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das amtliche Vrgan -es Senats
Monats-Bezug: Bei täglichem Erscheinen RM. 2,30 einschließlich 30 Rpf. Zustellungsgebühr: durch die Post RM. 2,30 einschließlich UederweisungLgebühr, ausschl. Postbestellgeld. Der Bezugspreis ist im voraus zu entrichten. — Postscheck Hamburg 172 72. — Betriebsstörungen begründen keinen Anspruch aus Erstattung oder Ersatz.
Bremer Zeitung, Verlagsgesellschaft m. b. H., Eeeren 8 bis 8 / Fernruf: Sammelnummer Roland 628.
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Heilung
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Sprechzeit des Verlages werktäglich von 12-13 Uhr- der Schr.stle.tung werktäglich von 1b i, uyr.
Nr. 44 / 1. Vierteljahr
Mittwoch, den 14. Februar
Einzelpreis 15 Rps.
Der letzte amtliche Bericht aus Oesterreich
Die letzten amtlichen Meldungen aus Wie« geben folgenden Lagebericht aus dem Lande:
In Wien wurde der Schlingerhof im 21. Bezirk wieder von der Bundesexekutive besetzt. Im übrigen Bezirk ist die Beschießung durch Artillerie im Gange, wobei auch Pioniere eingesetzt wurden. Im 10. und 11. Bezirk gab es noch kleinere Zusammenstöße.
In Linz in Oberösterreich, ist bereits völlige Ruhe eingetreten. Stadt und Umgebung von Linz befinden sich wieder ganz im Besitz der Exekutive. Die Schutzbündler fliehen aus der Stadt.
In Steter (Oberösterreich) sind motorisierte Batterien eingerückt. Der Hrimatschutz unter Führung des Vundesführers Starhemberg befindet sich dort. Der Vorort Ennsleiten wird zurzeit gesäubert. Ein Direktor der Steyr-Werke wurde von den Marxisten erschossen. Militärische Abteilungen und österreichischer Heimatschutz sind mit der Säuberung des Ortes beschäftigt.
In Bruck an der Mur wurde nach Artillerievorbereitung der Schloßberg gestürmt. In den Straßen kam es zu schweren Kämpfen. Die Schutzbündler hatten die Mieter aus ihren Wohnungen geworfen und sich mit Maschinengewehren in den Wohnungen eingenistet. Auch hier ist die Säuberung erfolgt.
In Kapfenberg in Steiermark wurde das Gendarmerieposten-Kommando von Schutzbünd- lren eingeschlossen. Inzwischen sind die Belagerten wieder befreit worden.
Der Sicherheitsdirektor für Oberösterreich hat mit Rücksicht darauf, daß beim Rückzug der bewaffneten Schutzbündler zahlreiche Waffen wieder in Verstecke gebracht worden seien, mitgeteilt, daß Ade«' Mitglied des ehemaligen republikanischen Schutzbundes und der sozialdemorkatischen Partei, das Massen in seinem Besitz hat und sie nicht abliefert, nach dem standgerjchtlichen Verfahren abgeurteilt wird.
In dem Jndustrieort Wörgl im Junta! sollte am Dienstag das sozialdemokratische Parteiheim besetzt werden. Die Arbeiterschaft versammelte sich darauf und leistete Widerstand, dem gegenüber sich die in Wörgl verfügbaren Machtmittel als zu schwach erwiesen. In dem in der Nähe gelegene« Bergwerksort Häring ist ein Teil der Bergleute in den Streik getreten. Die Streikenden sind gemeinsam mit dem republikanischen Schutzbund von Häring im Anmarsch aus Wörgl. Der Ort ist gegenwärtig von der Außenwelt abgeschnitten.
Das Standgericht in Wien, das aus drei Richter« besteht, ist heute zum ersten Male zur Aburteilung von acht Fällen zusammengetreten.
I« Floridsdorf, dem jenseits der Donau gelegenen Wiener Bezirk, waren am Dienstag um 19 Uhr noch einige für den Verkehr nach Norden wichtige Punkte im Besitz der Sozialdemokraten, so auch das Leopoldsauer Gaswerk. Ein doppelseitiger Angriff sowohl aus dem Innern der Stadt wie von der niederösterreichischeu Seite her gegen diese Stellung der Sozialdemokraten ist im Gange.
