Ausgabe 
(2.9.1932) Nr. 194
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»lag und Geschäftsstelle: Papenstraße 18, Redaktion: Lange«» "! 48. Sprechstunde der Redaktion: Montag bis Freitag vva 18 bis 19 Ubr. Fernsprecher: Domsheide 25878.

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Berlin, 1. Sept. Die Partei veranstaltete am Donnerstag im Sportpalast ihre erste Kundgebung «ach Ablauf des Burgfriedens. Lange vor Er­öffnung der Kundgebung war der riesige Raum bis zum letzten Platz gefüllt, so daß sich die Po­lizei zur Sperrung des Sportpalastes veranlaßt sah. Im Mittelpunlt der Kundgebung stand eine Rede des Führers zur Politischen Lage. Hitler erschien l« SSll-Uniform, i« Begleitung des Reichstagspräsidenten Goering und der Abgeord­neten Dr. Frick, Dr. Goebbels und Prinz Au­gust Wilhelm und wurde mit minutenlangem Ju­bel begrüßt.

Nachdem die Umflorten SA.-Standarten und »Fahnen unter den Klängen des Deutschland-Lie­des in den Saal gebracht worden waren sprach Zunächst Dr. Goebbels, der den Versuch,' Hitler Von seiner Partei zu trennen, als aberwitzig be­zeichnete.

Der Führer stellte an die Spitze seiner Er­örterungen den Gedanken, daß sich das Rad der Geschichte nicht zurückdrehen lasse. Es gebe heute Menschen, die glaubten, das Jahr 1932 könnte plötzlich umgeschrieben werden auf 1918, und die dazwischenliegenden 13 Jahre könnten Plötzlich vergessen werden. Die Leute irrten sich, wenn sie meinten, sie brauchten nur modernisiert wieder in Erscheinung zu treten. Sie würden aber in den nächsten Monaten schon noch erfahren, daß, wer solche Spanne der Geschichte verschlafe, nicht im 14. Jahr die Kraft besitze, sich denen entgegen­zusetzen, die 13 Jahre, gekämpft hätten. (Stürmi­scher Beifall.)

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Man wolle nicht einsehen, daß jede Reform eines Staates nur dann einen Sinn habe wenn sie den Staatsinhalt und die Volksmeinu'ng be­rücksichtige. Wenn jemand sagt, er lehne den Parteistaat ab, so antworten wir: Auch wir, Herr von Papen wollen keinen Parteistaat, besonders Nicht einen, der auf einer so schmächtigen Basis wie der des Herren-Clubs gegründet ist." Jeder grundlegende Wandel im Leben der Staaten sei immer zurückzuführen auf einen grundlegenden Wandel im Willen des Volkes. Niemals wäre der deutsche Zusammenbruch eingetreten, wenn die klugen Männer von heute, die im Jahre 1932 plötzlich in die Kampfarena des politischen Lebens getreten seien, sich schon 1918 für diese Frage interessiert hätten. Der Unterschied zwischen Partei und Partei sei der, daß die eine endlich im Herren-Club lande, während die andere in einer Volksbewegung ende, die eine Nation erfasse.

„Wir, so erklärte Hitler, waren auch nicht mehr als dieser Club, aber in 14 Jahren ist aus dem Club praktisch die große Volksbewe­gung geworden und die Gruppe, aus der die Männer stammen, die uns heute bekämpfen, wird »ach menschlicher Voraussicht in den näch­sten Jahren nicht größer werden, als sie ist, während die Gruppe, die sich hinter uns be­findet, nach menschlicher Voraussicht in wenigen Jahren die Ration sei« wird."

Wenn Herr Hugenberg sagt, das deutsche Volk lehnt die Diktatur einer Partei ab, gebe ich ihm recht, besonders wenn diese Partei ein Klub ist. Die bürgerliche Welt war gänzlich unfähig, ir­gendeine Basis abzugeben für das innere Leben einer Nation. Heute glauben die Herren, daß neue Voraussetzungen ihrem Wiedereintritt in das tzo-

Mfche Leben günstig seien. Ich kann ihnen ein für allemal erklären, die nationalsozialistische Be­wegung hat es einst unternommen, in diesen ganz zerrissenen Volkskörper wieder eine einheitliche Lebensauffassung hineinzutragen, eine Weltan­schauung zu vertreten. Wir haben auf großen Ge­bieten dem deutschen Volke eine vollkommen neue Einsicht gegeben. Wir haben ihm klar gemacht, daß SvzialiLmus und Nationalismus iden­tische Begriffe sind und daß Kasten- und Klassen­geist vernichtet werden müssen.

