Ausgabe 
(3.9.1932) Nr. 195
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Insekt statt Onaüv I

Wir» Loi'Lßvi'n vin onrlsnlliekes Q«»^ekKsvvpfsk^Sn

Das Preußische Stcmtsministersiw» Hat gestern vormittag k» einer Sitzung den Beschluß gefaßt, die t« Beuchen zum Tode verurteilten fünf SA.-M ärmer sämtlich zu ledeuslangltche« Zuchthaus z« begnadigen«

Wie wir LereiLs gestern in kKnom Teil lltnserer Auflage mitteilten, sind nunmehr unsere 5 SA.-Kamera.den in Beuthe» von der preußischen Regierung zu lebensläng­lichem Zuchthaus begnadigt (1) worden. Die preußische Stacrtsregiernng hat keiner der Erwägungen Raum gegeben, die von vns mit Recht angestellt worden sind, son-! kern sie hat den Hinweis, daß den Der-i Erteilten die neue Notverordnung noch nicht bekämet war, -als Hintertür benutzt, durch die sie aus der für sie peinlichen Lage ent­schlüpfen konnte« Es Handelt sich also viel­mehr um ein politisches Manöver, als um die menschliche Erkenntnis, daß dort nuten in Oberschlesien fünf Menschen im harten sGreuzkamps unter ständigem Terror mar­xistischer OrganisaNonen vielleicht das Recht der Notwehr nicht ganz eingehalten hätten/ »der niemals und unter keinen Umständen von einem deutschen Gericht zn Mördern tzestempelt werden dürften. >

Wir haben von vornherein gewußt, daß die Todesurteile nicht vollstreckt werden konnten, denn es hätte sich wohl kaum je­mand in Deutschland gesunden, der dann die verantwortlichen Männer vor dem los­brechenden Volkssturm geschützt hätte. Wir haben aber jetzt die Bestätigung in der Hauch daß die Preußenregierung.

tatsächlich kein Verständnis für die Lage dieser SA.-MLnner ausbringt, während sie es durchaus in der Ordnung findet» wie Reichsbannerleute und Kommuni­sten, die nicht für, sondern gegen das Vaterland kämpfen und dabei SA.-Män- r erschießen, dafür nur mit wenigen Jahre« Zuchthaus bestraft werden. -

Mit Erschütterung hören wir« Latz die .Krane» unserer Kameraden Lurch des un­geheuerlichen BegnadignugsaU zusammen­gebrochen find und es wird unsere Ans-gäbe sei», wicht zu ruhen, bis Mir durch Aus- rollung des Urteils Liesen MAteru wnd Krane» und darüber hinaus allen Völkisch empfindende» Krane» des Glauben -an die Gerechtigkeit der Nation wiedergegeben ha­ben.

Bezeichnend für dieObjektivität"-, mit der deutsche verantwortliche Stelle» Nöte des Grenzlandes behandeln, ist die Tatsache, daß

am 1». September in Beuthen das

erste polnische Gymnasium eröffnet wer­de» wird,

eine Ungeheuerlichkeit, wenn man bedenkt« mit welch brutalen Mitteln Polen fast sämt­liche deutsche Schulen in den geraubten Gebieten zerstört hat.

Mit einer Objektivität, die den Polen eine Schule in Deutschland schenkt und gleichzeitig fünf Grenzlandkämpfer lebens­länglich ins Zuchthaus schickt, können und dürfen wir nichts Zu tun haben. Wir Halten- uns an den Satz unseres Aührers: wer für Deutschland kämpft hat alles Recht, wer- aber gegen unser Volk sich stellt/ hat -gar kein. Recht.art.

stViveksi'Suknskmsver'ßsknsn

dsvonslsksnil

Berlin, 2. September. Im Zusammen­hang mit der durch das preußische Staats­ministerium ausgesprochenen Begnadigung der vom Beutheuer Svndergericht zum Tode verurteilten NwtiouaHoziiälisten zu lebenslänglichem Zuchthaus verlautet in un­terrichteten Kreisen, daß die Wiederaufnah­me des Verfahrens bevorstehe» dürfte. Das würde bedeuten, daß entsprechend der Not­verordnung über die 'Einsetzung von Sou- gerichteu der Prozeß noch einmal vor dem ordentlichen Gericht, und zwar vor -einem Schwurgericht stattfinden wird.

Unglsublieksi» tsoksLliiseliep ZusiiLleni'on

B rüuu« 2. September. Zu Beginn der Nachmittagsverhamdlusg im BrümnerHochaev- vatsproz-etz" verkündete der Vorsitzende Ve« Be­schluß, sämtlich« Beweisanträge der Vert-eidi-gung abZul-rhnen. Die Wlehnrmg wird bannt begründet, daß die Be- vrisanträge Umstände betrafen, die für die kntscheidung in diesem Prozeß unerheblich oder die dem Gericht bekannt seien. Zum Teil handle es sich um Zeugen- und Sachverständi- genveun-kchnmMgM über solch« Umstände, die der - freien B-eweiswürdignng des Gerichts anheim- gestellt seien und weder durch Zeugen, noch du^ch Sachverständige -erwiesen werden Wanten. DagieZL» werden drre .am L Sept-em--' b-er gesteTt«» Anträge der Staats­anwaltschaft zugelassen, weil sie, wie der Vorsitzende erWiänte, über Umstände geführt windex, He für den Prozeß von Bedeutung: seien.

