IRN. ISO
Äaknoang 1S32
Snsmsn, KVontsg, Äsn 2V. ^usus»
LInrsIpnois 1S plA,
r^Er
WW
Verlag und Geschäftsstelle: Paprnstraßs 15, Redaktion: Langen» Krake 48. Sprechstunde der Redaktion? Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 258 78.
Die BAI erscheint W.rktags und kostet Kk 1.90 frei Laus, durch die Post zuzüglich 36 Bestellgeld.
Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten
Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile ^ 0.10, auswärts ^ 0.12; im Lextteil 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuch« 0.06; sonstige kleine Anzeigen LF 0.08. Platzvorschrift ohn« Derbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.
^SPSN Kai 6ss
Sisusi'vsi'pseknungsseksins unrß I.oknssn>cungl
Kuß slßsn Wsgsn
AIs Auftakt zu den kommenden politischen Entscheidungen der nächsten Tage hat Reichskanzler von Pasten am Sonntag in Münster eine Rede gehalten, in der er nach einer Auseinandersetzung mit unserem Führer das neue Wirtschastsprogramm der Reichsregierung entwickelte. .
Zu den Angriffen auf die NSDAP stellen Wir zunächst nur fest, daß der Reichskanzler sich außerstande sieht, einen Unterschied zwischen einem zur Notwehr greifenden SA-Mann und einem seit Jahren ungestraft mordenden Marxisten zu sehen, eine Objektivität, die nicht uns, sondern den Kanzler kennzeichnet. Gs ist keineswegs so, daß unsere Bewegung jedem SA- Mann einen Freibrief ausstellt, mit den Gesetzen in Konflikt zu kommen. Die letzten Jahre haben das Gegenteil bewiesen, und wenn trotzdem aus unserer Millionenpartei ein Mit- zlied sich verging, hat die Bewegung stets die Konsequenzen gezogen. Das Beuthener Urteil dagegen stellt das im Volke lebendige Recht auf den Kopf, denn hier handelt es sich nicht um «inen Politischen Totschlag, wie ihn die Marxisten aller Schattierungen seit Jahren ungestraft ausführen durften, sondern hier handelt es sich um einen Akt der Notwehr, der ohne Willen der Beteiligten zufällig einen tödlichen Ausgang nahm. Tatsächlich ist ja auch keine der Wunden, die der Tote erhalten hat, als tödlich angesehen worden. Wenn Herr von Pasten auf alle unsere Ausführungen zu dem Beuthener Urteil nichts Wetter zu sagen vermag, als ein paar Allgemeinheiten, so zeigt uns das nur, wie recht unser Führer hatte, mit diesem Manne nicht zusammen in eine Regierung zu gehen.
Wir behalten uns vor, auf'den Teil dieser Ausführungen des Reichskanzlers noch einmal zurückzukommen, und wenden uns jetzt seinem Wirtschaftsprogramm zu, das in dem Trick gipfelt, sich bei sich selbst 2,2 Milliarden zu pumpen, die auf Grund einer vorausgesagten Steuerermäßigung für die nächsten Jahre in Stcueranrcchtsscheinen ausgegeben werden sollen, mit denen dann von ihren Besitzern ab 1934 Steuern gezahlt werden können. .Wesentlich in dem Wirtschaftsprogramm scheint zu sein, daß
Herr von Papengrundsätzlich am Liberalismus festhält, daß er nicht der Auffassung ist, ein falsches Denken sei die Ursache der herrschenden Krise und daß er darum nicht zu schöpferischen Neuorganisationen, sondern bestenfalls zu finanzpolitischen Mitteln greift, deren Wert und Durchführbarkeit uns schon heute sehr zweifelhaft erscheinen. Herr von Pasten betont mehrfach in seiner Rede, daß er als konservativer 'Mensch sich gläubig einer natürlichen Ordnung unterwerfe, und in seinen Ausführungen fehlt abermals nicht der Satz>, daß Gemeinnutz vor Eigennutz gehe. In dem Wirtschaftsstrogramm selbst aber findet man wenig von diesem Gedanken, oder glaubt Herr von Papen, die noch heute herrschenden, alles zerstörenden, hemmungslosen liberalistischen Kräfte dadurch zu Gemeinnutz und Unterordnung unter die Nation zu bringen, wenn er ihnen Steuererleichterungen und die Möglichkeit weiterer Lohnsenkungen verspricht?
