Ausgabe 
(20.8.1932) Nr. 183
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Madrid, 19. August. Die National-Ver- sammlung nahm nach einer sehr langen und spannenden Nachtsitzung mit 262 gegen 11 Stim­men den ihr von der Regierung vorgelegten Gesetzentwurf aus Enteignung aller an den letz . ' Aufständen beteiligten Gutsbesitzer an Der eingezogene Grund und Boden geht entschädigungslos in den Staatsbesitz über und soll den Zwecken der Agrarreform nutzbar ge; macht werden. Nach der Rede des Minister­präsidenten Azana, der dcuaft hingewiesen hatte, daß besonders die Großgrundbesitzer als Feinde der Republik anzusehen seien und die Re­publik ihre Widersacher niederzwingen müsse, wurde der Gesetzborschlag, der vor der Abstim­mung im republikanischen Lager noch eifrig dis­kutiert worden war, mit überwältigender Mehr­heit angenommen. Auf Grund dieses Gesetzes ist dem spanischen Innenministerium die Mög­lichkeit dazu gegeben, die Verbannung einer Anzahl von Aufständischen nach Spanisch-West- «srika zu verfügen. Wie es heisst, wird die Re­gierung von diesem Recht ausgiebigen Ge­brauch machen.

SunöesksnLlsn Sododen* gssiOi'dsn

Wien, 19. August. Am Freitagabend ge­gen 10 Uhr verstarb in einem Sanatorium in der Nähe von Wien der ehemalige Bundeskanz­ler und Außenminister Dr. Johannes Schober jm Alter von 57 Jahren.

An den Namen Schobers ist die Geschichte des neuen Oesterreichs kaum weniger geknüpft, als an den des ihm vorausgegangenen Dr. Seipel, als dessen Gegenspieler man ihn, wenn auch nicht ganz mit Recht, bezeichnet hat.

Johannes Schober wurde am 14. November 1874 zu Perg in Oberöfterreich geboren. Nach schaften trat er 1898 in den Dienst der Wie- dem Studium der Rechts- und Siaatswissen- ner Polizeidirektion. Seit November 1918 war er Polizeipräsident und als solcher gleichzeitig mit der Leitung des gesamten Dienstes der öf­fentlichen Sicherheit betraut. 1320 wurde er Von den Christlich-Sozialen und den Groß- deutschen erstmalig mit der Kabinettsbildung be­traut, gab jedoch den Auftrag wieder zurück. Juni ISA wurde er erstmalig Bundeskanzler und gleichzeitig Außenminister. In diese seine Amtszeit fiel die Uebergabe des Burgenlandes. Echt als im Jahre 1929 unter dem Druck der Heimwehren der Ruf nach Verfassungsänderung zur Zurückdrängung der Allmacht des Parla­mentes laut wurde, übernahm er wieder das Kanzleramt, um auch eine gemäßigte Ver'as- sungsreform durchzuführen. Nach dem Kabinett BoiigoinStarhemberg übernahm Schober im Kabinett Enders den Posten des Vizekanzlers und Außenministers, und in dieser Eigenschaft Unterzeichnete er anläßlich des Besuches des Reichsautzenministers Cnrtius im März 1931 das bekannte Wiener Protokoll. Jm Zusam­menhang miß dem Ausgang der Aktion der

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t-snrltsg »l» 2S. August?

Berlin, 19. August. Der nationalsozialistische Präsident des preußischen Landtags, Pg. Kerrl, weilte in diesen Tagen in München, um dem Füh­rer der NSDAP. über die Probleme einer etwaigen Regierungsbildung in Preußen Bericht zu erstat­ten. Von dem Ergebnis dieser Unterredungen wird sowohl der Termin der nächsten Laridtags- sitzung als auch darüber hinaus die Frage abhän­gen, wann die Wahl des preußischen Ministerprä­sidenten uns die Tagesordnung des Landtagsple- nums gesetzt werden soll. -Line Entscheidung karrn unter Umständn schon sehr bald fallen, da Pg. Kerrl zur wetteren Erledigung der Angelegenheit noch am Freitag wieder in Berlin eintreffen

dürste. Mit ziemlicher Bestimmtheit kann mar schon jetzt annehmen, baß die nächste Landtags, sitzung, wie bereits früher angekündigt, am 25. Au- gust stattfindet.

Was die von der gesamten Linkspresse in aller­größter Aufmachung gebrachten Meldungen über angebliche KoalitionZverhandlungen zwischen N. S, D. A. P. und Zentrum in Preußen angehen, so find alle diese Nachrichten stark übertrieben.

Auch in diesSm Punkt wird die Entscheidung nicht in Berlin und vor allem nicht im Preußi­schen Landtag, sondern nur im Braunen HauS in München fallen.

