Ausgabe 
(5.8.1932) Nr. 170
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Nn. 170

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r: Papenstraße 13, Redaktion: Langen» Uk Redaktion: Montag bis Freitag von

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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Kot-HViopri tobt weilei*

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München, 4. August. Der SA.-Maun Hans ikiefer ist in der vergangenen Nacht in der Nähe der Silberhorn-Schule von Kommunisten be­schossen und durch einen Brustschuß schwer ver­setzt würden. Die Täter konnten flüchten. In der gleichen Nacht wurde ein Truppführer von 20 bis 85 Kommunisten beschossen, die nach Abgabe einer jSalve ebenfalls flüchteten. Von der Polizei war über diese Vorgänge bis zur Stunde noch nichts zu »rfahren.

Kommunist sokiokt sut oins ^nsu

Uebersälle aus Nationalsozialisten

Königsberg, 4. August. In der Umgebung von Drengfurt (Ostpreußen) haben sich am Mittwoch Mehrere Uebersälle auf Nationalsozialisten er­eignet. Auf den Besitzer Walter Maeckenburg aus Abbau-Mariental wurden in der Nacht auf dem Nachhauseweg vier scharse Schüsse abgegeben, die ihn jedoch nicht trafen. Ebenfalls in der Nacht wurde auf den Sturmführer Willi Matter» aus Drengsurt, der mit seinem Motorrad unterwegs war, in der Nähe eines Waldes geschossen. Auch hier gingen die Schüsse fehl. Auf den national­sozialistischen Obermelker Otto Delnitz in Wickerau wurde in seiner Wohnung ein Anschlag verübt. Nachts wurde dieser von einer Schar politischer Gegner buchstäblich belagert und Delnitz wurde aufgefordert, herauszukommen. AIs statt seiner der Untermelker Bernand aus Fenster trat, wurde von draußen eine gefüllte Flasche gegen ihn ge­schleudert, die ihn am Kops traf und schwer ver­letzte. Von dem Kommunisten Czyper wurden auf der Straße in Dreugfurt die der RSDAP. ange­hörende Frau Bastigkcit und der ebenfalls zur RSDAP. gehörende Schachtmcister Wiester durch Schüsse aus einem Tcsching schwer verletzt.

Weiteres Opfer der Schießerei im Gängeviertel

Hamburg, 4. August. Polizeiwachtmeister Haase, der in der Nacht zum Montag im Gängeoiertel durch einen Bauchschuß schwer verletzt worden war, ist am Mittwoch abend im Krankenhaus gestorben.

18. Todesopfer der Altonaer Unruhen

Altona, 4. August. Am Donnerstag ist im hiesigen Krankenhaus der 72jährige Pensionär Emil Fühler aus Hamburg gestorben, der bei den Altonaer Unruhen am 17. Juli eine schwere Schußverletzung erlitten hatte. Damit hat sich die Zahl der Todesopfer des 17. Juli. auf 18 erhöht.

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Halle, 4. August. In Wiche an der Unstrut wurden am Mittwoch Lei der polizeilichen Durch­suchung des kommunistischen Vcrkehrslokals acht hochexplosive Sprengkörper in einem geschickt ge­tarnten Versteck gesunden. Drei Sprengkörper waren aus Konservenbüchsen hergestellt, die neben dem Sprengstoff auch eine große Anzahl gußeiserner Stücke enthielten und deren Anwendung schweren Schaden angerichtet hätte. Die übrige» süns waren Handbomüen. Der Besitzer -es Lolals und sein Sohn, die der KPD. angehören, wurden festgenom­men.

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Dresden, 3. August. In der Berufungs- dckrhandlung im sogenannten Großemhainer Reichsbannerprozeß wurde am Mittwoch nachmittag das Urteil verkündet. Dem ÄKozeß lagen Zusammenstöße zwischen

I ReichsLamrerleuten und Nationalsozialisten zu Grunde, die sich im April d. Js. in Großenhaiu ereigneten und bei denen die Neichsbanrverleute Nach dem Prozetzbericht als die Angreifer erschienen. Bei drei Angeklagten wurden die erstinstanzlichen Strafen in Höhe von zwei Jahre« Zucht­haus und drei Jahren Ehrverlust sowie zweimal sechs Monate Gefängnis bestätigt.

Bei einem weiteren Angeklagten wurde die Strafe von I 1/4 Jahr Zuchthaus durch drei Jahre Ehrverlust verschärft, ein ande­rer erhielt statt sechs Monate ein Jahr Gefängnis. Bei einem weiteren Angenag­ten wurde die einjährige Zuchthausstrafe in zehn Monate Gefängnis umgewandelt.