Seit 18 Uhr ist ein neuer Kampf um das Arbeiterheim in Ottokring ausgebrochen. Wie es heißt, sollen die Sozialdemokraten, die durch unterirdische Gänge in die Nachbarhäuser geflüchtet waren, nachdem sie von dort aus das Arbeiterheim unter Maschinengewehrfeuer genommen hatten, die schwache Polizeibesatzung wieder hinausgedrängt und das Heim erneut besetzt haben. Die Polizei geht nun erneut gegen das Arbeiterheim vor.
In Eraz find KVV Personen verhaftet worden. Die Zahl der Toten in Graz wird mit 79 angegeben.
Nach Berichten aus Linz haben sich die Sozialdemokraten wieder an der Stadtgrenze zu sammeln begonnen. An verschiedenen Stellen wird ein Kleinkrieg aus Fenstern geführt.
Auch in Vöcklabruck ist ein größerer Unruheherd vorhanden.
Die Vaeisee pi-esse sieht für Dollfuß schwarz
Die blutigen Ereignisse in Oesterreich — einige Blätter sprechen von einem Bürgerkrieg — haben in Paris beträchtliches Aussehen hervorgerufen, schon wegen der Parallele zwischen den Straßen- kämpfen, die sich in der vergangenen Woche in Paris abspielten. Die Presse, die bisher alle Handlungen des Bundeskanzlers Dr. Dollfuß ziemlich kritiklos zu billigen pflegte, weil sie hoffte, daß er den gefürchteten Anschluß Oesterreichs an Deutschland verhindern werde, äußert heute zum erstenmal Bedenken über die Richtigkeit und Zweckmäßigkeit seines Vorgehens.
So schreibt St. Brice im „Journal", der Bundeskanzler habe sich in einen Konflikt hineinziehen lasten, der nicht zu seinem Vorteil ausgehen könne, denn selbst wenn er den Sieg davontrage, wer:-: nicht er den Nutzen seines Erfolges haben. D>r Spielraum zwischen dem System Mussolini und .-ein System Hitler sei nicht so groß, daß man «in System Dollfuß dazwischenschieben rönne. Es sei-: '-ist so -nis, als ob Dr. Dollfuß nur noch dem S st.iu« nach- die Leitung habe.
Die letzten Gtraßenkämpse
in Oesterreich
Das Militär bricht drn Widerstand der Marxisten
änb. Wien, 13. Februar.
Auch die einzelnen Berichte geben jetzt zu, daß die Kämpfe sehr schwere Vlutopser fordern. Die Verluste in Wien werden jetzt mit 33 Toten und 183 Schwerverletzten angegeben. Für eine Anzahl von Bezirken sind dringend Verstärkungen angefordert worden. In Ottakring explodierte durch eine» Volltreffer ein Gasometer. In diesem Bezirke wurde» Truppen von den Dächern und einem Feuerwehrturm aus beschossen, woraus die Truppen zum Sturm ansetzten. Aus einem Gemeindebau eröffneten die Roten ein scharfes Maschinengewehrfeuer, worauf Haubitzen die Stellung unter Feuer nahmen. Bei der Besetzung eines ebenfalls in diesem Bezirk gelegenen großen Gemeindehauses, das durch Artillerieseuer schwer beschädigt war, wurden SO Schutzbündler verhaftet, bei denen man volle kriegsmäßige Ausrüstung, jedoch keine Munition mehr vorfand. In Simmering und an der Ostbahnstrecke sollen die Truppen die Oberhand gewonnen haben. Dagegen sind die Kämpfe in Floridsdorf wieder stärker geworden. Polizeiflugzeuge sind am Vormittag aufgestiegen, um besonders hier die kommunistisch-marxistischen Nester auszukundschaften.
In den noch arbeitenden Betrieben sind die Arbeiter, teilweise, zum.passiven Widerstand übergegangen. Mehrere hundert Schutzbündler, die verhaftet find, sollen vor das Standgericht gestellt worden. Der Adjutant des Vizekanzlers Fey, Major Wrabel, ist, während er mit dem Vizekanzler in der Heiligenstädterstraße die Kampfhandlungen inspizierte, durch einen Schuß in den Arm verletzt worden. Nach einer privaten Mitteilung ist die Frau des sozialdemokratischen Nationalratsabgeordneten Sevor bei der Erstürmung des Arbeiterheimes in Ottakring erschossen worden.
