Ausgabe 
(16.8.1932) Nr. 179
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Usk^gsng 1932

Vnvmvi», vienslsg, 6«n 16. August

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Parteiamtliches Organ der

*>>* PxtzMtzx Nationalsozialisten «SÄKv.a»r

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Von 0n. ^osopk Oovddol«

Die nationalsozialistisch« Bewegung hat bei der jüngsten Reichstagswahl einen Steg erkämpft« wie er in diesem Umfange bis dahin in der gesamten Patlamentsgeschichte büspiellos war. Die „Ti­mes" schrieben am Tage nach der Wahl, in Eng­land wäre es selbstverständlich, daß Hitler darauf­hin vom König sofort mit der Bildung einer neuen Regierung beauftragt werden würde.

Die nationalsozialistische Bewegung und ihr Führer verfochten nur ihr gutes Recht, wenn sie bei der Belastung mit einer ungeheuren geschicht­lichen Verantwortung, die fie für die kommende deutsche Politik zu übernehmen hatten, nun auch die Forderung aufstellten, Latz man ihnen in ein­deutiger Weise die Führung der Regierungsge­schäfte anvertraue und ihnen damit die Möglich­keit gäbe, jene Wirtschafts-, sozial-, kultur-, innen- nnd außenpolitischen Reformen durchzuführen, die fie für die Wiedergeburt der Nation und für die Reinigung des öffentlichen Lebens in Deutschland für unerläßlich notwendig hielten.

Man hat unserer Bewegung in der Vergangen­heit oft den Vorwurf gemacht, fie treibe eine De-- jperadopolitik, und wenn man fie vor die Ver­antwortung stelle, dann drücke sie sich scheu bei­seite. Hier war zum ^ersten Male die Gelegen­heit geboten, der nationalsozialistischen Bewegung die Chance der Opposition zu nehmen und fie mit der ganzen Bürde und Last der Verantwortung zu beladen. Selbstverständliche Voraussetzung da­für aber mutzte sein, daß man ihrem Führer und seinen Mitarbeitern freie Hand gab, da ohne dies eine Uebernahme der Verantwortung vollkommen Widersinnig war.

Man sagt, der Charakter eines Präsidialkabl- Netts dürfe nicht zerstört werden. Jetzt mit einem Male, da die nationalsozialistische Bewegung die Demokratie mit ihren eigenen Waffen geschlagen hat, sollen ihre Spielregeln nicht mehr gültig sein. Jetzt spricht man vom „Kabinett der Per­sönlichkeiten", in der stillschweigenden Voraus­setzung, daß die Persönlichkeiten allein und aus­schließlich unter der Obhut des Herrenklubs ge­deihen. Nun soll der Parlamentarismus keinen Wert mehr haben, da die antiparlamentarische Gesinnung sich eben anschickt, nach seinen Gesetzen den Vollzug der Macht zu übernehmen.

Was haben die hohen Herren in der Wilhelm- straße sich eigentlich dabei gedacht, als sie Adolf Hitler aufforderten, im Kabinett Papen die Vize- kanzlerschaft zu übernehmen?

Adolf Hitler hat bei den entscheidenden Ver­handlungen am vergangenen Sonnabend in aller Deutlichkeit erklärt, daß er und die Partei gewillt und entschlossen seien, für die gesamte deutsche Politik die volle Verantwortung zu übernehmen. Was ist da selbstverständlicher als die Forde­rung, daß man ihm dafür auch die Führung der Regierung anvertrauen müsse. Und wenn das nicht der Fall wäre, daß er sich überhaupt nicht, weder an der Macht noch an der Verantwortung beteiligen könnte?

Die Situation ist geklärt. Das Kabinett Papen ist auf sich selbst gestellt. Es hat sich, wie das die Verfassung vorschreibt, vor dem Reichstag zu ver­antworten und wird dabei feststellen könne:,, wie­viel oder wie wenig an Anhang hinter ihm steht.

Darüber soll kein Zweifel bestehen: Im Zwie­licht bleiben wir nicht. Entweder gibt man uns die Macht, dann tragen wir die Verantwortung, oder aber man verweigert uns die Macht, dann stehen wir in der Opposition und fechten. Es wird so sein, daß jene Regierung, die sich bei ihrem Beginn etwas voreilig mit dem schmücken­

den Beiwort der „nationalen Konzentration" aus­stattete, auf den erbitterten Widerstand des ge­samten nationalen Deutschland, das heute unter unserer Führung steht, stößt.

Um den Ausgang dieses Kampfes braucht uns nicht bange zu sein. Was man uns heute ver­weigert, das wird man uns morgen gebe» müssen. Nicht darum, weil wir die Sympathien der noch Regierenden besitzen, sondern weil es in der un­erbittlichen und ehernen Zwangsläufigkeit der deutschen Entwicklung unumstößlich und unerschüt­terlich begründet liegt. Herr von Papen geht eine» schweren Gang. Die Gesetzlichkeit der Ge­schichte kann keine Macht der Welt aushalten, Ba­jonette mögen zu vielem gut sein. Aber man kann auf die Dauer nicht daraus sitzen.

