Ausgabe 
(1.7.1932) Nr. 140
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Verlagsort Bremer». Herausgeber Kurt Thiele. Verlag: Bremer Nationalsozialistische Zeitung, Kurt Thiel«. Geschäftsstelle Papen- Pratze 15. Redattion Langenstr. 48. Sprechstunden der Redaktion: Montag bis Freitag von 18 bis 1S Uhr. Fernspr. Domsh. 258 78.

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Bon Alfred Rosenberg.

Anlätzlich eine riesigen Kundgebung der Ber­liner Studentenschaft gegen Versailles am 28. Juni, hielt Alfred Rosenberg eine Rede, der wir folgendes entnehmen:

Wir denken an diesem Tage an die abge­trennten deutschen Gebiete, an die Verluste durch erzwungene Auswanderung, an die Selbstmorde als Folge des Schanddiktats, als Folge aber auch der verbrecherischen Jllusions- politik des hinsterbenden Systems, der das furcht­bare Elend erwuchs, das Deutschland durch ein Jahrzehnt wahnsinniger Tribute und innerer Korruption auferlegt worden ist. Wir grüßen an diesem Tag das gesamte Deutschtum in aller Welt und glauben, daß durch die Not die Schicksals- verbundenheit aller Deutschen heute tiefer erkannt wird als jemals zuvor, und daß uns aus diesem Erleben heraus die Hoffnung quillt, daß viele, die scheinbar verloren waren, später wieder gewonnen werden können.

in die Verteidigung hat die innere Umwandlung des Volkes eingesetzt. Unsere akademische Jugend mutz sich vor allem bewußt werden, daß wir in der größten deutschen Revolution leben und sie muß alle inneren moralischen Kräfte zur Ueber­windung des Schädlichen aus der Vergangenheit einsetzen und das Wertvolle an unseren großen Traditionen in die Zukunst hinüberretten.

In dieser großen Schau des heutigen Geschehens

find wir des Glaubens, daß Deutschland den Krieg doch nicht verloren hat, denn der Krieg ist im November 1918 nicht zu Ende gegangen, sondern wurde mit anderen Mitteln fortgeführt.

In der Schande der letzten 13 Jahre erlebt das deutsche Volk seine tiefste Wiedergeburt. Es be­kennt sich zu dem Grundsatz, sich nicht durch sremdgeistige Gesetze von außen bestimmen zu lasten, sondern von seinem inneren Charakter aus zu gebieten. Die innere Unbefangenheit der Seele und des Blutes ist heute wieder hergestellt.

So schlingt «ine Gemeinsamkeit des Wollens sich um alle erwachten Deutschen und am 28. Juni 1932, am Jahrestag eines schmachvollen Diktats, pflanzen wir die Fahnen der Hoffnung des kom­menden Reiches aus. Wir geloben im Gefühl die­ser wiedererwachten Kräfte auf geraubte Lebens­grundlagen Deutschlands nie zu verzichten, sondern zu kämpfen für ein kommendes großdeutsches Reich der Ehre und der Freiheitl

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Wir denken namentlich der Wunde im deut­schen Osten, dessen mit Schwert und Pflug er­oberter Boden die Grundlage für die deutsche Volksernährung bildete. Wir erkennen aber, daß deutsche Städte und Dörfer, die Frucht jahrhun­dertelanger schöpferischer Arbeit, immer mehr von einem Feind umgewandelt, geraubt und vernichtet werden. Unter offenkundigem Bruch der Minder- heitcnrechte arbeitet Polen daran, das Deutschtum im Osten auszurotten, um nach Jahr und Tag eine Volksabstimmung in dem 1819 geraubten Ge­biete als zwecklos hinstellen zu können, da es ja dort keine Deutschen mehr gäbe. Diesem Streben gegenüber erklärt das erwachende Deutschland in dieser Stunde, daß wir niemals auf die blutge­tränkte Erde der deutschen Vergangenheit verzich­ten werden, daß wir keine Atempause in dem großen Schicksalskampf der Deutschen kennen, den das gesamte erwachte Deutschland zu führen hat, Greise, Männer, die Jugend und die Frauen. Wir denken an alle Deutschen im Osten, nicht bloß im Korridor, und werden besonders den Wort­bruch des Völkerbundes anlätzlich der Abstimmung in Oberschlesien niemals als zu Recht bestehend anerkennen, sondern stets eine Wiedergutmachung fordern.

Mit dem Versprechen nie zu vergessen, w 1919 und später geschah, verbinden wir die E klärung, daß wir durchaus einen polnischen Sta und polnische Kultur anerkennen, soweit sie si auf das alte Polnische Gebiet beschränken. Dc das Unrecht am deutschen Volke muß gutgema« werden, denn vorher wird niemals Friede in E ropa sein. Das deutsche Ost- und Raumproble b^arf der Aufmerksamkeit aller gerecht denkend Nationen, die ein neues Chaos über Europa v< hindern wollen.

