Ausgabe 
(8.8.1932) Nr. 172
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Verlag und Geschäftsstelle: Papenstraße 15, Redaktion: Langen- straßr 48. Sprechstunde der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 19 Uhr. Fernsprecher: Domsheide 25878. vie BNZ erscheint Werktags und kostet 1.VO frei tzauS, durch die Post zuzüglich 36 Bestellgeld.

Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

Anzeigen: hiesige die 10 gespaltene mm-Zeile 0.10, auswärts 0,12; isir T^tteil ^4! 0.50, auswärts 0.70; Stellengesuche M« 0.06; sonstige kleine Anzeigen 0.08. Platzvorschrift ohn« Verbindlichkeit. Bei Betriebsstörung, Streik, Verbot usw. hat der Bezieher keinen Anspruch auf Rückzahlung des Bezugspreises.

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München, 8. August. Am 8. August hat in Ber­lin eine Sitzung der Zentralleitung des Rotfront- kümpferbundes stattgefunden, zu der auch einige «Gau- und Kreisführer hinzugezogen worden sind. Gegenstand der Beratung war die taktische Hal­tung des RFB nach der Wahl. Für die nächste Zukunft find folgende Richtlinien aufgestellt worden die die NSK zu veröffentlichen in der Lage ist, die ein blitzartiges Licht auf die Vorgänge der letzten Woche werfen:

AuL den ältesten und verschwiegensten Mit­gliedern unseres Bundes sind besondere Gruppen ;u bilden, die die Aufgabe haben, gegen unsere eigenen Lokale und gegen unsere eigenen Büros Sprengstosfattentate auszuüben. Wir dürfen nicht einmal davor zurück scheuen, auch das Leben füh­render Genossen aufs Spiel zu setzen, natürlich nicht wahllos. Noch weniger Rücksicht brauchen wir uns gegenüber Gewcrkschastshäusern, Konsumge­nossenschaften und anderen Einrichtungen der SPD aufzuerlegen. Je größere Zerstörungen wir aus die­sem Gebiete anrichten, desto größer wird die Wut und die Erbitterung der Massen gegen die ver­meintlichen Täter, die Nationalsozialisten sein. Aus dem Gefühl der Rache und aus dem Drang nach Vergeltung werden aber unsere Gegenaktionen er­wachsen, die dann des Mitgefühls und der Unter­stützung der arbeitenden Klassen sicher sei können.

Im Interesse der Geheimhaltung des wahren Snchverhalts ist es ferner notwendig, daß die auf­gestellten Sondergruppen das Vorhandensein einer Zentralleitung nicht ahnen. Sie werden zwar na­turgemäß wissen, daß es sich in ihrem eigenen Be- jirk um fingierte Nazi-Attentate handelt, müßen aber andererseits glauben, daß in den anderen Teilen des Reiches die Nationalsozialisten die wirklichen Täter sind. Den einzelnen Sondergrup- pcnmännern ist klar zu machen, daß alle kleinlichen Bedenken eines revolutionären Soldaten unwürdig sind. Es gilt an ihren Idealismus zu appellieren. Sie müßen wißen, daß das Leben eines jeden Kommunisten der Revolution geweiht ist, daß es bedenkenlos geopfert werden kann, wenn es die Interessen des Proletariats erfordern.

Die zentrale Leitung des Bundes verpflichtet die anwesenden Führer zur strikten Geheimhaltung dieser Richtlinien. Sie braucht nicht erst darauf aufmerksam zu machen, welche Folgen ihre Be­kanntwerden, nicht nur für die Sache der prole­tarischen Revolution, sondern auch für den fahr­lässigen oder schuldhaften Führer haben wird.

