Ausgabe 
(30.7.1932) Nr. 165
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Parteiamtliches Organ der Bremer Nationalsozialisten

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Die Fahnen hoch:

Am 31. Fuli tritt -as nationale und sozialistische Deußschka«- an - Fort mit den Rotveeoe-iW«ss . pnrteien, f»et mit den Verrätern von M18 - Der Sie« muß unser fein - Wähle -ein Schicksal.

Der LskreiungsNlig

RiesenkunSssbums in Württemders

(B?n unserm nach Reutlingen entsandten Sonderberichterstatter.)

Reutlingen, den 29. Juli 1932. Lieblich liegt die Stadt in der grünen Alm eingebettet, beschattet vom Georgensberg. Ma­schinenfabriken, Webereien, Spinnereien, soweit sie noch nicht geschlossen sind, geben der Be­völkerung Arbeit und Brot.

' Heute aber haben viele dieser Fabriken früh­zeitig geschlossen, es ist ein unaufhörliches Kommen und Gehen, wie es Reutlingen nie­mals zuvor gesehen hat.

Ein richtiges Zelt ist auf der Rennbahn auf­gebaut. Tagelang arbeitete hier die SA. Tag und Nacht. Und in dieses Zelt hinein strömen nun die Tausende, füllen es bis auf den letzten Blatz, bis schließlich keiner mehr Platz findet. Dann stauen sich die Massen draußen auf den Wiesen, Kopf an Kopf stehen sie, die Arbeiter aus Reutlingen, die Bauern aus Weilheim, Kirchheim, Uesingen, die in den letzten Mo­naten einen schweren erfolgreichen Kampf aus­kochten. Vor zwei Jahren gab es hier nur so­viel Nationalsozialisten, daß man sie an den Fingern abzählen konnte.

Bei der letzten Wahl aber stellte die NSD AP. schon 85 Prozent der gesamten Bevölke­rung. Das war bestimmt ein erfolgreicher Tag. Man sieht noch heute die Freude da­rüber in den Augen der Bauern, wenn sie da­von erzählen.

Welche Siegesgewißheit, welcher Stolz und welch erhebender Ausbruch in diesen Menschen. Der Führer ist da! Kinder begrüßen ihn in weißen Kleidern, in alter Tracht. SA.-Männer heben ihre Kinder aus die Schultern. Frauen bringen Blumen, Sträuße, Kränze...

Und dann spricht der Führer, rechnet noch einmal und endgültig in zwölfter Stunde ab, spricht' noch einmal mit hinreißendem Fanatis­mus, trommelt, reißt wieder und wieder die Herzen empor und fordert sie auf zu eindeu­tiger klarer Entscheidung.

Weit über dreißigtausend Menschen, deutsche Arbeiter und Bauern, antworten ihm wie aus einem Munde, rufen ihm ihr Vertrauen, ihre 'Zuversicht und ihre Kampfbereitschaft zu, weit über 30 Tausend schwören dem Führer in dieser Stunde, daß der nächste Sonntäg auch in Württemberg für uns ein herrlicher Sieg, für die anderen eine vernichtende Niederlage sein wird.

(Pfalz), den 29. Juli 1932.

Dieser Befreiungsflug des Führers, von einstmals die Geschichte berichten wird, A" ./Allionen und Abermillionen in ganz Deutschland wachgerüttelt. Deutschland er­wacht aus IZjähriger Finsternis! Wir stehen Baumriesen, die die Gipfel der mächtigen Berge rings um Neustadt bedecken.

«lüht auf das Gewirr der alten Giebeldächer herunter. Vom hohen Kirchturm

in"d?e"tzöhe ^ ihr ehernes Lied hinaus

einer Seite hin, zum Rhein hinaus. Ut das Tal offen. Bis zum schönen Odenwald

und zum Schwarzwald schweift das Auge über das fruchtbare Unterland. Aus dem Dunst, der über dem Rhein lagert, grüßen die mäch­tigen Türme des Doms zu Speyer.