Der Eindruck der Abweisung aller Anträge ' der Verteidigung war außerordentlich stark. Die, Verteidiger verließen den Saal,- nur «inen von ihnen als Beobachter zuräcklas- ' send. Die Angeklagten werden vnn, nun an anf Fra gen des Staatsan-' walts unter Hinweis anf die Ab-: v^senbeit der Verteidiger die Ant­

wort verweigern. ----- Nach Auffassung der Verteidigung bedeutet diese Entscheidung uichts -anderes als -eine Llare Rechts Ver­weigerung. Mit ihr dürfte der Mampf der Verteidigung und der Angeklagten um das Rocht im wahren Sinne des Wortes beendet sein. Abgewiesen wurden auf diese Art über 608 Beweisanträge, darunter MZ :a----Er­weise der Verteidigung.

Oüsie streng i«*iii Dupüek

Wie -erGrotzdeutschc Pressedienste zuverlässigst erfährt, wird der 2. Bundessührer des Stahlhelm, BdF., am Tage nach Beendigung des Berliner Stahlhelmausinarsches von der Dundcssuhrung zurücktreten. Der Grund zu diesem nur für uneingeweihte Kreise überraschenden Schritte ist darin zu suchen, daß Oberstleutnant a. D. Theodor Düsterberg ganz unzweifelhaft jüdischer Abstam­mung ist, wie jetzt an Hand des Stammbaumes einwandfrei festgestellt wurde« Danach war der Großvater Düsterbergs, Selig Abraham D. (später Felix August) der Sohn eines Vorstehers der israelitischen Gemeinde i« Paderborn und Voll­blutjude. Ebenso der Vater, Georg Düsterberg, der sich allerdings nnt einer Christin verheiratete, so Laß der schon als ehemalig zu bezeichnende Zweite Bundessührer des Stahlhelm und Reichspriijident-

fchäftskaMdat Theodor Düsterberg also Halbjude ist.

Die Unterlagen Dr die Mitteilung stammen aus der Zeitschrift .Der deutsche Roland", Mit- teilnmgsblatt des -deutschen Sioland-Verems Dr LeutschMtische SippLukunde.

k'kUckiepfUlkting, irsmsnsrlsvtisft untt V«i»tnsusn

Meichstagsprösident Goering vor den Beamten des Reichstags

Del der Vorstellung der Beamten, An­gestellte« nnd Arbeiter des Reichstags durch Direktor Geheimrat Galle machte der neue ReichstaZsprLsideut, Pg. Goering» be-1 merkenswerte Aussührungen über sein Ver­hältnis Zum Personal des Reichstags« das er aus nationalsozialistischen Grundforde- rungen aufgebaut wissen will.

Er erklärte, er kenne keinen Unterschied gesellschaftlicher Schichtungen, er kcmre nur eine Volksgemeinschaft. Drei Dinge ver­lange er nud wolle er ganz besonders uirter- streichcn: strengste Pflichterfüllung bis zum letzten, Kameradschaft, die allein einen ein- Hcitli-chen Beanrtenkörper verbürge, und ge­genseitiges Vertrauen. Er messe einen jeden ganz nach seinem Wollen und Können und stehe streng aus dem Leistungsprinzip. Ueber allem aber stehe Gerechtigkeit, gepaart mit Wohlwollen. Seiner Mitarbeiter Sorge fei auch seine Sorge. Er würde stets bemüht sei«, über den Dienst hinaus ein persön­liches Verhältnis zn den Beamte» nnd An­gestellten zu finde». Sein« Türen stünden jedem unterschiedslos offen. Dienstvorschrif­ten müßten natürlich geachtet werden. Gern aber wolle er jedem einzelnen menschlich näher treten.

,Pg. Re-ichstagspräsident Goering führte ferner -aus, er könne teiuessalls dulden, daß . ei» Beamter seine Stellung mißbrauche oder ausuütztz, um Dinge in die Oef-sent- sich kell Zu bringen, die »wr in den Reichs­tag hiueingehöreu. Die Zahl der Beamten

sei so tzroß, daß -er Heute nicht jedem Du Hand drücke» könne. Er wolle das aber in den Nächste» Tagen nachhole», wenn er alle Beamten und Angestellten in ihren Büros, und bei der Arbeit aussuche«

Der Beobachter konnte sich dem Gefühl nicht entziehe», daß diese Worte eines na­tionalsozialistischen Kührers unter der An-» gestellten- und Beamtenschaft den größte» Eindruck erweckten.