Osslsppviekisoksn Sunklssnat letinl Susanns sd

Wien, 1S. August. Freitag nachmittag be­schloß der Bundesrat, Einspruch gegen die An­nahme des Lausanner Protokolls im Nationalrat zu erheben. Der Bundesratsheschluß kam mit den Stimmen der Nationalsozialisten, des Grotzdeut- schen Bundesrats und der Sozialdernokrane zu­stande. Die Grunde für den Einspruch find fol­gende:

1. Weil durch dieses Protokoll die außenpoli­tische Handlungsfreiheit der Republik, insbesondere auch im Hinblick auf eine engere politische und so­gar wirtschaftliche Gemeinschaft mit dem Deut­schen Reich für eine Dauer bis zu 20 Jahren wesentlich beeinträchtigt wird.

2. Weil durch dieses Protokoll Oesterreich neuer­lich einer drückenden Auslandskontrolle unterwor­fen wird.

3. Weil in diesem Protokoll wrrtschastspolitische Bestimmungen gefährlichster Art enthalten find und

4. weil Bestimmung« dieses Protokolls geeignet sind, wichtige sozialpolitische Errungenschaften brei­ter Schichten arbeitender Mensche» zu gefährden.

Vor der Abstimmung War es noch im Zusam­menhang mit einem Antrag aus Schluß der Aus­sprache zu minutenlangem Lärm gekommen.

Wien, 19. August. Jm österreichischen Parla­ment gehen ernstliche Krisengerüchte um Der Ab­geordnete Vinzl des Nationalen Wirtschaftsblockes hat sein Mandat niedergelegt. Es ist bekanntlich jener Abgeordnete der für das von den Gro scheut- . scheu eingebrachte Mißtrauensvotum gegen die Re-! gierung Dollfuß stimmte und dann von den Wirt- i

schäftlichen Verbänden, Leimn er angehörte, so un ter Druck gesetzt wurde, daß er einen vollständige! Nervenzusammeubruch erlitt, aus Krankheitsur laub gehen mußte und auch bei der letzten Abstim mung über Lausanne fehlte.

Der Bundesrat, dessen Beratungen am Freitm nm 10 Uhr begonnen haben, wird. frühestens ii den späten Nachmittagsstnuden mit dem Lausan ner Protokoll fertig werden, da ihm bereits Na tionalsozialisteu angehöre«, die in schärfster Oppo sition zum Protokoll stehen. Die Regierung ha im Bundesrat keine Mehrheit. Nach dem Ein. spruch des Bundesrates muß das Lausanner Pro. tokoll den Weg wieder von vorn antreten, ha! aber dabei kaum mehr Ilussjcht auf Annahme.

Vs^srrkodsns kegSvi-ungs msknksN in Misn?

Wien, 19. August. Der Abgeordnete Vincel der Nationalen Wirkschaftsblock hatte, wie gemeldet, auf die weitere Ausübung seines Mandats ver­zichtet. Der von Vincel erklärte Mandatsvorzicht ist nun in einem im Lause des Freitagnachmittag im Parlament eingegangenen mir Vincel unter­zeichneten Telegramm wieder zurückgezogen wor­den. Der Regierung gegenüber, die sich auf Grund dieses Telegramms geweigert hat, den Wahlschein für den Nachfolger Vincels auszufer­tigen, wird in der parteiamtlichen Verlautbarung des Wirtschaftsblocks festgestellt, daß durch diese merkwürdigen Praktiken, eine Mehrheit für das Lausanner Abkommen zu sichern, das Ansehen der Regierung keinesfalls gehoben werde.

deutsch-österreichischen Zollunion vor dem Han­ger Gerichtshof mehrten sich jedoch die An­griffe gegen ihn, und ziemlich unerwartet trat er mit dem gesamten Kabinett zurück.

To seksmlos lügen sisl

DerAngriff" meldet:

, Berlin, 20. August. Die gestrige Ausgäbe des 'Berliner Tageblattes" enthält auf der ersten Seite eine amtliche ZwangZnachricht. Das jüdische Zentralorgan hat kürzlich gemeldet, es seien in Köln und Gladbach bei überraschenden HauSsuchun- >en über 1000 Schußwaffen gefunden worden, die ür nationalsozialistische Gruppen bestimmt geme­in feien. Auf Veranlassung des kommissarischen preußischen Innenministers Dr. Bracht muß LaS platt jetzt zugeben, daß an der Nachricht kein ein­ziges wahres Wort ist.

ES ist, hKgrühsns Mrt Fa ß dir Einrichtung amt­

licher Zwangsnachrichten einmal dazu benutzt wor­den ist, eine besonders schwerwiegende Hetzlüge und Schwindelmeldung' der Journaille entsprechend zu brandmarken, insbesondere da ihre Veröffent­lichung offensichtlich nur erfolgt war, um weite Kreise des deutschen Volkes in der Oeffentlichkeit der Welt gehässig und gemein herabzusetzen.

Hier erscheint das amtliche Einschreiten wirklich einmal angebracht, angebrachter jedenfalls als die heutig« Zwangsnachricht unseres Blattes, durch die eine Klärung und sachliche Förderung «ach keiner Richtung hin herbeiaeiüvrt werd«: kann.