Eine halbamtliche Verlustliste der Kämpfe vom Dienstag gibt für die Sicherheitswache 11 Tote
und 30 Verletzte, für das Schutzkorps 7 Tote und 7 Verletzte und für das Bundesheer S Verletzte an.
Ein bekannter Schutzbundfllhrer, den Wach- beamte verhaften wollten, erschoß einen Wachbe- amten, verletzte einen Kriminalbeamten schwer und wurde dann selbst von einem Wachbeamten niedergeschossen. Die für die Müllabfuhr dienenden, aus schwerem Eisenblech gebauten großen Kraft- wagen, sind von dem Bezirk Meidling, wo die Hauptunruheherde liegen, als Tanks verwendet.
Bürgermeister Seist verhaftet
Der Landeshauptmann und Bürgermeister von Wien, Nationalabgeordneter Seitz, ist in das Polizeigefangenenhaus gebracht worden.
Eeriichtweise verlautet, daß der Bürgermeister von Wien, Se r tz, der bekanntlich in das Polizei- gefängnis gebracht worden war, einen Schlaganfall erlitten hat.
Das Fahrkorps der Vaterländischen Front ist aufgeboten worden, um einen Verbindungsdienst aufrecht zu erhalten. Auf diese Weise fei es, wie die Vaterländische Front mitteilt, gelungen, auch in den Ländern die Landesleitungen und Vezirksstellen in Verbindung zu halten und darüber hinaus einen Relaisdienst für das gesamte Bundesgebiet vorzusehen, Die Vaterländische Front hat ferner ein Aufgebot Arbeitswilliger veranlaßt und sich mit der Leitung des staatlichen Arbeitsdienstes, ins Einvernehmen gesetzt, um für eine ausreichende technische Nothilfe Vorsorge zu treffen. Mit ihrer Hilfe sei es gelungen, in allen staatlichen Betrieben wie Post, Telegraph, Bundesbahnen und dergleichen einen beschränkten Betrieb sicher zu stellen.
Dankensperi'e fm Marxisten
änb. Wien, 13. Februar.
Wie von amtlicher Seite mitgeteilt wird, ist es infolge des vollen Einsatzes der Machtmittel
gelungen, die Bildung einer zusammenhängenden Stellung der Schutzbündler zu verhindern, so daß sich der Kampf in Teilaktionen auflöste.
An die Banken ist die Weisung ergangen, weder den marxistischen Organisationen, noch Personen, die ihnen nahestehen, Geld auszuhändigen. Diese Weisung wird allgemein als Vorbereitung für die Beschlagnahme des Vermögens der marxistischen Organisationen angesehen.
In Brück an der Mur ist der Eisenbahnverkehr durch Aufreißen der Schienen unterbunden worden. Die Anlagen der steierischen Wasserkraft- und Elektrizitätsgesellschaft sind von Marxisten besetzt. Aus den Erazer Vorort- Gemeinden haben sich die Marxisten in die nahen Wälder zurückgezogen. In Graz sollen 24 Schutzbündler vor das Standgericht kommen.
Zahlreiche Flüchtlinge in Vreßburg
<iub. Budapest, 13. Februar.
„Mai Nap" meldet, daß in Pretzburg große Massen Wiener Flüchtlinge eintreffen. Da die österreichische Fernbahn Wien-Preßburg infolge des Streiks der Elektrizitätsarbeiter nicht verkehrt, bedienen sich die Flüchtlinge aller möglichen Beförderungsmittel. In den Morgenstunden konnten noch Autobusse und Kraftwagen von Wien nach Pretzburg abfahren. Ob jetzt noch Kraftwagen Wien verlassen können, ist nach den letzten Meldungen zweifelhaft. Ein Verlassen Oesterreichs scheint zurzeit völlig ausgeschlossen zu sein. Unter den in Preßburg angelangten Wiener Flüchtlingen befindet sich auch einer der Führer der österreichischen Sozialdemokraten, Dr. Otto Bauer.