IVIosksu stellt rlsn /Msnsppssltlsnten

Berlin, 4. August. Obwohl der Reichswahlleiter die Personalien der neuen Reichstagsadgeordneten noch nicht festgestellt hat, ist es wahrscheinlich, daß die kommunistische Abgeordnete Frau Zetkiu, die 75 Jahre alt ist, das älteste Mitglied dieses Reichstages sein wird. Das nächstältere Mitglied des Reichstages ist der Zentrumsabgeordnete Jo­hannes Blum. Da sich Frau Zetlin ständig in Moskau aufhält und ihr Gesundheitszustand zu wünschen übrig läßt, waren Zweifel aufgetaucht, ob sie das Amt des Alterspräsidenten übernehmen würde. Wie wir jetzt von kommunistischer Seite hören, ist aber damit zu rechnen, daß sie zur Er- ösjnungssitzung des Reichstages nach Berlin kom­men wird, um ihr Amt als Alterspräsident aus­zuüben.

^nsekksit oüsp Oummksit?

Berlin, 4. Aug. Der polnische Gesandte begab sich am Donnerstag nachmittag 18 Uhr zum Reichsaußenminister, um mit

ihm, wie verlautet, „laufende. Angelegen­heiten" zu besprechen. Im Verlause der Besprechungen wurde seitens des polnischen Gesandten auch die Angelegenheit des Flaggenzwischenfalls in Warschau gestreift, nachdem die polnische Regierung bereits eine Note an die Reichsregiernng gesandt

hatte. In dieser Note hat die polnisches Regierung, ohne aus die Einzelheiten eint zugehen, lediglich noch einmal ihren Prost test zunl Ausdruck gebracht. Die Note wird von der Reichsregierung unverzüglich bei antwortet werden und zwar in demselben Sinne, den der Reichsaußenminister dem, polnischen Gesandten gegenüber bereits am 2 . August zum Ausdruck gebracht hatte, daß nämlich -er Sachverhalt bereits geprüft sei und das Verhalten des deutschen Ge^ schäftsträgers v. Rinteken, durchaus bet internationalen Uebung entsprochen hcbertz

Appell slsn IVIZckIv sn klis Suksstüi'si'

London. Nach einer Mitteilung des Foreign Office hat der Generalsekretär des Völkerbundes vorgeschlagen, daß die englische, französische, deutsche, italienische und spanische Regierung auf dem Wege über die üblichen diplomatischen Ka­näle den Appell des Völkerbundes an die Regie­rungen von Bolivien und Paraguay unterstützen sollen. Dementsprechend ist der englische Vertre­ter in La Paz und Asuncion angewiesen worden, die Regierungen von Paraguay und Bolivien von der Absicht der englischen Regierung zu unter­richten, daß sie die Aufforderung des Völkerbun­des wie auch die Aufforderung der amerikanischen Staaten zur Einstellung der Feindseligkeiten zwi­schen beiden Ländern unterstützt. Von diesem Schritt ist auch die amerikanische Regierung unter­richtet worden.

Amerikanische Staaten lassen keine Grenz- veränderuugen zu

Washington, 4. August. Alle 19 amerikanischen Staaten (mit Ausnahme natürlich von Bolivien und Paraguay), sowie die Vereinigten Staaten von Nordamerika, haben eine gemeinsame Erklä­rung abgegeben, wonach sie keine Grenzveränderun- gen im Gran-Chacv-Gebiet anerkennen würden. Diese Erklärung ist in gemeinsamen Nolcn an Paraguay und Bolivien übermittelt worden.

Ssgsn ÄSN poMiseksn

Berlin, 4. August. Die in Berlin an­wesenden Reichsminister beschäftigten sich in einer Kabinettssitzung am Donnerstag mit den immer noch anhaltenden Terrorakten in den verschiedensten Gegenden des Rei­ches. Wie verlautet, ist die Reichsregierung gewillt, unverzüglich verschärfende Bestim­mungen zu erlassen, sofern sich nicht eine fühlbare Wandlung bemerkbar macht. Zu gleicher Zeit beschäftigte sich auch das preußische Staatsministerium u. a. mit der gleichen Frage. Die Beratungen gelten ebenfalls der Verschärfung der bisher er­lassenen Bestimmungen im Sinne der be­kannten öffentlichen Warnung des stellver­tretenden Reichskommissars Dr. Bracht. Es handelt sich dabei um die Verschärfung der Stlmfbestimmnngen und die Stärkung der Schnellgerichte bzw. Einsetzung von Son- dergerichten für Terrorakte, die in der kürzesten Frist geahndet werd::: sollen.