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Anklam, 6. August. In der Nacht zum Sonn­abend wurden auf das Haus eines führenden An- klamer Nationalsozialisten fünf bis sechs Karabi­ner- und Revolverschüffe abgegeben. Der elfjährige Sohn eines in demselben Hause wohnenden SPD Mannes wurde durch einen Oberschenkelschuß, die 11 Jahre alte Tochter durch Glassplitter verletzt. Die im gleichen Zimmer schlafende Großmutter der Kinder erhielt einen Armgelenkdurchschuß, der Großvater einen leichten Streifschuß am Kopf. Bis­her wurde ein Mann festgenommen, der der KPD angehört.

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Köngsberg, 6. August. Zwei Polizeibeamte in Zivil wurden in der Nacht zum Sonnabend von zwei Linksradikalen angehalten und belästigt. Als die Beamten ausweichende Antworten gaben, holte *i«er der Leute aus einer benachbarten Gastwirt­

schaft Hilfe. Es kamen etwa 20 Mann und auf ein Hornsignal aus den anliegenden Häusern wei­tere 60 bis 70 Mann. Es gelang den Beamten, die Menge, die auf insgesamt etwa 100 Mann angewachsen war, in Schach zu halten und einen, der die Polizeibeamten angerempelt hatte, festzu­nehmen und abzuführen. Bei einer Durchsuchung, die von der Polizei vorgenommen wurde, wurden 15 Linksradikale festgenommen. Es wurden bei ihnen beschlagnahmt: Drei Pistolen, vier Büchsen, 100 Schuß Munition, ein Seitengewehr, ein Dolch, fünf Gummiknüppel und ein Schlagring.

Unruhe in Oberschlesien.

Glciwitz, 7. August. In der Nacht zum Sonntag wurden im Stadtteil Sosnitza etwa 14 Schüsse abgegeben. Die Suche nach den Tätern ist bisher ohne Ergebnis. Ver­letzte haben sich Mcht gemeldet.

Gegen 2.30 Uhr wurden auf der Berg­straße zwei Fensterscheiben der Wohnung eines Stadtverordneten durch Steinwürfe eingeschlagen. Als dieser sich am Fenster zeigte, wurde nach ihm geschossen. Er gab darauf einige Pistolenschüsse ab.

In der Nacht zum Sonntag fielen auch in Schönwald bei Gleiwitz 15 bis 20 Pisto­lenschüsse. Die sofort von der Polizei auf­genommenen Ermittlungen waren auch hier erfolglos.

Weiter wurde iu derselben Nacht ein Trupp Nationalsozialisten, der aus dem Kreise Leobschütz nach Ratibor marschierten, am Eingang zum Stadtteil Altendors be­schossen. Die Täter konnten in der Dunkel­heit über die Felder unerkannt entkommen.

In die Schaufensterscheibe derOberschle- sischen Rundschau", einer Zentrumszeitung, wurde eine Eierhandgranate geworfen, die jedoch nur geringen Sachschaden anrichtete. Eine zweite Handgranate, die in die Ge­schäftsräume der Ortskrankenkasse Ratibor- Stadt geworfen wurde, explodierte glück­licherweise nicht. Auf dem Ring wurde eine dritte Handgranate gefunden. Diese beiden Handgranaten wurden von der Schutzpolizei unschädlich gemacht. Von den Tätern fehlt bisher jede Spur.

Rote Einheitsfront."

Kassel, 7. August. Zu einer schweren Schlägerei kam es in der Nacht zum Sonn-

Berlin. Der Fraktionsführer im Preußischen Landtag, Kube, hat ein Schreiber gerichtet an Präsident Pg. Kerrl folgenden Wortlautes: Soeben erhalte ich von der Reichsleitung der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei die Nachricht, daß am 16. und 17. August eine große Tagung aller nationalsozialistischer Abgeordneten des Reichstags und der Länder stattfindet. Aus diesem Grunde bitte ich Sie im Namen der natio­nalsozialistischen Fraktion des Preußischen Land­tags, die für die am 16. und 17. August vorge­sehenen Sitzungen zu verschieben und die nächste Sitzung des Landtags auf einen späteren Termin zu vertagen. Frühere Landtage haben auf die Par­teitagungen erheblich kleinerer Fraktionen bei der

tag im Anschluß an ein« Festlichkeit des Arbeiter-SportvereinsEintracht" zwischen Kommunisten und Mitgliedern der Eisernen Front, bei der zwei Teilnehmer so schwer verletzt wurden, daß sie in bedenklichem Zu­stand in das Krankenhaus eingeliefert wer­den mußten. Drei weitere Teilnehmer wurden leicht verletzt und dem Polizeige­fängnis zugeführt.