Staatssekretär Reinhardt über die Kinanzresorm im Reich
Der finanzpolitische Mitarbeiter der NSK. hatte Gelegenheit zu einer Unterhaltung mit dem Staatssekretär im Reichssinanzministe- rium Pg. Fritz Reinhardt über die Folgerungen, die sich aus dem Gesetz vom 30. Januar 1834 für die Gestaltung der Finanzpolitik des Reiches ergeben. Wir veröffentlichen im folgenden die interessanten Ausführungen des Pg. Reinhardt im Wortlaut:
Frage: Von welcher Wirkung ist das Gesetz über den Neuaufbau des Reiches vom 30. Januar 1934 auf das Verhältnis des Reichsfinanzministeriums zu den Finanzministerien der einzelnen Länder?
Antwort: Die Finanzminister der Länder sind dem Reichsminister der Finanzen nunmehr unmittelbar unterstellt. Im Artikel 2 des Gesetzes vom 30. Januar 1934 steht, der Satz „Die Landesregierungen unterstehen der Reichsregierung". Dieser Satz ist nicht so zu verstehen, als unterstehe nur die einzelne Landesregierung als solche der Reichsregierung als solcher, sondern auch so, daß der einzelne Finanzminister eines Landes dem zuständigen Fachminister des Reichs unterstellt ist, also z. B. jeder Landesfinanzminister dem Reichsfinanzmimster. Das ist, um jeden Zweifel auszuschließen, in der Ersten Verordnung über den Neuaufbau des Reichs vom 2. Februar 1934 in aller Eindeutigkeit dargestellt worden. § 3, Absatz 1, dieser Verordnung gemäß, bedürfen Landesgesetze der Zustimmung nicht der Reichsregierung, sondern des „zuständigen Reichsminister s". Und 8 3, Absatz 2, der Verordnung vom 2. Februar gemäß kann der „zuständige Reichsminister für seinen Geschäftsbereich anordnen, daß ihm Rechts- Verordnungen vor Erlaß vorgelegt werden". Und 8 4 dieser Verordnung lautet: „Die obersten Landesbehörden haben im Rahmen ihres Aufgabenbereichs den Anordnungen der zuständigen Reichsminister Folge zu leisten."
Frage: Wie wird sich nun der laufende Dienstverkehr zwischen Ihnen und den Finanzministerien der Länder in Zukunft abspielen?
Antwort: Daraus, daß die Hoheitsrechte der Länder auf das Reich übergegangen sind, ergibt sich, daß die Länder keinerlei selbständiges Gesetzgebungsrecht mehr besitzen. 8 1 der Verordnung vom 2. Februar gemäß ist die Wahrnehmung der Hoheitsrechte, die durch das Gesetz vom 30. Januar von den Ländern auf das Reich übergegangen ist, auf die Landesbehcrden zurücküber- tragen worden, jedoch nicht zu selbständiger Ausübung, sondern
7 »r Ausübung im Au st rag und im Namen des Reichs.
Aus ursprünglichem Recht ist übertragenes geworden. An die Stelle der politischen Berufung ist der staatsrechtliche Auftrag des Reichs getreten. — Das einzelne Land darf nach wie vor Gesetze entwerfen, der Entwurf darf jedoch nicht Gesetz werden ohne ausdrückliche Zustimmung des zuständigen Reichsministers. Will also beispielsweise ein Land «ine Landessteuer neu gestalten, sei es durch Erhöhung oder Senkung der Steuersätze oder durch sonstiges, so muß der Finanzminister des Landes den entsprechenden Gesetzentwurf dem Reichsmintster der Finanzen vorlegen. Stimmt dieser dem Entwurf nicht zu, so muß die Maßnahme unterbleiben. Verlangt er eine Aenderung des Entwurfs, so darf erst nach dieser Aenderung der Entwurf Gesetz werden. — Der laufende Dienstverkehr bestimmt sich danach, daß die Länder nicht mehr selbständige Hoheitsträger sind, sondern nur noch Auftragsbehörden des Reichs. Die obersten Landesbehörden sind nicht etwa nur den politischen Zielsetzungen und Richtlinien des Reichs unterworfen, sondern sie haben im Auftrag und im Namen des Reichs das zu tun und zu lassen, was die Reichsregierung durch Gesetz oder der zuständige Reichsminister durch Verordnung, Anordnung oder Erlaß vorschreibt. Daraus werden
Dollfuß darf Genf anrufen
England, Frankreich und der deutsch-österreichische Konflikt
änb. Paris, 13. Februar.