Es dürfte lediglich von den Vorgängen der nächsten achtzehn Stunden abhängen, ob verschärfende Bestimmungen zur Be­kämpfung des Terrors, die bereits vom Reichskabinett beschlossen worden sind, durch eine neue Notverordnung in Kraft treten sollen oder nicht. Da diese neuen Bestimmungen u. a. auch die Todesstrafe vorsehen, will man zunächst noch abwarten, ob sich diele äußerste Maßnahme nicht dock

noch umgehen läßt, da sie im Falle chres Inkrafttretens dann auch mit unvermin­derter Schärfe durchgeführt werden müsse. Die Aburteilungen würden vor Sonderge- richteu aus dem schnellsten Wege zu erfolgen haben.

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Berlin. 4. August. Die Beratungen des preußischen Staatsministeriums währten Donnerstag bis in die späten Abendstun­den. Im Vordergrund standen die vor­bereitenden Beschlüsse, die das Reichskabi- uett zur Bekämpfung das Terrors gefaßt hat. Sollte der Erlaß einer entsprechenden Notverordnung des Reichspräsidenten für notwendig gehalten werden, so würden sich daraus Folgerungen für die Preußenre­gierung ergeben, die gleichfalls bereits fest­stehen dürsten.

Was die Frage der Todesstrafe für be­stimmte Verbrechen angeht, so war bekannt­lich in der Verordnung über den militä­rischen Ausnahmezustand vom 20. Juli d. Js. Liese Strafe gleichfalls angedroht. Sie würde auch ohne Verhäng ung des militä­rischen oder zivilen Ausnahmezustandes in einer besonderen Notverordnung zur Siche­rung des Friedens übernommen werd-n können-

Vermittlungsvorschlag der Neutralen Südamerikas abgelehnt '

Buenos-Aires, 4. August. Aus La Paz (B 01 livien) wird berichtet, daß der Vorschlag der neutralen südamerikamschen Länder abgelehnt worden ist, in dem Bolivien und Paraguay aus-! gefordert wurden, wieder in die Stellungen zurück-! zukehren, die sie vor Beginn der FeindseligkeileS innehatten.

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Buenos-Aires, 4. August. Obwohl weder Bo« livien noch Paraguay eine Kriegserklärung her« ausgegeben haben, geht doch in beiden Ländern big Mobilmachung weiter.

In der Hauptstadt von Paraguay verteilt das Rote Kreuz weiter Gasmasken an die Zivilbevölst kerung. Die Regierung läßt große Mengen von Gasmasken anfertigen, denn der bolivianische Flugzeughafen ist nur vier Flugstunden von Asuncion entfernt. In Puerto Nuevo mußte die Polizei Hunderte von Zivilisten wieder von best Fahrzeugen herunterholen, auf denen sie zu den Truppen an die Grenze fahren wollten. Hunderts von jungen Mädchen umlagern das Kriegsminü sterium und verlangen Unterricht in Schießen. Kinder ziehen durch die Straßen und singen die Nationalhymne.

In La Paz, der Hauptstadt Boliviens, befürchtet man, daß ein etwaiger Krieg zu einer Sperrung der Grenzen Boliviens durch die benachbarten Neutralen führen würde, das wäre eine sehr ein-,! schneidende Maßnahme, da Bolivien keinen Zu^ gang zum Meere hat, während Paraguay jederzeit! Zufuhren auf dem Paraguahfluß erhalten kann.! Praktisch würde sich also ein solcher Schrill der- Nachbarstaaten zu einer Unterstützung Paraguays! auswirken.

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Buenos-Aires, 4. August. Die brasilianische Rs« gieruug teilt mit, daß ihre Truppen die Stadt Apiahy wieder besetzt haben. Sie war im Verlaus der Revolution in die Hand der Aufständischen des Staates Sao Paolo gefallen. Im Anschluß hieran sind Verhandlungen eingeleitet worden, um zwist schen Vertretern der Regierung und der Aufstaus dischen eine Konferenz zustande zubringen, aus der über die Einstellung der Feindseligkeiten und? Regelung der politischen Streitigkeiten verhandelt werden soll.

Die polnischen Flieger vor dem Schnellrichter

Stolp, 3. August. Die beiden polnische« Offiziere, die am Sonntag abend bei Stickershage« notgelandet waren, wurden am Mittwoch vont Schnellrichter wegen Paßvergehens und Vergehens gegen die Lustverkehrsordnung zu je einhundert Reichsmark Geldstrafe verurteilt.