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SA-Heim in Harburg in Brand geshsckt.

Harburg-Wilhelmsburg, 7. Aug. In der Nacht zum Sonntag wurde wie von der Polizei bestätigt wird eine im Bau be­findliche Wohnlaube, die zum SA-Heim be­stimmt war, in Brand gesteckt. Das Heim, das von erwerbslosen SA-Leuten erbaut wurde, ist vollständig niedergebrannt, nach­dem es von allen vier Seiten mit Petro­leum begossen worden war. Personen sind nicht zu Schaden gekommen. Es ist beob­achtet worden, daß sich kurz vor dem Brand etwa 40 Kommunisten in der Nähe aus­hielten.

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Lötzcn, 7. August. Am Sonnabend gegen 19.30 Uhr wurde der Reichsbannerführer Kurt Kotzan aus Lötzen vor dem Büro des Landarbeiterverbandes erschossen. Kotzan war mit mehreren anderen Reichsbanner­mitgliedern am Abend aus dem Büro ge­kommen und durch die Straßen gegangen. Hierbei traf er auf SA-Leute, mit denen er sich unterhielt, während der Reichsbanner- mann Piontek in das Büro des Deutschen Landarbeitervereins lief, um angeblich tele­phonisch Polizei herbeizurufen.

Als Kotzan sich noch ruhig mit den Natio­nalsozialisten unterhielt, kam plötzlich ein noch unbekannter Mann hinzu, der eine Pistole zog und aus einer Entfernung von etwa einem halben Meter auf Kotzan schoß. Kotzan brach zusammen. Inzwischen siel ein zweiter Schuß, der Piontek galt, als dieser vor die Tür des Büros getreten war. Die Kugel durchschlug nur das Schau­fenster des Büros.

Festsetzung der Sitzungstermine Rücksicht genom­men. Ich glaube daher als Vertreter der größten Fraktion des derzeitigen Landtags ebenfalls auf eine Berücksichtigung unseres Antrages rechnen zu dürfen."

Präsident Kerrl hat dieses Schreiben des Abge­ordneten Kube sämtlichen Fraktionen des Landta­ges abschriftlich übersandt mit dem Bemerken, daß er nach der bisherigen Uebung dem Wunsche der größten Fraktion Rechnung tragen werde, so daß die nächsten Sitzungen des Landtages am 16. und 17. August nicht stattfinden können. Er würde sich erlauben, Ende nächster Woche den Termin der nächsten Landtagstagung mitzuteilen.

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Von Hans Bi alias Wozu sind Gewerkschaften da?

Die Gewerkschaftshäuser sollen die Büros der Arbeitnehmerorganisationen aufnehmen, um in die­ser Zentrale die notwendigen organisatorischen Maßnahmen zu treffen. Sie sollen also Stätten wirklicher Gewerkschaftsarbeit sein. Wie gesagt, so sollte es eigentlich sein!

Wie sieht es jedoch in Wirklichkeit aus?

Es ist der Sozialdemokratie im Laufe der Jahr­zehnte im offenen Kampfe und heimlicher Wühl­arbeit gelungen, die Gewerkschaften zum Werk­zeuge ihrer Politik zu machen. Sie hat ihr Ziel in dem Maße erreicht, daß einfreier" Gewerk­schaftsführer als Nicht-Sozialdemokrat^kaum denk­bar ist. Weiter wurde jedoch durch die 13jährige sozialdemokratische Politik des Verrats -G den Ar­beiterrechten, für welche auch die SiAV-Gewerk- schaftsführer verantwortlich zeichnen, erreicht, daß die Gewerkschaften heute im WirtschaftskÄNps aus­geschaltet sind.