^ Herr von Papen will die Privatinitiative schützen und fördern, aber sein Programm scheint an diesem Ziel, wenn man an die »Praxis denkt, weit vorbeizugehen. Heute .herrscht in der Wirtschaft nicht die Tatkraft.
der Fleiß und die üchtigkeit einzelner, sondern das Geld weniger, die Zinslast der Banken und der Zwang der staatlichen Lasten. An diesen Todfeinden jeder gesunden Privatwirtschaft geht Herr von Pasten vorbei, muß er Vorbeigehen, weil zu ihrer Ueberwindung ein neues Wictschastsden- ken gehört, über das Herr von Pasten nicht verfügt. Dabei mögen einzelne Teilmaßnahmen seines Programms durchaus brauchbar sein, und wir Nationalsozialisten könnten Herrn von Papen nachrechnen, wieviel dieser einzelnen Maßnahmen aus unserem Programm stammen. Das aber hindert uns nicht, schon heute festzustellen, daß Herr von Papen scheitern müßte, auch wenn er in Bausch und Bogen unser ganzes Programm übernehmen würde, denn er verkennt, daß
zur Neuordnung von Staat und Wirtschaft nicht nur die allein bei uns lebendige Idee, sondern auch die unter Beweis gestellte Einsatzbereitschaft und das sich hieraus folgernde Vertrauen der aufbaumilligen Kräfte der Nation gehört.
Diese entscheidenden Voraussetzungen find für Herrn von Papen nicht gegeben und er gewinnt sie auch nicht dadurch, daß er dem Führer der nationalsozialistischen Bewegung marxistisches Denken vorwirft, auch nicht dadurch, wenn er von der NSDAP als der großen vaterländischen Freiheitsbewegung spricht, deren historisches Verdienst um Deutschland jedermann anerkennen müsse. Herr von Papen sollte aus der Geschichte misten, daß eine große Bewegung von historischem Verdienst nicht im entscheidenden Augenblick einem außenstehenden Mann die Rechte und Macht abtreten kann, die sich diese Bewegung eben um ihrer historischen Verdienste erworben hat. Das gilt nicht nur für die innerpolitische Lage, das gilt ganz besonders für die Lösung des WirtschaftsProgrammes, für die Beschaffung von Arbeit und Brot für das gesamte Volk.
Wir finden in der Rede des Kanzlers auch Säge, die uns sehr stark an die Silberstreifenpolitik seiner Vorgänger erinnern, so, wenn er behauptet, daß „das längste Stück des Weges, der uns zur Krise führte, nunmehr zurückgelegt sei, so daß jeder Einfluß zur Belebung der Wirtschaft mit einiger Wahrscheinlichkeit dazu beitragen wird, die natürliche Fortsetzung in einem tatsächlichen
Münster, 28. August. Die seit Tagen angekündigte große Kanzlerrede hatte dazu geführt, daß die Tagung des Westfälischen Bauernvereins außerordentlich stark besucht war. Einleitend svrach der Präsident des Vereins, Gutsbesitzer Dieck- mann-Gladbeck, der kategorisch forderte, daß die große Resormarbeit unter allen Umständen, nötigenfalls auch ohne das Parlament durchgeführt werde. Dann sprach Reichskanzler von Papen. Zunächst betonte er, daß die Aufgaben seiner Regierung sich nicht auf wirtschaftliche oder politische Einzelarbeit beschränke, sondern daß man den Grund legen wolle für einen Neubau des deutschen Staates. Grundlage dafür müsse sein eine konservative christliche Gesinnung, die anerkenne, daß die Menschen dienende Glieder in einer von M>tt gegebenen Ordnung seien. (?) Zur Führung der Nation könne nur zugelassen werden, wer sich freiwillig in ihre Gejetze einordne. Die Zügel-
Aufschwung der Wirtschaft zu finden." Ein schöner Satz, den auch Herr Moldenhauer oder Herr Dr. Dietrich formuliert haben könnte, ein Satz, der uns doch nur zeigt, wie äußerlich die neue Regierung dem inneren Leiden der deutschen Volkswirtschaft gegenübersteht, wie sehr man noch immer'glaubt, die Eitergeschwüre unserer Wirtschaft mit wohlriechender Salbe beseitigen zu können.