In ruhiger und sicherer Entschlossenheit tritt die Bewegung an. Ihr Ziel ist unverändert wie immer: Die Macht an Hitler!

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I^spvns

kann niemals unssns Politik sein

München, 15. Aug. Die Pressestelle der Reichsleitung veröffentlicht folgende grund­sätzliche Betrachtungen:.

Hitlers Ablehnung der Bizekanzlcrschaft unter der Herrschaft von Papens war einle Tat! —

Diese Entscheidung des Führers ist dem nationalen Deutschland aus der Seele ge­sprochen« Der durchsichtige Versuch, die NSDAP. durch einen wohlüberlegten Schritt, durch eine Belastung mit der Ver­antwortung ohne gleichzeitige Führungs- möglichleit, gewissermaßen auf kaltem Wege zu erledigen, ist an dem klaren «nd ineit- blickenden Entschluß des Führers restlos ge­scheitert. Der Führer ist sich selbst, der Bewegung und dem Volke trengieblicben. Die Politik der Regierung von Papen, hin­reichend gekennzeichnet durch die die Aermsten der Armen aufs schwerste belastende und für die NSDAP. untragbare Notverordnung kann niemals die Politik der NSDAP. sei». Eine Regierung, in der die NSDAP. nicht führt, sondern nur vertreten ist wird nie­mals eine Wende des deutschen Schicksals

herbeiführen können. Eine nationalsozia­listische Politik aber, die aufräumt mit dem ganzen verstaubten Plunder des bisherigen Systems und eine grundlegende Neuordnung der Dinge in Angriff nimmt, kann nicht von Leuten geführt werden, die die Zeichen der Zeit auch heute noch nicht verstanden haben, sondern nur von Nationalsozia­listen. Das ist der Wille des deutschen Vol­kes, der bei den Wahlen seinen Ausdruck gefunden und dem nunmehr auch die Staatspolitik Rechnung zu tragen hat.

Darum hat Adolf Hitler die Führung der Reichsregierung gefordert. Von der allei­nigen und ausschließlichen Uebernahme der Regierung ist seitens der NSDAP. nicht die Rede gewesen. Aber was in allem poli­tischen Leben eine Selbstverständlichkeit ist, was man selbst dem Marxismus zubilligt, wird der NSDAP. unter fadenscheinigen Begründungen vorenthalten. Darauf konnte es für den Führer der NSDAP. nur eine Antwort geben, und zwar: Nein! Wie

richtig Adolf Hitler gehandelt hat, wird die Zukunft zeigen".

Ksvolu-ion von oben?

Die Stellungnahme der DRVP.

Berlin, 15. August. Im „Tag" nimmt der deutschnationale Landtagsabgeordnete Borck zu der durch die Absage der NSDAP. geschaffenen Lage unter der Aeberschrist „Vor der Klärung" in einem Artikel Stellung, der in einer Vorbe­merkung als die Stellungnahme der DNBP. be­zeichnet wird. Es heißt darin n. a.: Die Regie­rung Papen wird sich selbst klar werden müssen, daß es für sie keine Stützung auf parlamentari­schen Boden mehr gibt, Bon allen Fraktionen des

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Kowno, 15. Aug. Der litauische Außen- tnmister Zaunius und der Vertreter Litau­ens bei den Haager Verhandlungen, Sidzi- kauskas, hielten am Montag Vortrüge über die Haager Entscheidung. '

> Zaunius führte u. a. aus: Es seien din für alle Mal Zustünde beseitigt, die unter dem Einfluß unseres westlichen Nach­barn eine Entfremdung «nd Trennung des Mcmelgebiets vom Gesamtstaat znm Ziele gehabt hatten. Das Urteil bestätige den litauischen Standpunkt, daß das Mevrel- statut ein Mittel zur Eingliederung des Ge­biets in den Gesamtstaat fei. Es sei vor-' läufig nicht zu übersehen, wie sich das' Artest Praktisch auswirken werde. Verschieß

dene Schritte hinsichtlich des Direktoriums Simaitis, wie etwa die Ungültigkeitserklä­rung einer Reihe von Maßnahmen dieses Direktoriums würden nicht mehr durchzu­führen sein. Litauen wolle nicht. Laß dieses Urteil wie eine Lawine auf das Memelgebiet herabstürze, sondern, daß der Weg der Ver­ständigung auch weiterhin <!) befolgt werde. Die Memelsrage sei jetzt zu einer rein inneren Angelegenheit Litauens geworden. Im Haag hab« Litauen mehr erhalten, als es irr Anbetracht der ungleichen Kräfteverhält­nisse habe erwarten können« i

Sidzikauskas schilderte in großen Zügen die; Verhandlungen vor dem Gerichts­hof.

