Ausgabe 
(15.8.1932) Nr. 178
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Ms smtUeks Lp^lspung:

Berlin, 13. August. Der amtliche Bericht über die Unterredung Hindenburg-Hitler, in dem die Sieichspressestelle bereits einige nicht unbedeutende Unrichtigkeiten festgestellt hat, hat folgenden Wort­laut:

Reichspräsident von Hindenburg empfing heute nachmittag in Gegenwart des Reichskanzlers von Papen den Führer der NSDAP., Adolf Hitler, zu einer Besprechung über die politische Lage und die Frage der Umbildung der Reichsregierung.

Der Reichspräsident richtete an Hitler die Frage, ob er bereit sei, selbst, sowie mit anderen geeig­neten Persönlichkeiten der NSDAP. in die von dem Reichskanzler von Papen geleitete Regierung einzutreten. Herr Hitler verneinte dies und stellte an den Herrn Reichspräsident die Forderung, ihm die Führung der Reichsregierung und die gesamte Staatsgewalt in vollem Umfange zu übertragen.

Reichspräsident von Hindenburg lehnte diese Forderung sehr bestimmt mit der Begründung ab, daß er es vor seinem Gewissen und feinen Pflich­ten dem Vaterlande gegenüber nicht verantworten könne, die gesamte Regierungsgewalt ausschließlich der nationalsozialistischen Bewegung zu übertra­gen, die diese Macht einseitig anzuwenden gewillt sei. Er bedauerte, daß Herr Hitler sich nicht in der Lage sehe, entsprechend seinen vor den Reichs­tagswahlen gegebenen Erklärungen eine vom Ver­trauen des Herrn Reichspräsidenten berufene na­tionale Regierung zu unterstützen.

Die Aussprache schloß alsdann mit einer ernsten Mahnung des Reichspräsidenten an Hitler, die von ihm angekündigte Opposition der NSDAP. ritter­lich zu führen und seiner Verantwortung vor dem Vaterlands und vor dem deutschen Volke bewußt zu bleiben.

Vor dem Empfang bei dem Herrn Reichspräsi­denten hatte im Laufe des Vormittags eine Aus­sprache des Reichskanzlers mit Herrn Hitler statt­gefunden. In dieser Aussprache hatte sich der Reichskanzler erboten, dem Herrn Reichspräsiden­ten Herrn Hitler als Vizekanzler in der gegen­wärtigen Regierung vorzuschlagen und ferner ei­nige weitere geeignete Persönlichkeiten aus der Nationalsozialistischen Bewegung mit wichtigen politischen und fachlichen Ministerien zu betrauen, um dieser Bewegung einen ihrer Stärke entspre­chenden Einfluß auf die Staatssührung einzu­räumen.

Berlin, 13. August (Draht). Der Reichspräsi­dent hat am Sonnabend 19.31 Uhr mit dem fahr­planmäßigen Ostpreußenzug Berlin verlassen und sich für einige Zeit wieder nach Neudeck begeben.

Kommunislisoks Üben-ölls in Köln

Köl«, 14. Anguit. Am Samstag abend verübten in der Palanterstraße Ecke Noel-- !Platz Kommunisten einen Ueberfall auf Na­tionalsozialisten, bei dem auch geschossen wurde. Etn Kommunist wurde durch einen Oberschenkelschuß verletzt. Durch ein ab­irrendes Geschoß wurde ein auf der Veranda der elterliche Wohnung spielendes Li/zjäh- riges Mädchen im Nucken verletzt. Fünf an der Schlägerei Beteiligte wurden von dem Überfallkommando verhaftet.

In der Nacht zum Sonntag kam es auch ni Köln-Nippes zu einem Ueberfall von Kommunisten auf Nationalsozialisten, wo­her ein Nationalsozialist erheblich am Kopf verletzt wurde. Die Täter Und bekannt.