Herr von Papen hat nur sehr allgemein über das Fincmztechnische seiner Kreditbeschaffung gesprochen, so daß man etwas Grundsätzliches noch nicht sagen kann. Ob z. B. die Reichsbank sich bereit erklären wird, diese Steueranrechtsscheine zu lombardieren, um dadurch den selbstbewilligten Vorschuß der Reichsregierung auf kommende Steuereinnahmen zu finanzieren, ist noch unbekannt. Auch der Verteilungsplan ist erst in großen Zügen angedeutet, so daß man hier auf weitere Mitteilungen aus der Wilhelmstraße wird warten müßen.
Mit allergrößtem Bedenken stehen wir der Absicht des Kanzlers gegenüber, „den Tariflohn in einem gewissen genau umgrenzten Umfange, der nicht unter dem Existenzminimum liegen darf", zu unterschreiten und wir befürchten, daß dieser Fall der Maßnahmen der einzige sein wird, der sehr rasch in die Praxis umgesetzt werden wird.
In einer Unterredung mit einer rheinischen Zeitung hat der Kanzler nach seiner Rede betont, daß „er sich freue, daß die Reichsregierung mit ihrem Programm auch einen Teil der Wünsche und Forderungen erfülle, die von der NSDAP erhoben werden und er hoffe, daß sich hieraus eine Zusammenarbeit auf sachlichem Boden ergebe." Die erste Voraussetzung zu sachlicher Zusammenarbeit ist die Ehrlichkeit und wir glauben, wir werden Herrn von Papen rechtzeitig und ehrlich, ebenso sachlich wie bgründet, sagen müssen, daß seine Maßnahmen, auch wenn sie dem Buchstaben nach zum Teil unsere Forderungen enthalten, nicht zu den von Herrn von Papen gewünschten Ergebnissen führen werden. Man wird in den letzten Sätzen Papens den Versuch erblicken können, erneut eine Brücke zur NSDAP zu schlagen. Das aber wird nichts an unserem Standpunkt ändern, daß das nationalsozialistische Mrtschaftsprograntm, daß die Befreiung von Wirtschaft und Staat nur von Nationalsozialisten durchgeführt werden kann, die ohne Bindung und allein der Nation verantwortlich znr Tat schreiten. An dieser Tatsache wird auch Herr von Papen nichts ändern können.
—art.
losigkeit (!) die aus dem Aufruf Hitlers spreche, passe schlecht zu seinen Ansprüchen auf die Staats- sührung. Die Anerkennung des gleichen Rechtes, will der Kanzler nötigenfalls erzwingen. Er ist fest entschlossen, die schwelende Glut des Bürgerkrieges auszutreten.
Uebcrgehend zu den praktischen Tagesfragen erklärte der Kanzler, daß die Regierung selbstverständlich der Landwirtschaft mit Kräften helfen werde. Aber ihr Schicksal sei mit dem der deutschen Gesamtwirtschaft untrennbar verbunden. Erste Voraussetzung zur Belebung der Gesamt- wirtschaft sei Förderung des Binnenmarktes. Der Gedanke der Autarkie sei abzulehnen, denn Deutschland könne nicht aus seine Weltwirtschafts- brziehungen verzichten. Aber die Grundlagen der Ernährung mutzten im Binnenlande sichergestellt werden. Bejchlülle für eine dakür erforderliche
maßvolle Regelung der Einfuhr seien bereits gefaßt.