Am Montagnachmittag trat ein Kabinettsrat zusammen, in dessen Verlaus Außenminister Varthou seinen Kollegen den Wortlaut der Note vorlas, die er der österreichischen Regierung als Antwort auf ihre Ankündigung der bevorstehenden Besassung des Völkerbundsrates mit dem deutsch-österreichischen Konflikt zu überreichen beabsichtigt. In der Note erklärt sich die französische Regierung mit der österreichischen Absicht einverstanden. Außenminister Varthou gab nach dem Kabinettsrat der Presse eine Erklärung ab, in der er u. a. betonte, nach französischer Ansicht habe die österreichische Regierung das Recht, den Völkerbund mit dieser Frage zu betrauen. Frankreich habe sich jedoch nicht mit den von Oesterreich in den Vordergrund gejchobenn Fragen zu befassen, denn diese beträfen einzig und allein den Völkerbund.
llll. London, 13. Februar.
Die Note, die der österreichische Gesandte in der vorigen Woche im Foreign Office überreicht hat und die sich mit der angeblichen Einmischung reichs- deutscher Kreise in innerösterreichische Verhältnisse beschäftigt, wird von den zuständigen englischen Stellen zurzeit noch geprüft. Wenn eine heute in der „Times" enthaltene Meldung richtig ist, dann ist die englische Regierung schon vor Beendigung der Prüfung des Noteninhalts zu dem Entschluß gekommen, die Absicht der Regierung Dollfuß, den Völkerbund anzurufen, gutzuheißen. Die britische Auffassung soll Wien bereits mitgeteilt worden sein. Sie wird zweifellos dazu beitragen, die Regierung Dollfuß in ihrem ebenso lächerlichen wie wahnwitzigen Vorhaben z» bestärken, gleichgültig, welchen Standpunkt die italienische Regierung einnehmen wird.
sich im Laufe der Zeit Richtlinien ergeben, nach denen sich der Dienst- und Geschäftsverkehr des einzelnen Reichsministers mit den in Betracht kommenden obersten Landesbehörden bestimmt.
Frage: Sind der Neuregelung gemäß die Finanzminister der Länder für die Finanzen der Länder noch selb st verantwortlich?
Antwort: Selbstverständlich. Die
Tatsache, daß aus ursprünglichem Recht übertragenes geworden ist und daß infolgedessen die Landesbehörden nur nochAustrags- be Horden des Reichs sind, darf nicht mißverstanden werden. Sie nimmt von dem Grundsätzlichen der geschichtlichen Entscheidung vom 30. Januar 1934 nichts zurück, sie entlastet aber auch nicht etwa die bisherigen Träger der Verantwortung. Was sich an der Verantwortung der obersten Landesbehörden geändert hat, ist lediglich die Stelle, der sie geschuldet wird. Bisher waren die obersten Landesbehörden in erster Linie dem Land verantwortlich, der geschichtlichen Entscheidung vom 30. Januar gemäß
sind sie ausschließlich und uneingeschränkt dem Reich gegenüber verantwortlich. (Fortsetzung aus Seite 2.)
O, du mein Oesterreich!