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Ich sage alle« unsere« Gegnern:

Bildet Euch Nicht «n, Latz Ihr unsere lrbeit besiege« könnt! A« der Gewalt iserer Idee« und der Kraft unserer Bewegung werdet Ihr zerschellen!

Was meint Herr von Papen mit konservativer Staatsauffassung? Der Bolschewismus in Ruß­land ist in seinem Sinne selbsterhaltend und kon­servativ. In welchem Sinne ist Herr von Paven konservativ? Im Sinn der jetzigen Republik oder im Sinne der Vergangenheit? Ich versichere feier­lichst? Konservativ sind wir, indem wir das höchste Gut, das es zu bewahren gibt, in den Mittelpunkt unserer Betrachtungen stellen: Unser Volk. Nicht- konservativ find wir, wenn es sich um Erhaltung von Ständen und Klassen und von Vorurteilen handelt. Da find wir absolut revolutionär.

Weiin morgen der Bolschewismus siegen würde, wollen dann die Herren etwa auch in ihrer naiven Art erklären, daß das den Staat, die Staars- autorität, den Staatsgedanken nicht berührt? Es würde nicht nur den Staat berühren, sondern sie selbst.

Genau so kann ich Ihnen versichern, daß, wenn übermorgen der Nationalsozialismus Sieger sein wird, auch das den Staat berührt. Das Bürger­tum hat jahrelang in der Hoffnung gelebt, es könne eine Bewegung kommen, die den deutschen Arbeiter aus dem Marxismus herausführe, um ihn dem Bürgertum zuzuführen, Man darf über-

München, 1. September. Am Mittwoch versammelten sich im großen Saale des Reichstages die Mitglieder der national­sozialistischen Reichstagssraltion, um sich von den Vertretern der Reichsleitung über den Stand der Arbeiten in der Arbeitsbe- schaffungsfrage berichten zu lassen. Frak- tionssührer Dr. Frick betonte als Leiter der Sitzung die richtunggebende Bedeutung die­ser Frage. Dann nahm der Vorsitzende des Reichswirtschaftsrates der Partei, Feder, das Wort zu einem Bericht über die bereits geleistete Vorarbeit und die beabsichtigten Maßnahmen. Die Finanzierungspläne der Papeir-Regierung seien unter stürmischer Zustimmung der gesamten Fraktion restlos abgelehnt und nicht etwa als kühne, son­dern als die tollste« Pläne bezeichnet wor­den, die man sich denken könne.

Anschließend sprach von der Reichsleitnng der NSDAP. der Abgeordnete Köhler, Er betonte, das sogenannte große Programm des Herrn von Papen diene nicht der Be­seitigung der. Ardeitslosigke.it u,nd nicht der

zeugt sein: dieses Volk ist ein wilder Mustang, und wer dieses Pferd zähmt, kann es auch nur reiten. Der frühere Reichsinnenminister Groener hat geglaubt, die SA. unter seine Führung stel­len zu können. Er hat sich geirrt.

Diese Bewegung, diese Standarten und Stürme haben nicht nur ihre Disziplin, sie haben auch ihren Willen, und selbst wenn ich sie preisgeben wollte, Herr von Papen, würden Sie sie niemals bekom­men. (Minutenlanger Beifall.)

13 Jahre lang hat das Bürgertum den Kampf gegen mich geführt, mich von Gericht zu Gericht geführt. Immer wieder hieß es: Können Sie be­eiden, daß Sie nichts Verfassungswidriges unter­nehmen wollen, daß Sie legal kämpfen wollen? Ich konnte das in der Tat, denn wir kämpfen ja um das Volk. Ich will ja gar nicht, daß ein kleiner Klub in Deutschland die Diktatur er­greift.

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Ich konnte leicht schwören. Aber die anderen hätten mir den Eid nicht abnehmen sollen. Denn jetzt, wo die Zeit für uns kommt zur Führung des Staates, jetzt sagen sie: „Die Verfassung hat keinen inneren Sinn. Der Parlamentarismus ist überlebt." Jetzt, wo wir 230 Mann im Reichs­tage haben, erklärt man die Form der Demo­kratie für veraltet und meint, daß das Volk nach neuen Formen dränge. In diesen schweren Stun­den befindet sich

-er Herrsn-Ckub in Geburtswehen, um dem Volke eine neue Verfassung zu schenken. Auch Herr Hugenberg ist heute der Ueberzeugung, daß es keinen geeigneteren Mann in Deutschland gibt als den Herrn Reichspräsidenten und daß aus seinen Händen das Volk das bekommen wird, was es braucht — nach konservativer Staatsauf­fassung. Euer Bekenntnis kommt zu spät. Wenn Ihr sagt, Ihr wollt jetzt das Parlament korri­gieren —