Trotz aller Lohn- und Gehaltsraubs-, trotz Vcr- elendungspolitik von Brüning bis Papen (und zu­rück bis 1918) haben sich die Gewerkschaften nicht mehr gerührt. Kaum daß noch einmal ein wirklich ungefährlicher Miniaturstreik die Billigung der so­zialdemokratischen Gewerkschaftsbonzen ^fand. Ja, wenn sich schon einmal die Arbeiter trotz Wider­spruches ihrer doch eigentlichberufenen Arbeiter­führer" dazu aufraffen, unter nationalsozialistischer Führung selbständig vorzugehen, dann können sie sicher sein, daß die verräterischen Bonzen alles daran setzen werden, den Streik abzuwürgen. Wenn dann infolge der offenen Sabotage durch die Ge­werkschaften der Streik zusammenbricht, haben die Arbeiter zum Schaden noch den Spott der ver­räterischen Bonzen zu erdulden.

Wir sehen also täglich von neuem: Mit Ge­werkschaftsarbeit besassen sich die sozialdemokrati­schenArbeiterführer" nicht mehr. Wohl aber gibt es keine politische Schiebung, bei der die Gewerk­schaften nicht ihre Finger dazwischen haben!

Wenn es gilt, mittels einerEisernen Front" die SPD aus ihrem eigenen Dreck zu ziehen (eilt durchaus zweckloses Unternehmen, denn der Au­giasstall war noch ein Schmuckkästchen gegen den Misthaufen der SPD und die Gewerkschasts- bonzen sind erst recht keine Herkulesse) dann gehen bewegliche Aufrufe an die Mitglieder, sich bis zum letzten Mann für die Erhaltung des mar- Mischen Korruptionssumpfes einzusetzen.

Weil der Marxismus merkt, daß es ihm an den Kragen geht und er dem Siegeszug des Natio­nalsozialismus keine. geistigen Waffen entgegen­setzen kann, müßen die altbewährten Mittel des offenen Straßen- und Betriebsterrors herhalten.

Das dem Marxismus so vertraute Mittel der bemmungslosen Lüge und Tatsachenverdrehung muß dazu herhalten, die Blutbahn des roten Mordterrors zu verdecken. Täglich fallen national­sozialistische Arbeiter den bolschewistischen Mord- banden und feigen Reichsbannermördern zum Opfer. Kein einzelner Nationalsozialist ist im Be­triebe mehr sicher. Und die Gewerkschaftsführer, die in Erfüllung ihrer eigentlichen Aufgaben völ­lig versagen, haben den traurigen Mut, Arbeiter gegen Arbeiter/zu hetzen. Und die KPD sekun­diert:

Kein brauner Notverordnungssoldat, kein

Mordfaschist darf mehr in einem Betrieb Unter­schlupf finden. (Rote Fahne".)

>NSDAP stürmt Gewerkschaftshäuser", schreibt derVorwärts", wenn bei äußerster Notwehr ge­gen feige Mordüberfälle des Reichsbannergesindels, das sich eben diese Gewerkschaftshäuser als Zen­trale seiner Ueberfälle gemacht hat, die Angreife« von der SA zurückgetrieben werden.

Gewerkschastshäuser find nicht dazu da, daß aus ihnen aus Nationalsozialisten geschossen wird! Na­tionalsozialistische Arbeiter lassen sich nicht meh, wehrlos abschlachten!

Gewerkschaftsmitglieder, verbittet euch, daß m«j in den freien Gewerkschaften socialdemokratisch^

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S^üki'si'-agung

Preußischer Landtag vertagt