Ausgabe 
(5.7.1932) Nr. 143
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Verlagsort Bremen. Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistisch« Zeitung, Kurt Thiele. Geschäftsstelle Papen- Praße lS. Redaktion Langenstr.48. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 10 Uhr. — Aernspr. Domsh. 258 76.

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Nur wenige wissen, daß es In Ruhr- und Kheinstädten und in Groß-Berlin Gebiete gibt, in denen seit Wochen kein National­sozialist in seine Wohnung zurückkehren kann, weil der Rote Mord unter den Augen der „Obrigkeit" hohnlachend die Straße be­herrscht. In der Reichshauptstadt gibt es Straßenzüge, in denen Las Verbrechergestn- bel aus dem ganzen Norden und Nord- westen sich sammelt, und zu militärisch ge­gliederten Terrorgruppen, organisiert wird! Dort gibt es zahllose Höfe, die unterein- kirder verbunden sind, flache Dächer, über die man von Haus zu Haus gelangen kann, Laubenkolonien, in deren Buschwerk nnd Heckenwerk die „antifaschistischen" Arbeiter­mörder Deckung finden. Aus diesen Zentren stoßen die Banden mit Radfahrerstreifen in die umliegenden Stadtteile vor, erkun­digen und melden. Wehe dem kleinen Trupp, der geschlossen zum Sturmappell, zumSaal- schutz will, ivehe dem einzelnen, der zu spät aus der Arbeit kam, und nun auf dem Wege zum Dienst nicht einmal den Schutz der waffenlosen Kameraden genießt! Die Radfahrerstreifen holen die Mordkomman­dos heran: „Schlagt die Faschisten, wie ihr sie trefft!"

Aus Hosen und Hecken, Kneipen und Bei­zen schiebt sich das Mordgesindel. Früher einmal wahrte der Mob noch eine Art Form, rempelte, johlte, brüllte zuerst, um dem Mord den Anschein der Schlägerei zu geben. Heute herrscht harter, unerbittlicher Krieg, der auf die Maske verzichtet Ein Dutzend Schüsse, Querschläger zwitschern vom Pflaster auf, Geschosse, oft genug mit gefeilten Spitzen — Dum-Dum —. reißen j/urchtbare Wunden.

Irgendwo spielt vielleicht ein Alarmappa­rat, springen Beamte auf einen Ueberfall- wagen und kommen zu spät. Zum wirklichen Durchgreisen, zum radikalen Abkämmen der Schlupfwinkel und Brutstätten des Mordes, fehlen Wclle und Mut.

Sreben Tote und rund einlaufendem! dert Verletzte brachte der Monat Juni SA und SS. Immer frecher erhebt Mo> das Haupt. Vom Straßenmord zum Uc fall auf Geschäftsstellen und Redakti, übergehend, geben die Sowjetjuden Kampf eine immer ernster werdende I düng.

Wenn sich die zuständigen Stellen einmal für den Wortlaut der chiffrierten sowjct-

russischen Kurzwellensendungen der letzten Rächte interessiert hätten, ein merkwürdi­ger Zusammenhang zwischen den Aktionen der „antifaschistischen" Bande« und den Be­fehlen der Komintern wäre ossenbar ge­worden.

Der schleichende Mord wird zum offenen Bürgerkrieg. Besonders bedauerlich ist die Tatsache, daß der Prozentsatz der nicht bei der Hilfskasse, der Verwundetenhilfe der Be­wegung, gemeldeten oder mit dmr Beiträgen rückständigen Verletzten selbst unter diesen Umständen wieder gewachsen ist. Zudem wird in den ruhigen Gebieten vielfach nicht gemeldet, um die 30 Pfennig monatlichen Hilfskassenbeitrag zu sparen. Die Hilfskasse kann den lawinenartig anwachsenden For­derungen auf die Dauer jedoch nur gerecht werden, wenn gerade in den bisher ruhigen

Gebieten rauch der letzte Parteigenosse und -genossin ihre Hilfskassenbeiträge entrichtet und die verantwortlichen Kassenwarte und Hilfskassenobleute die Gelder pünktlich ab­führen. Wer das Glück hat, in einem ruhi­gen Gebiet zu wohnen, hat die doppelte Pflicht, den Beitrag zur Hilfskasse abzufüh­ren, damit den Kameraden in den Terror- Gebieten geholfen werden kann.

Es genügt nicht, von den verantwortlichen Stellen energische Maßnahmen zum Schutz des Lebens und der Gesundheit unserer Parteigenossen zu fordern. So lange diese Stellen nicht wollen oder nicht können, muß alles darangesetzt werden, die reibungs­lose Abwicklung der Verwundeten- und Hin­terbliebenenfürsorge durch pünktliche Er­füllung aller Pflichten gegenüber der Hilfs­kasse sicherzustellen.