L. Bremen, 14. Februar 1934.
Wenn man vom alten vorkriegszeitlichen Oesterreich den Satz geprägt hat: „O, d u mein Oesterreich!", dann steckte darin neben einer gewissen Portion Begeisterung auch eine nicht unerheblich große Portion Galgenhumor. Das Völkergsmisch war absolut nicht auf einen gemeinsamen Nenner zu bringen, nur der Amtsschimmel, der blind und taub geworden war, trabte fröhlich seines Weges. Da konnten in Prag die Deutschen verprügelt werden, oder es konnten in Kroatien die staatsfeindlichsten Lieder gesungen werden — der Amtsschimmel sah und hörte von nichts. Der „alte.Fran z" war ja da und so lange dieser ehrwürdige Greis seinen Namen unter die hohen Staatsdokumente schrieb, gab es, so glaubte man, gar keine Gefahr für die Monarchie . . . „O, du mein Oesterreich!" ist heute wieder aktuell geworden. Aus dem Modergeruch einer längst vergessenen Vergangenheit steigt heute dieser Satz zu neuer Prägung auf, allerdings diesmal nur aus purem Galgenhumor geboren. Denn was die Faschingszeit dem lieben neuen kleinen Oesterreich im Jahre 1934 schenkte, waren blutige Tränen über einen politischen Dilettantismus auf der einen Seite und über Blutvergießen anderseits. Wien hat 1848 die Revolution erlebt, ohne sich etwas besonders dabei gedacht zu haben. Die Wiener waren nach der Revolution genau so brav, wie zuvor. Es hat auch in der Nachkriegszeit einen roten Ausstand in bedenklichster Form über sich ergehen lassen, nun aber lodert das ganze Land — nicht nur die Hauptstadt — in hellen Flammen der roten Revolution aus. And darin liegt gerade der Galgenhumor, daß die roten Herrschaften bis vor kurzem noch die verhätschelten Kinder des Staates gewesen waren. Arm in Arm sind die schwarzen und blauen Leute mit den Brü- dern von der roten Farbe gegangen. Der Haß gegen den Nationalsozialismus war für sie der gemeinsame Boden der politischen Arbeit und wer Wien und die maßgebenden österreichischen Großstädte kennt, wird wissen, wie man die rote Macht künstlich durch den Staat hochgepäppelt hat. Vielleicht hat Herr Dollfuß geglaubt, die republikanische Schutzwehr — jene rote Armee im österreichischen Staat — wäre ebenso innerlich schwach wie in Deutschland das selig entschlafene Reichsbanner. Herr Dollfuß hat sich hier etwas geirrt, wie sich in seiner ganzen politischen Laufbahn eine Irrung an die andere reiht. Er meinte, weil er, wie er wenigstens behauptet, den Nationalsozialismus mundtot gemacht habe, werde er mit dem Marxismus auch schnell fertig werden. Der österreichische Marxismus aber war auf diesen gegen ihn beabsichtigten Schlag vorbereitet. Wenn wir auch der Ueberzeugung sind, daß Dollfuß mit Hilfe des Bundesheeres und der Heimwehren die rote Flut niederringen wird, so bleibt doch der bittere Nachgeschmack, daß infolge einer falschen Politik Hunderte unschuldige Menschen ihr Leben gelassen und viel hundert zum Krüppel wurden. Die Verantwortung hierfür tragen die sozialdemokratische Parteileitung und Herr Dollfuß zu gleichen Teilen. Denn es war Herrn Dollfuß sehr angenehm gewesen, in seinem Kampfe gegen den Nationalsozialismus die sozialdemokratische Presse und ihre jüdischen Helfershelfer an der gleichen Seite zu haben.
Das deutsche Volk hat bestimmt keinen Anlaß zur Schadenfreude, denn diese blutigen Kämpfe treffen nicht nur die Schwarzen und die Roten — das österreichische Volk leidet in seiner Gesamtheit darunter. Dieses Volk, das seit mehr als einem Jahre die Folgen einer größenwahnsinnigen Politik unter Dollfuß zu tragen hat. Wer ein klein wenig politischen Weitblick hatte, konnte sich an den fünf Fingern beinahe abzählen, wann die Katastrophe über 'Oesterreich hereinbrechen wird. Nur Dollfuß und Starhemberg waren ahnungslos gewesen. Der Ausbruch der roten Revolution hat Dollfuß als politischen Staatsmann um den letzten Rest des Ansehens gebracht. Mit einem solchen Bundesgenossen zu arbeiten, und ihn obendrein noch zu stützen, wird schließlich auch Frankreich zu gefährlich sein.
Wenn in diesem Augenblick die berechtigte Frage auftaucht, was der österreichische Nationalsozialismus unternehmen werde, dann bann es eigentlich nur eine Antwort darauf
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Aufnehme Tenti h'.anks auf der Automobil-Ausstellung m Amsterdam