Neustadt ist Hochburg unserer Bewegung. An all' den spitzigen Giebeln, in all' den schmalen Straßen und Eäßchen flattern unsere heiligen Banner, dem Führer zum Gruß, der heute draußen im Stadion sprechen wird.

Seit dem frühen Vormittag strömen die Masten hinaus zum Stadion. Als die Kund­gebung beginnt, sind 50 000 Männer und Frauen zusammengekommen, Weinbauern und Arbeiter, die schwer zu ringen haben, Arbeits­lose, die seit Monaten und Jahren auf der Straße liegen, fitzen und stehen dicht gedrängt. Nur einmal wollen sie den Führer sehen und hören.

Endlich, zur festgesetzten Stunde tönen die Hupensignale der Autokolonne, mit der der Führer kommt. Brausender Jubel empfängt Adolf Hitler, der so frisch aussieht, wie am ersten Tage seines gewaltigen Freiheitssluges. Kinder und junge Mädchen überschütten ihn mit Blumen. Dann beginnt der Führer zu sprechen:

„Es geht zur letzten Entscheidung,

rum letzten Ksmpt, der mit dem 31. Juli aber noch längst nicht sein Ende gesunden hat."

Das Auge des Führers geht über das über­wältigende Panorama der Berge rings um das Stadion. Von tiefer Leidenschaft sind die Worte des Führers durchglüht:

„Wir werden unseren Kampf nicht einen Tag früher beenden, als bis «nser deutsches Vater­land wieder frei ist, als bis für den letzten deutschen Volksgenossen Arbeit und Brot ge­schaffen ist.

Bei Ihnen liegt es jetzt, am 31. Juli uns die Macht zu geben, damit wir unsere Arbeit des Wiederaufbauen? beginnen können. Ich bettele nicht um Ihre Stimmen. Wenn es Ihnen als

Denkt sn öei' V/skiurne risvan:

recht und gut erscheint, was die Machthaber deE letzten 13 Jahre taten, dann bleiben Sie bei diesen Parteien. Wenn Sie es aber anders wollen, dann geben Sie uns die Stimme. Aber treffen Sie keine halben Entscheidungen, kom­men Sie ganz zu uns."

Der Führer hat seine Rede beendet. Wieder trägt ihn das Flugzeug zur nächsten Kund« gebung. Bis zum letzten Augenblick geht der Kampf um die Seele des Volkes, und ist der Wahltag vorüber, dann geht der Kampf weites bis zum endlichen Sieg. ^

(Fortsetzung auf Seite 2.)

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(Eigenbericht.)

Leipzig, 30. Juli. In der Nacht zum Freitag wurde in Wiederitzsch der 19jährige Landwirts­gehilfe und SA.-Mann S. von einer kommu­nistischen llebermacht angefallen und niederge­stochen. Der Tod trat auf der Stelle ein. Die Polizei nahm zwei Verhaftungen vor.

In Leipzig-Lindeuau wurde Freit^ morgen eine Gruppe Nationalsozialisten, die Wahlzettel verteilten, von einer Horde Kommunisten, die durch Hornsignale zusammengerufen worden waren und die, wie selbst der Polizeibericht fest­stellt, mit allen möglichen Mordwerkzeugen, auch Schußwaffen, ausgerüstet waren, überfallen.

Drei Nationalsozialisten wurden erheblich ver­letzt.

Rostock, 30. Juli. Donnerstag abend wurdet mehrere Zeitungsverkäufer des „Niederdeutschen Beobachters" an verschiedenen Stellen der Stadt gleichzeitig von Gruppen bewaffneter Kommu­nisten überfallen.

Zwei Nationalsozialisten wurden durch Stiche schwer verletzt. Der Zeitungsoerkäufer und SS.-> Man« Prange! trug einen schwere» Schlüssel- beinbruch davon, außerdem erhielt er einen Stich in den Rücken, durch den wahrscheinlich die Lunge verletzt worden ist. Ein weiterer SA.-Manu wurde ebenfalls schwer verletzt. Ditz Polizei konnte vier der Bursche« verhafte».