Vsntnsgsdi'uek rlsn

London, 2. September. DerStar" gibt solgeude Erklärung über die deutsche Gleich- berechtiguuMorderung ab: Deutschlands Gleich-, berochtigungsanspruch in der Abrüstungsfrage ist lediglich eine Bekräftigung der deutschen For­derung nach «Fair Play". Diese Forderung hat die Einfachheit der -elementaren Logik. Sir stützt sich auf Teil V des Versailler Vertrages. Die deutsche Abrüstung ist anf den Buchstaben genau gemäß dem Vertrag ausgeführt worden und die Franzosen erlauben sich, Deutschland mit Sprüchen über die Heiligkeit der Verträge zn antworten. Uns scheint es jedoch, daß den alliierten Diplomaten nichts anderes übrig bleibt als ihre H ände Z u erh eb en und Zu bek ennen, daß sie Vertragsbruch begangen haben. Das ist die Bedeutung der Klausel für uns, wie sie auch in der gewundenen Spra­che der Diplomatie ausgelegt werde« mag.

SozialdemokratischeVolksstimme" verbaler

Kassel, 2. Seht. Der Ober-präsident der Provinz Heistu-Waussau teilt mit:

Der Oberpräsident der Provinz Hessen-Nassau hat die in Frankfurt am Maiu erscheinende Tages­zeitungVoWstimme", Organ der Sozialdemo- krabie Dr 'Südwestdeutschland, Dr die Zeit von? -3. bis einschl. 2. September verboten.

Ls knsokl IN 8 PO.

OppOSttivn ÄST KGlLDH8dsnnvK*s unü Äsr*

Als ,ccm 29. Juli morgens, Severing dem MesHÄanzler von Popen auf die Mitteilung von seiner Absetzung Hin erWote, er -weiche nur der ! Gewalt, schwebte einen Halben Lag lang eine un- > geheure Spannung über Berlin, welche Taten die­semgroßen" Wort folge« würde«. Bis dann am - -Nachmittag Herr Sevevimg das Preußische Jnnen- miuisterium verließ und seine Privatwohnuug aufsuchtkp nachdem Herr Bracht ihmGemalt an- - gedroht 'hatte", bis das tote Polizeipräsidium von einem MckchswchrhaNPtmann und Zehn Wann nrätt gesetzt wurde. Damals erhielt das sowieso. nicht sehr imponierende Gebäude der Eiserne« i Front seinen -ersten schweren Riß. Das Reichs-! banuvr und die Hammerschasten der Gewerkschas-, ^en Hatten sich das ^Weichen" anders vorgestellt.; Herr HLltcrmcmn verließ demonstrativ eine der! aufgeregte« Sitzungen -des DAaldemokraLsche« - Paüteivorstandes. ^

Nun kommt aus Berlin die Nachricht, daß der! Miß dabei ist, weiter auseinander zu klaffen. Die > Fungeü" wollen nicht mehr so zwitschern wie! dieWies" Dngen. !

DieBerliner Börsrnzeitung" ist in der Lage, einen eingehenden Bericht über die Sitzung der sozialdemokratische« M-eichstagssraLtio« am 1. Sep­tember zu bringe», in der es zu heftigen Zusam­menstößen gekommen ist. In der Sitzung sind ge­gen Severing wegen der Vorgänge am 20. Juli - starke Vorwürfe erhoben worden, gegen die er. sich vergeblich Zu rechtfertigen verDchie. Es kam ^ Zu derartig erregten Szenen, daß die Sitzung aus, Line Stunde unterbrochen werden mußte.

Daraus sah sich der Fraktionsvorstand zu denk Zugeständnis gezwungen, dir Abgeordneten Fritz Gbert und Dr. Schumacher im den Vorstand zu berufen. Auch der Parteivooftand soll um ein Paar -Junge", die Abgeordneten Krau Pfülf und Schimesche erweitert werden. Ein «sehr beachtliches Symptom! Ob sich diieOpposition" mit diesen -Humgerkissen zufrieden geben wird? Wohl kaum. Besonders weil es auch sonst »och im Gebälk der Eisernen Front" bedenklich knackt.

Der ,LMgdeutsche", der dank seiner gute« Be- -ziehnngen zu -dem Linkem immer gut Dformtevt ist, weiß folgendes zu melden:

Das Reichsbanner hat bisher weitgehend zu Ganführern und Unterführern die von der SPD besoldeten Parteifunktionäre gemacht. Zurzeit sind' starke Bestrebungen im Gange, diese Funktionäre vom ihrem Führerpasten im ReichNmnner zu be- seitigen und unabhängige Reichsbannern!itglieder zu Führern zu machen. Insbesondere machen sich solche Bestrebungen im 'Berlin und in der Pro­vinz -Brandenburg deutlich bemerkbar, sie find -aber «auch in anderen -Landesverbänden, so ins­besondere im Rheinland und Westfalen vorhanden. Man will sich die politische Bevormundung durch die sozialdemokratische Parteileitung nicht mehr gefallen lassen. Die Freien Gewerkschaften haben schon mehrfach zn erkennen gegeben, daß fie mck der Opportunitätspolitik und Taktik der Parte­ileitung nicht immer unverstanden find, da dbör- «ne z. B. während der Regierung Brüning, ? > den Gewerkschaftsinteressen entgegenstand."

Eiserne" Front? Freiheit!

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