Reichstages fände sie nur noch bei der Deutsch­nationalen Volkspartei Unterstützung, wenn sie wirklich gewillt ist, alle Konsequenzen aus der Lage zu ziehen.!! Weder dieser Reichstag, noch ein neuer, weder der Preußische Landtag, noch ein neuer bringen ihr Mehrheiten. Nachdem die große nationale Partei sich der positiven Mitar­beit an der Befreiung vom Parlamentarismus versagt, mutz die Regierung, gestützt auf ihre ei­gene Verantwortung, auch vor der Revolution von oben nicht zurückschrecke«. Dazu wird es aber notwendig sein, daß jetzt alle hemmenden Kräfte» die noch in den Regierungsstellen vorhanden sind, rücksichtslos ausgeschaltet werden. Es ist unmög­lich, daß alle die Feigen und Lauen jetzt heran­drängen, weil „Objektivität" der Grundsatz einer überparteilichen Regierung sei. Nur rücksichtslose und Tatmcnschen paßten in dieses Kabinett. Nor­malien dürften keine Hinderungsgründe sein, um Deutschland zu retten. Der Kanzler, der heute eine so große Macht hat, wird, wenn er zeigt, daß er sie allen zum Trotz halten will, die Menschen, denen Partei nichts, Deutschland aber alles ist, hinter sich haben. Will die Reichsregiernng so Handel::, dann ist eine Klärung möglich.

Xommunislsn üdvnksUon k'olirvidesmtsn

Königsberg- 15. Aug. In dem Städtchen Bialla ereignet« sich in der Nacht zum

Sonntag ein neues Bombenattentat. Ge-> gen das Schlafzimmer des jüdischen Kauf­manns Lampel wurde eine Bombe geworfen,! die jedoch ihr Ziel verfehlte und auf der Straße explodierte. Die alarmierte Pol:-' zei fand zahlreiche zersprengte Eisenstückr vor. Die Ermittlungen dauern noch am Sonntag vormittag überfielen Kommu-r nisten einen Beamten der Polizeistation in Allenstein und schlugen derart auf ihn ein/ daß er bewußtlos liegen blieb. Einer der Täter, der Kommunist Lugbnr, wurde verq hastet.

vss Ksdinstt depAl

Berlin, 15. August. Das Reichskabinett,' das am Montag um 16.30 Uhr erstmalig zusammengetreten war nach dem Ende der Verhandlungen über die Regierungsbildung,! befaßte sich in mehrstündigen Beratungen' hauptsächlich mit Fragen der Arbeitsbe-- schaffung und Wirtschaftsbelebung. Es ist, anzunehmen, daß neben den inzwischen fer-s tiggestellten Nefereutenentwürfen auch die! Frage der Finanzierung eingehend erörtert worden ist. Des weiteren dürste sich daZ Reichskabiuett mit der durch die Ablehnung der NSDAP. sowie durch die Haltung deH Zentrums geschaffenen parlamentarisches Lage befaßt und die Möglichkeiten des wei-t teren Vorgehens behandelt haben. Eine! offizielle Verlautbarung über die Kabinetts-s sitzung wurde nicht ausgegeben.

Aulksdung sinssitigsi» Vsnkots

Berlin, 15. August. Amtlich wird mit­geteilt: Der kommissarische preußische Junen- minister Dr. Bracht hat den Nuuderlaß voni 25. Oktober 1930, durch welchen die Betätigung iür den „Verband der Schutzpolizei- beamten Preußen" während des Dienstes und in den Unterkünften sowie die Verbreitung der Zeitschrift „Die preußische Schutzpolizei" in den Unterkünften untersagt worden ist, durch einen neuen Runderlatz an alle staatlichen Po­lizeibehörden vom 6. August 1932 aufgehoben und angeordnet, daß der amtliche Verkehr mit dem Verband wieder aufzunehmen ist. Gleich­zeitig hat der kommissarische preußische Jnneu- mtnister in einem Schreiben an den „Verband der Schutzpolizeibeamten Preußen" der Erwar­tung Ausdruck gegeben, daß sich die Verbands-- Zeitschrift künftighin einer maßvollen und sach­lichen Sprache befleißigt

Ppsklisek« ppsunrlseksN

Enge Zusammenarbeit der Notenbanken von England und Frankreich.

London, 16. Aug. „Financial News" tritt energisch gewissen Gerüchten entgo-i gen, daß die Bank von Frankreich ihre Rsc serven an Sterlingen wiede- auffülle. Die Bank von Frankreich habe ihre Politik detz Abstoßung der ausländischen Devisenrefer-, den nicht geändert. Diese Vorgänge seiest jetzt aber nahezu beendet. In letzter Zeiß habe die Bank von Frankreich Transit-: Aktionen in größerem Ausmaß durchgeführt. Bisher sei die Stützung der englisch-est Währung auf dem Umwege über Londoner? Banken geschehen, aber in den letzten Wachest sei eine direkte Kontrolle der Bank vost Frankreich durchgeführt. „Financial News", betont, daß zwischen den beiden Zentral« Notenbanken ein hohes Maß von Zusammen^ arbeit besteh«. Ihre Beziehungen seiest schon von Lausanne erheblich gebessert, uM die politische Annäherung zwischen Loudost und Paris habe dazu beigetragen, diq finanzielle» Beziehungen rwch enger z« geg stalten.