Für uns erwachte Deutsche steht der Zusammen­hang dieser Schicksalsfrage mit der inneren Wie­dergeburt fest. Wahre deutsche Politik wird von einer festen Rangordnung der Werte bestimmt, die im Erkennen besteht, daß in allen Kämpfen, die wir auf dieser Erde zu führen haben, die Nation die allererste Stelle einnimmt und erst an zwei­ter, dritter und vierter Stelle die Auseinander­setzung über Stämme, Konfessionen und Berufe kommen! Deutsche Politik kann man nicht treiben mit Parteien des sozialen und religiösen Klassen- lampses im Rücken. Diese Kräfte müssen ohne Kompromisse ausgeschaltet werden aus dem ge­samten politischen Leben des Reiches. Mit der Verdrängung von Sozialdemokratie und Zentrum,

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Berlin, 30. Juni. In der 11-Uhr-Pause kam es heute im Vestibül der Universität zu Zusam­menstößen zwischen rechts- und linksstehenden Studenten. Rufe wieDeutschland erwache", Juda verrecke",Juden raus",Hitler verrecke" und andere ertönten. Lieder wurden gesungen. Während der Verhandlungen des Rektors, die eineinviertel Stunden dauerten, kam es zu Schlä­gereien mit Spazierstöcken und Riemen, wodurch mehrere Anwesende blutig verletzt wurden. Die rechtsstehenden, meist nationalsozialistischen Stu­denten verlangten, daß die Juden das Gebäude vor ihnen verlassen müßten. Schließlich verfügte der Rektor die Schließung der Universität. Mit Hilfe von Professoren gelang es zunächst, die links­stehenden Studenten zu veranlassen, die Vorhalle zu verlassen. Darauf zogen die rechtsstehenden Studenten aus dem entgegengesetzten Ausgang ab.

Nach der Schließung der Universität und dem Auszug, der beiden feindlichen Gruppen kam es vor der Universität und in den Nebenstraßen zu starken Ansammlungen, in deren Verlauf sich weitere Zusammenstöße ereigneten. Die Polizei sah sich genötigt, einzugreifen und mehrere Bereit­schaften einzusetzen, die zunächst die Universitäts­straße räumten und dann Unter den Linden die Ansammlungen zerstreuten. Die Linden bieten ein aufgeregtes Bild. In der Universität selbst tagt beim Rektor Professor Dr. Lüders eine Kon­ferenz, die die Führer der beiden Gruppen ver­nimmt. Die Vorgänge sind vom Rektor zum größten Teil selbst mit angesehen worden, da er sich die ganze Zeit über im Vestibül der Univer­sität aufgehalten hat. um die Streitigkeiten zu schlichten.

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Im Saal der Heidelberger Stadthalle fand eine öffentliche Protestversammlung von 3500 Studenten und Bürgern gegen die wei­tere Belassung des Professors Gumbel in seinem Lehramt an der hiesigen Hochschule statt, zu der die Deutsche Studentenschaft der Hochschule eingeladen hatte und zu der auch ein Vertreter des Hauptausschusses der Deutschen Studentenschaft in Berlin sowie solche von den Hochschulen Mannheim, Karlsruhe, Darmstadt, Gießen, Stuttgart, Tübingen und Hohenheim erschienen waren. Der Protest richte sich, wie einleitend er­klärt wurde, nicht gegen die Universität und habe nicht den Zweck, in das gegen Gumbel schwebende Disziplinarverfahren einzugrei­fen. Vielmehr richte er sich allein gegen die Persönlichkeit Gumbcls, der immer wie­der das Andenken deutscher Frontkämpfer in der niedrigsten Weise geschmäht habe, als den typischen Vertreter einer Geistesrich- tung, für die an deutschen Hochschulen kein Platz mehr sein dürfe. Ein anderer Redner erklärte, der Heidelberger Studentenaus­schuß sei 1931 vom badischen Kultusminister aufgelöst worden, weil er der Träger des Kampfes gegen Gumbel gewesen sei. Die deutsche studentische Jugend fühle sich ver­antwortlich für die Reinheit und deutsche Gesinnung der deutschen Universitäten, da­rum würde sie den Kampf durchführen bis zur Entsernung Gumbels. Die Vertreter der anderen deutschen Hochschulen sprachen sich im gleichen Sinne aus. Eine ent­sprechende Entschließung wurde den zustän­digen Stellen zugeleitet.

