Ausgabe 
(31.8.1932) Nr. 192
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Gestützt von zwei Parteifreunden wird die Altcrsp.üsidentin Frau Zetkin zum Präsiden­tenstuhl geleitet. Unterdessen läßt die kommu- ! ist sch" Fraktion einen Sprechchor steigen. Die Demonstration wird von den übrigen Mitglie­dern des Hauses stillschweigend hingenommen. Dann ergreift Frau Zetkin die Glocke» um ihre Ansprache zu beginnen. Sie stellt fest, daß sie das älteste Mitglied des nengewählten Reichs­tages ist.

Nach der Bildung des vorläufigen Büros fährt Klara Zetkin fort» dem Reichstag eine kommunistische Propagandarede zu halten» die sie jedoch nur mit großer Anstrengung unter dem Beistand des Kommunisten Torgler zu Ende bringt» während der übrige Reichstag» aus­genommen die SPD, von ihr keine Notiz nimmt.

Darauf erfolgt der Namensaufruf durch die Schriftführer» der längere Zeit tu Anspruch nimmt. Dieser Namensaufruf, zu dem auch die deutschnationalen Abgeordneten wieder den Saal betreten» hat das Ergebnis, daß 578 Ab­geordnete anwesend sind, der Reichstag also be­schlußfähig ist.

Nach Verlesung von 14 dem Reichstag in der Zwischenzeit zugegangenen Vorlagen der Neichs- regierung über Notverordnungen usw. be­schließt das Haus entsprechend Anträgen der Kommunisten und der Nationalsozialisten» die Freilassung zweier in Haft genommener Abge­ordneter der KPD und der NSDAP zu bean­tragen.

Die Mterspräsidentin Frau Zetkin erklärt dann, daß nach Feststellung der Beschlußfähigkeil des Hauses die Wahl des Präsidenten und fei­ner drei Stellvertreter zu erfolgen hat.

Zur Wahl des Präsidenten schlägt Abg. Dr. Frick (Nat.-Soz.) den Abgeordneten Goering (Nat.-Soz.) vor, während ALg. Rädel (Kom.) den Abgeordneten Torgler (Kmn.) in Vorschlag bringt. Abg. Dittmann (Soz.) teilt mit» daß feine Fraktion für den bis­herigen Präsidenten Abgeordneten Lüde stim­men wird.

Die Abstimmung ergibt dann die Wahl des Pg. Hauptmann Goering mit 367 Stim­men zum Präsidenten des Reichstages«

Für seine Wahl stimmten außer den Natio­nalsozialisten das Zentrum» die Deutschnationa­len, die Bayerische Volkspartei und die Deutsch Volkspartei. Ferner erhielten Abgeordneter Löbe (Soz.) 135 Stimmen und Abgeordneter

Torgler (Kom.) 80 Stimmen. Das Ergebnis der Abstimmung wurde bei den National sozialisten mit stürmischen Bravo­rufen und Händeklatschen aufge­nommen.

Pg. Goering erklärt auf Befragen der Alterspräsidentin, daß er die Wahl annimmt. Unter den Heilrufen der Nationalsozialisten nimmt er den Platz des Präsidenten ein und dankt mit dem Hitler-Gruß für die Kund­gebung seiner Fraktion. Er erklärt, er werde sein Amt unparteiisch, ge­recht und nach der bestehenden Ge­schäftsordnung ausüben, für die Ordnung und Würde des Hauses sorgen» er lasse aber keinen Zwei-, sel» daß er ebensowenig die Würde und Ehre des deutschen Volkes an­tasten lassen werde (erneute Bravorufe und Heilrufe der Nationalsozialisten» die die Ansprache stehend anhören).

Präsiden* Goering beruft als Schriftführer die Abgeordneten Kaufmann und Lindner (Nat.- Soz.h Frau Teutsch (Ztr.) und Laversnz (Dn.).

Es folgt dann die Wahl der Vizepräsidenten. Auf Vorschlag der Nationalsozialisten wird der Abg. Esser (Zentrum) in der Stichwahl» da im ersten Wahlgang keine Entscheidung gefal­len war» gegen den Sozialdemokratin Löbe zum ersten Vizepräsidenten gewählt.

Zweiter Vizepräsident wird^der Abg. Graes-Thüringen (Dn.)» dritter der Abg. Rauch-München (Bayer. V p.).

Es werden dann die Mitglieder des Ausschus­ses zur Wahrung der Rechte der Volksvertre­tung und des Auswärtigen Ausschusses genannt. Die Konstituierung sämtlicher übrigen Aus- schüsse des Reichstags soll am Mittwoch er­folgen.

Präsident Goering bittet darauf das Haus um die Ermächtigung, dem Reichspräsidenten gegenüber in einem Telegramm die Bitte aus- zusprechen» daß er dem Präsidium des Reichstages unverzüglich einen Empfang gewährt. Widerspruch gegen diesen Vorschlag erhob sich nicht.

