht.

Lnonsu In lokio

Tokio, 4. Sept. Der deutsche Flieger von Gro- nau ist am Sonntag um 11 Uhr MEZ. im Flug­hasen von Tokio glatt gewassert.

Am Tokioer Flughafen hatte sich eine sehr große Menge von Zuschauern eingefunden, um das Ein­treffen Gronaus zu erwarten. Der Kaiser hatte einen Vertreter entsandt. Auch zahlreiche Ver­treter der japanischen Armee und Manne waren erschienen. Der Bürgermeister von Tokio und mehrere Vertreter der Behörden hielten an Gra­mm Ansprachen, in denen sie die Verdienste des

Im Snsilsmivsgsi

Im allgemeinen hat es wenig Zweck, sich mit bürgerlichen Politikern und ihren Aus-! lassnngen in der Presse zu beschäftigen. Wer 14 Jahre lang sein Licht unter den Scheffel gestellt hat, hat jetzt weder die Kraft, sichj zu regen, noch die Klarheit des Blicks, dies Dinge zu sehen, wie sie sind. Wer 14 Jahrs lang sein Christentum als mehr oder minder; kostbaren Privatbesitz unter Verschluß gehals ten hat. Hat das Recht verwirkt, sich mich denen auseinanderzusetzen, denen ihr? Deutschtum ein hohes Ideal war, das es int ganzen Volk zu verwirklichen galt, und! gleichzeitig eine heilige Verpflichtung, dafür; zu kämpfen mit einer Begeisterung undj Zähigkeit, die ohne Beispiel sind. Wenn! ihr's nicht fühlt, ihr werdet's nicht erjagen!

Wenn aber zu der Mischung aus bürgere sicher Beschränktheit, Unverständnis, Miß-s gunst und Papen'scher „Objektivität" ossens barer Haß tritt und seinen Träger zu uns erhörten Verleumdungen unserer Führer, fortreißt, dann hat jede Rücksicht zurückzu­treten vor der Notwendigkeit, ein solches; Vorgehen niedriger zu hängen. Das ist nun der Fall angesichts eines wbg,-Arti­kels mit der Ueberschrift „Im Gnadenwege" in der Abendausgabe der „Weser-Zeitung" vom Freitag. Am zweiten Teil des Ars tikels interessiert lediglich die Angst vor der möglichen Machtergreifung deS Natios nalsozialismus in Koalition mit dem Zen­trum. Um aber die Ungeheuerlichkeit des ersten Abschnitts klar herauszustellen, sei sein Inhalt sinngetreu kurz wiedergegeben! „Das Preußische Staatsministerium hat! Gnade vor Recht ergehen lassen, weil die neue Notverordnung den Verurteilten noch nicht bekannt war. Ob allerdings die Bestätigung der Todesstrafe — und damit also ihre Vollstreckung — nicht milder ges Wesen wäre, ist fraglich. Die nationalsozia-r listischen Führer allerdings sind enttäuscht) sie hätten die Vollstreckung der Todes-- strafe gerne gesehen, um aus dem Blute der Hingerichteten propagandistisch Kapital zu schlagen."

Man saßt sich an den Kopf und liest wieder und wieder und stellt erschüttert fest, daß es nicht möglich-ist, einen andern Sinn in dem betreffenden Satz zu erkennen. Jeder, urteile selbst! Der Satz lautet wörtlich: „Das Preußische Staatsmimstrrium hat durch den Begnadigungsakt den dernago-i gischen und sich nach Märtyrerblut seh­nenden nationalsozialistischen Führern die politische Waffe aus der Hand geschlagen."

Wer noch einen Funken von Gefühl für politischen Anstand, von Achtung vor der Ueberzeugung, der Ehrenhaftigkeit und deni reinen Wollen auch des politischen Geg-f ners sich bewahrt hat, muß mit uns eines Urteils sein über, sagen wir: eine politische; Abneigung der NSDAP. gegenüber, dies sich zu derartigen Anwürfen entwürdigen; kann.

Grundsätzlich ist zu der Begnadigung zii sagen, doß für uns natürlich das eine so schlimm und entwürdigend ist wie h,asl andere. Wir lehnen die These: Menschs gleich Mensch aus Grundsatz ab, wir wols len Gnade so wenig wie Formaljustiz nach dieser These, wir fordern deutsches Rocht, das dem Willen und der Anschauung des erwachten und seines Wertes sich voll bewußten Volkes entspricht! Hjz.

deutschen Fliegers und seine Leistungen auf den) Weltfluge würdigten.

Gronau beabsichtigt, eine Woche in Tokio zu bleiben, um sich von den Anstrengungen des Flu­ges zu erholen und gleichzeitig die technischen Er« rungenschaften der japanischen Fliegerei kennen zu lernen. Für den Aufenhalt Gronaus in Tokio wird von japanischer Seite in großzügiger Weiss gesorgt werden