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Reichspräsident v. Hindenburg hat den Reichshaushalt für 1932-33 m der Form wie er vom Reichsrat verabschiedet worden war, durch besondere Verordnung in Kraft gesetzt. Wie man härt, ist die Verordnung sehr umfangreich. Sie besteht aus 16 Para­graphen und trägt den TitelVerordnung des Reichspräsidenten über die Verwaltungs- eiNW.Hmen .und-gusgabrn -es ReiLes/k-^

Wie wir erfahren, beabsichtigt die Reichs­regierung, den Etat nachträglich vom Reichs­tag bestätigen zu lassen. Es ist allerdings noch ungewiß, wann diese Bestätigung er­folgt. Da der Reichstag bekanntlich 30 Tage nach den Wahlen zusammentreten muß, werden die Verhandlungen spätestens am 31. August beginnen können.

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Zwickau, 30- Juni. Der durch den Vorfall im Reichstag .bekannte frühere Oberleutnant r. S. Dr,

Klotz, der sich als Reichsbanneragitator betätig», hatte sich vor der Strafabteilung des Amtsgerichts Zwickau.wegen Beleidigung des nationalsozialisti- schen Pfarrers Dr. Engel aus Werdau zu verant­worten. Klotz hatte in einemOffenen Bries" im Sächsischen Volksblatt" erklärt, Dr. Engel habe einer nationalsozialistischen Versammlung, in der Klotz als Redner aufgetreten war, bewußt gelo­gen. Seine (Klotz) Aufgabe werde erst beendet sein, wenn er den Pfarrer Dr. Engel aus Amt und Brot gejagt habe. Der Vertreter Dr. Engels er­klärte u. a., daß Klotz, wenn man ihn in jedem- einzelnen Fall seiner Beleidigung nationalsozia­listischer Führer belangen würde, er wohl selten außerhalb des Gerichtssaales zu sehen wäre. Ein­mal müßte Leuten seines Schlages das Handwerk gelegt werden und es sei durchaus nicht verwun­derlich, daß es zu den bekannten Vorgängen in< Reichstag gekommen sei.

Das Gericht verurteilte Klotz wegen öffentlicher Beleidigung zu 200 RM. Geldstrafe, ersatzweise zu zehn Tagen Gefängnis. Die Kosten des Ver­fahrens trägt der Verurteilte, ebenso die Ausla­gen, die Dr. Engel durch den Prozeß entstanden sind. In der Urteilsbegründung heißt es, daß das Verhalten des Dr. Klotz als höchst verwerflich be­zeichnet werden müsse.

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Neun Parteigenossen schwer verletzt.

Berlin, 1. Juli. Kurz nach Mitternacht wurden von unbekannten Tätern auf zwei nationalsozialistische Verkehrslokale in Ber- lin-Schöneberg Feuerüberfälle verübt. Vor einem Lokal in der Zietenstraße hielten sich mehre.e Nationalsozialisten auf. Plötzlich raste ein Kraftwagen heran. Die Insassen bremsten scharf uno feuerten acht Schüsse! auf den Vorgarten des Lokals ab. Wenige! Sekunden später raste der Wagen schon davon. Bei diesem Feuerüberfall sollen sieben Personen verletzt worden sein. SiH wurden von einem Parteiarzt verbunden und dann in ihre Wohnungen gebracht. Die Namen der Verletzten sind bisher noch unbe­kannt. Kurze Zeit darauf wurde allem An­schein nach aus demselben Kraftwagen eut Feuerüberfall auf ein Lokal tu der 'Haupt­straße verübt. Der 19jährige Nationalsozia­list Kirschbach erhielt einen schweren Brust­schuß, die 22jährige Frieda Neuber trug eine Fußverletzung davon. Huch hier konn­ten die Täter unerkannt entkommen. Der Wagen, der zur Ausübung der Tat benutzt wurde, soll kurz zuvor gestohlen worden sein.

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Oldenburg. Der Oldenburgische Landtag tra» heute vormittag um 10 Uhr zu einer Vollsitzung zusammen. Der 1. Punkt der Tagesordnung ist die Entgegennahme der Regierungserklärung.

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Tokio, 30. Juni. Nach einer Vereinba­rung zwischen dem japanischen Außenmi­nister, dem Minister für die Kolonien und dem Kriegsminister wurden beschlossen, ein Staatskommissariat für die Mandschurei zui bilden. Der Staatskommissar solle in der Mandschurei dieselben Rechte besitzen, wie der japanische Generalgouverneur in der Provinz Kwangtung. Zum Staatskom­missar in der Mandschurei ist der Ober- kommandierende der japanischen Truppen der Provinz Kwangtung, .General Naka- süns- auserjehew ^ ^