Dßui' volle Voi'aniwoi'iung

LnkIZpung övs l^üki'si's sn öen Ksiekspnssiösnten

München

Die Pressestelle der Reichsleitung der NSDAP teilt mit:

Der Führer wurde heute zu Besprechungen zum Reichskanzler von Papen und im Anschluß daran zu Reichspräsident von Hindenburg gebeten. Auf die ihm vorgelegten Fragen, ob er und die Partei bereit seien, in eine Regierung von Papen zur Mitarbeit einzutreten, erklärte der Führer:

Wir find gewillt und entschlossen, die volle Verantwortung für die deutsche Politik in jeder Beziehung zu übernehmen, wenn man uns dafür die eindeutige Führung der Regierung anvertraut. Ist das nicht der Fall, so kann die nationalsozialistische Bewegung weder an der Macht, noch an der Verantwortung teilnehmen, insbesondere kommt ein Eintritt in die Regierung von Papen für die Partei nicht in Frage."

Da aber der Reichspräsident von Hindenburg es ablehnte, die national­sozialistische Bewegung als stärkste Partei mit der Führung der Regierung zu betrauen, wurden die Verhandlungen als ergebnislos abgebrochen.

Die nunmehr getroffenen Maßnahmen für die weitere Fortführung des Kampfes der nationalsozialistischen Bewegung werden in einer in der kommenden Woche stattfindenden Führertagung bekanntgegeben.

Der Führer verließ noch am Sonnabend Berlin.

Zu dem amtlichen Commuuique über die Zusammenkunft Hitler- Hindenburg-Papen, das in manchen Punkten nicht unbedeutende Unrichtig­keiten enthält, wird die NSDAP noch Stellung nehmen.

Die Kette der offiziellen Verhandlungen, die seit Ansang der Woche geführt wurden mit dem Ziele, den: Wahlergebnis vom 31. Juli Rechnung zn tragen, hat am Sonnabend ihren Höhepunkt und gleichzeitig ihren Abschluß gesunde« durch die Wei­gerung des Reichspräsidenten von Hindenburg, Adols Hitler die Mittel an die Hand zu geben, die allein geeignet erscheinen, den Neubau des Deut­schen Reiches zu beginnen.

Adolf Hitler hat am Sonnabend vormit­tag zunächst eine Unterredung mit dem Reichs­wehrminister von Schleicher gehabt.

Anschließend fand die Unterredung beim Reichskanzler von Papen in der neuen Reichskanzlei in der Wilhelmstraße stakt.

Tausende von Volksgenossen warteten in der glühenden Hochsommersonne Stunden um Stun­den, um Adolf Hitler ihre Liebe und Verehrung zu bezeugen. In zweieinhalbstündiger Besprechung unternahm Herr von Papen im Auftrage des Reichspräsidenten den Versuch, Adolf Hitler und seine junge Bewegung für die Blutauffrischung desnationalen Konzentrationskabinetts" zu ge­winnen.

Ein neues Deutschland, das Dritte Reich deut­scher Zukunstshofsnungen, wird niemals aus Kom- promitzwegen erkämpft werden. Deshalb mußte der nationalsozialistische Führer alle die Kombina­tionen ablehnen, die ihm von der Gegenseite nahe­gelegt wurden und die alle auf das eine Ziel hin­ausliefen, die nationalsozialistische Freiheitsbewe­gung für das Kabinett Papen einzufangen.

Gemäß dem in der Reichstagswahl zu Tage ge­tretenen Bolkswillen verlangte Adols Hitler ein­deutig die gesamte Staatskübruna in Reich und

Preußen für die nationalsozialistische Bewegung, da es keinen anderen Weg gebe, die Hoffnuirgen des erwachten Deutschland zu erfüllen. Adolf Hit­ler schloß die Unterredung mit der Feststellung, daß ein Kompromiß, wie es der Reichspräsident an­strebe, nicht möglich sei, da die NSDAP. unver­rückbar bei ihrer Haltung verharren müsse, die sich in vierzehnjährigem kompromißlosen Kampf als richtig erwiesen.

Der Unterredung Adolf Hitlers mit Reichs­kanzler von Papen, wohnte von Seiten Hitlers der Abgeordnete Dr. Frick bei, von Seiten des Reichskanzlers der Staatssekretär Planck. Die Be­sprechung dauerte bis 13.46 Uhr.

Der Zusammenkunft, die für den Nachmittag mit dem Reichspräsidenten angesetzt war, konnte nur noch formelle Bedeutung zukommen, sofern nicht der Reichspräsident auf Grund eines Zwi­schenberichtes, den der Reichskanzler nach Abschluß seiner Besprechung mit Adolf Hitler im Präsiden­tenpalais erstattete, seine Ansicht revidieren wollte. Diese Möglichkeit aber schien ausgeschlossen, da be­reits seit der Wahl von den verschiedensten Seiten versucht worden ist, immer aber vergeblich dem Reichspräsidenten die Notwendigkeit einer neuen Staatsführung nahe zu bringen.