ZoMe Gerechtigkeit, ErmngeMMn -er Revolution:

Für Z Kinder des LskemMMrers vosv Reichsmark M» MdigMg - Für 6 Kinder des sozialdemokratifch. Staats- SM. 92400,-:: Und - Karl Severiag!

I. D. Ungeheuer ist gegenwärtig der redne- rische Aufwand, den die SPD. in Hinsicht auf den 31. Juli entfacht. Ganz besonders legt sie Wert darauf, in großer Schrift ihr soziales Gerechtigkeitsgefühl an den Tag zu legen. Wenn man die Plakate der SPD. liest, möchte ma" glauben, daß die Angestellten, Arbeiter Beamten in einem Staat, den einmal die SPD. regieren werde, mit einem Uebermaß sozialer Gerechtigkeit bedacht werden.

Die SPD. will nämlich in ihrer Wahl- propaganda die Tatsache vergessen machen, daß sie bereits 14 Jahre an der Regierung war. Wir sollen das Uebermaß an sozialer Unge­rechtigkeit vergessen!

Daß das nicht geschieht, dafür sorgt die nationalsozialistische Partei. Ganz besonders freuen wir uns, zum Tag vor der Wahl un­sern Lesern ein schlagkräftiges Beispiel dafür bringen zu können, ein Beispiel so ungeheuer­lich, daß man es kaum glauben kann. Jedoch sind die wörtlichen und durchaus authentischen Unterlagen für die folgenden Ausführungen vorbanden.

Bei dem Eisenbahnattentat bei Leis erde im Jahre 1926 verunglückten u. a. der sozial­demokratische Staatskommissar Mehlich und das Lokomotivehepaar Wiese.

Mehlich, dessen Frau bereits vor einem Jahr gestorben war, hinterließ 6 Kinder im Alter von 4 bis 20 Jahren, das Ehepaar Wiese 3 Kinder in minderjährigem Alter.

Kurz nach dem Unglücksfall wurden von den gesetzlichen Vertretern der verwaisten Kinder Entschädigungsansprüche an die Reichsbahn gestellt.

Da es zu weit geht, hier alle Einzelheiten aufzuführen, beschränken wir uns darauf, fest­zustellen,- daß der Vormund der Kinder Meh­lichs, der sozialdemokratische Redakteur Henßler, Dortmund, eine Entschädigung von

mindestens 140 000, SM.

verlangte» während Rechtsanwalt Fraenkel für die 3 Kinder Wiese 10 000 RM. beanspruchte.

Begründet wurde der Antrag Mehlich durch Henßler damit: „Ich habe den sehr begrün­deten und jedenfalls auch allgemein lehr be­

greiflichen Wunsch, von vornherein sichergestellt zu sehen, daß in dem Plan des Herrn Mehlich bezüglich der weiteren Ausbildung und fernere» Versorgung seiner Kinder keine Einschränkung in materieller Hinsicht notwendig sein wird."!!

Ein Sohn hatte die Universität bezogen, ein zweiter sollte zur Handelshochschule.

Bei den Söhnen des Lokomotivführers hieß es in der Begründung, daß sie den Kellner­beruf ergriffen hätten und auf eine gehörig« Ausbildung verzichten müßten, weil ihnen der Tod der Eltern eine entsprechende Berufsaus­bildung unmöglich mache.

Der Kampf um die 140 000 RM. (2400 RM. waren bereits ausgezahlt und sollten nicht an­gerechnet werden!) der Kinder Mehl ichs wurde im Frühjahr 1927 dahin von der Reichsbahn entschieden:

„Die Eisenbahnhauptkasse wird angewiesen, an die Städt. Sparkasse in Dortmund auf das Scheckkonto Mehlich Nr. 3202 einmalig den Be­trag von 90 000 RM„ buchstäblich „ueunzig- tauseud Reichsmark" sofort portofrei zu zahlen und wie angegeben» zu verausgaben. Reichs­bahndirektion Hannover." 20. 1. 27.

Entschädigungssache Wiese wurde am 28. November 1927 u. a. mit einem Angebot von 6000 RM. (!) beantwortet mit den Schluß­worten:

»Um die schon hoch bemessene Entschädigung - (Fortsetzung auf Seite 2) -