DnoksnrSs im Vvi'Lugs

vsn Ksmp- um eins üsulsolis SokIuOrskIung

Lausanne, 4. Juli. Das Schreiben, das der Reichskanzler am Montag dem englischen Ministerpräsidenten hat zugehen lassen, ent­hält die Gegenbemerkungen der deutschen Abordnung zu item Gläubigervorschlag. Auf deutscher Seite ist immer wieder der Stand­punkt vertreten worden, daß eine deutsche „Abschlußzahlung" nach dem vorgesehenen dreijährigen Moratorium nur in Frage kom­men könnte, wenn diese Zahlung im Ver­hältnis zu der finanziellen Tragfähigkeit der deutschen Gesamtlage steht (!!). Eine be­dingungslose Verpflichtung, eine Abschlußzah­lung in jedem Falle vorzunehmen, war bis­her auf deutscher Seite auf das Entschie­denste abgelehnt worden. Auch sachlich könnte an eine deutsche Abschlutzzahlung natürlich nur dann gedacht werden, wenn die gesamte wirtschaftliche und finanzielle Lage Deutsch­lands diese tatsächlich zuließe. In auslän­dischen Kreisen ist daher jetzt der Plan auf­getaucht, die deutsche Abschlußzahlung, deren endgültige Höhe noch keineswegs feststeht, in der Weise zu regeln, daß Deutschland nach dem Ablauf des dreijährigen Moratoriums zunächst eiire geringe bedingungslos vorzn- nehmende Zahlung übernimmt und der Rest der Schlußzahlung bedingt, d. h. nur nach

Vorliegen bestimmter wirtschaftlicher Vor­aussetzungen, entsprechend der deutschen Wirt­schaftslage verwirklicht wird. Die Verhand­lungen über diesen ganzen komplizierten Fragenbereich sind aber noch in der Schwebe und werden erst nach der Rückkehr Herriots in eine entscheidende Phase eintreten

„Svkwsmm tlt'ükvi'"

sagt Grandi

Lausanne, 4. Juli. Der italienische Außenmini­ster Grandi hat dem Lausanner Vertreter des „Petit Parisien" eine Erklärung übergeben, in der u. a. folgendes ausgeführt wird:

Die einzig mögliche Lösung, die im Interesse aller liegt, ist nach den dreiwöchentlichen Ver­handlungen der Konferenz nur die Lösung „Schwamm drüber". Die Lausanner Konferenz war nicht einberufen worden, um zukünftige Zah­lungen zu sichern, die nur die anormale und künstliche Lage der Gegenwart weiter aufrechter­halten und verschärfen könnten, sondern um die unerläßliche Rückkehr zum Vertrauen und die Wiederaufnahme des allgemeinen Handelsverkehrs zu ermöglichen. Die Regelung, die auf der Kon­ferenz gefunden wird, muß eine endgültige Rege­

lung sein. Die Annullierung der Zahlungen muß sich auf sämtliche europäischen .Gläubiger- unq Schuldnermächte erstrecken.

Ungisudiioks sorrisirlsmo- kpstiseks L.uckepwi^sokstt

Mecklenburgisches Amt meldet Konkurs an

Schwerin, 4. Juki. Das Amt Hagenow Hai mit seinen 4000 Seelen eine Schuldenlast von drei Millionen Reichsmark, mehr als sämtliche übrigen Aemter von Mecklcnburg-t Schwerin zusammen. In einer Versamm-l lung teilte Amtshauptmann Busch mit, daft das Amt Hagenow seinen Verpflichtungen, nicht mehr nachkommen könne. Fällige ZinÄ leistungen müßten ab 1. Juli eingestellt! werden. Der einzige Ausweg, der sich auH der Mißwirtschaft seines Amtsvorgängers/ des sozialdemokratischen Umtshauptmanns, Dr. Wohlers, entwickelt habe, sei der Kou4 kurs. Daher habe sich der Amtsausschuft entschlossen, den entscheidenden Schritt zu tun und beim Amtsgericht die Eröfsnungj des Konkurses für das Amt zu beantragene Der Antrag sei ün Laufe des Montag Vor-H mittag dem Gericht zugeleitet worden.

Kotsponi veütst in Lsssn

Essen, 4. Juli. Wie die Polizei mitteilt^' wurde ein Ueberfallkommando der Schutz^ Polizei an der Ecke der Matthias- und Jo-j sephstraße von mehreren Personen angegrift fen und mit Steinen beworfen. Die Befl amten feuerten drei Schüsse ab. Durch erneu dieser Schüsse wurde der 24 Jahre alte HanH Schneider getötet.

In der Nacht zum Montag wurden wieder--! holt Polizeistreifen von Kommunisten ange-4 griffen. Ein Polizeiwachtmeister wurde durch einen Streifschuß leicht verletzt, außerdem! wurde eine bei einer Schlägerei schwer der-« letzte Person dem Krankenhaus zugeführt!.

Aus einem von Essen nach Hagen fahren-! den mit roten Sportlern besetzten Sonderzug wurde auf einen Sonderzug, -er vom Dort, munder Reichskriegcrtag kam, geschossen.

Insgesamt wurden von der Polizei 23 Personen festgenommen.

Wie weiter ergänzend mitgeteilt wirH>. wurden beim Absuchen des Sportplatzes, nachdem die roten Sportler entfernt uns einzeln nach Waffen durchsucht waren, Ll Pistolen, 2 Scheintadpistolen, 12 Messer, 2 Schlagringe und 2 Totschläger gefunden, außerdem eine Menge Steine, die in Papietz eingedreht waren.

V

Heute abend 8.30 Ahr:

Maffen-Vesfammtting

in der Anion. Gottfried Zeder spricht