Zur Bekämpfung der ungeheuren Not müsse zunächst die Deflation beendet werden durch grundsätzliches Herumwerfen des Steuers. Der Wiederaufbau der deutschen Wirtschaft soll nach folgenden Grundsätzen erfolgen: Die Währung darf nicht gefährdet werden, die deutsche Mark darf nicht abgewertet werden. Getreu den Grundsätzen konservativer Staatssührung ist die persönliche private Initiative zu stärken. Alle Eingriffe in die Sphäre der Privatwirtschaft lehnt die Reichs- regicrung ab. Wo der Staat in den letzten Jahren Anteile an Privatbetrieben übernommen habe, müßten der Allgemeinheit nicht nur die Lasten, sondern auch die Früchte der Arbeit zufallen. Eine besondere staatliche Ueberwachung werde zu diesem Zwecke eingesetzt werden. Auch die Gehälter in diesen Betrieben würden herabgesetzt.
Der Kanzler ging dann auf das Hauptproblem? die '
Bekämpfung der Arbeitslosigkeit, ein. Die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Arbeitsbeschaffung werden nicht aus dem Auge gelassen werden. Darüber hinaus aber ist die Regierung entschlossen, im großen Rahmen den Versuch zu machen, durch eine Belebung der Planwirtschaft zur Neueinstellung von Arbeitskräften und zur Verminderung der Arbeitslosigkeit zu gelangen. Als erster Schritt hierfür soll der gesamte Produktionsapparat in Stand gesetzt werden. Ueber zwei Milliarden Mark will die Reichsregierung dafür noch auswerfen. Die Beschaffung dieses Betrages ersolgt unter Mitwirkung der Reichsbank durch Ausgabe von Steueranrechnungsscheinen, aus denen in den kommenden Jahren 34 bis 38 alle Reichssteuern bezahlt werden können, und zwar handelt es sich hier um 114 Milliarden. 700 Millionen Steueranrechnungsscheine werden solchen Unternehmungen zur Verfügung gestellt, die mehr Arbeitskräfte als bisher beschäftigen. Für jeden Neu-Eingestellten wird ein Betrag von 400 Mark für ein Jahr gegeben. Aus diese Weise könen 1?4 Millionen Arbeiter neu eingestellt werden. (?)
Außerdem wird der Arbeitgeber ermächtigt, wenn er mehr Arbeitskräfte einstellt, den Tariflohn in einem gewissen Umfange zu unterschreiten (!!) doch will die Reichsregierung das Tarifrecht und das Schlichtungswesen in seinem wesentlichsten Inhalt aufrechterhalten.
Für besonders wichtig hält der Kanzler die Erhaltung der Produktionsstätten. Betriebe, die bei vernünftiger Berücksichtigung ihrer besonderen Lage erhalten werden können, sollen infolge der Starrheit staatlicher Bindungen nicht zum Erliegen kommen. Er wird auf dem Verordnungswege Abhilfe schaffen. Der Kanzler lehnte es ab, sich über das Zinsproblem zu äußern, kündigte aber eine
allgemeine Diskontsenkung
an. Die Nothilfe mit den Steuerverrechnungs-- scheinen ist für zwölf Monate vorgesehen. Diese zwölf Monate sollen dem organischen Um- und Neubau des Staats- und Wi'rtschaftswesens dienen. Kurz auf Preußen eingehend, kündigte Papen dann an, daß die ersten Maßnahmen der Zusammenlegung der Landkreise und Amtsgerichte noch eine große organisatorische Verwaltungsresorm zur Folge haben würden. Diese Reform werde eine entscheidende Voraussetzung sein für eine Reichsreform. Die Doppelarbeit von Oberpräsident und Regierungspräsident werde beseitigt und die Son« derverwaltungen auf kulturellem, wirtschaftlichem und technischem Gebiet einheitlich den Regierungspräsidenten bezw. Landräten angegliedert werden. Eine Vereinfachung in der Zentralmstanz, eine Finanzresorm und eine Reform der Selbstverwaltung werde folgen.
vss WIntseksttspnognsmm Äsn kvieksnsgisnung