Herstellung des Rechtes auf Arbeit, sondern nur der sogenannten Sicherung des Staats­haushalts und der Entlastung der Arbeits­losenversicherung. Der Kamps der NSDAP. gehe nicht nur darum, den Arbeitslosen wieder Arbeit z» verschaffen, sondern auch ganz unmittelbar darum, daß die künstliche und verbrecherische Erhaltung der Arbeits­losigkeit durchbrochcn, die Diktatur des Leih­kapitals entthront und die Arbeit in ihr Recht als Retterin der Wirtschaft eingesetzt werde. In diesem Zusammenhang bezeich­nete Köhler die Anträge der Sozialdemo- kraten als „Scheinanträge". Ueber weitere wirtschaftliche Ziele der NSDAP. sprach dann der Abgeordnete Tholens von der Reichsleitung. Die Referate faßte Neichs- organisationsleiter Gregor Strasser in einem Schlußwort zusammen.

Am Nachmittag wurde zwischen den Ver­tretern dar Reichsleitnng und den anwesen­den nationalsozialistischen Ministern und Reichstagsabgeordneten die Sitzung zu Ende geführt. '

wir wollen, daß der Wille des Volkes befolgt wird.

Wir wollen, daß dieser neugestaltete Wille den Weg frei bekommt zur weiteren Gewinnung des deutschen Menschen, und wir wollen, daß dieser Wille auch dem deutschen Reich den Stempel aus» drückt."

Man sagt, Bismarck hat auch einst gegen den Reichstag regiert und später doch die Rechtfertig gung erhalten. Das war Bismarck und das war Kaiser Wilhelm der Große. Damals war es eilt Kampf um Länder, der auf dem Schlachtfeld ent­schieden werden konnte. Heute dagegen ist es eilt Kamps um Weltauffaffuugen, der im Volk ent­schieden werden muß. Wenn man bereit ist, auctz uns an der Regierung zu beteiligen, so könnend wir nur jagen, daß man unsere Lage vollkom­men verkennt. Es ist uns nicht um Gnade z« tun; denn

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Wenn man uns sagt, wir hätten nur 37 v. H., so wollen wir darauf hinweisen, daß man, um regieren zu können, 51 v. H. braucht, daß wir Nationalsozialisten also bereits A von den not­wendigen 51 v. H. haben und die anderen nur ein Viertel. Wenn man uns weiter entgegnen Wir haben die Macht, so bekunden wir dazu zumk Unterschied von diesen heutigen Staatskünstlerq feierlich folgendes: Wenn das Schicksal uns Na- tionalsczialisten die Macht in die Hand drückt, werden wir in keiner Sekunde die Macht gebrau­chen, um uns durch sie zu erhalten.

Wir bekennen feierlich, daß für uns das Reichs- Heer nicht zum Schutze einer Regierung, sonder« zum Schutz des Reiches da ist. (Stürmischer Bei­fall.) Wir versichern feierlich, daß wir für dieses Heer sorgen werden wie niemals zuvor für eS gesorgt wurde. Jeder soll sagen können: Das sind unsere Soldaten, des deutschen Volkes Regimenter- (Stürmischer Beifall.)

Die Gegner sollen uns nicht sagen, daß die Macht hinter ihnen steht-, denn ein Regiment, das sich nur auf Bajonette stützt, mißbraucht das kost­barste Gut, das ein Volk hat. Wir werden unsere Herrschaft mit dem Willen und dem Mut unserer eigenen Anhänger zu schützen wissen. Wenn ge­wisse Politiker ihre Bedenken dagegen ausspre- chen, daß wir uns noch einmal mit anderen Par­teien verbinden wollen, so sage ich dazu:

Ich appelliere an das deutsche Volk, zu ver­hindern, daß nun plötzlich ein System sich i« TeatMe.nd mit Mitteln durchzusetzen versucht, die nicht anständig sind. Ich protestiere dagegen, daß man plötzlich unser Geistesgut uns nehme» will in der Meinung, damit vielleicht sich selbst erhalten zu können, während wir damit Deutsch­land retten wellten. Ich bin entschlossen, da­gegen den Widerstand aller anständigen Deut­schen zu entfachen. Mein Atem ist länger als der meiner Gegner. Wir werden die Zeit schon überstehen, weil in unserem Lager das Deutsch­land der Zukunft lebt.

Der Führer schloß mit der Versicherung, dag die Bewegung doch letzten Endes den Sieg davon­tragen werde. „Wenn ich", so schloß er, „vor zwei Jahren Herrn Groener prophezeite, daß dis Stunde kommt, in der der deutsche Reichstag braun schimmern wird und er es damals nicht glauben wollte, dann will ich heute der Regie­rung Papen erklären:

Es kommt der Tag, da wird Deutschland braun schimmern!"

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