Präsident Goering erklärt weiter: In den letzten Tagen Haufen sich in der Presse aller Richtungen die Nachrichten über eine beab­sichtigt« Ausschaltung des Reichs tag es. Der Reichstag soll angeblich über keine arbeitsfähige Mehrheit verfügen. Als Präsident des Reichstages weise ich derartige unverantwortliche Gerüchte zurück. (Bravo- (Fortsetzung aus Seite 2.)

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Strählend blauer Himmel. Im Sonnsngold keuchtet die Kuppel des Reichstagsgebäudes. Die derzeitige Reichsfahne zeigt, daß heute endlich wieder einmal Sitzung ist. Schon am frühen Morgen stehen Tausende» meist Arbeitslose» die einmal wieder ein Schauspiel erleben wollen, vor dem Neichstagsportal» das von einem Heer von Photographen umlagert ist.

Um 10 Uhr ein kleines Vorspiel. Die kommu­nistische Alters-Präsidentin Klara Zetkin fährt an der Wasserseite, am Portal 5» vor» da, wo es keiner sieht und wo es menschenleer ist. So wird sie von niemand beobachtet. Vier kräftige Kom­munistenfäuste greifen zu, heben sie aus dem Wa­gen und tragen sie in das hohe Portal hinein. Das ist die Fratze des Parlamentarismus in Deutschland! Sie entlarvt sich selbst.

Um 1 Uhr, in der ersten Fraktionssttznng der NSDAP, werden die neuen Abgeordneten in die heiligen Gc ehe des hohen Hauses eingeweiht. Vor­sitzender Dr Frick gibt Weisungen und Richt­linien für das Verhalten der 230-Männer-Frak- tion am heutig:,i Tage.

Im Vertan: der langen Sitzung wird folgende Depesche an die zum Tobe verurteilten SA.-Leute in Beuchen geschickt, die zeigt» daß sie von den von ihnen gewählten Volksvertretern nicht ver­gessen werden:

„Wir grüßen Euch fünf Kameraden in treuer Derbunkcicheit. Euer Schicksal machen wir zu dem unseren. Wir werden nicht ruhen» bis der Kamps um Euer Leben zum Siege geführt hat!

Heil Hitler."

Sodann erfolgt die Bekanntgabe der Einteilung der Fraktion: Vorsitzender ist wieder Dr. Frick, Stellvertreter Gregor Straffer» geschästsführeuder Vorsitzender Stöhr, in den Vorstand treten außer­dem Goering und Himmler.

Dazu tritt ein 'Erweiterter Vorstand, zu dem die 12 gehören, die seit dem 28. Mai 1928 im Reichstag sind.

Um 3 Uhr schrillen die Glocken durch das Haus, das große Ereignis steigt. Klara Zetkin besteigt den Präsidentenstuhl, nein, sie wird fast hinaufge­tragen. Was die Kommunisten und ihre Freunde erhoffen, tritt aber nicht ein. Mit eiserner Ruhe und Disziplin sitzen die 230 Braunhemden da. Ihre Rede — die ihr Torgler eifrig soufflieren mutzte — ist eine der üblichen Hetzreden der Mut­ter der Revolution gegen den bürgerlichen Libera­lismus, den Kapitalismus und den Faschismus.

Alsdann geht es an den langweiligen Namens­aufruf der 600 Abgeordneten.

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Berlin, 30. August. In den Vormittags­stunden herrscht beveits reges Leben und Trei­ben im Reichstagsgebände. Auch in der nähe­ren Umgebung des Reichstages vermehrt sich von Stunde zu Stunde die Zahl der Neugieri­gen. Da und dort sieht man Nationalsozia­listen in Braunhemden den Reichstag betreten Polizeiliche Absperrungsmaßnahmen in der Nähe des Reichstages setzten um die Mittags­stunde in ziemlich erheblichem Umfang ein.

Zur Eröffnungssitzung des Reichstages sind die Tribünen schon einige Zeit vorher überfüllt. Auch das Haus selbst ist nach dem geschlos­senen Einmarsch der nationalso- Si.lllistischen Fraktion in SA- und SS-Uuiform ebenfalls dicht besetzt, die Abgeordneten sind fast vollzählig erschienen. Viele Mitglieder der deutschnationalen Frak­tion bleiben der Sitzung zunächst fern.

Pg. Goering wurde am 12. Januar 1893 in Ro- senheim (Oberbaycrn) geboren. Er besuchte das Gymnasium in Fürth und Ansbach» später die Kadettenanstalt in Karlsruhe und Groß-Lichter- felde. 1912 erhielt er das Leutnantspatent im In­fanterie-Regiment 112. Bei Ausbruch des Krieges war er Bataillons-Adjutant. Im Oktober 1914 wurde er Flugzeug-Beobachter, bald darauf Flug­zeugführer. Als Jagdflieger und seit Mai 1917 Führer einer Jagdstaffel» errang er zahlreiche Luftsiege und wurde mit dem höchsten preußischen Orden „Pour le merite" ausgezeichnet. Im Juli 1918 wurde er an die Spitze des berühmten „Jagdgeschwaders Freiherr v. Richthofen" berufen» dessen Führung er bis zum Zusammenbruch im November 1918 behielt. Nach der Demobilmachung erhielt er als tzauptmann seinen Abschied.