Um Lekadsns

Wie der Vertreter derTelegraphen-Union" er­fährt, hatte Dr. Schober noch am Freitag eine Unterredung mit Fraktionsführer Straffner über die politische Lage. Dr. Schober hatte ihm ver­sichert, er werde unter keinen Umständen sein Mandat niederlegen, solange die Lausanner An­gelegenheit nicht erledigt sei. Dieser Entschluß Dr. Schobers und die Einvringlichkeit, mit der er ihn betonte, hat seine besondere politische Bedeu­tung, da bei einr MaudatSuiedrrlegung Dr. Scho­bers ein Landbiindlsr infolge der Bestimmungen des Wahlabkommens (Nationaler Wirtschaftsblock und Lanbbond) überraschenderweise an seine Stelle nachgerückt wäre, d. h. also ein Mann mehr für die Regierung, ein Mann mehr für Lausanne, was Dr. Schober nicht wollte.

Durch feinen Tod ist nun das, was er verhin­dern wollte, doch eingetreten.

Os«' 30. August

JmDeutschen Schnelldienst" vom 19. 8. werfen sich die Deutfchnationalen wieder einmal mit großer Energie unld Schweiß, als die Ritter des Herrn v. Papen anf. Es wird daraus hingewiesen, daß am 39. August der Reichstag das Schicksal des Kabinetts v. Papen noch nicht entscheiden werde. Man rechnet mit Krach wegen Klara Zettln nnd miit Schwierigkeiten bei der Wahl des Reichstagsbüros. Man rechnet also zugunsten der Daseinsverlängerun^ des Papen-Kabiuetts in derselben Weises wie Brüning und seine Freunde zu rechnen pflegten. Man wird sich möglich erweise wie dieser verrechnen!

Die Dentschnationalen rechnen damit, daß der Präsidial-Kanzler nach- seinem Reuter- Interview gewillt ist, den Kamps mit dem Reichstag auch dann aufzunehmen, wen« ihm feindliche Hikssvölker aus dem Umwege über Preußen in die Flanke fallen sollten« Jm übrigen rechnet man, daß v. Papen den Kamps legal fuhren wird.

Die Dentschnationalen stehen mit ihrer Rechnung" in bezng -auf -diesen Angriff d. h. eine Preußenkoalition zwischen der NSDAP. und dem Zentrum, nicht allein. Sie rechnen fast alle damit. DieFrank­furter Zeitung", die -als neuestes Zen-, trums-- (bis dato Demokraten-)Organ, be­sonders im Bilde fckin muß, schreibt u. a.r

In 'Preußen ist ein positiver Mt not­wendig: die Wahl des Ministerpräsidenten. Da kein Zweifel darüber besteht, daß für die NSDAP. nur ein nationalsozialistischer Ministerpräsident in Betracht kommt, be­deutet diese Bereitschaft des Zentrums, daß sich diese Partei nunmehr mit dem Ge- danken abgefunden hat, einen Nationalsozia- listen in dieses hohe Amt zu wählen. Da-, mit würde die Zentrumspolitik eine grund­legende Wendung vor nehmen, denn die Ab­neigung gegen diesen Gedanken war ja vor nicht allzu langer Zeit so groß, daß das Zentrum (zusammen mit der SPD. und der Staatspartei) jene Aenderung in der Geschäftsordnung vornahm, die der bishe­rigen Preußenkoalition die Geschäftsführung sichern sollte.

Dieser Stellungswechsel des Zentrruns wäre von großer Tragweite er ist um so bemerkenswerter, als ja all jene B-o-^ denken, die damals für das preußische Zen­trum maßgebend waren, heute noch unver­ändert fortbestehen, beispielsweise die Tat­sache, daß dann die Nationalsozialisten in dem sogenannten Dreimänncrkoltegiurn, das den Landtag jederzeit auflösen kann, die Mehrheit hätte«, und daß der Minister­präsident seine Mitarbeiter selbständig aus­wählen kann. In Lezug anf den zweiten , Punkt wäre mau allerdings ganz anf etwaige noch zu treffende Vereinbarungen angewi seu. Vielleicht würde man sich in Zcntrumskreisen aus die Möglichkeit ver­lassen, daß vom Reiche her die nötigen Eingriffe erfolgen könnten (in mannigfacher W-iscs ,wenn ein nationalsozialistischer' Ministerpräsident sein Amt gröblich miß­braucht."

v. Papen als Garant des Zentrums ge°»' gen die NSDAP. in Preußen! Welche neues, überraschende Aussicht! , /

DasBerliner Tageblatt" ist nicht ganz so sicher in seinenRechnungen". Es setzt all seine Hoffnungen aus die Hartnäckigkeit des Zentrums, das sich so leicht nicht kau­fen läßt. > . »i . .

Wir lassen sie rechnen, soviel sie wolle». Wir wissen, daß sie ihre Rechnungen ohm den Wirt. d. b. ohne Adolf Hitler mackenI