Auch nachmittags wieder wurde der national­sozialistische Führer in der Wilhelmstraße vor» Tauschen seiner Anhänger demonstrativ begrüßt, als er sich zur letzten Aussprache zum Reichsprä­sidenten begab, die jedoch nur 20 Minuten in Air­spruch nahm, da es sich lediglich um den formel­len Austausch beiderseitiger Erklärungen handelte.

Der Reichspräsident pellte an Adolf Hitler die ekont offizielle Frage, ob er und weitere Per-

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Der Sonnabend Hat die Entscheidung über die vorläufige politische Entwicklung gebracht. Wie sich der Reichskanzler von! Papen die Entwicklung nunmehr weiterhin vorstellt, ist bisher nicht ersichtlich geworden^ Darüber mutz er sich aber immerhin ffarj sein, datz er angesichts des neu.gewähltest Reichstages nicht um die Notwendigkeit herq umkommt, sich und fein Kabinett de mReichs^ tage vorzustellen und das Votum des Par^ laments über sein Kabinett zu empfangen^ Daß dieses Votum nach Lage der Dinges nur in der Ablehnung eines Vertrauens-i bzw. in der Annahme eines Mihtrauens-s Votums bestehen kann, ist klar. Will dis Regierung Papen dann weiterhin ihr Amt ausüben, ohne eine erneute Volksbefragung vorzunehmen, so muß Herr von Papen sich über die Konsequenzen, die ein solcher Ent-1 schkuß mit sich bringt, bis ins letzte klatz sein. Dann hmrdelt es sich nämlich nuv noch um eine reine Militärdiktatur, die auf der einen Seite als Schritt über die Gren^ zen der Verfassung angesehen werden müßtet die auf der anderen Seite aber eine. Zier-, mürbung aller nationalen Kräfte im Kampfs gegeneinander mit sich bringen würde.

Es muß dem Reichskanzler gelingen, tw den kommenden Wochen bis zum Reichstags^ beginn den Reichspräsidenten davon zrp überzeugen, datz die gestrige Losung für uns fer Volk ungeheure Gefahren heraufb«^ schwört und nur eine Beauftragung Adolf Hitlers diese Gefahren zn bannen vermag

An dieser Gefahr ändern auch die Worte des Reichspräsidenten nichts, sein Gewissen verbiete ihm, die ganze Macht der NSDAP^ zu übertragen. Sein Gewissen verbietet; Hindenburg aber auf der anderen Seit« nicht, die ganze Macht ein paar Herren zu übertragen, hinter denen günstigsten sallß die paar deutschnationalen Stimmen stehen,f während sich um Hitler 14 Millionen scha^ ren. Die Nationalsozialistische Deutsche Ar-< beiterpartei würde 13 Jahre umsonst ge^ kämpft haben, wenn sie im 14. sich auf ein Kompromiß einlassen würde. W.vn je dep Beweis dafür geführt wurde, datz es Adolf Hitler und seiner Bewegung nicht anf Ministersessel ankommt, sondern aus d:e Durchführung einer stets offen vor deut Volke bekannten Idee, dann ist es jetzt gei Wesen. Adols Hitler hat in Konse-, quenz des nationalsozialistischen politisches Kampfes vom Reichspräsidenten gestern ge^ fordert, daß sowohl die Innen- wie dis Außen- und die Wirtschaftspolitik national^ sozialistisch geführt und betreut werdenj müsse, wenn die NSDAP. die poliiischS Verantwortung für die Geschicke unseres Volkes übernehmen solle.

Nach einer ungeheuerlichen Lüge de< Parteien des Weimarer Systems iuv<Wahtt kämpfe, datz Adols Hitler die NotverorH nnng Papens toleriere, und nach der siechest

mlichkeiten der Nationalsozialistischen Partei be. eir seien, in das Kabinett Papen einzutreten! Idols Hitler erwiderte, datz für ihn nur die Ueber, ahme der vollen Staatssührung in Frage kommst nd datz er nicht bereit sei sich mit anderen in dst kegiernngsverantwortung zu teilen.