Zu den Jahren 1920/21 war er als Klugchef bei

der „Svenska Lufttrafik" in Stockholm tätig. Dort schloß er'die Ehe mit der schwedischen Ba­ronin Fock, die ihm 1931 durch den Tod ent­rissen wurde. Nach Deutschland zurückgekehrt, stu­dierte er 1922 und 1923 in München Volkswirt­schaft und Geschichte. In diese Zeit fällt seine Er­nennung zum obersten SA-Führer. Beim Hitler- Putsch wurde er verwundet und von Freunden über die österreichische Grenze nach Innsbruck ge­bracht. Von dort begab er sich nach Rom» wo er bis 1925 blieb und die ersten Verbindungen zum Faschismus und Mussolini anknüpfte.

Nach der Amnestie des Jahres 1927 kehrte er nach Deutschland zurück und nahm seinen Wohn­sitz in Berlin. Seit der Maiwahl 1928 gehört er als Abgeordneter der NSDAP dem Reichstag an und wurde nach der Septemberwahl 1930 zum stellvertretenden Zraktionsführer ernannt.

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Grundsätzliches zur politischen Lage Die innerpolitischen Verhältnisse in Deutschland! zeigen äußerlich fast täglich ein anderes Bild, ohne daß sich im Grunde die Fronten ändern und die zu lösenden Probleme eine Klärung finden, Als das Kabinett Brüning verschwand» löste der Reichspräsident den Reichstag auf und ernannte ein Uebergangskabinett zur Durchführung der Neuwahlen» die der neuen Willensvildung des deutschen Volkes Ausdruck geben sollten. Aus bürokratischen oder anderen Gründen ermöglichte die Regierung Papens der Sozialdemokratie es, einen hemmungslosen Lügenfeldzug gegen die NS­DAP zu eröffnender, unterstützt durch die Organi- tion der freien Gewerkschaften, unter Mißbrauch der Interessen der Arbeiterschaft» denen sie dienert sollten, eine absolute Mehrheit der NSDAP zu­sammen mit den Deutschnationalen verhinderte.

Bei ruhiger Ueberlegung wird auch der sachliche politische Gegner zugeben müssen, daß die Stirn« menzahl der SPD und der Kommunisten nicht auf Ueberzeugung und Erkenntnis der besten Le-

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Berlin, 30. August. Der Polizeipräsident teilt mit: Die in Berlin erscheinende Tages­zeitung, der „Vorwärts", einschließlich ihrer Abendausgabe der „Abend" ist mist sofortiger Wirkung auf die Dauer von dreii Tagen bis einschließlich den 2. September 1032 verboten worden. Das Verbot er­folgte wegen einer Abhandlung» die das Programm des Reichskanzlers als das Pro­gramm des Verfassungsbruches bezeichnet

bensmöglichkeiten, sondern auf eine völlige Ver­drehung der politischen und wirtschaftlichen Ver­hältnisse aufgebaut ist. Eine wesentliche Unter­stützung fand die Sozialdemokratie in der bürger­lichen Presse und den hinter ihr stehenden Par­teien, die alle zusammen ihren Wahlkampf aus­schließlich gegen die NSDAP führten und so in­direkt dem volkszerstörenden Marxismus zu Hilfe kamen.

Das weitere Verhalten des Reichskanzlers von Papen scheint darauf hinzudeuten, daß ihm diese Entwicklung durchaus willkommen war. Während' der Reichspräsident in früheren Zeiten selbst So­zialdemokratin mit der Regierungsbildung beauf­tragte, die kaum die Hälfte der Stimmen hinter sich hatten wie Adolf Hitler, versuchte man die Verhandlungen mit unserem Führer von vorn­herein auf ein unmögliches und aussichtsloses Gleis zu schieben. Herr von Papen ist politisch zu klug um nicht selbst zu wissen» daß man nicht 14 Jahre lang eine neue Weltanschauung predigt und daraufhin die größte Organisation aufbaut, die je in der Weltgeschichte geschaffen worden ist, um kurz vor dem Ziel die so errungene politische Macht einem anderen abgeben zu können. Wenn sich Herr von Papen und die ihm freundlich ge­sonnene Presse sowie die Deutschnationale Volks­partei auf den Standpunkt stellen, die Ernennung des gegenwärtigen Kabinetts bedeute die endgül­tige Lösung vom Parlamentarismus und maN verstehe die Nationalsozialisten nicht, daß sie sich jetzt zum angeblichen Schützer dieser RegierungZ- formen aufspielen, so geht diese Auffassung voll falschen Voraussetzungen aus. Als alle anderen Parteien, auch die Deutschnationalen noch in Par­lamentarismus schwelgten und zum Beispiel bei der Abstimmung des Dawesabkommens sich spal­teten, um die Annahme dieses Versklavungspakte-